Postkarten und Briefe 1943

Rudolf Woelky in Köln an Fam. Georg Reisch u. R. Woelky in Berlin NW 21 Turmstr. 44

25.4.1943 orange

Liebe Gitta und liebe Eltern!

Sende Euch herzliche Ostergrüße aus Köln. Die Räder rollen ziemlich langsam. Werden an Güterzüge angehangen. Sonnabend 7Uhr Wustermark (Mark Brandenburg) 19 Uhr durch die Porta Westfalica. Heute 8 Uhr Köln. War eben zum Hochamt im Dom. Bin sehr enttäuscht. Außen großartig, innen große Wartehalle. Keine Andacht. Um 19 Uhr geht die Fahrt weiter. Sitze jetzt in einem Lokal am Rhein und warte auf das erste warme Essen. Das Wetter könnte besser sein. Wenn man bedenkt, daß man sich hier herum drückt und genauso gut zu Hause sein könnte, dann langt’s wieder mal. Also frohe Feiertage.

Euer Rudi


Rudolf Woelky in O.U. an Herta Heim

1.05.1943

Unter dem Eindruck des Neuerlebten und durch die unvermeidliche Umstellung, die mein neues Quartier mit sich brachte, hätte ich beinahe Deinen Geburtstag vergessen. Ich nahm ja auch bei unserer Abreise aus Döberitz an, daß ich gleich auf Urlaub kommen kann und Gelegenheit haben würde, Dir persönlich zu gratulieren. Leider ist es etwas anders gekommen. Nun, wenn ich anfangs auch sehr enttäuscht war und mit trüben Gedanken meinen vermasselten Urlaub nachsah, so bin ich jetzt schon darüber hinweg und tröste mich damit, daß ich ihn noch vor mir habe. Also, bitte entschuldige mein Versäumnis. Meine Gratulation ist deshalb nicht weniger herzlich. Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr alles Gute. Bleib gesund und frohen Mutes, und Gott schenke auch Deiner Familie Gesundheit und die Vereinigung auch während des Krieges. Ich bin ja jetzt wieder ein ganzes Ende von meiner Familie entfernt. Ich kann meiner Frau keine Sorgen und Mühen um die Familie abnehmen. Ich kann keine Pläne für die Zukunft schmieden. Ich muß alles Gitta überlassen, denn sie hat ja unter Umständen auch alles zu tragen. Zwar bin ich jetzt in einer angenehmen Gegend Frankreichs und keinen offenen Gefahren ausgesetzt. Aber auf wie lange? Wenn ich nicht mehr an die Front brauche, würde ich mich gern verpflichten bis Kriegsende hier zu bleiben. Nach fünftägiger Fahrt kreuz und quer durch Frankreich bin ich hier am Mittwoch Abend gelandet. Wir, also meine vier Kameraden vom Döberitzer-Lehrgang und ich, haben die Kompanie erst lange suchen müssen und fanden sie dann 10 Kilometer von einer kleinen Provinzstation entfernt auf einem Landsitz. Das hört sich ganz idyllisch an und ist es auch; nur für so viel Soldaten, wie wir hier sind, war dieser Landsitz auch nicht gedacht. Und so ist es für die meisten von uns sehr eng und wenig gemütlich. Wir kamen zuletzt und mussten nehmen was übrig geblieben war. Das ist persönliches Pech. So hause ich denn hier in einer Scheune. Der Wind fegt durch alle Ritzen und meine Sachen liegen in alle Winde zerstreut herum. Zum Pech kamen wir im Regen hier an und es hat bis heute kaum aufgehört. Da ist es dann ungemütlich und kalt. Es muß hier schon sehr warm gewesen sein, denn die Baumblüte ist fast vorbei und das Getreide steht hoch, wie sonst bei uns im Juni. Warten wir also auf die warmen Tage, dann wird es hier schon in Ordnung sein. Leider ist hier keine Gelegenheit zum Baden. Wasser für jeglichen Zweck kaum vorhanden. Hier auf dem Gehöft befindet sich ein kleiner Paddenpfuhl, in dem des Nachts die Frösche quacken. Dieser liefert uns Wasser zu jeder Mahlzeit. Den Kaffee habe ich nur einmal gekostet und habe mir geschworen, keinen mehr zu trinken. Ich habe nur für 10 Frs = 50 Pfennig 1 Ltr. Wein gekauft, und trinke nun zu jeder Mahlzeit meinen französischen Landwein. Schmeckt besser als Kaffee. Letzteren nehme ich zum Zähneputzen und Geschirrwasser. Gestern haben wir für unsere Scheune einen Tisch und eine Bank erstanden. So haben wir wenigstens schon eine Sitzgelegenheit. Nur gut, daß es abends bis 10 Uhr hell ist, denn elektrisches Licht haben wir nicht. Unser Fenster ist das Scheunentor. Wir rechnen ja damit, daß wir bald Zuwachs erhalten und dann eine zusätzliche bessere Unterkunft erhalten. In Russland würde diesem Zustand bald abgeholfen werden, aber dem Franzosen gegenüber hält man sich sehr anspruchslos und kommt ihm möglichst nicht zu nahe. Heute habe ich Wache. Das ist nun ein Vorteil, weil das Wachlokal einen Kamin und ein Fenster hat. So kann ich schreiben und brauch nicht zu frieren. An Vater Heim werde ich nachher auch noch die Zeitungssendung fertig machen. Es war gut, daß ich die Illustrierten auf der Fahrt hatte, denn sonst wär es zu langweilig geworden. Schick mir bitte die Fortsetzungen bald her, denn hier haben wir weder Zeitung noch Radio. Die Kompanie geht heute geschlossen ins Kino. Eine Stunde Marsch. Ich muß ja wegen Wache hier bleiben. Und nun hoffe ich, daß Du den morgigen Tag mit Deinen Geburtstagsgästen gut verbringen wirst. Ich werde auf Dein Wohl einen Schoppen Wein trinken. Grüße Kurt und Deine Kinder und Schwiegereltern von mir und sei Du bis auf ein frohes Wiedersehen in der Heimat vielmals gegrüßt von

Deinem Bruder Rudi.

Vielen Dank noch für die Zeitungen und die Ohrringe für Gitta. Renate gab ich das Geld dafür gleich mit. Sie hat leider etwas warten müssen, da ich mich verspätete.


Rudolf Woelky in der Normandie an Brigitta Woelky in Berlin

28.5.1943 gruen

Liebste Gitta!

Habe vielen lieben Dank für Deinen Brief vom 24.ds. Mts. Wegen Urlaub werde ich morgen Näheres wissen und teile es Dir dann gleich mit. Heute habe ich eine Fahrt mit einem LKW durch eine schöne Gegend gemacht und sende Dir zur Erinnerung daran diese Karte. Hebe sie mir bitte auf. Für die Kinder habe ich auch eine Ansichtskarte geschrieben.

Es grüßt und küsst Dich Dein Rudi.


Rudolf Woelky in Evreux (Eure) an Regina Woelky in Berlin NW 21 Birkenstr. 42

28.5.1943

Liebe Regina!

Aus dem Lande der Normannen sende ich Dir frohe Grüße. Ich schicke Dir diese Ansicht, damit Du sie Dir später immer wieder gerne ansehen kannst, so wie ich noch heute die Kartengrüße meines Vaters aus dem Weltkriege 1914/18 aufbewahre und sie zu seinem Andenken in Ehren halte. Grüße die Mutti und Deine Brüder von mir.

Dein Vater


Rudolf Woelky an Otfried Woelky in Berlin

28.5.1943 orange

Lieber Otfried!

Friedlich und farbenfroh wie diese Ansicht möge sich das Leben für Dich gestalten. Wenn es einmal eintrifft, dann vergiß aber nie, daß Deine Eltern dafür große Opfer gebracht haben. Bitte den lieben Gott in Deinem täglichen Gebet, daß er uns bald den Weg dazu bereite und Deinen Vater wieder mit euch vereint.

Es grüßt Dich, Deine Mutter und Geschwister. Dein Vater


Rudolf Woelky an Regina Woelky in Berlin

23.6.1943

Liebe Tochter!

Heute habe ich eine Fahrt durch drei Länder gemacht. Das Reisen könnte ein Vergnügen sein, wenn ihr dabei wäret. So kann ich euch nichts zeigen und meine Augen schauen über all das hier hinweg zu dem einen Punkt: nach Hause. In Roosendaal habe ich Dir eine Schiefertafel gekauft. Ich sende sie Dir bald zu.

Herzliche Grüße von Deinem Vati


Rudolf Woelky an Michael Woelky in Berlin

23.6.1943

Lieber Michael!

So wie dieser alte Holländer auf der Karte sitze ich jetzt im Wartesaal von Roosendaal und warte auf die Weiterfahrt. Es ist bald so weit 20:35 Uhr geht der Zug. Vielleicht bin ich heute noch an meinem neuen Bestimmungsort. Bleib immer recht brav und mach der Mutti Freude. Dann komme ich auch bald wieder.

Es grüßt Dich ganz lieb Dein Vater.


Rudolf Woelky in......... an Otfried Woelky in Berlin

23.6.1943 orange

Lieber Otfried!

33 Stunden bin ich nun schon fort von euch, und ich fahre immer noch. Doch bald bin ich da. Lieber aber wär ich bei euch noch zu Hause. Du musst jeden Abend mit der Mutti beten, daß der Vati bald wieder nach Hause kommt. Und zwar für immer. Du bist z.Z. noch der Jüngste und Dein Gebet erhört der liebe Gott am ehesten. Schenk der Mutti einen Kuß und sie soll nicht traurig sein.

Es grüßt Dich Dein Vater.


Rudolf Woelky an Regina Woelky in Berlin

24.6.1943

Liebe Regina!

Durch dieses schöne Städtchen schlenderte ich heute morgen und suchte ein Café, in dem ich mein Frühstück einnehmen kann. Ich fand dann auch eins. Die Bedienung war wenig freundlich, doch es tat meinem Appetit keinen Abbruch. Der Tommy brachte dazu ein kleines Frühkonzert. Geschmacklos zwar, aber scheinbar hier so Sitte. In einigen Stunden werde ich das Meer begrüßen, dann bin ich da.

Es grüßt Dich und Deine Geschwister Dein Vater

Für Mutti einen lieben Kuß!


Rudolf Woelky in .......an Otfried Woelky in Berlin

27.6.1943 orange

Lieber Otfried!

Dir wird gewiß diese Karte sehr gut gefallen, deshalb sende ich sie Dir. So wie diese beiden Kinder angezogen sind, sieht man sie nur selten. Sonst kleiden sie ihre Muttis genau so wie euch. Aber sie sind sehr sauber und stecken nicht den Finger in den Mund. Wenn ich wieder auf Urlaub komme, dann tust Du das auch nicht mehr, gell?

Einen lieben Gruß an Mutti und Deine Geschwister.

Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky aus Middelburg an Brigitta Woelky in Berlin

30.6.1943 gruen

Liebe Gitta!

Heute Nacht fährt ein Kamerad von mir auf Urlaub und nimmt ein Päckchen für Dich mit. Es ist ein Kommissbrot darin. Ich glaube bestimmt, daß Du knapp an Brot geworden bist, nachdem ich euch alles weggegessen habe. Würde gerne noch Butter und Speck beilegen, aber, aber. Hier liegen wir wieder am Ende der Welt und von den Herrlichkeiten gibt es sowieso hier nichts. Solange ich hier bin ist heute der erste warme Sonnentag und ich war wieder baden. Sehr schön, aber es könnte noch viel schöner sein, wenn....

Ein Glück, daß man sonst hier nichts von der Welt hört. Radio, Zeitung usw. habe ich hier nicht gesehen oder gehört. Gutes passiert ja sowieso nicht in der Welt.

Eben erhalte ich Deinen lieben 3. Brief (mit Rose). Lieber Peter, Du bist rührend. Und das, wo ich heute selbst den Gedanken hatte, Dir im nächsten Brief ein Blümchen beizulegen. Auf einem Gang zu unseren Stellungen sah ich viel Winden und Heckenrosen, und da dachte ich daran. Nun kommst Du mir wieder mal zuvor. Eingehender werde ich Dir den Brief morgen beantworten, denn ich habe noch sehr viel zu tun. Paul U. raucht gerne. Ich würde gerne verzichten, wenn Du ihm mal hin und wieder für seine Gefälligkeit eine Schachtel Zigaretten gibst. Wo er arbeitet, habe ich Dir ja gezeigt. Dort triffst Du ihn immer. Für heute viele liebe Grüße und Küsse und bleib mir gesund! Gönne Dir recht oft Ruhe! Dein Rudi


Rudolf Woelky aus Vrouwepolder an Brigitta Woelky in Berlin

30.6.1943

Liebe Regina!

Früh übt sich, was eine gute Huasfrau werden will. Schau Dir mal gut die kleinen Mädchen auf der Karte an. Du hast ja der Mutti schon immer gut geholfen. Mach' es weiter so ud gib acht, wie die Mutti alles macht, damit Du ihr mal alle Arbeit abnehmen kannst, wenn Du älter bist. Die Mutti wird es Dir mit Liebe vergelten, und ich freue mich dann ebenfalls eine so tüchtige Tochter zu haben.

Grüß Mutti und Deine Brüder von mir.

Dein Vater


Rudolf Woelky aus Vrouwepolder an Brigitta Woelky in Berlin

4.7.1943 gruen

Liebe Gitta!

Gestern 23 Uhr erhielt ich Deinen lieben Brief 29./30.6. Beantworten werde ich ihn wahrscheinlich noch heute. Habe noch viel zu tun. Hebe die Karten gut auf. Zeige sie aber nicht so den fremden Leuten. Für mich sind es gute Andenken, denn hier war ich überall. Vielleicht kommen wir schon in den nächsten Tagen wieder wo anders hin. So langsam bekommen wir Zigeunerblut.

Herzliche Grüße und Küsse Dein Rudi.


Rudolf Woelky in Vrouwepolder an Otfried Woelky in Berlin

4.7.1943 orange

Lieber Otfried!

Kannst Du auf diesem Bild viel Schönheit entdecken? Gewiß nicht. Die Landschaft darauf scheint beinahe öd und hässlich zu sein. Aber wenn Du hinter die Höhen schaust, dann liegt eine ganz andere Welt vor Dir. Du wirst es schon erraten haben. Daraus lerne für das Leben: Beurteile nichts oberflächlich, sondern dringe stets in die Tiefen und schau nach, was hinter den Dingen steckt. Wenn Du erst lesen kannst, dann lese oft diese Karten.

Herzliche Grüße an Dich, Deine Mutter und Geschwister. Dein Vater


Rudolf Woelky in.....an Regina Woelky in Berlin

4.7.1943

Liebe Regina!

Heute wollte ich auch wieder mal hier baden, aber es ist doch zu kühl und windig und außerdem habe ich noch viel zu erledigen. Wenn Mutti mit euch jetzt verschickt wird, dann kommt ihr vielleicht auch ans Wasser, und könnt im Sand spielen wie diese Kinder hier. Ich wünsche es euch, damit ihr wenigstens einmal die Kinderfreuden erlebt, die ich euch durch den Krieg nicht zugänglich machen kann. Herzlichen Gruß und Kuß Dein Vater


Rudolf Woelky an Michael Woelky

7.7.1943 rot

Lieber Michael!

Nun welche von diesen Dreien gefällt Dir am besten? Aber so schön wie Dein Schwesterchen sind sie nicht, stimmt’s? Wenn Du einmal groß bist, dann denke immer daran: Die schönste und liebste Frau ist Deine Mutter, dann kommt Deine Schwester, und erst danach alle anderen Mädchen. Das gilt solange, bis Gott Dir eine Frau zur Ehe gibt. Wenn Mutti auch noch schimpfen muß, so will sie Dich nur zu einem tüchtigen Jungen machen. Sei ihr dankbar dafür und gehorsam und schenk ihr einen lieben Kuß.

Es grüßt Dich von Herzen

Dein Vater


Rudolf Woelky in.....an Regina Woelky in Berlin

7.7.1943

Liebe Regina!

Ich schaue gerade durch das Fenster meiner Stube und da sehe ich auch viele Kühe grasen. Bald wird auch so ein Mädchen kommen und die Kühe melken. Hier auf der Karte hat man der Kuh den Schwanz ans Bein gebunden, damit es damit das Melkmädchen nicht schlagen kann. Wenn Du also morgens von der Mutti eine Tasse Milch bekommst, dann denke an das Melkmädchen. Sie freut sich auch, wenn es Dir schmeckt. Bleibe gesund und helfe fleißig der Mutti.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vati


Rudolf Woelky in......an Otfried Woelky in Berlin

7.7.1943 orange

Lieber Otfried!

Sehen diese Opas nicht ulkig aus? Sie tragen einen Sammet – Anzug und haben auf dem Kopf eine kleine Schirmmütze. Kannst Du Dir Deinen Opa darin vorstellen? So radeln sie hier die Straßen auf und ab und schauen stolz an uns Deutsche Soldaten vorbei. Aber Hochmut und Stolz wachsen auf einem Holz, und Hochmut kommt vor dem Fall. Darum ist ihr Land jetzt auch von uns besetzt. Wir aber wollen Gott bitten, daß wir standhaft und stark bleiben. Dann haben wir auch bald Frieden.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in..... an Otfried Woelky in Berlin

12.7.1943 orange

Lieber Otfried!

Jetzt ist die Zeit der Ernte und hier, wie in ganz Europa hat der Landmann viel Arbeit. Es ist das gleiche Bild. Es strahlt Arbeit und Frieden wieder. Wird in diesem Jahr auch noch die Ernte für den deutschen Soldaten kommen und wird sie auch für uns Arbeit und Frieden bringen? Ich glaube ja, wenn wir auch noch nicht gleich danach vom Felde nach Hause kommen können, so wird es aber ein Ausruhen und Aufatmen geben. Bittet täglich den lieben Gott, daß dieser Tag nicht mehr fern sei und ihr bald wieder euren Vater zu Hause habt.

Grüße die Mutti von mir. Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky in....an Michael Woelky in Berlin

12.7.1943 rot

Lieber Michael!

So ähnlich sieht es hier aus, wo ich jetzt bin. Nur scheint seit einigen Tagen keine Sonne und aus den Schweren Wolkenbergen schüttelt Petrus den Regen herab. In der letzten Nacht hatte ich Streifendienst und musste 16 km durch tiefen Sand waten. Der Regen floß in Strömen und der Staubsand war wie Götterspeise. Meine Waden schmerzen heute und ich bin wie zerschlagen. Aber bis zum nächsten Streifendienst ist alles wieder vergessen. Wenn ich mit euch später einmal an die See fahre, dann suchen wir uns eine schönere Küste aus.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Vater


Rudolf Woelky in...an Regina Woelky in Berlin

12.7.1943

Liebe Regina!

Eine Mühle mit ihren gewaltigen Windflügeln sieht man immer gern. Auch in Deutschland stehen viel dieser Mühlen. Diese auf der Karte ist aus älterer Zeit; die modernen haben eine drehbare Kuppel, sodaß die Flügel stets in den Wind gestellt werden können. Ich komme oft an so einer Mühle vorbei und grad jetzt ist hier immer starker Wind und der Müller arbeitet fleißig. Er mahlt das Korn zu Mehl, woraus dann Mutti Kuchen und Brot backen kann. Freust Du Dich, wenn ich Dir öfter eine Karte schreibe? Schreibe auch mal an mich.

Es grüßt Dich herzlichst Dein Vater.


Rudolf Woelky in der Normandie an Brigitta Woelky in Berlin

18.7.1943 gruen

Meine liebe Gitta!

Diesmal muß ich sehr lange auf einen lieben Brief von Dir warten. Deine letzten Zeilen waren vom 9.7. Jeden Abend gehe ich enttäuscht auf meine Stube. Nehme an, daß nichts Schlechtes eingetreten ist. Vielleicht stehst Du vor der Verschickung und hast viel zu tun. Aber dann laß mir wenigstens einen kurzen Gruß zu kommen. Meine Gedanken und Nerven sind jetzt mehr als früher nach Hause gerichtet, weil wir ja ein 4. Kind erwarten. Da bin ich ganz besonders um Dich besorgt. Heute geht wieder ein Paket an Dich ab. Wenn Du verreist, dann vergiß nicht der Post Deine neue Anschrift zu geben, damit Dir alles nachgeschickt wird. Von hier gibt es nichts Neues zu berichten, außer, daß ich in Arbeit bis über beide Ohren stecke. Ich komme kaum zum Schlafen. In 3 Tagen wird es aber besser, dann kommt der Rechnungsführer vom Urlaub zurück. Werde schnell noch 3 Stunden schlafen. Dann Wache. Gute Nacht, liebe Gitta.

Es grüßt und küsst Dich und die Kinder Dein Rudi.


Rudolf Woelky aus.....an Regina Woelky in Berlin

18.7.1943

Liebe Regina!

In 4 Wochen beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Dich. Die Schulzeit. Du wirst lesen und schreiben lernen und noch vieles andere. Wenn Du jetzt schon schreiben könntest, dann würde ich gewiß recht oft von Dir hören. Mutti hat gewiß sehr viel zu tun, vielleicht seid ihr auch verreist, weil ich schon lange keine Nachricht von euch habe. Ich muß immer an euch denken, was ihr wohl macht und wie es euch geht. Hoffe doch, daß ihr alle gesund seid. Einen lieben Gruß an Mutti und Deine Brüder.

Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky in....an Otfried Woelky in Berlin

22.7.1943 orange

Lieber Otfried!

Warum schaut der Affe Dich so böse an? Gewiß hast Du ihn noch nicht von Deinem Brot abbeißen lassen. Tu’s nur gleich. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Beobachte im Leben recht oft die Tiere. Du wirst viel von ihnen lernen. Sie sind übrigens besser als wir Menschen. – Bewahre alle Karten gut auf. Es folgen bald mehr.

Grüß die Mutti. Herzliche Grüße sendet Dir Dein Vater.


Rudolf Woelky in Brüssel an Michael Woelky in Berlin

22.7.1943

Lieber Michael!

Diese Karte habe ich für Dich ausgesucht. Mutti schrieb mir, daß Du immer gut spielst und nette Einfälle dabei hast. Darüber freue ich mich, denn wenn Kinder spielen, so sind sie auch artig. Ja, wo Kinder spielen, da ist Frieden. Wenn wir doch alle Kinder wären, dann würde ich jetzt mit Dir spielen.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Vater.


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Berlin

22.7.1943

Liebe Regina!

In nächster Zeit erhaltet ihr eine Serie dieser netten Bilder. Das Mädchen hier könnte Rotkäppchen sein, aber es hat Angst vor einem kleinen Mäuschen. Rotkäppchen aber hatte nicht einmal Angst vor dem bösen Wolf. Artige Kinder brauchen sich vor nichts zu fürchten.

Es grüßt Dich herzlich

Dein Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an Michael Woelky in Berlin

27.7.1943 rot

Lieber Michael!

So wie dieser Junge auf der Karte, der Dir übrigens ähnlich sieht, sein Schwesterchen schmückt und stolz auf sie ist, so sei auch zu Regina. Bald hat Dein Schwesterchen Geburtstag; dann schenk ihr auch so einen schönen Blumenkranz. Wenn ich jetzt bei euch wär, dann würden wir zusammen auf die Felder gehen und auch für die Mutti einen schönen Feldblumenstrauß pflücken.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater.


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Berlin

27.7.1943

Liebe Regina!

Frohsein ist eine Kunst. Lerne sie in jeder Lebenslage zu beherrschen. Ich versuche es auch immer noch, nur gelingt es mir nicht immer. Die Sonne lacht wohl schon 3 Tage lang, aber wenn ich heute wieder keine Post bekomme, dann wird auch die Sonne mir nicht helfen. Muß dann wieder bis morgen warten und darf kein muffiges Gesicht machen.

Es grüßt Dich recht herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an Otfried Woelky in Berlin

27.7.1943 orange

Lieber Otfried!

Wenn ein Hahn Eier legen könnte, dann wären sie bunt und ihr würdet im Monat ein Ei mehr bekommen. Aber es gibt noch andere Eier, die jedoch nur selten einer findet. Manchmal bringen diese Eier Glück, manchmal Unglück. Das Columbus Ei hat der Welt noch nicht viel Glück gebracht. Ohne dieses hätten wir vielleicht heute keinen Krieg, aber ihr jeden Tag ein frisches Ei.

Grüße die Mutti und Deine Geschwister. Herzlichen Gruß Dein Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Berlin

28.7.1943

Liebe Regina!

In einer Woche wirst Du 6 Jahre alt und dann fängt für Dich ein neuer Abschnitt in Deinem Leben an. Du kommst in die Schule. Ich sende Dir nun zu Deinem Geburtstag meine herzlichsten Glückwünsche und hoffe, daß Du Deinen Eltern auch während der Schulzeit soviel Freude bereiten wirst, wie Du es bisher getan hast. Sei immer fleißig, strebsam und brav, dann wirst Du auch Erfolg haben. Als kleines Geschenk schicke ich Dir beiliegendes Bild. Es gibt sonst hier nichts zu kaufen, was Dir Freude macht.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Berlin

4.8.1943

Liebe Regina!

Heute an Deinem Geburtstag gedenke ich Deiner ganz besonders und wünsche Dir nochmals alles Gute für Dein Leben. Laß Dir Dein Glück nie streitig machen und von bösen Jungen an der Nase kitzeln. Verteidige Dich, wenn Du im Recht bist, und mache wieder gut, was Du Unrechtes getan hast. Dann bin ich immer Dein lieber Vater und grüße Dich von Herzen. Auf ein gesundes, frohes Wiedersehen! Dein Vater


Rudolf Woelky, L49939C Lgpa Brüssel, an Herta Heim, p.Adr. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

22.08.1943

Liebe Hertha!

Zuerst meinen besten Dank für Deinen lieben Brief zu meinem Geburtstag. Alle Geschwister haben an mich gedacht und sämtlich Post traf am 10.8. ein. Ich hatte grad neues Quartier bezogen. Nun sind wir wieder woanders, und Du auch. Es war das Beste, was Du machen konntest, daß Du Dich zu einer vorläufigen Umsiedlung entschlossen hast. Man hat den Kindern gegenüber Verpflichtungen. Gitta hat es scheinbar auch ganz gut angetroffen. Es ist für mich auch eine große Beruhigung und man kann dann als Soldat auch seine Aufgaben mit viel ruhigerem Herzen erfüllen. Augenblicklich mache ich eine ziemlich unruhige Zeit durch und der liebe Gott hat mir vor einigen Tagen zum 2. Mal das Leben geschenkt. Sonst kann ich mich nicht beklagen. Ich bin gesund und habe soweit alles was ich brauche. Hoffentlich kommt bald eine Entscheidung, daß die Nervenanspannung nachlässt.

Gittas Adresse lautet: Buckow/Märk.Schweiz Jagdhaus Malepartus, Lindenstr. 9. Regina ist jetzt dort eingeschult. Ihre Lehrerin wohnte früher auch in der Bredowstr. Die Eltern wohnen noch dort. Sie kennt auch Gittas Tante Dorchen. So trifft sich alles zum Guten. Ich habe ja gehofft bald mal auf Urlaub zu fahren. Aber da ist jetzt ein Strich durch gemacht. Muß mich eben mit den anderen Leidtragenden trösten. Wie geht es Hetzers? Anni will wohl auch noch nach Hause fahren. Dann seid ihr dort alle zusammen. Grüße sie bitte von mir.

Und nun wünsche ich Dir und Deinen Kindern alles Gute. In den letzten Tagen hat doch Wolfgang (oder Karin?) Geburtstag gehabt. Sende nachträglich meine herzlichsten Glückwünsche. Man kennt sich bald gar nicht mehr aus in der Familie und die Gedanken werden durch andere Ereignisse zu stark in Anspruch genommen. Wenn Frieden ist, dann muß ich mir mal einen Familien-Kalender aufstellen.

Es grüßt Dich recht herzlich Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Buckow, Lindenstr. 9, Jagdhaus "Malepartus"

27.8.1943

Liebe Regina!

Mutti schreibt mir eben, daß Du nun in die Schule gehst und schon vieles gelernt hast. Der Anfang war wohl sehr schwer. Aber sei immer schön fleißig und paß gut auf, dann kannst Du bald Deinen lieben Vati alles schreiben, was Du ihm nicht sagen kannst, weil er immer noch nicht bei Dir sein kann.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Vati.


Rudolf Woelky in Brüssel an Michael Woelky in Buckow , Märkische Schweiz, Lindenstr. 9, Jagdhaus "Malepartus"

27.8.1943 rot

Lieber Micha!

Ich glaube, Du wunderst Dich jetzt oft über all das Neue, was um euch passiert. Jetzt ist Regina am Vormittag in der Schule und Du mußt mit Otfried allein spielen. Ja, Regina hat jetzt viel zu lernen und kann nicht mehr so viel mit euch spielen. Bald kommst Du in die Schule. Darum paß gut auf, wie es Regina macht, damit Du schon von ihr lernst.

Herzliche Grüße an Dich und die Mutti von Vati.


Rudolf Woelky in Brüssel an Otfried Woelky in Buckow

27.8.1943 orange

Mein lieber Junge!

Wie gefällt es Dir in Buckow? Sicher besser als in Berlin. Onkel Georg hat mit euch eine Kahnfahrt gemacht und ihr habt am Wasser gespielt. Das ist doch schön gewesen. Nun sei auch immer recht artig, damit die Sonne scheint und ihr viel spazieren gehen könnt.

Es grüßt Dich vielmals Dein Vater.


Rudolf Woelky in Brüssel an Michael Woelky in Buckow, Lindenstr. 9 Jagdhaus „Malepartus"

29.8.1943 rot

Lieber Michael!

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. Demnach muß er es gut mit euch meinen, denn ihr bekommt schon in jungen Jahren viel zu sehen. Der Hauptwert dabei liegt aber in der Erkenntnis, daß es zu Hause am schönsten ist.

Herzliche Grüße bis auf ein gesundes Wiedersehen daheim. Dein Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an Otfried Woelky in Buckow

29.8.1943 orange

Lieber Otfried!

Auf Regen folgt wieder Sonnenschein. Wenn die Mutti mal traurig ist, dann gehe hin und lache sie mit Deinen blanken Augen an. Das schönste im Leben ist Liebe und Freude geben. Habe die Mutti und die Oma immer lieb, denn sie tun für Dich und Deine Geschwister das meiste. Für mich aber bitte den lieben Gott um baldige Heimkehr.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Vater.


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Buckow

29.8.1943

Liebe Regina!

Sende Dir frohe Sonntagsgrüße. Heute brauchtest Du auch mal nicht zur Schule und bist gewiß mit der Oma und Mutti spazieren gewesen. Wenn ich wieder bei euch bin, dann gehe ich auch mit Dir durch das Städtchen, wo Mutti und ich die ersten Tage unserer Ehe verlebten. Grüße die Mutti von mir und sei Du vielmals gegrüßt von Deinem lieben Papa.


Rudolf Woelky in Brüssel an Regina Woelky in Buckow , Märkische Schweiz

3.9.1943

Liebe Regina!

Wenn man auf einer Luftschaukel sitzt, soll man nicht träumen; und wer sich zum Himmel schwingt, der sorge dafür, daß er nicht runter fällt. – Den Sinn dieser Worte wirst Du erst später begreifen. Ich aber sitze hier und habe selbst Mühe beim Anblick der untergehenden Sonne zur Wirklichkeit zurück zu finden. Meine Gedanken sind jetzt nämlich bei Dir, bei Mutti und Deinen Brüdern. Und ich gehe mit euch durch die Stille des Abends. Ja, und die Wirklichkeit? Bitte den lieben Gott, daß das was wir in Gedanken durchleben, bald Wahrheit wird. Ich möchte gerne bei euch sein.

Es grüßt Dein Vati.


Rudolf Woelky in.Brüssel an Otfried Woelky in Buckow , Märkische Schweiz

3.9.1943 orange

Lieber Otfried!

Wenn Du so in Gedanken vor mir stehst und ich Dich ansehe, dann muß ich lachen, und ich werde von Deinen schelmischen Augen angesteckt. Du weckst in mir die Freude und den Humor. Wie es auch kommt, den Humor wollen wir uns nicht nehmen lassen und trotzdem lachen. Nun schenke der Mutti einen Kuß und sage: das war der Vati.

Es grüßt Dich Dein Vati


Rudolf Woelky in Brüssel an Michael Woelky in Buckow , Märkische Schweiz, Lindenstr. 9, Jagdhaus "Malepartus"

6.9.1943 rot

Lieber Junge!

Wenn jetzt das kleine Mädchen das Brett hinunter rutscht und dem Micha in die Arme, dann muß Micha auch fest zupacken und das kleine Mädchen festhalten, sonst fallen sie beide hinunter. Darum arbeite und spiele, wie es Jungens geziemt, damit Deine Arme stark werden. Wenn ich wieder mal auf Urlaub komme, dann zeigst Du mir wie stark Du bist.

Grüße die Mutti und die Oma von Deinem Vater


Rudolf Woelky in Brüssel an  Regina Woelky in Buckow

14.9.1943

Liebe Regina!

Ich schicke Dir heute das erste Bild einer netten Serie. Mutti hat mir geschrieben, daß Du viel lernen mußt. Sei recht fleißig, und gehe gerne in die Schule. Wenn ich auf Urlaub komme, dann bringe ich Dir auch was Schönes mit. Was möchtest Du denn gerne haben? Schreibe es mal an mich. Grüße die Mutti von mir und auch die Oma.

Für Dich viele liebe Grüße von Deinem Vati


Rudolf Woelky in Brüssel an  Michael Woelky in Buckow

14.9.1943 rot

Lieber Michael!

Die Welt ist falsch und überall lauert jemand, der uns kränken und schädigen will. Also Augen auf und nicht träumen. Wenn Du zur Spielschule gehst, dann nimm Otfried an die Hand und geht beide schön zusammen. Holt ihr auch manchmal Regina von der großen Schule ab? Macht das öfter. Regina wird sich freuen und stolz auf ihre Brüder sein. Und dann erzählt der Mutti und Oma jeden Tag, was ihr gelernt, gehört und schönes gespielt habt. Ich bin auch neugierig und möchte recht viel wissen.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in O.N. an Otfried Woelky in Buckow

14.9.1943 orange

Lieber Otfried

Die Mutti hat mir geschrieben, daß Du und Micha gern in die Spielschule geht, nur bist Du gerade dadurch schon recht keß geworden. Das ist nun gewiß kein Fehler, solange Du es Deinen gleichaltrigen Spielkameraden gegenüber bist. Deiner Mutter und Onkeln und Tanten musst Du aber immer artig und liebenswürdig entgegen kommen und mit Deinen Geschwistern Dich vertragen. Wenn Dich oder den Micha andere Kinder ärgern, dann hau zu und erprobe Deine Kraft.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Vater.


Rudolf Woelky in.Brüssel an Regina Woelky in Buckow

26.9.1943

Liebe Regina!

"Wie geht es Dir?" so fragt der Junge das kleine Mädchen und beide freuen sich des Wiedersehens. Und was macht meine kleine Regina? Ist sie wieder gesund oder muß sie noch im Bettchen liegen? Ich will euch doch bald besuchen kommen, da müsst ihr doch gesund sein. Ich habe doch schon so große Sehnsucht nach Dir und der Mutti, nach Michael und Otfried. Denkt ihr auch oft an euren Vati? Aber ihr betet wahrscheinlich nicht immer jeden Tag und bittet den lieben Gott um Frieden, denn der Krieg will gar kein Ende nehmen.

Sei vielmals gegrüßt mit einem lieben Kuß von Deinem Vati.

Auf Wiedersehen!


Rudolf Woelky, 09653 Lg, an Herta Heim, b. Karl Fuchs, Graslitz, (Sudetengau), Pilzsteig 1686

26.09.1943

Liebe Hertha!

Ich weiß gar nicht, ob ich Dir schon Deinen lieben Brief vom 20.8. bestätigt habe. Und da heute ein Regentag und ein Sonntag ist, habe ich mal Zeit auch an andere als nur immer an Gitta zu schreiben.

Also, daß es mir gut geht, das ist ja selbstverständlich. Sonst gibt es eigentlich wenig von meinem Standpunkt aus zu berichten. Daß meine Wohnung ein bisschen demoliert wurde wirst Du auch bereits wissen, ebenso von Georgs Pech gehört haben. Nun, daß kann einen alten Soldaten nicht erschüttern. Daß Häuser einstürzen, daß Bomben fallen und dabei geschossen wird, erleben wir hier öfter. Das geht vorüber. Hauptsache uns trifft so’n Ding nicht direkt auf den Kopf. Alles andere wird nach dem Krieg wieder angeschafft. Seit dem 19.8. habe ich ja zwar enormen Respekt vor Bomben, denn ich möchte nicht noch einmal von Mutter Erde zugedeckt werden. Dann muß wenigstens noch ein Sargdeckel darüber kommen. Du sei froh, daß Du mit den Kindern aus Berlin heraus bist und warte mit Geduld ab bis eine bessere Zeit kommt. Käthchen und Frau Hartmann sind wohl auch einige Tage nach dem Unglück aus Berlin fort gewesen, aber das ruhige Leben auf dem Land hat ihnen nicht zugesagt. Das verstehe ich nicht. Doch sie müssen wissen was sie tun. Hoffentlich brauchen sie es nicht noch einmal bereuen. Seit Anfang September befinde ich mich auf einen Lehrgang und lebe einen herrlichen Tag. Habe mich wieder mal richtig erholen können. Leider ist die Zeit in einer Woche um. Dann werde ich mein Hotelzimmer wieder räumen müssen und das gute Ehebett gegen ein Strohlager im Bunker eintauschen. Dann werde ich nicht mehr jeden Sonnabend ein warmes Bad nehmen können. Es wird kein Eis mit Schlagsahne geben und guten Kuchen, keine weiß gedeckten Tische und kein Mädchen, das mir mein Zimmer in Ordnung hält. Die Menschen sind hier auch viel freundlicher zu uns. Es sind ja auch keine Holländer. Diese Menschen hier sind Fremdenverkehr gewohnt, denn es ist ein Weltbad und Kurort ersten Ranges. Die Engländer nannten es vor dem Kriege ihr Paradies und bauten sich hier ihre Luxusvillen. Heute wohnt der deutsche Landser darin. Wenn Du diese Häuser und ihre Innenausstattung sehen würdest, dann kämst Du aus dem Staunen nicht heraus. Da ist die Villa Fischer eine Bauernstube dagegen. Nun weißt Du ungefähr wie ich hier lebe und wohne. Leider nur vorübergehend. Wer weiß, was mir der nächste Monat bringt. Ich hoffe ja immer noch, daß ich nach Beendigung des Lehrgangs noch Urlaub wegen Bombenschaden bekomme und dabei mein Jüngstes sehen kann. In 14 Tagen wird es ja soweit bei Gitta sein. Gitta muß furchtbar stark sein, denn bei der letzten Untersuchung vor 8 Tagen empfingen sie die dortigen Schwestern mit Hallo und riefen: Aui, das werden Drillinge. Die vernünftige Hebamme sagte aber, daß Gitta nur ein Kind bekommt. Es gibt doch noch Menschen, die ein Mitgefühl besitzen.

Also, liebe Hertha, laß es Dir und Deinen Trabanten dort weiter gut gehen und sei vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Rudi.

Freundliche Grüße auch an Familie Hetzer. Post erreicht mich in Zukunft wieder unter Feldpost Nr. L49939C LgPa Brüssel.


Rudolf Woelky in Knocke an Brigitta Woelky in Buckow

2.10.1943 gruen

Meine liebe Gitta!

Am Vorabend des Tages, wo ich von hier wieder Abschied nehmen muß, sende ich Dir noch einmal Grüße von diesem schönen Ort. Es ist eigentlich eine Stadt der Hotels. Etwas weiter diese Straße abwärts habe ich gewohnt. Ich werde die Tage von Knocke nicht vergessen. Sie fielen in eine ereignisreiche Zeit und waren dennoch mit die schönsten meines Soldatenlebens. Der Abschied von hier fällt mir schwer, grad wie nach einem Urlaub.

Es grüßt und küsst Dich in Liebe Dein Rudi.


Rudolf Woelky in Zeebrugge an Regina Woelky in Buckow

2.10.1943

Liebes Kind!

Ich danke Dir für die beiden schönen Karten mit Deinem ersten selbst geschriebenen Gruß. Du hast mir damit eine große Freude gemacht. Übe tüchtig weiter und sei immer fleißig. -

Wenn man von diesem See 400 mtr. nördl. geht, dann ist man am Meer, wo heute der deutsche Soldat Wache hält und den Feind abwährt, damit er nicht in unsere Heimat kommt. Eines Tages aber wird der Soldat hier nicht mehr stehen brauchen. Dann wird Frieden sein und Dein Vati wird nach Hause kommen.

Es grüßt Dich vielmals recht herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in Zeebrugge an Michael Woelky in Buckow

2.10.1943 rot

Mein lieber Junge!

Hier bin ich in den letzten Wochen oft vorbei marschiert, der aufgehenden Sonne entgegen. Und dann habe ich an zu Hause gedacht, an die Mutti, an Gina, an Otfried und an Dich.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky in Knocke an Otfried Woelky in Buckow

2.10.1943 orange

Mein lieber Junge!

Sende Dir von hier, einem modernen Badeort Westflanderns viele herzliche Grüße. Was mir den Aufenthalt in dieser Gegend besonders angenehm machte, waren die Menschen. Die Einwohner sprechen eine uns verwandte Sprache, haben den nordischen Typ und waren zu uns sehr freundlich.

Dein Vater


Rudolf Woelky in Knocke an Otfried Woelky in Buckow

4.10.1943 orange

Lieber Otfried!

Sieh Dir mal die Omas auf der Karte an. Da hast Du doch eine viel schönere Oma, nicht wahr? Bestell der Oma einen lieben Gruß von Deinem Vati und sei auch Du vielmals von mir gegrüßt. Bist Du wieder gesund? Dein Vater.


Rudolf Woelky in Knocke an Brigitta Woelky in Buckow

4.10.1943 gruen

Liebe Gitta!

An Deinem Geburtstag denke ich ganz besonders an Dich und sende Dir von unterwegs recht liebe Grüße. Ich schreibe Dir darüber noch ausführlich. Wenn alles klappt, bin ich morgen wieder bei der Einheit und dann vielleicht auch bald bei Dir. Post habe ich in Knocke nicht mehr erhalten. Wenn ich nicht die Hoffnung auf Urlaub haben würde, so wär ich lieber dort geblieben. In einer Stunde fährt der Dampfer.

Es grüßt Dich von Herzen Dein Rudi.


Rudolf Woelky in .....an Regina Woelky in Buckow

4.10.1943

Liebe Regina!

Gestern besuchte ich auf der Fahrt zurück zur Einheit diese schöne alte Hansestadt und sende Dir zum Andenken daran diese Karte. An derselben Stelle habe ich auch eine Aufnahme gemacht. Ich habe nur bedauert, daß ich keinen Farbfilm hatte.

Viele herzliche Grüße sendet Dir Dein Vater


Rudolf Woelky in ....an Regina Woelky in Buckow

14.10.1943

Liebe Regina!

Nun sind Deine Schulferien wieder zu Ende. Hast Dich wieder an die Schule gewöhnt. Bald wirst Du Deinen Namen schreiben können. Bald werde ich aber auch wieder mal auf einige Tage bei euch sein und dann kannst Du mir selbst zeigen, was Du schon alles gelernt hast. Ist das Päckchen mit den Schuhen schon angekommen? Ich hätte Dir gern noch bessere geschickt, doch fehlten mir die nötigen Franken. Du musst die Schuhe aber sehr schonen, denn sie sind immer schwerer zu bekommen.

Viele liebe Grüße sendet Dir Vati


Rudolf Woelky in Breda an Michael Woelky in Buckow

14.10.1943

Lieber Michael !

In dieser Stadt war ich heute und habe Einkäufe gemacht. Viel, und schönes Obst habe ich gekauft. Wenn ich auf Urlaub komme, dann bringe ich euch davon etwas mit. Am liebsten wäre ich heute gleich weiter gefahren und erst in Buckow ausgestiegen. Leider muß ich aber noch etwas warten. Die Mutti lässt mich ja auch solange warten. Aber grüße sie recht schön von mir und sie soll nicht traurig sein. Wir treffen schon zur rechten Zeit ein.

Es grüßt Dich Dein Vati


Rudolf Woelky in....an Regina Woelky in Buckow

15.10.1943

Liebe Regina!

Soll ich euch wieder einmal besuchen kommen? Würdest Du Dich freuen, wenn ich auf Urlaub komme? Dann sage der Mutti Bescheid, daß sie mir bald schreibt. Und ich möchte gern ein Baby haben, Mutti soll es ganz schnell beim lieben Gott bestellen. Worüber würdest Du Dich mehr freuen, über ein kleines Brüderchen oder Schwesterlein? Ist der Micha und Otfried auch immer artig? Du bist die älteste und musst daher auf deine Brüder aufpassen. Grüßt sie, die Oma und die Mutti von mir.

Für Dich viele liebe Grüße von Deinem Vati.


Rudolf Woelky in....an Otfried Woelky in Buckow

17.10.1943 orange

Mein lieber Junge!

Nun hast Du, Regina und Michael auch noch ein Schwesterchen bekommen. Freust Du Dich darüber? Ursula wird in erster Linie Deine Spielgefährtin und Kameradin sein. Habe sie recht lieb, jetzt und alle Zeit. Es ist das Schönste für einen Jungen eine jüngere Schwester zu haben, die man verwöhnen und beschützen kann. Danke der Mutti dafür, daß sie euch noch eine kleine Schwester geschenkt hat und bittet den lieben Gott, daß Ursula und die Mutti gesund bleiben. Dann wird Ursula groß werden. Gehe jetzt hin zum Schwesterchen und zur Mutti und sage: Vati lässt sie grüßen, Dir, Micha und Gina auch viele Grüße


Rudolf Woelky in Zeebad Vlissingen an Brigitta Woelky, Buckow, Lindenstr. 9, Jagdhaus "Malepartus"

20.10.1943 gruen

Liebste Gitta!

Morgen wollte ich schon auf der Bahn sitzen. Aber der Soldat denkt und die Wehrmacht lenkt. Hoffentlich führt die Wehrmacht nicht zu große Umwege, damit ich trotzdem bald bei euch eintreffe. Ich habe Micha nicht zum Geburtstag geschrieben, weil ich dann schon bestimmt da zu sein hoffe. Also nicht traurig sein. Ich werde trotz allem bald bei Dir sein. Ich kämpfe wie ein Löwe, schon weil ich ja noch nicht Weiterees weiß als nur: "Ursula ist da. Mutter"

Herzliche Grüße und Küße. Dein Rudi


Rudolf Woelky in O.U.... an Regina Woelky in Buckow

20.10.1943

Liebe Regina!

Hast Du auch jeden Tag den lieben Gott gebeten, daß Dein Vati bald auf Urlaub kommen darf? Oder hast Du es einmal vergessen? Ich warte doch so sehr darauf, daß ich wieder einmal zu meiner kleinen Regina kann. Als ich diese Karte in einem Geschäft sah, da glaubte ich in Deine Augen zu sehen. Was hat denn Dein kleines Schwesterlein Ursula für Augen? Freust Du Dich, daß Du nun auch noch eine Schwester hast? Mußt es auch immer recht lieb haben. So was schenkt der liebe Gott nur den Kindern, die er ganz besonders lieb hat.

Es grüßt Dich Dein Vati.


Rudolf Woelky in.....an Michael Woelky in Buckow

20.10.1943 rot

Lieber Michael!

Besitz macht stolz und groß. Es kann nun selbst erworben oder durch einen anderen Menschen Dir gegeben werden. Was man besitzt, das soll man aber auch bewahren und behüten, und nicht , wie dieser Junge auf der Karte, die Augen verschließen. Die Katze lauert schon darauf, dass sie ihm den Napf wegnehmen kann. Du hast jetzt ein kleines Schwesterchen bekommen. Ein herrlicher Besitz. Dafür musst Du der Mutti danken. Behüte und beschütze die kleine Ursula, dass sie niemand im Schlaf störe, und keine böse Katze ihr etwas tut. Otfried wird Dir dabei zur Seite stehen. Darf ich auf euch auch stolz sein? Dein Vater


Rudolf Woelky in....an Otfried Woelky in Buckow

20.10.1943 orange

Lieber Otfried!

Schaust Du auch so ernst drein oder lachst Du? Lache lieber. Lachen ist Sonnenschein und Sonnenschein gehört zum Glücklichsein. Ich ertappe mich öfter dabei, daß ich ein ernstes Gesicht mache, weil der Tag meines Urlaubs immer weiter hinaus geschoben wird. Aber dann sage ich mir, einmal kommt der ersehnte Tag doch. Dann werde ich bei euch sein und wieder lachen und mich freuen. Wenn mir hier nicht die Sonne scheinen will, so wird sie bei euch um so wärmer in mein Herz dringen. Mutti und Du, Regina, Michael und Ursula, ihr seid ja meine Sonnen. Ein Haus voll Sonnenschein, das soll immer unsere Losung sein. Dein Vater.


Rudolf Woelky, L49939C LgPa Brüssel, an Herta Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

6.11.1943

Liebe Herta!

Ich bin auf der Rückfahrt zu meiner Einheit und habe grade eine Stunde Aufenthalt. Da fällt mir doch ein, daß heute Helmuts Geburtstag ist. Ich gratuliere zu diesem Tag recht herzlich und wünsche Dir und Deinem Jüngsten für die Zukunft alles Gute. In den nächsten Tagen werde ich Dir ausführlicher schreiben, bitte Dich daher für heute mit diesem kurzen Gruß und Glückwunsch zufrieden zu sein.

Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky in Vlissingen an Brigitta Woelky in Neu-Mandelkow

8.12.1943 gruen

Meine liebe Gitta!

Die letzte Umsteigestation ist wieder erreicht. In einigen Stunden bin ich in Vlissingen. In Küstrin und Berlin bekam ich gleich Anschluß, nur in Köln hatte ich durch Verspätung längeren Aufenthalt. Habe mich hier im Wehrmachtsheim gewaschen, rasiert und gefrühstückt und benutze nun die Wartezeit, um Dir die ersten Grüße zu senden. Ihr werdet ja nun auch die erste Nacht im neuen Heim hinter euch haben. Hoffentlich habt ihr eine geräumige Wohnung erhalten und es auch sonst gut angetroffen. In der ersten Zeit wird es gewiß noch an manchen fehlen, aber die Hauptsache ist, dass ihr erst mal sicher seid. Alles andere kommt nach und nach. Die erste Spannung wird bei Dir jetzt vorüber sein, für mich bleibt sie auch bestehen, bis ich die erste Nachricht von euch habe. Hoffentlich haben es die Kinder gut überstanden. Leider konnte ich nicht mehr für euch tun; denke aber alles andere, was in meinen Kräften stand, getan zu haben. Grüße Mutti und die Kinder recht herzlich von mir und sei Du vielmals gegrüßt und geküsst von Deinem Rudi. Auf Wiedersehen. Geschrieben am Tage nach Rückfahrt von Soldin – Neumark. Ich brachte Gitta und die Kinder per Bahn von Buckow – Märkische Schweiz bis Soldin. Von hier aus ging für Gitta die Fahrt nach Neu – Mandelkow und für mich zurück nach Vlissingen. R.W.


Rudolf Woelky, L49939C LgPa Brüssel, an Herta Heim, Graslitz, (Sudetengau), 1686 b. Fuchs

16.12.1943

Liebe Herta!

Meine Absicht, Dir zu schreiben, hat einen gewaltigen Buff nach vorne bekommen, denn gestern erhielt ich Dein rührend zurecht gemachtes Weihnachtsgeschenk. Ich hätte heulen können vor Freude und innerer Aufgewühltheit. Habe wirklich von keiner Seite einen derartigen Weihnachtsgruß erwartet. Von wem auch? Die Zeit ist ja augenblicklich zu trostlos und arm. Darum danke ich Dir für Deine Liebe und Mühe ganz besonders und wünsche Dir und Deinen Lieben recht frohe und glückliche Weihnachten. Vielleicht kann Kurt auch bei Euch sein. Ich muß hierbei an Weihnachten 1941 denken, wo ich Weihnachten mit meiner Familie in Olbersdorf verlebte. Es waren wohl die echtesten und schönsten Familien-Weihnachten, die ich verleben durfte. In diesem Jahr sieht alles trauriger aus. Gitta und die Kinder mussten in Buckow neuen werdenden Müttern Platz machen und sind weiter hinauf in die Neumarkt gekommen. Nach den schweren Angriffen auf Berlin kamen die Schwangeren scharenweise nach Buckow und mussten wegen Platzmangel in Scheunen und auf Strohlager untergebracht werden. Ich erhielt Ende November von Mutter das Telegramm mit dem traurigen Inhalt und bekam 6 Tage Urlaub. Man ist durch den Krieg und von dem Geschehen schon verdammt hart geworden, aber Berlins Schicksal ging mir doch etwas an die Nieren. Unser schönes Berlin so zu zerstören! Durch einen Zufall traf ich Mutter in Moabit, nachdem ich eine Stunde immer hinter ihr hergegangen war ohne es zu wissen. Sie trägt ihr hartes Los mit bewundernswerter Stärke. Wohnen tut sie jetzt bei jungen Geschäftsleuten in Grimau, die sehr nett zu ihr und Lucie sind. Mutter hat dort auch Beschäftigung, sodaß sie von düsteren Gedanken immer abgelenkt werden wird. Ich habe mich einen Tag in Grimau aufgehalten und fuhr dann weiter zu meiner Familie. Ich kam gerade zur rechten Zeit um ihr beim Einpacken und Umziehen zu helfen. Zwischendurch führte ich ein Ferngespräch nach dem anderen mit der NSF in Soldin, denn ich wollte ein gutes Quartier für meine Familie beschaffen. Einen Tag vor meiner Rückreise zur Einheit, brachte ich sie dann bis Soldin. Eine Nacht verbrachte ich mit ihnen in einer Schule, dann fuhr ich früh nach Holland und Gitta am Nachmittag zur neuen Pflege-Heimat. Vorgestern erhielt ich die ersten Zeilen von ihr. Sie hat den Brief im Bett geschrieben, da es im Zimmer vor Kälte nicht zum Sitzen war. Sie sind in einem Häuschen eingezogen, das außen mit Holz verkleidet und innen nur eine dünne Wand hat. Das eine Zimmer hat 4 Fenster und einen Eisenofen, der das Zimmer aber nicht warm bekommt. Außerdem noch einen kleineren Raum mit Kachelofen. Weiter weiß ich noch nichts. Es ist Klein-Rußland und übertrifft alle ihre schlimmsten Befürchtungen, schreibt sie. Gott sei Dank ist Gitta vernünftig und setzt die Sicherheit der Bequemlichkeit voran. Wo sollte sie jetzt auch hin, denn unsere Wohnung in Berlin ist nicht bewohnbar. Die Zeit wird Rat und Hilfe bringen und wenn sie nochmals umziehen müssen. Einmal wird ja auch dieser Krieg zu Ende gehen und dann bauen wir uns ein neues Heim. Mutter wollte ja vor dem großen Angriff Gitta immer wieder nach Berlin zurück holen. Ebenfalls ihre Tante Mika. Heute sind beide total beschädigt und danken Gott, daß Gitta ihren Worten nicht gefolgt ist. Wer nämlich, wie ich, gesehen hat, was Luftangriffe zerstören können und was dann Mütter und Kinder durchzumachen haben, der durfte gar nicht anders handeln wie ich. Ich habe die Städte in Polen und Russland gesehen und bin oft genug durch den Westen gefahren. Da müsste man blind sein, wenn man nicht sehen würde, was Berlin noch einmal zu erwarten hatte. Nun ist es eingetreten. Ich war nur froh, daß ich meine Familie in Sicherheit wusste und daß auch Du mit Deinen Kindern endlich den warnenden Stimmen gefolgt warst. Um Mutter und Lucie habe ich mich auch immer gebangt. Gott sei Dank ging soweit noch alles gut ab. Leid kann mir nur Georg tun, der es durch die Kurzsichtigkeit der Frauen nicht leicht hatte und es auch teuer bezahlen musste. Jetzt müssen sie getrennt leben und haben gar nichts mehr.

Liebe Herta, wenn es auch schwer ist voneinander getrennt und bei fremden Leuten zu wohnen, so haltet aber in Ruhe durch. Es macht sich an Gesundheit und Gut bezahlt. Gerne möchte ich Dir und Deinen Kindern auch eine Weihnachtsfreude machen, aber es ist uns von hier aus unmöglich gemacht. Du kannst es vielleicht ahnen, wie schwer es mir ums Herz ist, daß ich selbst meinen Kindern nichts schicken kann und diese Weihnacht fern von ihnen sein muß. Darum verlebt wenigstens ihr die Tage in liebevoller Harmonie und bestellt auch an Fam. Hetzer meine besten Weihnachtswünsche. Dir, liebe Herta, nochmals vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

Dein Bruder Rudi.

Gittas Adresse: Neu-Mandelkow, Post Bernstein Krs. Soldin/Neumark


Rudolf Woelky in Vlissingen an Otfried Woelky in Neu-Mandelkow Post Bernstein Krs. Soldin/Neumark

24.12.1943 orange

Lieber Otfried!

Weihnachten ist in erster Linie das Fest der Kinder. Sei froh und freue Dich über alles was Dir das Christkind bringt. Im nächsten Jahr werde ich wieder bei euch sein und wenn der Weihnachtsmann bei mir was für euch abgeben sollte dann bringe ich euch mit. Also glückliche Weihnacht und frohe Grüße. Dein Vater


Rudolf Woelky in Vlissingen an Regina Woelky in Neu-Mandelkow

24.12.1943

Liebe Regina!

Diese Weihnachten muß Dein Vater bei den Soldaten bleiben. Sei aber nicht traurig. Auch wenn der Weihnachtsmann diesmal euch nicht viel bringt. Wir haben noch Krieg. Aber habe die Mutter immer recht lieb und bete zum lieben Gott. Dann werden wir bald Frieden haben und ich werde immer bei euch sein.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vati.

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