Postkarten und Briefe 1944

Rudolf Woelky in Vlissingen an Regina Woelky in Groß Mandelkow

5.1.1944

Liebe Regina!

Sende Dir und Deinen Geschwistern von ganzen Herzen die besten Grüße. Ebenfalls an die liebe Oma. Diese Karte ist die letzte der Serie. Darum weint wohl das Mädchen? Sie fragt: Hallo, wann kommst Du wieder? Ich würde dann antworten: Wenn ich ein Vöglein wär, heute noch flög ich zu Dir.

Dein Vati


Rudolf Woelky in Vlissingen.an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

20.1.1944 blau

Liebe Ursula!

Zwei Stunden später als die Uhr auf diesem Bilde anzeigt, saß Dein Vater am unteren Ende der rechten Tafel und feierte Weihnacht. Das erste Mal fern von der Familie. Beim Singen der Weihnachtslieder aber waren meine Gedanken bei euch. Und ich dachte auch an Dich, die Du das erste Mal den Zauber der brennenden Kerze schaust. Brennende Kerzen bedeuten Andacht und Weihe. So oft Du sie im Leben schauen wirst, denke an Deine erste Weihnacht auf dem Arm Deiner Mutter und an Deinen Vater


Rudolf Woelky, 03009 C, an Hertha Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

23.2.1944

Liebe Hertha!

„Hörst Du mein heimliches Rufen" und „Hast Du heute nacht auch lieb an mich gedacht?" Man könnte verrückt werden! Ich will Dir wirklich keinen Liebesbrief schreiben, nein. Aber das Radio spielt die Melodie und meine Gedanken springen dabei einige Jahre zurück und verweilen auf Brunos Hochzeit. Berlin. – Gestern erhielt ich nämlich einen Brief von Gitta, und dem lag ein Schreiben von Mutter bei in welchem sie mitteilt, daß Bruno dienstlich in Berlin war. Ja, so fürchterlich hat er sich die Zerstörung nicht vorgestellt. Seitdem ist nun noch mehr auf den großen Trümmerhaufen gekommen. Was müssen Mutter und all die noch in Berlin ausharren, durchmachen und erleben! Ein Leben zwischen Schutt und Trümmer. Werden wir das Goethewort erleben: Und neues Leben blüht aus den Ruinen!?

Ich habe in letzter Zeit wenig Post erhalten, denn ich war viel unterwegs. Was mich an Nachrichten erreichte, wird Dir gewiß auch schon bekannt sein. So, daß Georg seine Schlafstelle in der Fabrik auch verloren hat, daß er zum Militär einberufen werden soll, daß Kätchen trotz allem Sehnsucht nach Berlin hat. Die Häuser Birkenstr. 42 und Turmstr. 44 stehen eisern und ragen aus dem Trümmerfeld heraus. Gittas Onkel, Hans Duwe, ist bei einer Nachtwache verschüttet und tot. Oma Reisch war daraufhin einige Tage in Berlin und traf mit ihrem Sohn Hermann zusammen. Lucie nimmt Nähkursus bei Tante Johanna und alle sitzen jeden Abend bis 24 Uhr angeregt beisammen und lachen, lachen. Hut ab vor Tante Johanna, die es fertig bringt in dieser Zeit die Menschheit zum Lachen zu bringen. Gott wecke in uns dieses Erbe und erhalte es uns. „Laßt den Kopf nicht hängen, Kinder seid nicht dumm!" – Nein, dieses Radio! Immer muß es mit seiner Musik ihren Zimt dazu geben.

An mich rollt das ziemlich mechanisch und ohne besonderen Eindruck ab. Ich meine das Geschehen in Berlin, in der Familie usw. Es ist eine gewisse Gleichgültigkeit, Sturheit, wie sie nur bei einem preußischen Obergefreiten auftreten kann. Dabei hänge ich mit allen Fasern meines Herzens an allem, was Familie, Mutter, Geschwister, Berlin heißt. Nur nicht daran rühren. Ein Glück, ein Obergefreiter ist mit besonderer Sturheit ausgerüstet. Vor einem Vierteljahr hatte ich den verwegenen Wunsch Unteroffizier zu werden und trage ja auch schon längere Zeit den U-Balken. Heute bin ich froh, daß ich es noch nicht geworden bin und es hoffentlich auch nicht mehr werde. Ich wär sonst schon längst nicht mehr bei der Kompanie und habe mir auch viel ärger erspart. Wir sind nicht mehr Luftwaffe. Heil, Infantrie. Königin aller Waffen! – Warum sind Königinnen bloß so steif und schrullig. Ihre Herzen sind verkrustet und unter ihrer Robe ziehen sich Spinngewebe kreuz und quer.

Kreuz und quer. Wozu ist die Straße da? Weiter nur zu, weiter nur zu, Infanterist hat keine Ruh. – Einen Monat lang lagen wir in einem Städtchen in Ost-Flandern. Ich darf nicht sehr daran denken, sonst werde ich weich. Der Dienst war nicht leicht und Schlaf gab es wenig. Aber trotzdem werde ich diese 4 Wochen nicht vergessen und nur wehmütig und dankbaren Herzens an die Gastfreundschaft einer Familie denken, die ich dort kennen lernte. Gott sorgt für einen Ausgleich. Durch einen Zufall wurde ich mit der Frau bekannt, Mutter von 9 Kinder. Aus sehr gutem Hause. Sprach fließend deutsch. Sieht heute noch aus wie eine Vierzigerin und ist heute einzige Ernährin der Familie. 7 Töchter, die älteste 23 Jahre, alle im Pensionat erzogen oder noch zum Teil dort. Sie schneidert und vertreibt Stoffe und Wäsche. Nach dem ersten Besuch wurde ich herzlich verabschiedet mit den Worten: Schenken sie uns bald wieder ihren Besuch, für sie ist immer mit gedeckt. Ich konnte seitdem kommen wann ich wollte, auf der großen Tafel stand stets ein Gedeck mehr. Zu allen Mahlzeiten. Und ich war fast jeden Tag da. Manchmal nur auf 20 Minuten zum Essen. Es war wie im Sanatorium. Drei Frauen lasen meine kleinsten Wünsche von meinen Augen ab. Jeden Tag neue Aufmerksamkeiten. Für meine Kinder bekam ich Kleiderstoffe. Selbstgefertigte Kleidchen usw. für Ursula. Obwohl ich bereits privat wohnte, richteten sie mir in ihrem Haus ein Zimmer ein. Und beim Abschied winkten alle. Es war wie ein Abschied von der eigenen Familie auf Nimmerwiedersehen. ähnlich erging es vielen meiner Kameraden. Der Pfarrer verabschiedete sich von der Kanzel von uns und sagte seinen Gläubigen von der Gemeinde: „Unsere deutschen Freunde haben mir erzählt, daß sie eine solche Aufnahme, wie bei uns, während ihrer ganzen Soldatenzeit nicht erlebt haben. Ich danke euch dafür und wünsche, daß wir uns diesen Ruf bewahren. Unseren deutschen Freunden wünschen wir alles Gute. Wir werden für sie beten." Und das im 5. Kriegsjahr in einem fremden Land. Kann man das glauben. „Ich bin nur ein armer Wandergesell; Gute Nacht, liebes Mädel, Gut Nacht!" (Schon wieder diese Radio). Bertha De Vleeschauwer hieß die Mutter; Simone, Yvonne, Dora, Maria Theres, Cecilie, Julian und Gêlain die 7 lebenden Kinder.

Wir stehen in diesem Land und warten auf die Invasion. Wir sind vorbereitet. Werden wir noch einmal durch das Städtchen De Vleeschauwers kommen? Man kann es nicht wissen. Jetzt bin ich müde vom vielen Umherziehen. Ich habe Sehnsucht nach meiner Familie. Will wieder mal zu ihnen. Bisher kam ich wegen fortwährender Vertretungen und Sonderaufträgen nicht fort. Nun sind wir auf eine Woche stabil. Vielleicht gelingt mir der große Coup. Dann fahre ich noch diese Woche zu Gitta und meinen Kindern. Gelingt er nicht, dann sehe ich schwarz. Ursula muß ein reizendes Kind sein. Gitta schwärmt furchtbar von der Kleinen. Und ich sitze hier und kann mir Bilder malen. Käthe Kruse Köpfchen mit Engelslachen. „Die Kinder sehen blendend aus. Tummeln sich den ganzen Tag draußen herum. Aber die Arbeit! Jeden Abend mehrere Schaufeln Sand in Zimmer (Gitta)". Ich kann ja nur dazu lächeln; ich meine: über den Sand. Bei Dir werden es wohl Steine sein, wie. Liebe Muttis, seid froh, wenn es so ist. Schafft freudig die Klamotten und die Sandhaufen aus dem Zimmer, die euch eure Kinder hineintragen. Es gibt Orte, wo Frauen es auch tun, nur da hat es ihnen der Tommy hinein getragen. Eure Nerven werden in diesem Krieg mehr oder weniger zerreißen. Sorgt aber dafür, daß eure Kinder gesund bleiben und haltet sie fern von den Schrecken dieses Krieges. Dann habt ihr später jemand, die für euch sorgen und euch pflegen. Das ist kein Egoismus, das ist Lebenskraft – und Wille! Wir wollen alle leben, auch wenn die Zeit heute auch noch so trostlos ist. Wir wollen wissen, wie diese unmenschliche Tragödie ausgeht. Mehr beanspruchen wir nicht. Mutter ist das beste Beispiel dafür. Sie hat nichts mehr, sie will auch nichts mehr. Aber wissen will sie, wie wir heute leben und morgen leben werden. „Schreib mir von den Kindern, von jedem einzelnen, und recht viel." Hertha, schreib auch Du ihr öfter. Und sag auch dem Kurt, daß er Mutter öfter anrufen möchte und ihr aus Deinen Briefen erzähle. Von den Kindern. – Wenn man ihr auch Hab und Gut genommen hat, ihre Kinder und Enkelkinder sind ihr bisher geblieben und von denen will sie hören, täglich was Neues. Oder wenigstens das Eine: sie leben, sind gesund und gedeihen – und grüßen die Oma Woelky.

Das war wieder ein Lebenszeichen von mir. Bleibt gesund und froh. Grüße mir bitte alle Lieben in Graslitz, Deine Kinder, Anni und Familie Hetzer. Schreibe mir mal wie es Anni geht. Das arme Mädel tut mir wirklich leid. Hoffe jedoch, daß sie alles gut übersteht. Wünsche ihr gute Besserung und auch für Peterle alles Gute.

Es grüßt Dich von Herzen Rudi.


Rudolf Woelky in ........an Regina Woelky in Groß Mandelkow

25.02.1944 -ohne Text  (Antwerpen)


Rudolf Woelky in ........an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

25.02.1944 -ohne Text orange


Rudolf Woelky in ........an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

25.02.1944 -ohne Text  (Antwerpen)  blau


01.03.1944 - ohne Text      (Brüssel)


01.03.1944 - ohne Text orange


Rudolf Woelky in ........an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

01.03.1944 - ohne Text gruen


Rudolf Woelky, 03009 C, an Hertha Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

26.03.1944

Liebe Hertha!

Sende Dir einen lieben Sonntagsgruß und meine neue Feldpost Nr. 03009 C. Du wirst von Mutter gehört haben, daß ich meinen Urlaub hatte und wie er ausgefüllt war. Nun kann ich wieder warten. Eingelebt habe ich mich schon wieder etwas, nur mein Uniformrock sitzt nicht richtig. Seh jetzt bald so aus wie Bruno, nur die Tressen fehlen. Bruno soll übrigens auch schlanker geworden sein, wie ich hörte. Nun ich auch, denn mein jetziger Dienst ist reichlich anstrengend. Ein Glück, daß wir hier manches zusätzlich kaufen können. Wir bekommen zur Verpflegung sehr oft saure Heringe, aber davon wird man nicht fett, sondern notfalls nur lustig. Und das ist in der heutigen Zeit auch was wert. Ich würde überhaupt viel drum geben, wenn ich mal wieder richtig lachen könnte. Im Urlaub kam ich auch nicht dazu, denn da ist alles so traurig und ernst und voller Sorgen. Ich kam wegen des Umzuges und Einrichten der neuen Wohnung noch nicht einmal dazu mich mal einige Stunden mit meinen Kindern abzugeben. Der nächste Urlaub wird hoffentlich besser. Zu Gittas Wohnung gehört auch ein Stück Land, das sie bearbeiten kann. Samen habe ich ihr geschickt. Nun bin ich gespannt, was sie ernten wird.

Ich war auf meiner Rückfahrt zur Einheit noch einmal in Berlin. Leider traf ich Mutter nicht vor, denn sie war noch in Gaslitz. Lange wird sie es ja bei Dir nicht ausgehalten haben, denn es zieht sie ja doch zur Lucie nach Berlin zurück. Aber es war schon was wert, daß sie mal ein paar Tage ruhig schlafen konnte. Seid ihr nur froh, daß ihr Berlin rechtzeitig verlassen habt. Vater Heim traf ich auch in Berlin. Er sieht aus wie der unrasierte Tod.

Wenn Du an Bekannte oder Verwandte schreibst, die auch hin und wieder an mich schreiben, dann teile ihnen auch meine neue Nr. mit, denn ich komme jetzt kaum zum Schreiben.

Bleibt alle gesund und drückt den Daumen, daß bald Frieden wird und wir uns wohlbehalten wieder sehen.

Es grüßt Dich und die Kinder, ebenfalls Fam. Hetzer, Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky, 03009 C, an Hertha Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

3.4.1944

Liebe Hertha!

Heute bekam ich von Mutter einen Brief, den sie noch aus Graslitz an mich schrieb. Ich habe kaum geglaubt, daß sie es so lange aushalten wird. Aber gut wird es ihr getan haben, mal richtig in Ruhe zu schlafen. In Berlin wird sie doch nicht aus der ewigen Unruhe heraus kommen.

Hast Du eigentlich meinen Brief vom 19.3. erhalten? Scheinbar sind alle meine Briefe, die ich von hier seit meinem Urlaub abgeschickt habe, noch nicht angekommen, oder sie sind verloren gegangen. Mutters Brief war die erste Post, die ich während 16 Tage erhalten habe. Von Gitta habe ich nach meinem Urlaub noch keine Zeile erhalten. Und Post von Hause ist auch das Einzige, was uns hier in diesem Kaff noch hochhält. Zum Schreiben komme ich hier auch nur selten. Die Ruhe fehlt auch, denn ich wohne mit mehreren Kameraden zusammen und da kennt man keine Rücksicht.

Trotzdem will ich es nicht versäumen, Dir und den Kindern ein frohes Osterfest zu wünschen und Dir zu diesem Tage meine herzlichen Grüße zu senden. Wenn Du mit Bruno und Anni und mit Familie Hetzer an den Feiertagen zusammen kommst, dann bitte grüße sie auch von mir und ich wünsche allen ein frohes Fest.

Solltet ihr an mich schreiben, dann achtet auf meine neue Feldpost Nr. 03309 C

Rudi.


Rudolf Woelky in ....an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

9.4.1944 blau

Frohe Ostern Dir und Deinen Geschwistern, sowie der Mutti und Oma

Dein Vater


nicht abgesandt

20.04.1944 gruen

Es ist jetzt 0:20 Uhr. Gute Nacht, träume süß.
Liebling, mein Herz läßt Dich grüßen.

Dein Rudi


Rudolf Woelky in ........an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

Ostern 1944 orange

Lieber Otfried!

Gesunde Jugend fühlt sich nicht zu den kühlen und dämmerigen Hallen unser Gotteshäuser hingezogen. Das weiß auch unser Herrgott. Aber in todesschwerer Zeit ist es die Stätte, wo unser Herz Frieden und Sammlung findet. Ich sehne mich heute nach einem stillen Gotteshaus. Vor mir steht eins, ich wohne davor und darf nicht hinein gehen. Für wen läuten die Glocken?

Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky in......an Regina Woelky in Groß Mandelkow

Ostern 1944

Liebe Regina!

Die Zeugnisse europäischer Baukunst und Architektur sind unserem Auge heute vielfach verloren oder verschlossen und nur das Bild kann uns noch eine Vorstellung dessen geben, wofür wir lebten und schwärmten. Für Europa und seine Kultur ist noch Karfreitag. Bitten wir Gott, dass es auch hier bald Ostern werde.

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater.


Rudolf Woelky in Ostende an Michael Woelky in Groß Mandelkow

Ostern 1944 rot

Lieber Michael!

Gestern machten wir hierher eine Autofahrt und gingen in die „Therme“ baden. Ostende hatte früher als Bad Weltruf. Aber mit unseren deutschen Ostseebädern kommt es lange nicht mit. Es ist ein Steinmeer, kunstvoll und auch kitschig. Es fehlt das Grün unserer Wälder und Wiesen. In der Heimat ist es nun mal am schönsten.

Herzliche Grüße Dein Vater


Rudolf Woelky, 03009 C, an Herta Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

3.5.1944

Liebe Herta!

Dein Geburtstag ist nun bereits vorbei und ich muß Dir meine Glückwünsche hierzu nachträglich senden. Aber sie sind grad deswegen umso stärker und inniger und enthalten alles Gute für Dich. Meine Gedanken waren in den letzten Tagen sehr oft bei Dir und gestern konnte ich nach anstrengendem Tagesablauf kurz vor Mitternacht Deinen lieben Brief vom 25.4. lesen. Habe vielen Dank dafür. Ich könnte Dir von mir so vieles und interessantes berichten, von Dingen, die ich in der letzten Woche erlebt und gesehen habe, aber Du musst schon darauf verzichten, denn es fällt in der heutigen äußerst gespannten Kriegslage eben alles unter „Geheim". Seit gestern habe ich aber wieder eine Aufgabe erhalten, die meinem Geschmack entspricht. Sie erfordert zwar viel Arbeit und Selbstlosigkeit, doch sie befriedigt mich. Ich sitze dafür in einem vornehmen Haus mit allem Komfort. Mit mir noch unser Kompanie Chef, ein Oberfeldwebel und 4 Mann. Aus meinem Arbeitszimmer schaue ich das herrliche Bild, das Du aus eurem Urlaub damals mit Mutter her kennst, und aus meinem Schlafzimmer bietet sich dem Auge eine Mischung von Natur- und Kunstpark, wie Du es Dir malerischer nicht vorstellen kannst. Einen Gruß aus diesem Garten lege ich Dir bei. Leider habe ich meinen Fotoapparat nicht mehr bei mir, denn ich ließ ihn absichtlich bei meinem letzten Urlaub zurück. Sonst würde ich Dir meine Ausführungen bildhaft beilegen. Ein Foto von mir ist auch schon lange nicht gemacht worden. Ich will aber versuchen, daß ich Dir Deinen Wunsch erfüllen kann. Scheinbar hat meine große Schwester keine rechte Vorstellung mehr von ihrem Bruder Rudi. Oder interessieren sich Deine sudetendeutsche Freunde dafür. Ich möchte dabei erwähnen, daß ich verheiratet bin und 4 Kinder habe. Ich gestehe aber auch, daß mich Deine Freunde in Graslitz ebenfalls sehr interessieren und freue mich mit Dir, daß Du dort netten Anschluß gefunden hast. Ich muß ihn mir nun hier erst wieder suchen. Bei uns geht es weniger um die Bekanntschaft in seelischer Beziehung, soweit das überhaupt moralisch für den Einzelnen erlaubt ist, als vielmehr im Interesse um das leibliche Wohl. „Eine Flasche Rotwein und ein Stückchen Braten" hat immer noch Geltung. Am letzten Sonntag war ich in einem Städtchen, das trug den Namen meiner Jüngsten. Dort traf ich einen Bekannten der Familie, von der ich Dir einmal schrieb. Einige Stunden später war die halbe Familie beladen mit Esswaren und anderen netten Sachen bei mir. Die Freude des Wiedersehens nach einem Vierteljahr war auf beiden Seiten groß. Zu Ostern sandten sie mir auch ein riesiges Paket, von dem ich heute noch zehre. Man muß sich das mal vorstellen. Das in einem Lande, das gegen uns kämpfte; das von Menschen, mit denen ich nur knapp einen Monat zusammen war. Und ich werde sie nun wohl kaum noch einmal wiedersehen. Ich wünsche mir die Mittel und die Zeit dazu, nach dem Kriege mit meiner Familie eine Besuchsfahrt zu diesen Leuten machen zu können. Es wäre ein unauslöschbares Erlebnis für alle.

Wie ich aus Deinem Brief ersehe, geht es Dir und Deinen Kindern gesundheitlich ganz gut. Auch Karin hat sich raus gemacht. Ehrlich gesagt, nach dem Mädel hab ich auch ein klein wenig Sehnsucht. Wir verstanden uns in letzter Zeit doch schon ganz gut. Grüße sie bitte von Onkel Rudi. Den anderen natürlich auch liebe Grüße. Wir wollen Gott danken, daß wir unsere Kinder aus den Hauptgefahrenzonen des Krieges heraus bringen konnten. Das Landleben und die reine Luft hätten sie wohl in normaler Zeit nur wenig kennen gelernt. Meine Trabanten fühlen sich in Gr.Mandelkow auch ausgezeichnet. Sie helfen Gitta bei der Gartenarbeit und haben ihre Freude daran. Gitta hat nämlich einen ziemlich großen Garten zu bestellen und da gibt es viel zu helfen. Anscheinend macht es Gitta auch viel Spaß, wenn sie abends auch immer sehr müde von der Arbeit ist und die Hühner ihr großen Kummer bereiten, weil sie ihr die Erbsen aus dem Boden heraus scharen und die Beete verwüsten. Mutter soll ja auch mal hinfahren und längere Zeit bleiben. Wenn Lucie nicht an Berlin gebunden wär, dann würde sie schon ihre Enkelkinder wieder sehen wollen und wird sie unsere Einladung schon annehmen. Schwiegermutter wird wohl jetzt einige Zeit nach Berlin zurück fahren. Sie hat Sehnsucht nach ihrem Mann. Schwager Georg kommt voraussichtlich im Mai nach Italien, da möchte sie ihn vorher noch einige Male in Berlin sehen. Hast Du eigentlich die Adresse von unserem Georg? Ich schrieb schon einmal an Mutter deswegen, bekam aber keine Antwort. Meine Post an Georg bekam ich zurück mit dem Vermerk: neue Anschrift abwarten. Und der arme Junge hat sich bei Mutter beklagt, daß er von uns keine Antwort auf seine Briefe erhält. Er tut mir so leid. Ich bekomme ja nun wieder laufend und reichlich Post. Mir fehlt nur die Zeit auf alles und jedem zu antworten. Augenblicklich kann ich meine Post nur des Nachts schreiben. Jetzt ist es 4 Uhr früh. Seit einer Woche die 3. Nacht ohne Schlaf. Aber was macht das uns jungen Menschen schon aus. Nun werde ich noch einen Brief an Gitta schreiben und dann ist es Zeit zum Rasieren und fertig machen zum neuen Dienst. Wir trainieren für die Invasion. Wenn sie kommt, dann haben wir auch keine Zeit zum Schlafen. Wann kommt sie? Wir warten alle Tage darauf. Warten wir umsonst?

Grüße Deine Kinder und Familie Hetzer, sowie Deine Graslitzer Freunde unbekannterweise von mir und bleibt alle gesund und zuversichtlich. Dir wünsche ich alles Gute und grüße Dich herzlich.

Dein Bruder Rudi.


Luzia Woelky an Georg Woelky

25.5.1944

Mein lieber Georg!

Ach, wie lange solltest Du schon diesen Brief haben! Jetzt, da ich ein bißchen faulkrank feier, will ich es doch wahr machen. Trotzdem glaube ich, daß Du meine vorangegangene Post nicht erhalten hast, auch nicht das Briefpapier; denn Du erwähnst gar nichts davon.

Nun haben sie Dich also auch rausgeholt und Du kannst Dir jetzt auch mal Italien ansehen. Doch jetzt dürfte es wohl kaum einen Reiz haben. Heute kam Dein lieber Brief vom 12.5. an. Um diese Zeit war ich gerade in Graslitz. Ich war nämlich krank und wollte gesund werden. Nun will ich Dir etwas von meiner, jetzt schon überwundenen Krankheit erzählen. Halte Dich erst aber einmal fest. Diese Krankheit kam mit einem Brief von Felix, der mir sagte, daß nun alles aus sein muß zwischen uns beiden. Er war doch 6 Wochen in München zum Uffz. Lehrgang, lernte dort ein Mädel kennen und schrieb mir nun, daß er dieses Mädchen aus Bayern liebt. Es wär so schön gewesen, es hat nicht sollen sein! Du kannst Dir ja vorstellen, wie weh mir das erst getan hat. Aber da ist ja dann nichts zu ändern. Hauptsache er wird glücklich mit der anderen. Bin ja gespannt, was seine Mutter sagen wird, am Sonnabend sehe ich sie erst, da kommt sie aus Oderberg zurück. Ob ihr diese Wendung recht ist, bezweifle ich noch. Was sagst Du nun? Ich möchte nur gerne wissen, was das für eine Frau ist, die es versteht, ihn in 6 Wochen dort hinzukriegen, wozu ich 2 Jahre gebraucht habe. Aber deshalb lebe ich auch weiter. Es war nur im Anfang sehr schmerzlich und sehr oft wird man daran erinnert. Doch, es geht alles vorüber. Bei uns war auch wieder so allerhand los. Am Freitag wurde unsere Firma stark beschädigt, 10 Verletzte und 1 Toter von der Gefolgschaft. Ringsherum die Häuser kaputt. Ich bin nur froh, daß ich während des Angriffs im Keller war. Gestern hatten wir die Bande auch wieder mal in Moabit. Wir haben es ganz anständig pfeifen hören.

Von Kati bekamen wir zum Muttertag einen Brief, in dem sie uns 10 niedliche Bilder von eurem Manfred mitsandte. Was ist das doch für ein lieber, netter drolliger Kerl geworden. Gratuliere, Georg! Ich bin nur froh, daß Kati, Gitta u. Herta jetzt mit den Kindern nicht hier sind. Tag und Nacht sitzen wir nun im Keller. Aber auch das muß doch mal ein Ende haben! Nur – wann? Hoffen und beten wir nur, daß ihr alle gesund nach Hause kommt, daß wir dann ein frohes Wiedersehen feiern können. Wie würde sich Mutter freuen. Ob wir uns dazu wohl den Vereinssaal von Müllers borgen müssen?

Nun liebes Bruderherz lasse es Dir weiter gut gehen, wir beten auch feste für Dich. Sei recht herzlichst gegrüßt

von Deiner Lu


Rudolf Woelky, 03009 C, an Hertha Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau)

27.5.1944

Liebe Hertha!

Weißt Du noch wie’s damals war? Ich meine Pfingsten vor so und soviel Jahren. Waren das noch Zeiten! Mir fällt ja gleich immer etwas originelles dabei ein. Anita, das holde Kind. Bitte sag’s noch einmal auf:

Wenn Pinnsten is, wenn Pinnsten is,
dann slacht mei Vadder neu Bott.
Dann tanzt mei Mudder, dann tanzt mei Mudder,
dann wackelt ihr der Zopp.

Herrlich, was. Anita wird damals auch nicht geahnt haben, daß ihr Verslein Menschen im 5. Kriegsjahr ein befreiendes Lachen schenken wird. Beinahe hätten wir es hier gar nicht gemerkt, daß morgen Pfingsten ist. Unsere Zivilarbeiter fragten gestern an, ob am Pfingstmontag gearbeitet werden muß. Da schauten wir uns dumm an. Wieso Pfingsten? War denn schon Ostern?

Ja, man wird von der Zeit getrieben. Ein Tag ist wie der andere und die Gedanken drehen sich nur um einen Pol: Invasion. Wenigstens hier bei uns. Alles andere schleicht schemenhaft an uns vorüber und wird in unserer Sturheit übergangen. Wenn da nicht in Berlin, in Gr.Mandelkow, Graslitz usw. jemand wär, die Anteil an unserem Leben hier haben und von uns einen Gruß zum Fest erwarten, dann würde ich jetzt auch nicht auf der Gartenbank sitzen und, den Leitz Ordner auf dem Knie, einen Brief schreiben. Was bedeutet schon Pfingsten für den Soldaten? Wenn es sich wenigstens noch in der Verpflegungszuteilung bemerkbar machen würde. Aber an zwei sauren Heringen ist das nicht zu erkennen. Einzig und allein vielleicht daran, daß es heute mal gegen Abend ruhiger geworden ist und den ganzen Tag über herrlicher Sonnenschein war. Sonst merken wir das ja kaum und gearbeitet wird bis 2 Uhr nachts und länger. Ich wundere mich nur, daß noch nicht der Satz propagandiert wird: Schlafen ist ungesund. Ich muß so oft an die Jünger Jesu denken, die mit Christus die Nacht auf dem ölberg zubrachten. Es liegt mir fern zu spotten, aber es hat soviel Gleiches mit unserer Lage.

Da ein Pfingstgruß heute bereits verfehlt ist, so muß ich es schon bei dem üblichen Gruß belassen und bringe nur den Wunsch zum Ausdruck, daß Du mit Deiner Familie allen Weltgeschehen zum Trotz doch ein frohes Pfingstfest verleben konntest. Ich werde es mir auch nicht vergrämen lassen. Wir lassen uns nicht unterkriegen, dazu sind wir noch zu jung.

Heute wollte ich mich fotografieren lassen. Habe dabei an Dich gedacht. Extra den Kopf gewaschen, die Haare ein wenig aufgeplustert, damit man nicht so die kahlen Stellen sieht, frisch rasiert und auf jugendlich trainiert. Am Ende war alles umsonst, denn ich muß in 8 Tagen wieder kommen. Nun werde ich heute Abend ausgehen. Vielleicht, man kann ja nicht wissen, lohnt sich meine Arbeit doch noch. Man schätzt mich allgemein auf 28 Jahre. Aber so alt will ich doch noch gar nicht sein.

Soll ich nun noch von anderen Dingen schreiben? Ach, nein, lassen wir es lieber. Frohes und Heiteres gibt es darunter so wenig. Außerdem ist mir mein Fuß beim Schreiben eingeschlafen. Also später mal wieder von anderen Erlebnissen und Gedanken. Sollte Bruno z.Zt. in Gralitz sein, bestelle ihm bitte meine besten Grüße, und seinen Brief beantworte ich in den nächsten Tagen.

Bleibt gesund und sorgt für Humor. Es ist das beste Gegenmittel für den Giftzahn der Zeit. Es grüßt Dich und Deine Kinder und alle lieben Bekannten Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky in ....an Regina Woelky in Groß Mandelkow

Pfingstsonntag, den 28.5.1944

Liebe Regina!

Vor 4 Jahren, kaufte ich Dir den ersten Pfingsthut. Es war eine Schute. Heute kann ich Dir nichts kaufen, jedenfalls keinen neuen Hut. Aber wenn ich wieder ganz bei Dir bin, dann sollst Du Dir auch einen schönen Hut aussuchen, wie diese kleinen Mädchen auf dem Bilde. Welche Farbe liebst Du am meisten? Schreibe nur mal.

Es grüßt Dich lieb Dein Vati


Rudolf Woelky in......an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

Pfingstsonntag, den 28.5.1944 blau

Liebes Nesthäkchen!

Ich sende Dir den ersten Pfingstgruß in Deinem jungen Leben. Vor einem Jahr warst Du für Deine Eltern noch eine Vorstellung, heute bist Du bereits über ½ Jahr Wirklichkeit. Nur kann ich mir diese Wirklichkeit schwer vorstellen. Bitte schicke mir mal ein Bild von Dir.

Herzliche Grüße sendet Dir Dein Vati


Rudolf Woelky von Terneuzen aus geschrieben, vor der Abfahrt nach Italien und kurz vor der Invasion

5.6.1944 gruen

Meine liebe Gitta!

Sende Dir herzliche Grüße. Wenn die nächste Zeit wenig Nachricht von mir bringt, so mache Dir weiter keine Gedanken. Es kommen wieder andere Tage. Sonst geht es mir ausgezeichnet. Wünsche Dir und den Kindern alles Gute.

Die herzlichsten Grüße sendet Dir Dein Rudi


Rudolf Woelky bei Pisa, Grosseto und Spezia an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

18.6.1944 gruen

Meine liebe Gitta!

Jedem kann ich unbefangen einen Gruß aus der Fremde senden. Handelt es sich aber um Dich dabei, dann befällt mich stets eine tiefe Trauer, weil Du so weit von mir bist und es nicht miterleben darfst, was sich meinem Auge an fremdartiger Schönheit bietet. Zwar ist es auch für mich nur ein flüchtiges Schauen ohne das große Erleben dabei. Aber gerade auch darum ist es so schwer für mich. Meine Gedanken sind zu viel bei Dir und den Kindern. Sende Dir recht herzliche Grüße und liebe Küsse.

Dein Rudi


Rudolf Woelky bei Pisa an Michael Woelky in Groß Mandelkow

18.6.1944

Lieber Michael!

Ich habe mich zwar nie danach gesehnt nach Italien zu kommen, dennoch ist es ein Erlebnis für mich. Vieles Interessante und Weltbekannte habe ich schon zu sehen bekommen. Für uns Soldaten ist natürlich das Erfreulichste das herrliche Obst und der Wein. Hoffentlich kann ich auch mal von all dem einmal mündlich erzählen.

Herzlichen Gruß von Deinem Vati


Rudolf Woelky in Pisa an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

18.6.1944 blau

Mein liebes Nesthäkchen!

Während Du auf den spärlichen Sonnenschein zu Hause wartest, marschiert Dein Vater über die staubigen Straßen des Südens und sucht nach einer schattigen Stelle. Dieses Land hier hat gewiß sehr große Reize, aber leben möchte ich hier auch nicht. Die Natur macht die Menschen faul und träge. Wenn Du größer bist, und ich wieder bei euch bin, dann werde ich Dir viel von diesem Land und ihren Menschen erzählen. Für heute sendet Dir recht herzliche Grüße Dein Vati.


Rudolf Woelky bei Pisa an Regina Woelky in Groß Mandelkow

18.6.1944

Meine liebe Tochter!

Sende Dir einen Gruß aus Italien. Vor einigen Tagen besuchte ich gelegentlich eines Auftrages diese Stadt. Sie ist weltberühmt durch ihren „schiefen Turm". Wird sie nach dem Kriege auch noch weltbekannt bleiben? Der Engländer und Amerikaner schont ja nichts. Was macht die Schule? Lernst Du fleißig? Freue mich schon auf einen Brief von Dir. Dein Vati


Rudolf Woelky bei Pisa an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

18.6.1944 orange

Mein lieber Junge!

Hebe diese Karte gut auf. Wenn ich wieder bei Euch bin, dann werde ich auch von diesem Turm erzählen. Bis dahin bittet den lieben Gott, dass er mich gesund wieder zu euch zurück führe. Bleibt auch ihr alle schön gesund und vergesst euren Vati nicht. Ich liege jetzt auf dem Bauch in einem Zelt . Draußen ist es warm und unerträglich. Hier suchen wir den Schatten. Hin und wieder haben wir Gelegenheit Eis zu essen.

Es grüßt Dich Dein Vati


Rudolf Woelky bei Udine an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

2.7.1944 blau

Verwundeten Betreuungsfahrt vom Lazarett Udine nach Triest. Zur Erinnerung an diesen Tag und an Deutschlands schwerste Zeit in diesem Kriege. Dein Vater


Rudolf Woelky bei Udine an Michael Woelky in Groß Mandelkow

2.7.1944

Verwundeten Betreuungsfahrt vom Lazarett in Udine nach Triest. Die Fahrt war schön, aber ich hätte sie lieber mit euch gemacht. Dein Vater


Rudolf Woelky bei Udine an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

2.7.1944 orange

Verwundetenbetreuungsfahrt vom Lazarett Udine nach Triest. Europäer haben diese Stadt gebaut, Amerikaner vernichten sie. Heute sagen wir Schande, wenn Du in meinem Alter bist dann nennt man es Geschichte. Dein Vater


Rudolf Woelky bei Udine an Regina Woelky in Groß Mandelkow

2.7.1944

Verwundeten Betreuungsfahrt vom Lazarett Udine nach Triest. Von diesem Hafen aus fuhren wir 3 Stunden hinaus auf die blaue Adria. Es war schön, aber noch schöner wär’s mit euch gewesen. Dein Vater


Rudolf Woelky, L52220 LgPa München II, an Herta Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau), Pilzsteig 1686

04.07.1944

Liebe Herta!

Lang wird dieser Brief nicht, denn mit der linken Hand geht’s nicht so leicht. Hoffe ja auch, daß ich bald wieder die rechte Hand gebrauchen kann. Vielleicht weißt Du es schon, ich bin nämlich am 23.6. am rechten Unterarm leicht verwundet worden. Ein Granatsplitter hat mir die Muskeln ein wenig aufgerissen. Es war bei Mass a Marrit, nördl. Rom. Einige Tage bin ich nun hier in einem oberital. Lazarett. Es fehlt uns nur die Post von zu Hause, sonst haben wir alles, was man sich wünscht. Wenigstens für das leibliche Wohl. Leider sollen wir heute wieder weiter kommen. Wenn es nach Deutschland gehen würde, dann würde es uns freuen, aber so müssen wir wieder von Neuem auf Post warten und wieder gibt’s eine neue Feldpost Nr. Seit 6 Wochen warte ich nun schon auf Post, d.h. als wir vorne lagen und jede Minute mit allem rechnen mussten, da wollte ich am liebsten durch nichts an zu Hause erinnert werden. Vierzehn Tage werde ich nun noch Ruhe haben, und dann lassen wir uns wieder überraschen. Sonst bin ich wirklich quietschvergnügt und warte auf die Zeit, wo die Reben an den Weinstöcken reif sein werden. Getrunken haben wir den Wein jetzt schon zur Genüge, vorne war es die einzige Flüssigkeit, die wir vorfanden. Nur eignet er sich nicht recht zum Waschen. Man riecht hinterher leicht angesäuert.

Von mir aus könnte es jetzt wieder in ein anderes Land gehen. Von Italien habe ich in dem einen Monat genug gesehen. Genua, Cremona, Bologna, Florenz, Pisa und von der Küste aus die Insel Elba. Am letzten Sonntag war ich auf Verwundeten Betreuungsfahrt in Triest. Morgen bin ich vielleicht in Cortina (Dolomiten).

Ich kann Dir nun gar nicht einmal meine zukünftige Feldpost Nr. angeben. Nun ich schreibe dann bald mal wieder.

Renates Geburtstag habe ich ganz vergessen. Sie wird mir ja nicht böse sein. An der Front, beim direkten Einsatz, hat man wenig Zeit und noch weniger Sinn hierfür. Ich wünsche Dir, Renate, nachträglich alles Gute für Dein neues Lebensjahr. Auf Dein Wohl werde ich heute eine Flasche Rotwein leeren.

Nun bleibt alle gesund und drückt den Daumen für einen baldigen Frieden. Grüßt alle Lieben in der Heimat von mir und sei Du und Deine Familie vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Rudi.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen an Anna Woelky

22.07.1944

Liebe Mutter!

Der Mensch muß an Gott glauben und ein sonniges Herz haben, dann hat er auch Glück. Mit wenigen Auserwählten bin ich heute nacht in Gunzenhausen gelandet. Das Land der Verräter und Zigeuner liegt hinter mir. Ich habe es auch wieder mal sehr gut angetroffen. Wie alles kam und wie es hier ist, darüber schreibe ich Dir in den nächsten Tagen. Heute habe ich noch viel zu schreiben, damit ihr die Briefe an mich richtig adressiert. Sonst muß ich immer noch länger auf ein Lebenszeichen von euch warten.

Gesundheitlich geht es mir ausgezeichnet. Meine Verletzung am Hals ist bereits geheilt und der Arm macht gute Fortschritte. Den Gipsverband haben sie mir heute schon abgenommen, aber die Hand kann ich noch nicht gebrauchen. Eilt auch nicht, ich habe Zeit. Alles andere wird schon werden. Ich bin jedenfalls der glücklichste Mensch. Wenn Lucie mich mal anrufen will, ich bin zu erreichen unter Gunzenhausen Nr. 85. Für den Fall wär dann noch zu merken, daß ich auf Zimmer 43 liege.

Es grüßt Dich und Lucie, sowie alle Lieben in Groß-Trümmerhausen, Dein Sohn Rudi.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen, an Hertha Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau), Pilzsteig 1686

22.07.1944

Liebe Schwester Hertha!

Hallo hier spricht Gunzenhausen auf Postleitzahl 13a. Bitte nicht Grunzen, sondern Gunzenhausen. Es spricht zu Dir der glücklichste Mensch des Tages. Er ist gestern dem Land der Zigeuner und Verräter entronnen und wird in den nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht auf diesem Wege geben.

Bitte für heute nachstehende Angaben in Dein Adressen- und Telefonbuch nach zu tragen:

Ogefr. Rudolf Woelky, Res.Laz.Gunzenhausen (Mittelfranken), Abt. Erholungsheim. Zimmer 43, Telefon: Gunzenhausen Nr. 85

Alle bisherigen Adressen auf diese Persönlichkeit sind zu streichen.

Zum Schluß noch eine Feststellung. Wenn es Dir gesundheitlich so geht wie mir, dann bin ich beruhigt. In 4-6 Wochen werde ich auch wieder meine rechte Hand gebrauchen können. Dann werde ich wieder umlernen müssen.

Es grüßt Dich und Deine Familie mit einem kräftigen Händedruck (linke Hand kommt von Herzen) Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen an Anna Woelky

26.07.1944

Liebe Mutter!

Da fragt mich grad jemand, welches Datum wir heute haben. Den 26. – Mensch, da hat ja meine Frau heute Namenstag – Und meine Mutter auch.

Ja, auf diese Art und Weise wird man auf die Ehren- und Festtage seiner Angehörigen hingewiesen und schon ist wieder ein Brief fällig. Wenn nun, wie gewöhnlich, meine Gratulation verspätet ankommt, so weiß ich doch, daß Du Dich darüber freust. Was wir uns heute alle am sehnlichsten wünschen, das kann ich Dir nicht geben, aber vertrauen will ich auf Gott, daß er Dich weiterhin beschützt und gesund erhält und uns von aller Qual und Leid bald befreit. Ich habe allen Grund dieses Vertrauen zu bewahren und den Glauben an andere weiter zu geben, denn mir hat Gott gewiß schon viel Beweise seiner Gegenwart gegeben. Ich bin nur froh, daß ich weiß welch starker Glauben und Vertrauen Dich mit Gott verbindet. Das stärkt Dich und lässt Dich alle Not und Gefahr, in der Du Dich durch die Luftangriffe täglich befindest, gelassen überstehen. Gewiß würde ich Dich, Lucie und alle lieben Angehörigen lieber an sicheren Orten wissen, aber ich kann nicht gegen die Macht an und kann niemanden zwingen. Also bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als auch einer höheren Macht zu überlassen. Und dazu mein Gebet und meine besten Wünsche heute an Deinem Namenstag.

Nun wirst Du gewiß auch gerne wissen wollen, wie es mir geht und was ich treibe. Also ich kann nur Gutes berichten und das wird Dich ja auch freuen. Die Heilung am Arm macht gute Fortschritte. Vorgestern habe ich mich schon das erste Mal wieder allein rasieren können. Bald werde ich auch wieder mit der rechten Hand schreiben können. Ich mache täglich meine Bewegungsübungen und da wird es bald werden. Meine Freizeit fülle ich aus mit Lesen, Schreiben und Schlafen. Einmal war ich mit einigen Schwestern und anderen Verwundeten im Wald Pilze suchen. Dabei haben wir mehr Blaubeeren, Erdbeeren und Himbeeren gefunden als Pilze. Trotzdem gab es dann am nächsten Abend für die Beteiligten ein herrliches Pilzgericht. Dem Lazarett ist eine kleine Werkstatt angegliedert, in der ich ab morgen täglich 4 Stunden arbeiten werde. Es ist da Arbeit, die man auch mit der linken Hand machen kann. Gestern hätte ich beinahe Pech gehabt, denn es kam ein großer Teil von hier fort in ein anderes Lazarett. Mich hatte man auch aufgeschrieben. Nur dem Umstand, daß ich noch keine Uniform habe, war es zu danken, daß ich hier bleiben konnte. Es gefällt mir hier zu gut. Und dann warte ich doch auf Post. Die ganze Zeit über in Italien keine Nachricht von euch, überhaupt von niemanden außer von Gitta zwei, die ich noch die letzten Tage in Udine erhielt. Nun wären die Briefe alle nach Gunzenhausen gekommen und ich wär wieder wo anders gewesen. Das hätte mir grad gefehlt.

Grüße Lucie und Bokowskis von mir. Allen alles Gute. Dir sendet die herzlichsten Grüße Dein Sohn Rudi.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen, an Herta Heim, b. Fuchs, Graslitz, (Sudetengau) 1686

28.07.1944

Liebe Herta!

Halte meine erste Post in Händen. Sie ist von Dir, Dein Brief vom 25.7.. Darum sollst Du auch sofort Antwort haben. Die Post wird bei uns immer während des Mittagessens verteilt. Ich habe die Suppe stehen gelassen und erst Deinen lieben Brief gelesen. Vielen Dank für Deine Zeilen. Wenn sie auch nicht meine Neugierde befriedigen konnten, so weiß ich doch wenigstens, daß Du und Deine Kinder gesund sind. Ich hätte ja gerne noch viel mehr gewusst. Von Kurt, von Georg, Bruno und was Du sonst von den anderen weißt. Ist denn Deine Wohnung in Berlin noch ganz? Wenn es von hier aus Urlaub geben würde, dann käme ich Dich selbstverständlich besuchen, aber leider werde ich darauf verzichten müssen. Man hat im 5. Kriegsjahr für derartige Besuchsfahrten wenig Verständnis. Schade, daß Du so an die Kinder gebunden bist, sonst könntest Du mich besuchen. Aber es ist auch alles so ungewiß. Ich kann über Nacht in ein anderes Lazarett verlegt werden und dann war alle Vorfreude umsonst. Darum laß ich ja auch Gitta nicht herkommen. Wenn ich nämlich schon eine Uniform gehabt hätte, dann wär ich vorgestern nach Nordlingen verlegt worden. In 10-14 Tagen rechne ich sowieso mit meiner Entlassung. In Deutschland heilen die Wunden schneller, und das ist ja auch gut so, denn wir brauchen jetzt viele freie Betten. Vielleicht feiere ich meinen Geburtstag schon in Groß-Mandelkow. Rasieren kann ich mich schon mit der rechten Hand, da werde ich auch bald wieder mit ihr schreiben können. Es geht links doch zu langsam und dann komme ich über diese Schulschrift nicht darüber hinweg. Und darum werde ich auch nicht mehr viel schreiben. Aber etwas hätte ich nun beinahe doch vergessen.

Da sitze ich vorgestern Abend auf dem Treppenflur und lausche in Andacht den salbungsvollen Ausführungen Dr. Goebbels. Ich war ganz gerührt, da werde ich zum Telefon gerufen. Meine Tochter wär am Apparat. Ich frage den Mann noch, welche Tochter. Er konnte mir keinen Namen sagen. Da wurde ich schon mißtrauig. Ran an den Apparat – hier Rudi, hallo, hallo, hallo, hallo und immer noch mal hallo. Aber kein Laut drang an mein Ohr. Große Enttäuschung. Keiner konnte mir sagen von wo der Anruf kam, keiner hat den Namen verstanden. Aus Deinem Brief ersehe ich nun, daß Du es nur gewesen sein kannst und ich danke Dir für Deine Bemühungen. Du wirst nicht weniger enttäuscht gewesen sein als ich. Nun, so machen wir es halt lieber schriftlich.

Es sendet Dir und Deinen Kindern aus ganzem Herzen recht frohe Grüße Dein Bruder Rudi.

Wenn Du mal zu Hetzers kommst, dann grüße dort bitte auch von mir. Alles Gute!


Rudolf Woelky an Regina Woelky aus Gunzenhausen

31.7.1944

Meine liebe Tochter Regina!

In den Tagen, wo ich euch räumlich noch weit entfernt bin, aber mit dem Herzen ganz nahe und wieder in unserem schönen Deutschland und die Heilung einer kleinen Verwundung abwarte, schreibe ich Dir diesen Geburtstagsbrief.

Lange habe ich überlegt, was ich Dir zu Deinem Geburtstag schenken kann und worüber Du dich freuen würdest. Aber ich durfte selbst noch nicht aus dem Lazarett hinaus und musste eine Krankenschwester bitten, daß sie mir etwas für Dich mitbringt. Das war noch in Italien. Hoffentlich kommt das Päckchen gut und rechtzeitig an. Eine kleine Süßigkeit konnte ich Dir auch beilegen. Siehst Du Regina, wenn nicht Krieg wär und noch alles zu kaufen gäbe wie früher, dann würde ich Dir einen großen bunten Ball schenken, der müsste so groß sein, wie Opas Kopf. Und Schokolade und Bonbons würde ich Dir auf Deinen Geburtstagstisch stellen, einen großen Teller voll. Doch es gibt zuviel schlechte Menschen auf der Welt, die haben uns alles weggenommen. Aber ich weiß ja, daß Du auch so zufrieden sein wirst. Bete jeden Tag zum lieben Herrgott, daß er uns bald wieder den Frieden schenke, dann bekommst Du beim nächsten Geburtstag alles nach.

In Deinem neuen Lebensjahr werden sich große Dinge ereignen und die Zukunft unseres Volkes wird sich dabei entscheiden. Meine heißesten Wünsche begleiten Dich in Deinem 8.Lebensjahr. Möge es Dir und uns nur Gutes bringen. Lerne fleißig in der Schule und helfe der Mutti, wo Du nur kannst. Sei immer lieb zu Deinen beiden Brüdern und zur kleinen Ursula. Vergiß nie, was Du Deinem Namen schuldig bist, denn Regina heißt Königin. Eine echte Königin ist immer lieb und gut, treu und wahr, sauber und fein, immer gern helfend und schenkend, aber auch stolz und aufrecht. Bist Du meine kleine Königin?

Du hast mir letztens mit Muttis Brief eine Abschrift von Deinem ersten Zeugnis mitgeschickt. Ich habe mich sehr darüber gefreut und ich weiß, daß das nächste Zeugnis noch besser ausfallen wird. Wie mir Mutti heute schreibt, geht Michael am 8.August auch das erste Mal in die Schule. Da geht ihr dann beide immer zusammen. Aber paß nur auf, daß Dich der Micha nicht im Lernen überholt. Wenn er aber etwas bei den Schularbeiten falsch macht, dann zeige es ihm, wie es richtig ist. Aber nicht etwa so: „Was machst Du denn da, Du Dummer? Hast Du das so gelernt? Du machst auch alles falsch!„. Nein, da sagst Du zu ihm: "Paß mal auf, Micha, ich habe das früher auch mal so falsch gemacht, aber das lernst Du noch. In Wirklichkeit ist alles ganz einfach. Sieh mal wie ich das mache, und dann immer wieder üben." Ich bin ja neugierig, wer mir später die besten Briefe schreibt.

Liebe Regina, versuche mal. Ob Du alles lesen kannst, was ich Dir geschrieben habe. Ich musste es zwar noch mit der linken Hand tun, doch ich habe mir alle Mühe gegeben. Wenn ich dann bei euch bin, dann liest Du mir den Brief noch einmal vor. Ich sehe grad aus dem Fenster, da fliegt eine Schwalbe an mir vorbei und ich rufe ihr zu :

Lieber Vogel, fliege weiter, nimm einen Gruß mit und einen Kuß für Regina und ihrem Muttchen, weil ich noch hier bleiben muß.

Dein Vater


Rudolf Woelky an Michael Woelky

1.8.1944

Lieber Micha!

Von der Oma Woelky bekam ich heute einen Brief. Darin schreibt sie mir, daß sie euch vor einem Monat besucht hat und sich über euch alle sehr gefreut hat. Ganz besondere Freude aber hatte sie darüber, daß Du mit ihr oft spazieren warst und dann ihr so schöne Blumen gepflückt hast. Auch hat mir die Oma geschrieben, daß sie Dich beinahe nicht wieder erkannt hätte, so ein großer und patenter Junge wärst Du geworden. Das ist wirklich brav von Dir und ich bin sehr zufrieden. Kennst Du auch die Blumen mit Namen? Wenn ich mal auf Urlaub komme, dann gehst du mit mir auch mal über die Felder und Wiesen und dann zeige ich Dir den roten Mohn, die blaue Kornblume, die weiße Margerite mit dem gelben Knopf in der Mitte, den gelben Löwenzahn, das kleine Gänseblümchen auf der Wiese und viele andere. Und dann machen wir einen schönen Strauß und nehmen ihn der Mutti mit. Du und Regina müsstet jeden Sonnabend, wenn die Schule aus ist, auf das Feld gehen und für die Mutti und die Oma einen Blumenstrauß pflücken, die dann am Sonntag auf dem Kaffeetisch stehen.

Wart ihr öfter am See und habt dort gebadet? Oma Woelky schreibt, daß ihr mal zusammen hingegangen seid. Mutti euch dann auch erlaubt hatte mit den Füßen ins Wasser zu gehen. Otfried hat dann wohl gedacht, er habe auch die Hosen aus und hat sich mit den Hosen ins Wasser gesetzt. Als ich das las, da habe ich ganz laut gelacht. Meine Kameraden hier haben mich groß angeguckt und haben sich gedacht, was ist denn mit dem los, warum lacht er so. Dann habe ich ihnen von Otfried erzählt und wie er sich mit der Hose ins Wasser gesetzt hat. Da haben sie alle gelacht. Dann habe ich ihnen noch Bilder gezeigt auf denen ihr drauf seid und ich war stolz auf euch.

Weißt Du noch Micha, wie wir und Otfried an einem Vormittag in Buckow, nachdem wir Regina zur Schule gebracht hatten, in den Wald gingen und den einen Vogel gesucht haben? Er rief immer und wir waren ganz still und sind ganz leise in der Richtung gegangen, von wo der Ton kam. Wenn wir dann nahe dran waren, dann flog er wieder weiter. Wenn ihr im Wald seid, dann müsst ihr mal ganz ruhig sein. Es sind im Wald viel Vögel, der eine singt immer besser als der andere, aber man hört sie nur, wenn man nicht laut spricht. Ob die Eicheln und Kastanien, die wir damals oben auf dem Berge in die Erde gepflanzt, schon gewachsen sind? Was macht eigentlich Muttis Garten? Habt ihr auch Blumen gesät? Na, wenn ich bei euch bin, dann zeigst Du mir alles. Ich bin ja schon so neugierig.

Jetzt gehst Du auch bald in die Schule und wirst schreiben und lesen lernen. In einem Jahr kannst Du schon alles selbst lesen was ich Dir schreibe. Wirst Du mir dann auch mal einen Brief schicken? Ich habe immer geglaubt Regina wird mir öfter einen Gruß schreiben, aber es war sehr selten. Und ich würde mich doch so sehr darüber freuen. Sag das mal der Regina.

Und nun grüße die Mutti, Oma und Deine Geschwister recht herzlich von mir und sei auch Du recht lieb gegrüßt von

Deinem Vater


Rudolf Woelky an Regina Woelky

04.08.1944

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Dein Vati


Rudolf Woelky, Gunzenhausen an Lucie Woelky

05.08.1944

Mein liebes Schwesterlein!

Seit drei Tagen habe ich die Absicht Deine Briefe vom 12. u. 27.7., für die ich Dir recht herzlich danke, zu beantworten, doch es fehlte mir die nötige Konzentration. So eine kleine Herzensangelegenheit erfordert immerhin eine Sammlung der Gedanken. Da ich außerdem z.Z. den Roman eines lothringischen Schriftstellers lese, der nur so von Betrachtungen und Urteilen über das bürgerliche Eheleben um die Jahrhundertwende wimmelt, war es besonders schwer zu unserer vorurteilsfreien und natürlichen Zeit unbeschwert zurück zu finden.

Deine Mitteilung hat mich ohnehin etwas überrascht, wenn man auch jederzeit damit rechnen konnte. Letzteres will nicht besagen, daß ich Felix für charakterlos hielt und Dich für ein Mädchen, das einen Mann über Entfernung hinweg nicht zu halten vermag. Das Gegenteil ist der Fall. Aber der junge Mann von heute, der im Soldatenrock steckt, lernt heute durch sein Herumvagabundieren Frauen der verschiedensten Rassen und Temperamente kennen, die ihn immer wieder zu vergleichen heraus fordern. Ich schreibe Dir in dieser Realistik, weil ich wohl annehmen darf, daß Du wirklich über die erste Enttäuschung in Deiner Liebe hinweg bist. Felix hat nun gewiß ein Mädchen kennen gelernt, das in ihrer Art in einem krassen Gegensatz zu seinem ernsten ruhigen Wesen steht. Ob es ein Irrtum der Liebe war, das wird er erst später feststellen und das mag Dich beruhigen. Kein Mensch kann aus seinem Erbtum heraus und nur dort kann er auf die Dauer gedeihen und sich wohl fühlen, wo ihm die Atmosphäre seiner Kinder- und Jugendzeit entgegen weht. Trage ihm darum nichts nach, sondern habe Verständnis für die Menschlichkeit seines Tuns, und wenn Du wirklich etwas für ihn übrig hattest, dann wünsche ihm im Stillen alles Gute. Für Dich darf es nie eine Enttäuschung sein, sondern laß Dich dadurch herausführen aus einer Engherzigkeit, die nur Leid verursacht. Die Menschheit hat gerade in unserer Zeit genügend Leid zu ertragen, so daß jeder bestrebt sein muß, sich zu einer wahren edlen Haltung und Gesinnung durchzuringen. Ich bin davon überzeugt, daß Gott Dir ein Herz dazu gegeben hat. Die Völker werden nach diesem Kriege nur an den Herzen der Frauen gesunden, die sich eine reine Seele, echte Mütterlichkeit und herzensguten Frohsinn bewahrt haben.

Viele haben nicht die Gelegenheit zu beweisen was für ein Kerl er ist. Du aber hast es. Ich denke an Frau Weisbrich. Dieser Frau darf es überhaupt gar nicht peinlich sein, daß Felix seine Augen jetzt wo anders hingeworfen hat. Dafür musst Du sorgen. Dich bindet etwas an diese Frau. Du hast Ersatz gefunden, wenn auch bisher keinen vollwertigen, aber du hast ja auch noch nicht Ja gesagt. Dir stehen noch viele Möglichkeiten offen. Aber Frau W. hat nur den einen, um den ihr Herz bangt und der in ihren Augen immer ihr kleiner Junge bleibt. Frage Mutti, ob es so ist. Wenn dann diese Frau durch Dich das Gefühl haben sollte, daß ihr Junge ungezogen war, gell, das ist nicht schön. Jawohl, wir tragen den Namen Woelky und wir haben unseren Stolz. Stolz aber ist eine Untugend, wenn man ihn nicht adelt. Du wirst mir recht geben und darum wirst Du auch, wenn Du es noch nicht getan haben solltest, Dich bei Frau W. weiterhin nach dem Wohlbefinden ihres Sohnes erkundigen. In einer leidenschaftlichen Stunde sprichst Du dann mit ihr auch über Deine Entschlüsse. Dabei vergibst Du Dir nichts sondern gewinnst nur und sie wird Dir ewig dankbar sein. Vielleicht hast Du auch noch manches Andenken an ihn, was für sie von großem Wert ist. Wenn Du ihr davon einiges zurück gibst, dann mag es in feinfühliger Weise geschehen. Das haben ja Frauen von Natur aus besser raus als Männer.

Ich hoffe, daß ich mich in allem verständlich ausgedrückt habe. Und nun zum Fall Nr. 2. Entschuldige meine rohe Ausdrucksweise, aber das bringt der Krieg mit sich. Besonderes Glück hast Du ja nun nicht mit Franzel gehabt, ich meine, daß kurz nachdem Du glaubtest ein Herz für ihn entdeckt zu haben, daß ihm da ein ungewisses Schicksal ereilte. Vielleicht will Gott Dir auch Zeit geben um Dein Herz zu prüfen. Auf jeden Fall aber hat er Dich dazu ausersehen, ein schönes Werk der Nächstenliebe auszuüben. Denn Ehepaar Becker wirst Du immer ein Tröstender Engel sein, bis ihnen der Tod oder das Leben ihres Sohnes volle Gewissheit ist. An sein Leben zu glauben, wird auch für Dich Pflicht sein, bis eine andere Nachricht eintrifft, was ich Dir und Beckers nicht wünsche. Ich möchte Dich jedoch nicht im Zweifel darüber lassen, daß ein Gefangener in England oder Amerika Nachricht geben kann, wenn es auch den Umständen nach manchmal ein Jahr dauern kann.

Im allgemeinen und abschließend möchte ich Dir raten: Es gilt immer noch der weise Spruch: „Es ist nicht alles Gold was glänzt" und „Heiraten ist kein Pferdekauf". Darum prüfe, wer sich ewig binde. Es ist nicht die Figur und nicht die Schinkenstulle, die die Stetigkeit einer Ehe ausmachen, sondern die Einstellung zum Leben und zu Gott. Suche Dir einen Menschen, der Familiensinn hat, der die Natur liebt und bei dem das Herz Musik macht. Bei diesen Menschen ist auch Gott. Wie Du schreibst soll Franzl ja diese Gaben besitzen. Ich drücke schon deshalb den Daumen für ihn, weil uns diese Menschen knapp geworden sind.

Wo Glaube, da Liebe
Wo Liebe, da Friede,
Wo Friede, da Gott
Wo Gott, keine Not

Ich würde mich freuen, wenn Dir meine Zeilen in irgend einer Hinsicht von Nutzen sind. Ich hab nicht die Absicht gehabt, Dir leere Trostworte zu schreiben. Ein offenes freies Wort ist auch in puncto puncti was wert. Gelobt sei, was hart macht, sagte einst ein deutscher Dichter. Wer in der Jugend keine Schläge bekommt, wie will er sie im Alter ertragen. Dazu gehört auch die Liebe.

So, nun aber genug der Weisheiten. Wenn ich nach Berlin komme, dann will ich sehen, daß Dich der kleine Schlag nur noch schöner gemacht hat. Dies wird auch der letzte Brief sein, den ich Dir mit der linken Hand schreibe. Nun muß ich es bald mal rechts versuchen. Den Umschlag kann ich schon schreiben, aber bei längerer Betätigung schmerzen die Sehnen noch zu sehr. Die Wunde ist noch nicht zugeheilt, dafür war das Stück Fleisch zu groß, was mir der Tommy rausgebissen hat. Sonst aber bin ich sehr zufrieden. Hier kann man es schon aushalten. Nächstens wieder was anderes von hier. Heute habe ich keine Lust mehr.

Grüße Mutter vielmals von mir. Ebenso Tante Johanna und Kat. Wünsche Dir und ihnen alles Gute. Es grüßt Dich von Herzen Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky bei Bunzenhausen an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

20.8.1944  gruen

Liebe Gitta !

Einen frohen Sonntagsgruß sendet Dir und den Kindern Dein Rudi.

Heute werde ich einen längeren Spaziergang machen und am Abend ins Kino gehen. Schreibe morgen mehr.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen an Lucie Woelky

20.08.1944

Liebe Lucie!

Wenn ich Dir vor acht Tagen Hoffnung machte an Deinem Geburtstag bei Dir zu sein, so muß ich Dich heute enttäuschen. Ich muß meinen Besuch noch etwas hinausschieben. Meinen Arm haben sie wieder in eine Schiene verpackt. Um die Wunde herum hat sich ein Exeme entwickelt. Nun muß ich schon wieder links schreiben und habe es schon halb verlernt. Gewiß, ich versäume nichts, wenn ich noch länger im Lazarett bleibe, aber ich habe doch so eine furchtbar große Sehnsucht nach meiner Familie. Du hast mich schon mehrmals gefragt, ob wir hier oft Alarm haben, Solange ich hier bin, hat das Städtchen erst einmal Alarm gegeben. Das Lazarett bekommt öfter Voralarm, aber das dauert dann nie lange. Bombardiert ist hier noch nicht worden. Ihr habt es nicht so gut. Es geht mir immer durch, wenn ich in den Nachrichten höre, daß sie schon wieder in Berlin waren. Wie haltet ihr das bloß aus. Ihr habt doch fast täglich Alarm. Gott erhalte euch die Kraft es bis zum Ende durchzustehen.

Zu Deinem 22. Geburtstag sende ich Dir hiermit meine herzl. Glückwünsche. Sie sind erfüllt von dem großen Sehnen nach Frieden. Denn nur er kann uns ja froh und unsere Herzen glücklich machen, jedenfalls soweit, wie wir Menschen am Irdischen hängen. Ich habe mich ehrlich bei Deiner Nachricht gefreut, daß Franz Becker lebt. Gott hat uns wirklich lieb, daran brauchen wir wirklich nicht mehr zu zweifeln. Er lässt Dir Zeit zur reiflichen Prüfung. Was sagt Dir Dein Herz bei der Nachricht?

Nun sei klug und belaste Deine Nerven und die Gesundheit nicht mit unnötigen Sorgen und schweren Gedanken. Laß Dich durch nichts erschüttern. Weise alles von Dir, was Dir den Glauben und das Vertrauen nehmen kann. Wenn Du einmal Trägerin des Lebens werden willst, dann musst Du Dir Deine Kraft bewahren. Unsere liebe Mutter hat uns zu Gott geführt. In ihm haben wir alles. Er ist auch mein Führer. Ich habe mit einer Sturheit im Granatenhagel gelegen, als ob es mich nichts angeht. Sie können mich töten und verwunden, dann ist es Gottes Wille, habe ich mir gesagt. Aber meine Ruhe lasse ich mir nicht nehmen. Mein Prinzip ist: wenn ich den Krieg überstehe, dann brauche ich am nötigsten meine Nerven. Wenn ich die aber nicht mehr habe, dann gibt mir keine Regierung was dafür. Sie sagen mir dann höchstens noch obendrein: die Nerven waren bei ihnen schon immer schwach, sie sind mit den Jahren nur noch schlechter geworden, dafür können wir nichts. Ich kann Dir kein Geschenk machen, kann Dir kein Päckchen schicken. Ich wünsche Dir für Dein neues Lebensjahr eiserne Nerven. Deinen Festtag verlebe in Freude und frohem Sinn. Ich werde in Gedanken unter Deinen Geburtstagsgästen sein. Im nächsten Jahr sind wir bestimmt alle bei Dir und feiern mit.

Nun noch was anderes. Für Deinen Brief und das Päckchen von Mutter habe ich mich ja schon am Telefon bei Dir bedankt. Doch ich möchte es an dieser Stelle noch einmal wiederholen. Du hast ja beinahe 3 Bogen voll geschrieben. Am Telefon sagtest Du zwar, daß Mutter auch einen Brief geschrieben hat. Damit war doch sicher die Karte gemeint, die dem Päckchen beilag. Die Kekse haben sehr gut geschmeckt und die Zigaretten auch. Ich bekam nämlich hier im Lazarett nur Tabakmarken für den ganzen Monat. Was soll ich aber mit Tabak? Zigaretten drehen? Lieber rauche ich nicht. Hast Du damals vom Geschäft aus angerufen? Hat doch ausgezeichnet geklappt. Am Nachmittag kam dann noch ein Anruf von Herta. Gitta schickte einen Brief. Ich war die ganze Woche ohne Post von ihr, so daß ich schon annahm, sie will mich überraschen und kommt selbst, obwohl ich ihr vorher schreib, sie soll es nicht tun. Sie schrieb dann auch, die Verantwortung war ihr zu groß.

Um auf Deinen Brief zurückzukommen, so muß ich Dir schon sagen, daß ich oft gegrinst habe. Das war ja nach dem Deckblatt die reinste Speisekarte. Da konnte einem ja richtig das Wasser im Munde zusammen laufen. Und bei so viel Begeisterung für einen Chef, der außerdem noch Henke heißt, würde ich ein Gedicht machen. Auf Henke lässt es sich doch gut reimen. Denke, schenke, lenke, senke, renke, Bänke, Testamente, Altersrente, Firmamente, an der Tränke, eine Ente und vor der Schänke ein Gemenke. Also so’n Stofflager und so ein Chef könnte mich noch reizen. Sonst bin ich gegen äußere Einflüsse fast unempfindlich geworden.

Ich muß jetzt schließen. Der BDM ist gekommen und will uns was vorsingen. Schade, daß Du nicht hier im BDM bist. Anschließend werde ich einen schönen Spaziergang durch den Wald machen und am Abend ins Kino gehen. Grüß Mutter vielmals von mir. Wenn ich an Dich schreibe, dann schreibe ich damit auch gleichzeitig an sie. Umgekehrt natürlich genau so. Wenn ich nur erst die rechte Hand wieder frei hätte, da geht das Schreiben dann doch schneller.

Verlebe nun den Geburtstag in guter Stimmung. Grüße Tante Johanna, Kat und alle Lieben von mir. Für Dich ganz besonders herzliche Grüße von Deinem Rabenbruder Rudi.


Rudolf Woelky, Gunzenhausen, an Herta Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

24.08.1944

Liebe Herta!

Die schönen Tage von Gunzenhausen sind nun bald zu Ende. Für acht Tage habe ich noch einmal eine Schiene bekommen. Jetzt ist sie eben gefallen und ich habe die rechte Hand frei. Für Deine Bemühungen und Deine lieben Zeilen vom 17.8. danke ich Dir vielmals. Schade, daß die Verbindung nach Graslitz so ungünstig ist. Unsere Entlassung erfolgt nämlich immer abends um 17 Uhr. Wenn ich dann nicht noch denselben Abend fahren kann, dann geht mir der ganze Tag verloren. Ich werde mich hier noch einmal erkundigen, ob nicht doch eine Möglichkeit besteht anders zu fahren. Ich möchte doch keine Stunde einbüßen. Wenn ich wirklich komme, dann werde ich Dich sowieso überraschen müssen, denn der Bescheid kommt hier immer sehr plötzlich und dann erreicht Dich die Post doch nicht mehr. Also, laß Dich überraschen. Wenn ich aber nicht komme, dann sei mir bitte auch nicht böse, dann tue ich es deswegen, weil ich durch Wartezeit und Fahrt zuviel von dem kostbaren Urlaub verlieren würde. Versuchen werde ich alles, denn ich möchte Dich und Deine Kinder gerne wieder einmal sehen.

Heute, an Lucies Geburtstag wollte ich bereits schon in Berlin sein, aber es ist anders gekommen. Ich bin nicht böse drum, denn das schöne Wetter ist zu schade für andere Dinge. Kann man nur im Lazarett gebrauchen. Sonst habe ich Dir nichts Neues mitzuteilen. Grüße Deine Trabanten von mir und sei auch Du vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Rudi.


Rudolf Woelky in Gunzenhausen (Erholungsheim) an Georg Reisch in Berlin

24.8.1944

Lieber Vater!

Endlich habe ich meine rechte Hand wieder frei. Vor acht Tagen legte man mir sie nochmals in eine Schiene, weil sich um die Wunde ein Exeme gebildet hatte. Nun bin ich bald reif zur Entlassung. Höchstens noch 8 Tage. Deine Briefe vom 19.7. und 18.8. mit vielen Dank erhalten. Ja, Du hast mir wohl nicht ganz geglaubt, daß ich nur eine harmlose Verwundung habe? Gipsverband und Schiene hört sich ja auch ziemlich gefährlich an. Aber man tat es in Udine fast in jedem Fall, um der Wunde Ruhe zum Heilen zu geben. Hier hat man mir das Ding dann auch gleich bei der Ankunft abgenommen. Nun, Du wirst Dich bald selbst überzeugen können, wenn ich gesund und frisch vor Dir stehe. Ich habe immer gehofft der Krieg geht inzwischen zu Ende. Aber die denken gar nicht daran. In Schlesien werden sie jetzt auch unruhig gewesen sein als der Russe immer näher kam. Nun haben sie auch noch Luftangriffe. In diesem Krieg bekommen sie doch alle was ab. Was fehlt denn Gustav? Ist er denn schon wieder erneut verwundet?

In der Grundstücks Angelegenheit bin ich ganz Deiner Meinung. Mir war in erster Linie darum zu tun, ein Wertobjekt über die unsichere Zeit hinweg zu retten. Wenn es aber auch später unter keinen Umständen bebaut werden darf, dann hat es seinen Zweck für die Nachkriegszeit nicht erfüllt. Darum sage ich auch: abwarten was daraus wird. Nicht leichtsinnig fallen lassen, aber auch nicht mit aller Gewalt halten wollen. Ist nämlich eine Bauerlaubnis unter keinen Umständen für später zu erhalten, dann ist der Boden auch nur -,50 RM wert. Gitta hat an Rowinski geschrieben und ich warte nun den Bescheid ab.

Du schreibst mir dann von Mutter und Gitta, daß sie aussehen, als ob sie aus dem Bunker nicht heraus kämen. Ich habe mich über die Frauen mächtig geärgert. Was habe ich schon deswegen in meinem letzten Urlaub gesagt und wie oft habe ich deswegen schon geschrieben. Ich glaubte immer, sie werden mal Vernunft annehmen und sich ein vernünftiges Tagesprogramm zulegen, aber nun muß ich doch wieder einsehen, daß es nicht der Fall ist. Dabei könnten sie es wirklich und es liegt, genau wie Du es sagst, nur am Wollen. Aber sie sind beide wie die Kinder, den man befehlen muß. Ich habe auch daraufhin einen diesbezüglichen Brief an Gitta geschrieben. Sie sollen die letzten schönen Sonnentage noch ausnutzen bevor ich komme, denn ich will keine kränklichen blassen Gesichter sehen. Für unverschuldete Krankheiten kann man nicht, wohl aber dafür, wenn man Krankheiten Vorschub leistet. Außerdem legen wir Männer auch Wert darauf, daß unsere Frauen sich nach Möglichkeit pflegen und gut aussehen. Und wenn sie 60 und 70 Jahre alt sind, sie haben die Pflicht zu versuchen ihren Mann zu gefallen. Aber das haben sie scheinbar beide noch nicht 100 % begriffen. Gitta wird wahrscheinlich wieder gekränkt sein über meine offenen Worte, aber wenn sie im Guten und Lieben nicht merken, daß man nur das Beste von Ihnen will, dann wird bei mir Deutsch gesprochen. Ich kann Dich auch ganz gut verstehen, kann mich richtig in Deine Lage hinein denken, und weiß, daß Du genauso denkst wie ich. Eines steht fest, wenn ich auf Urlaub dort bin, dann werde ich es ihnen beweisen, wie fein es geht, und sie werden beide täglich ihre Stunde Mittagsruhe halten müssen. Vater, ich sage immer wieder: es wird Zeit, dass der Krieg zu Ende geht. Hoffen wir, dass es bald wird.

Und nun bleibe gesund und sieh zu, dass Du später doch noch einige Tage nach Mandelkow fährst. Grüße auch Josef und Mika von mir und sei Du vielmals gegrüßt von Deinem Schwiegersohn Rudi.


Rudolf Woelky in Gunzenhausen an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

25.8.1944 gruen

Liebe Gitta !

Mein Herz schlägt heute so unruhig. Ich habe keine Ruhe viel zu schreiben. Darum sei heute mit einem Kartengruß zufrieden. Vielleicht bin ich schneller bei Dir als wir beide ahnen. Drück den Daumen, ich halte die Luft an. Kinder, was leben wir in einer aufregenden Zeit.

Es grüßt Dich und die Kinder von Herzen Dein Rudi


Rudolf Woelky in Gunzenhausen an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

25.8.1944 orange

Mein lieber Junge !

Weil Ihr keinen Brief von mir bekommen habt, darum sende ich Dir heute diese Karte . Das ist das Lazarett in dem ich nun bereits fünf Wochen liege. Aber nicht mehr lange. Dann bin ich hoffentlich wieder mal einige Tage bei euch. Freust Du Dich darauf ?

Es grüßt Dich herzlich Dein Vater


Rudolf Woelky, Gunzenhausen, an Hertha Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

26.08.1944

Liebe Herta!

Warte bitte nicht auf mich. Ich fahre bereits heute und zwar auf dem schnellsten Wege nach Hause. Es ist nicht wegen der Familie, sondern in erster Linie aus anderen Gründen. Ich schreibe Dir noch ausführlicher. Sei nicht traurig deswegen, aber es geht nicht anders. Grüße Deine Kinder von mir und sei auch Du vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Rudi.


Rudolf Woelky, Gren.Ers.Batl.459, Fulda, Genes.Komp., an Herta Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

14.09.1944

Liebe Hertha!

Mit traurigem und wehem Herzen schreibe ich Dir diese Zeilen. Ich weiß, daß ich diesmal etwas verkehrt gemacht habe und daß ich Dich auf mich warten ließ. Du warst sicher enttäuscht, als Du meine letzte Nachricht aus Gunzenhausen erhieltst. Ich habe mich diesmal unnötig ins Bockshorn jagen lassen und zu vorschnell meine Entschlüsse gefasst. Doch das kam so: Bei uns im Lazarett brach durch irgendeine Parole eine Panik aus. Es hieß, daß ab 28. August auch kein Genesungsurlaub mehr gegeben werden soll. Der Chefarzt selbst und die Schwestern sagten es und sprachen jedem flüsternd den Glückwunsch aus, der noch vor dem 28. entlassen werden sollte. Die Aufregung wuchs und jeder versuchte, entsprechend seines Krankheitszustandes noch dran zu kommen. Unter denen befand ich mich am Ende auch. Der Arzt wollte nicht, aber ich setzte alles dran. Man hat ja beim Barras schon zuviel schlechte Erfahrungen gemacht und jeder sagte sich, was man hat, das hat man. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, zumal immer bekräftigendere Parolen umgingen. Endlich hatte ich den Entlassungsschein. Was nachher noch alles mit den Urlaubsscheinen war, will ich mir ersparen zu berichten. In der Nacht zum Sonntag, den 27.8. rollte dann mein Zug nach Nürnberg und 1:30 Uhr weiter nach Berlin. Auch im Zug erzählten sie dolle Geschichten. Wer die Reise vor Beginn des 28.8. nicht beendet hat, kann damit rechnen abgefangen und gleich zur Truppe zurückgeschickt werden usw. Am Vormittag war ich in Berlin und ging klopfenden Herzens vor 24 Uhr durch die Sperre Bhf. Friedrichstraße. Erst an Ort und Stelle bei meiner Familie atmete ich auf. Kannst Du mich verstehen? Jetzt weiß ich natürlich, daß ich die Angst um meinen Urlaub umsonst gehabt habe und bin traurig, daß ich die Gelegenheit, Dich zu besuchen, verpasst habe. Nun fand ich gestern auch noch die Karte von Bruno mit der Nachricht vor, daß er mit seiner Familie grad um die Zeit auch in Graslitz war. Ich könnte verrückt werden.

Nun könntest Du sagen, daß ich mich schon mal während des Urlaubs hätte melden können. Hertha, ich habe während der Zeit nicht eine Zeile geschrieben. Ich habe jede Minute ausgekostet und war nur für meine Familie da. Kannst Du auch das verstehen? Ich war so glücklich und so froh und alles war so schön. Letzten Sonntag war ich die letzten Stunden da. Am Dienstag Vormittag kam ich in Fulda an. Am Vorabend war der erste Angriff auf diese Stadt. Es ist ein Jammer. Die Soldaten räumen auf und bergen die Toten. Ich hatte bis heute noch Ruhe. Mein Arm ist auch wieder schlechter geworden. Vier Wochen denke ich bestimmt noch bei der Genesungskompanie zuzubringen. Dann sieht die Welt wieder anders aus. Ob besser? Was kann uns heute noch Trost und Zuversicht bringen?

Liebe Hertha, sei nun nicht mehr enttäuscht und traurig, daß wir uns nicht gesehen haben. Ich laß mir trotz allem den Glauben an eine gesunde Wiederkehr zu meiner Familie und zu euch allen nicht nehmen. Wir werden auch diese letzte Zeit überstehen. Bleibt alle gesund und sei Du und die Kinder vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Rudi.


Ogefr. Rudolf Woelky Gren. Ers. Batl. 459, Fulda Genes. Komp. an Georg Woelky

15.09.1944

handschriftlich als PDF (3.1MB)


Ogefr. Rudolf Woelky Gren. Ers. Batl. 459, Fulda Genes. Komp. an Schülerin Regina Woelky Gr. Mandelkow Post Bernstein (Neumark) Fulda

23.9.1944

Liebe Regina!

Nun bin ich schon 14 Tage von euch fort und wieder bei den Soldaten. Habt ihr den Papa schon wieder vergessen oder denkt ihr noch oft an ihn? Wenn Du mich lieb hast, dann bete jeden Abend vor dem Schlafengehen zum lieben Gott, daß er uns bald den Frieden schenke und Dir Deinen Vati bald nach Hause schicke. Was macht denn Dein Kaninchen? Fütterst Du es auch gut? Wir haben hier auch Kaninchen, darunter ganz weiße mit einem großen Kopf und furchtbar großen und breiten Ohren. Die Ohren hängen schlapp herunter. Fängt Michael immer noch Schmetterlinge? Jetzt werden die Schmetterlinge bald in die Erde kriechen um ihren Winterschlaf zu halten, und im nächsten Sommer kraucht er als Raupe im Garten umher. Kann Uschi schon laufen oder kraucht sie auch noch immer. Grüße Uschi, Otfried, Micha, Oma und Mutti von mir und sei Du mit einem lieben Küsschen vielmals gegrüßt von Deinem Vater


Rudolf Woelky an Michael Woelky Fulda

28.9.1944

Mein lieber Junge!

Wenn dieser Brief Dich erreicht, dann ist es vielleicht noch nicht zu spät und Du kannst das alles noch machen, was ich Dir nun sagen werde. Die Mutti hat nämlich am Mittwoch, den 4.Oktober Geburtstag. Da müsst ihr der Mutti eine große Freude machen. Paß mal auf! Laß Dir von der Oma Geld geben und dann geh mit Regina und Otfried zu Herrn Bürgermeister Thom, der die Gärtnerei hat und kauft euch jeder einen schönen Blumenstrauß. Dann geht ihr zur Mutti, stellt euch nebeneinander vor ihr hin und ruft: liebe Mutti, wir gratulieren Dir zum Geburtstag und wünschen Dir alles Gute und ein langes Leben. Dann schenkt ihr Mutti alle einen ganz dollen Kuß und seit an dem Tag ganz besonders artig. Sie soll sich doch an ihrem Geburtstag freuen. Kannst Du noch das Lied: Ich freue mich, daß ich geboren bin und das mein Geburtstag heut. Das Lied könnt ihr der Mutti auch vorsingen. Bärbel hat am gleichen Tag Geburtstag. Da müsst ihr auch gratulieren. Nun wünsche ich Dir und Deinen Geschwistern viel Spaß an dem Tag und seid recht herzlich gegrüßt von Deinem Vater


Rudolf Woelky, Gren.Ers.Batl.459, Fulda, Genes.Komp., an Herta Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

01.10.1944

Liebe Herta!

Durch Gitta erhielt ich Deinen lieben Brief vom 14. Sept. Ja, also da war ich nun wirklich wieder fort und bereits in Fulda. Wie es damals kam, daß ich nicht zu Dir mit heran kam, habe ich Dir wahrheitsgetreu schon in meinem letzten Brief geschildert. So und nicht anders war es und ich hätte sonst ohne weiteres einen Tag geopfert, um einmal wieder einige Stunden bei Dir zu sein. Schade, daß die Umstände mir das Wiedersehen mit Dir und Bruno unmöglich gemacht haben. Hast Du nun schon mal was von Bruno gehört? Wie ist seine Adresse? Von Georg habe ich bisher noch keine Antwort auf meine Schreiben. Wie mag es ihm gehen? Von mir kann man mitteilen, daß ich mich so langsam akklimatisiert habe. Der Dienst ist wirklich für uns Genesende leicht gemacht. Viel Sport. Einige Tage werde ich wohl auch noch dabei bleiben. In Fulda selbst ist gar nichts los, furchtbar langweilig und öde. Von Mutter habe ich vor 8 Tagen einen Brief erhalten. Alles gesund. Bei meiner Familie ist auch alles in Ordnung. Schrieb ich Dir schon, daß Alfons Woidtki in der selben Kaserne wie ich liegt. Wir sind des öfteren zusammen und gehen an freien Abenden gemeinsam aus. Irma soll noch bei Aachen sein. Die letzte Nachricht hat Tante Agathe vom 19.9. von ihr. Von meinen beiden Schwägern weiß ich auch nichts. Haben sie den Kurt diesmal nicht einziehen wollen? Na, freiwillig braucht er sich nicht melden, er verliert nichts, wenn er Zivilist bleibt. Wenn Du wieder mal an ihn schreibst, bestelle bitte einen Gruß an ihn von mir mit.

Bleibe gesund, ebenfalls die Kinder, und seid alle recht herzlich gegrüßt.

Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky bei Fulda an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

11.10.1944 blau

Liebe Uschi!

Zu Deinem ersten Geburtstag sende ich Dir meine herzlichsten Grüße und Glückwünsche. Dasselbe der lieben Mutti. Ich bin in Fulda gut angekommen. Diese Karte schicke ich Dir, weil ich Frankfurt/Oder Soldat wurde und am Kleistturm manchen Tropfen Schweiß verloren habe. Als ich ihn am 7.10. wieder sah, da habe ich mich gefreut. Dein Vater


Rudolf Woelky, Fulda an Regina Woelky Gr. Mandelkow Post Bernstein ( Neumark ) Fulda

14.10.1944

Liebe Regina!

Als ich das erste Mal durch dieses Tor ging, da lagen die Straßen voller Trümmer. Feindliche Flugzeuge hatten kurz vorher ihre Bomben abgeworfen. Jetzt aber gehe ich wieder durch saubere Straßen und der Wind weht das goldene Laub von den Bäumen hin durch das Tor. Dein Onkel Martin Schur wird hier auch oft hindurch gegangen sein. Damals war es noch eine friedliche Zeit. Wenn es wieder Frieden ist, dann komme ich für immer zu euch zurück. Es grüßt Dich vielmals recht lieb

Dein Vati


Rudolf Woelky in Fulda an Michael Woelky in Groß Mandelkow

14.10.1944

Lieber Micha!

Ich danke Dir, dass Du mein Gepäck so tüchtig zur Bahn gefahren hast. Es ging sehr eilig und Dir ist vom laufen ordentlich warm geworden. Für Deinen Fleiß sende ich Dir diese Karte. Bleibe weiter so und sei der Mutti und Oma immer behilflich. Ich möchte immer stolz auf Dich sein.

Grüße Mutti und alle anderen von mir und sei vielmals gegrüßt von Deinem Vati


Rudolf Woelky in Fulda an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

14.10.1944 orange

Lieber Otfried !

Habt ihr den Wagen gut zurück gefahren. In den Wagen hast Du Dich doch hinein gesetzt mit Hilli. Das kann ich verstehen, wenn Papa und Mutti mit Regina fährt, dann kannst Du auch mit Hilli fahren. Was macht denn Deine kleine Spielgefährtin ? Frag sie mal, ob sie auch eine Postkarte von mir haben will. Dann schreibe ich ihr auch mal. Hebe alle Karten gut auf, denn sie machen auch später, wenn Du groß bist, recht viel Freude.

Es grüßt Dich und die kleine Hilli Dein Vati


Rudolf Woelky bei Fulda an Ursula Woelky in Groß Mandelkow, Post Bernstein (Neumark)

14.10.1944 blau

Liebe Ursula !

Vor einem Jahr da war ein Englein zu neugierig und rutschte ganz weit vor auf eine Sternenspitze um besser auf die Erde hinab zu sehen, wo die Menschen gegeneinander im Krieg stehen. Dabei brach die Sternenspitze ab und Du purzeltest hinunter auf die Erde. Das gab einen kleinen Knall und Deine Geschwister erschraken sich sehr. Aber Mutti fing Dich gut auf und behielt Dich. Sie schrieb mir nach Vlissingen (Holland) davon und ich kam nach Buckow in die Märkische Schweiz und habe mir das kleine neugierige Englein angesehen.

Im frohen Gedenken grüße ich Dich Vati.


Rudolf Woelky, Fulda an Regina Woelky in Gr. Mandelkow Post Bernstein (Neumark) Fulda

25.10.1944

Liebe Regina!

Habe vielen Dank für Deinen schönen Brief 20. Okt. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Wirst Du mir nun öfter schreiben? Ich schicke Dir dann auch immer eine schöne Karte. Hast Du noch den Schnupfen oder bist Du wieder ganz gesund? Die Ferien sind nun auch zu Ende und Du musst nun wieder fleißig lernen. Es grüßt Dich

Dein Vati


Rudolf Woelky in Fulda an Michael Woelky in Groß Mandelkow

29.10.1944

Lieber Micha!

An Deinem 6. Geburtstag bin ich ganz besonders in Gedanken bei euch und sende Dir herzliche Grüße. Ich muß an den 25. Oktober 1938 denken. Das Wetter ist heute genau so wie damals. Feiner Sprühregen fällt vom Himmel. Möge dieser Regen für Dich Segen des Himmels bedeuten. Sonst aber scheine auf Deinem Lebensweg die Sonne.

Dein Vater


Rudolf Woelky in Fulda an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

29.10.1944 orange

Lieber Otfried !

Am Vormittag waren wir Soldaten in den Stadtsälen von Fulda, die Du auf dieser Karte siehst, zu einer Morgenfeier. Gegenüber den Stadtsälen über die Straße hinweg und den Berg hinunter steht auf einem großen Platz der Dom. In den Stadtsälen riefen wir: heiliges Vaterland; die Glocken des Domes riefen dazu: vergesst Gott nicht! Denke auch Du später daran: Vaterland und Gott gehören zusammen.

Es grüßt Dich und Deine Mutti und Geschwister Dein Vater


Rudolf Woelky in Fulda an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

1.11.1944blau

Liebe Uschi !

Heute bist Du wieder mal dran eine Extragruß von mir zu erhalten. Was machen Deine Gehübungen? Wollen die kleinen Beinchen den Körper schon tragen? Sieh zu, dass Du immer fest stehst im Leben, denn da heißt es: Sehe jeder wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle.

Liebe Grüße sendet Dir, der Mutti und Deinen Geschwistern Dein Vater


Rudolf Woelky in Wildflecken an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

4.11.1944 gruen

Liebe Gitta !

Für heute sende ich Dir einen lieben Kartengruß. In der Nacht kamen wir gestern hier an. Es war sehr kalt und trotzdem habe ich manchen Tropfen Schweiß verloren ehe ich hier oben war. Ich musste dabei an Reihwiesen denken. Denke, dass ich mich schnell einleben werde, die Landschaft wird dazu beitragen. Heute werde ich mich erst mal ausschlafen.

Herzliche Grüße an die Kinder und Oma , Dein Rudi.


Anna Woelky an Georg Woelky

5.11.1944

Lieber Georg!

Deinen Brief vom 26.1 . habe ich erhalten. Ich habe mich gefreut, wieder etwas von dir zu hören, habe schon gewartet darauf. Du hast geschrieben, daß du in ein anderes Lazarett, in ein e Spezial-Hautfachabteilung gekommen bist. Was hat der Arzt da gesagt, ist es vielleicht eine übergeschlagene Krankheit von den Russen? Wirst du die Narben zurückbehalten? Hast du auch Schmerzen? Das du aber 20 Pfund zugenommen hast, freut mich sehr. Als ich 20 Pfund gelesen habe, dachte ich schon, du hattest die abgenommen. Ich bekam schon einen Schreck! Wenn ich Gelegenheit habe, muß ich mich auch mal wiegen lassen. Ich glaube ich habe auch soviel zugenommen, auch Luzie ist wieder die alte kleine Bombe. Das sechste Kriegsjahr sieht man uns nicht an. Überhaupt der ganzen Wohnungsbesetzung dadurch das Tante Johanna bißchen Gemüse und paar Kartoffel im Garten hatten, haben wir immer tüchtig essen können. Da mußte ich für Tante Johanna und mich schon um 12 Uhr essen und wenn die Mädels kommen, dann wird nochmal warm gegessen. Rudi hat mir gestern vier Komißbrote geschickt, weil ich ihn danach fragte, mit Brot sind wir knapp. Wir haben uns auch alle sehr gefreut. Da konnte ich Herta noch zu 2000 gr. Hinschicken. Die hat mit ihren Kindern auch immer knapp. Du schreibst, wenn du hier raus kommst, werde ich zu unseren Fantroß gehen. Was ist das? Es muß da bei euch doch auch ganz doll zu gehen. Wollen hoffen, daß ihr alle glücklich über den Po kommt und das Ufer gut erreicht. Zu sehen habt ihr ja schon alle recht viel bekommen. Unser einer kennt die …., man ist dann ganz erstaunt, daß ihr …Wenn der Krieg für uns gut ausfällt und ihr kommt gesund nach Hause, habt ihr viel zu erzählen. Ich hoffe, das ihr soviel Gottvertrauen habt. Das ist schon, Georg…, der liebe Gott verläßt die Seinen nicht. Sag mal Georg; hast Du seit deinem Geburtstag noch keine Post von uns und Kathi? Das wäre ja furchtbar. Am 16. Ist Dein Junge schon 2 Jahre alt. Ich gratuliere dich dazu. Er muß schon ein nettes Kerlchen sein. Ob ich ihn noch mal werde zu sehen bekommen? Ich schreibe diese Tage auch noch an Kathi. Anni ist mit Peterle bei Bruno im Harz, bis Bruno an die Front kommt. Auf dem Zurückweg nach Binderitz wollte sie zu uns mit ankommen. Peterle und Helmut haben morgen Geburtstag. Ich habe Anni geschrieben, wenn sie hier in Berlin bleiben will, dann kann sie in Hertas Wohnung ziehen. Kurt ist nun doch endlich schon drei Wochen in Brandenburg an der Havel. In seine Wohnung hat er seine Liebste reingesetzt. Da möchte ich mich ganz raushalten. Dieser Kurt belügt und betrügt die Herta, wie ers nur kann. Bevor er nach Brandenburg kam, war er noch in Graslitz bei Herta. Sonnabend ist er nach Berlin zurückgefahren, Montag sollte er schon weg. Sonntag vormittag hat er nochmal in Graslitz angerufen, daß er noch zwei Tage hier bleiben kann. Herta ruft Montag oder Dienstag nochmal in der Wohnung an und will ihn sprechen. Da meldet sich ein Frl. Richter. Nun schöpfte Herta Verdacht und schrieb an mich, ob ich nicht mal nachsehen möchte, wer in seiner Wohnung ist. Ich habe auch nachgeforscht und dann habe ich tolle Sachen gehört, diese Person wohnte schon so lange bei Kurt, als Herta weg ist. Er hat sie dann auch schon früher gehabt, davor die Zeit schon immer diese Auftritte mit Herta, von wegen …..und bei seinen Eltern…. Wo Herta die Zeit schlecht ging. Ich glaube immer, daß ihre Schwiegermutter mit Groll auf dem Herzen an Gott und der Welt gegangen ist. Vielleicht weißt du auch noch davon. Herta wußte auch nicht von … 40. Hochzeitstag. Und als die Beerdigung war, durfte Herta nicht kommen; Kurt hatte es ihr streng verboten. Heute ist mir alles klar. Die Leute in der Straße haben schon gefragt, ob Heim mit der ersten Frau geschieden ist, weil er eine andere hat. Nun bin ich solange hingefahren, bis ich sie mal angetroffen habe. Ich habe sie ordentlich ausgeschimpft und sie musste mir auch die Wohnungsschlüssel aushändigen. Sie sagte noch, Kurt hat es ihr verboten, mir den Schlüssel zu geben, aber ich bin nicht früher rausgegangen, ich habe ihr mit der Polizei gedroht. Kurt hatte ihr auch gesagt, sie soll mir sagen, sie wohnt nur solange als Kurt weg ist. Ich fragte, wo haben sie denn vorher gewohnt. Da sagte sie bei Frl. Günther. Ich habe sie aber der Lügen überführt. Jetzt habe ich die Schlüssel, und kann doch nicht rein. Immer wenn ich komme, ist sie drin und hat den Riegel vor, so daß ich …..Ich habe aber dem Kurt einen Brief hingefeffert, der sich gewaschen hat. Auch Herta hatte mich gebeten, ihr die volle Wahrheit zu schreiben, das habe ich auch getan. Wenn ich sie rauskriegte und Anni kommt rein, dann wäre wenigstens kein Fremder drin. Ich habe Angst, Kurt setzt noch die Eltern von der Person rein. Sie sollen ausgebommt sein und möbliert wohnen. In dieser schweren Zeit, wo es soviel Kummer und Leid gibt, da weiß der nicht vor Übermut nicht was er tun kann. Ich habe ihm aber geschrieben, ich werde an seinen Vorgesetzten schreiben, daß sie ihn an die Front stecken, daß ihm anderswo Wind um die Nase weht und ihm die Sinnlichkeit vergeht. Gitta hatte deinen Brief auch erhalten und Rudi hingeschickt. Auch hatte sie mir geschrieben, daß ihr Bruder Georg vermißt ist. Von Hermann ist auch schon lange keine Post. Sonst geht es auch noch gut, bis auf die Angriffe. Uns hat es jetzt Gott sei Dank verschont. Nun wünsche ich dir gute Besserung und sende dir herzliche Grüße. Deine Mutter!


Rudolf Woelky, Wildflecken an Regina Woelky in Gr. Mandelkow Post Bernstein (Neumark) Wildflecken

8.11.1944

Liebe Regina!

Seit einigen Tagen bin ich hier in Wildflecken in der Rhön. Gestern hat es geschneit. Ich musste dabei oft an Reihwiesen denken, wo ich vor fast 3 Jahren war und wo mich Mutti mit euch besuchte. Da standen wir oft am Fenster und sahen in das Schneetreiben hinaus. Hat es bei euch auch schon geschneit? Grüße Mutti und Oma, ebenfalls Deine Geschwister.

Herzliche Grüße Dein Vati


Ogefr. R. Woelky WUFL IX, Wildflecken ( Rhön ) 13 a  an Michael Woelky in Gr. Mandelkow Post Bernstein (Neumark) Wildflecken

9.11.1944

Mein lieber Junge!

Schau Dir diese Karte recht gut an. Hier war ich heute und habe geübt. Die Schafe stehen jetzt im Stall, denn sie würden nicht mehr viel zum fressen finden. überall liegt Schnee und es schneit noch immer. Aber es macht trotzdem Spaß und es gibt ordentlichen Appetit. Nun werdet ihr euren Schlitten auch bald hervor holen können und wünsche euch viel Vergnügen dabei. Es grüßt Dich und Deine Geschwister, die Mutti und Oma von Herzen Vater


Rudolf Woelky an Michael Woelky in Gr. Mandelkow Wildflecken

9.11.1944

Lieber Michael!

Wenn ich ein Flugzeug hätt und den nötigen Treibstoff dazu, dann würde ich morgen nachm. zum Kaffee kommen. Ich habe nämlich großen Appetit auf weißen Kaffee und ein Marmeladebrötchen. Leider habe ich kein Flugzeug und muß hier bleiben. So wünsche ich wenigstens Dir und allen einen frohen Sonntag und sende von hier viele herzliche Grüße.

Dein Vater


Rudolf Woelky in Wildflecken an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

10.11.1944 gruen

Liebe Gitta !

In dieser Straße wohne ich jetzt. Schön, nicht wahr! Es gibt aber noch schöneres. Gestern Abend wollte ich Dir einen Brief schreiben, aber wir machten dann noch einen „Spaziergang" in die Berge und kamen erst früh nach Hause. Also musst noch etwas warten. Diese Karte tu bitte in mein Soldatenalbum. Sonst geht es mir gut. Strümpfe sind bald wieder trocken.

Herzliche Grüße Dein Rudi


Rudolf Woelky, 3.Gren.Kp.W.UFL IX, Wildflecken (Rhön) 13a, an Anna Woelky, Berlin N.W. 21, Stendaler Str. 3

10.11.1944

Liebe Mutter!

Bis Ende dieses Jahres werde ich hier mein Zelt aufschlagen und erst im neuen Jahr nach Fulda zurück fahren. Hast Du das Paket erhalten? Hier liegt schon viel Schnee, nur ist augenblicklich Tauwetter und Füße und Schuhe werden nicht mehr trocken. Sonst aber geht es mir gut. Gitta schreibt mir heute, daß ihre beiden Brüder vermisst sind. Wie geht es Dir und Lucie. Herzliche Grüße an euch alle von Deinem Sohn Rudi.


Rudolf Woelky in Wildflecken an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

12.11.1944 orange

Lieber Otfried !

Schneeflocken fallen in endloser Folge auf dieses bergige Land und alles um mich ist weiß. Heute ist Sonntag und ich kann in der warmen Stube sitzen, wie viele aber müssen draußen sein und kämpfen, kämpfen für euch, unsere Kinder, damit ihr an den Freuden des deutschen Winters heute und immer in Frieden teilhaben könnt.

Es grüßt herzlich Dein Vater.


Ogefr.Rudolf Woelky, 3.Gren.Komp.WUFL IX Wildflecken (Rhön) 13a an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

14.11.1944 blau

Liebe kleine Uschi !

Unser Herrgott hat uns und in der Hauptsache Deine lieben Großeltern schwer geprüft und es wird in seinem Ratschluss stehen, ob wir Deine Onkels Hermann und Georg noch einmal in diesem Leben wiedersehen. In den Tagen der Trübnis und Bitterkeit schenke allen Verzagten durch Dein Lächeln wieder die Freude am Leben; sei unser Sonnenschein ! Hab mit Deinen kleinen warmen Händchen die Menschen lieb, welche die Trauer niederdrückt und schenke ihnen weiter die Ruhe des Herzens. Du bist der jüngste Träger unseres Blutes. Was Gott den Alten nimmt, soll leben in euch, unseren Kindern. Daran denke auch Du, wenn Dich der Kreislauf des Lebens in unsere Jahre bringt. In lieben Gedenken, Dein Vater.


Rudolf Woelky in Wildflecken an Brigitta Woelky in Groß Mandelkow

18.11.1944 gruen

Meine liebe Gitta!

Du wirst schon auf Post warten, aber ich konnte bisher nicht schreiben. So wie es mir die Zeit wieder erlaubt, bekommst Du laufend Nachricht. Herzliche Grüße an Dich, die Kinder und Oma. Habe Deine Briefe 8 + 9 und auch Frau Thomas Brief erhalten.

Vielen Dank! Dein Rudi


Rudolf Woelky an Regina Woelky in Gr. Mandelkow Wildflecken

20.11.1944

Liebe Regina!

Den malerischen Winkel habe ich noch nicht entdeckt, aber die Frau auf dem Steg erinnert mich in der Haltung an Mutti. Am Forsthaus Spring am Werbellin-See habe ich sie in ähnlicher Stellung fotografiert. An Ulrike habe ich heute auch eine Karte geschrieben. Sie wird sie euch ja wieder vorlesen. Habt ihr auch so schlechtes Wetter.

Grüße Mutti u. Oma und Deine Geschw. Herzlich grüßt Dich Vati


Rudolf Woelky an Michael Woelky in Gr. Mandelkow Wildflecken

25.11.1944

Liebe Michael!

Wenn ich ein Flugzeug hätt' und den nötigen Treibstoff dazu, dann würde ich morgen nachm. zum Kaffeee kommen. Ich habe nämlich großen Appetit auf weißen Kaffee und ein Marmeldaenbrötchen. Leider habe ich kein Flugzeug und muß hierbleiben. So wünsche ich wenigstens Dir und allen einen frohen Sonntag und sende von hier viele herzliche Grüße.

Dein Vater.


Rudolf Woelky, 3.Gren.Kp.W.UFL IX, Wildflecken (Rhön) 13a, an Anna Woelky, Berlin N.W. 21, Stendaler Str. 3

26.11.1944

Liebe Mutter!

Vielen Dank für Deinen lieben Brief. Ich freue mich, daß mein Paket damals gut ankam und daß es euch geschmeckt hat. Von hier kann ich leider nichts schicken, denn es ist alles sehr knapp. Wir liegen hier in einer Höhe von 8-900 m und der Dienst ist nicht leicht. Das gibt ungeheuren Appetit. Doch alles geht einmal vorüber. Mein Arm ist jetzt ganz gut und es ist, als ob nie etwas anders war. Von Kurt habe ich nun ein vollkommen abgerundetes Bild. Wenn er sich auch mit Herta wieder versöhnt und ausgesprochen hat, der ändert sich nicht mehr. Herta werde ich darüber nichts schreiben, man macht es ihr damit auch nicht leichter. Sie kann einem nur leid tun, denn solche Missachtung hat sie wirklich nicht verdient. Hoffentlich hat Kurt eine strenge Ausbildung, daß er bald auf andere Gedanken kommt. Von Vater Heim habe ich in dieser Hinsicht auch keine andere Stellungnahme erwartet. Er ist die gezähmte oder besser gesagt, die veraltete Ausgabe von Kurt. Von mir aus werden sie beide, der alte und der junge, in Zukunft nicht mehr als vorhanden angesehen.

Von meiner Familie habe ich Nachricht, daß alles wohlauf ist. Durch das grässliche Wetter ist einer nach dem anderen mal erkältet, aber sonst geht es ihnen gut. Im Januar denke ich bei ihnen zu sein. Die Aussicht darauf lässt einen alles ertragen. Hast Du mal Vater Reisch gesprochen? Wenn Du mal Zeit hast, dann besuche ihn doch. Er hat es sehr schwer und ist alleine. Die Nachricht über seine beiden Jungens hat ihn schwer erschüttert. Ich habe ihm auch geschrieben und bin fest überzeugt, daß eines Tages doch ein Lebenszeichen von den Beiden eintreffen wird.

Und nun bleib gesund und lasst euch den Glauben an eine bessere Zeit nicht nehmen. Es grüßt Dich, Lucie und Bokowskis in Liebe Dein Sohn Rudi.


Rudolf Woelky an Michael Woelky in Gr. Mandelkow Selz

6.12.1944

Lieber Micha!

Auf diesem Ziegelei-Gelände geh ich seit Tagen umher. Die Fabrik sieht heute etwas anders aus, denn sie wurde 1940 zerstört und danach wieder aufgebaut. Heute steht sie wieder verlassen da. Alles scheint hier den Atem anzuhalten oder tot zu sein. Sie warten bis die Front über sie hinweg gegangen ist. Herzlich grüßt Dich

Dein Papa


Rudolf Woelky an Regina Woelky in Gr. Mandelkow Selz

6.12.1944

Liebe Regina!

Seit einigen Tagen liegen wir in der Nähe dieser Ziegelei in einem Bunker. In dem Haus ganz vorn rechts haben wir uns nebenbei häuslich eingerichtet. Wir sind 10 Mann. In einer Stube wird alles gemacht, genau so wie bei euch. Nur etwas unkultivierter. Und um uns donnern die Geschütze.

Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky in Selz an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

6.12.1944 blau

Liebe Uschi!

Durch das Gelände dieser Ziegelei nach links ab, kommt man an die Eisenbahnstrecke Straßburg – Landau (Pfalz). Hier steht unweit einer Brücke ein Bunker von den Franzosen 1939 erbaut. Darin hause ich jetzt mit 3 Kameraden. Gegenüber dem Bunker liegt ein Wald. Jeden Morgen kommen dort 3 Rehe heraus. Hoffentlich haben wir nicht wieder mal großen Hunger, sonst knallt es.

Es grüßt Dich Dein Vater.


Rudolf Woelky in Selz an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

6.12.1944orange

Lieber Otfried!

Diese Ansichtskarte fand ich in den verlassenen Büroräumen dieser Ziegelei. Die nahe Front hat fast alle Bewohner des Ortes verjagt. Nur Menschen ohne Vaterland, oder völlig Gleichgültige huschen über die Straßen. In einer halben Stund ist man von hier am Rhein. Wird er Deutschlands Strom oder seine Grenze sein?

Es grüßt Dein Vater.


Rudolf Woelky, Im Westen, an Anna Woelky, Berlin N.W. 21, Stendaler Str. 3

06.12.1944

Liebe Mutter!

Es kam diesmal schneller als ich gedacht habe. Unser Lehrgang ist nun schon 10 Tage im Westen eingesetzt. Es kam sehr plötzlich und mein Abstellurlaub ist mir durch die Hose gegangen. Jetzt habe ich mich schon damit abgefunden. Für unseren Magen, der anfangs sehr zu leiden hatte, haben wir gestern auch eine Beruhigungspille erwischt. Ein herrenloser Ochse musste daran glauben. Da wird die Stimmung nun auch besser werden. Sonst geht es mir gut. Das Wetter ist hier frühlingsmäßig, nur viel Regen. Von Gitta erhielt ich vorgestern einen Brief vom 24.11. Georg Reisch ist in Afrika und wartet auf seinen Weitertransport nach Amerika. Ich freue mich, daß mich mein Gefühl nicht betrogen hat und von Hermann wird auch bald Nachricht kommen. Nun mach Dir um mich weiter keine Sorgen, denn Du weißt ja, daß unser Herrgott mich beschützt. Ich schreibe Dir bald wieder. Grüße Lucie und Bokowskis und sei Du vielmals herzlichst gegrüßt. Einen lieben Kuß Dein Sohn Rudi.


Rudolf Woelky, 1.Komp.Kampfverband 15/IX, Rastatt 17a postlagernd, an Herta Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

Im Westen 06.12.1944

Liebe Hertha!

Genieße wieder einmal eine kleine Luftveränderung. Wetter frühlingsmäßig, aber die Luft ist ziemlich dick hier vorne. Vor einer Woche zogen wir über den Rhein. Ich kann nicht begreifen, daß die Menschen so viele Lieder auf den Rhein singen und fröhlich ist man hier auch nicht. Ja, man hat mich diesmal richtig angeführt. Der Lehrgang, auf dem ich Weihnachten endlich Unteroffizier werden sollte, wurde geschlossen an die Front geworfen. Mein Abstellurlaub ging dabei auch flöten. Ich hoffe im Januar zu Hause zu sein. Nun sehe ich darin schwarz. Armes Herze! Und immer wieder fällt mirs ein: es ist so schön Soldat zu sein. Ein herrenloser Ochse sorgt seit gestern für unseren zusammen geschrumpften Magen. Georg Reisch ist in Afrika und wird wahrscheinlich nach Amerika weiter reisen. Mir geht es im allgemeinen gut. Und wie geht es Dir und den Kindern? Grüße sie alle von mir und wenn Du von Bruno die Anschrift hast, so bestell ihm bitte auch von mir einen Gruß.

Bleib gesund und laß mal wieder von Dir hören. Herzlich grüßt Dich Rudi.


Rudolf Woelky in Rastatt – Rheinau an Otfried Woelky in Groß Mandelkow

9.12.1944 orange

Lieber Otfried,

am Rande der Stadt fließt die Murg und weite Wiesenflächen dehnen sich daran aus. Diese Wiesen sind heute stark überschwemmt und auf den höher gelegenen Stellen weiden Hunderte von Kühen und Ochsen. Das Rindvieh wurde aus dem Elsaß herüber gejagt. Oh, es gibt viel Rindvieh.

Herzlich grüßt Dich und Mutti Dein Vater.


Rudolf Woelky in Rastatt – Rheinau an Michael Woelky in Groß Mandelkow

9.12.1944

Lieber Michael!

Durch die Straßen dieser Stadt zog ich schon einmal in entgegen gesetzter Richtung, die Panzerfaust über die Schulter und die Bevölkerung rief uns zu: "Laßt sie nicht rein, die Tommys!" Wir waren nicht lange drüben über den Rhein. Wird der Tommy drüben bleiben?

Es grüßt Dich Dein Vati.


Rudolf Woelky in Rastatt – Rheinau an Ursula Woelky in Groß Mandelkow

9.12.1944blau

Liebe Uschi!

Früher sangen wir das Lied von den Burschen, die über den Rhein zogen. Wie anders sind wir darüber marschiert. Auch hat unsere Wirtin kein Töchterlein, aber sehr gastfreundlich ist sie. Leider ist die sprichwörtliche Fröhlichkeit von den Menschen hier gewichen und nur ein baldiger Friede kann sie wieder bringen.

Es grüßt Dich Dein Vater


Rudolf Woelky an Regina Woelky in Gr. Mandelkow Rastatt-Rheinau

9.12.1944

Liebe Regina!

An dieser Feste zog ich heute vorbei, das MG auf der Schulter. Wir warten auf unseren Weitertransport. Leider wird man uns nicht nach Hause schicken. Aber einmal wird auch dieser Tag kommen. Ich habe doch Sehnsucht nach euch Trabanten. Es grüßt Dich u. Deine Geschwister

Vater


Rudolf Woelky, 35777 Ay, an Herta Heim, b. Fuchs, 11a Graslitz (Sudetengau), Pilzsteig 1686

Im Westen 26.12.1944

Liebe Herta!

Du wirst zu Weihnachten auf einen Gruß von mir gewartet haben. Nun will ich Dir wenigstens einen Neujahrs-Glückwunsch senden. Alle meine besten Wünsche begleiten Dich und Deine Familie in das neue Jahr hinein. Was es uns bringen wird, das wissen wir nicht. Hoffentlich den Frieden und die Wiedervereinigung mit unseren Lieben. Ich stand bis vor einigen Tagen im härtesten Einsatz und komme nun erst langsam wieder zu mir. Ich kann wirklich sagen: Gott hat mich wunderbar beschützt. Weihnachten haben wir in einem kleinen Bergdorf verlebt. Hier hatte ich auch Gelegenheit zur Beichte und Kommunion zu gehen. Das war mein schönstes Geschenk. Auch sonst haben wir für unseren Magen manchen Leckerbissen erhalten. Ja, es gäb viel zu schreiben über die letzten Wochen, aber ich werde mir das bis nach dem Krieg aufheben. Bis dahin bleib gesund, damit wir uns einmal alle wiedersehen.

Es grüßt Dich und Deine Familie von ganzem Herzen Dein Bruder Rudi.


Rudolf Woelky, Emmerdingen, an Anna Woelky, Berlin N.W. 21, Stendaler Str. 3

29.12.1944

Liebe Mutter!

Ich habe einen kleinen Sprung zurück über den Rhein gemacht. Ich habe den Feind ohne Brille nicht mehr rechtzeitig erkennen können, und da hat mich der Arzt zurück geschickt. Nun komme ich nach Freiburg/Br. Und dort eine neue Brille. So werde ich das neue Jahr in Deutschland beginnen, und das soll mir ein gutes Vorzeichen sein. Wie mag es Dir gehen und wie habt ihr Weihnachten verlebt? Warst Du vielleicht Weihnachten bei Herta oder bei Gitta? Antwort auf meine Fragen werde ich noch lange nicht erhalten, denn ich weiß nicht, wann ich zur Einheit zurückkomme und wie ich sie antreffen werde. Seit gestern sind sie wieder im schwersten Einsatz. Wir sind bei Kaisersberg im Oberelsaß eingesetzt. Im Weihnachtsbericht sind wir schon oft genug genannt worden. Das Oberelsaß mit den Vogesen ist landschaftlich reizvoll, die Tage aber, die wir hier leben müssen, sind es nicht. Wenigstens konnten wir Weihnachten in Ruhe verleben. Wir lagen in einem Bergdorf das sich Vöcklinshofen nennt (12 km von Colmar entfernt). Von dort schrieb ich Dir auch einen Brief. Wenn ich in letzter Zeit wenig schrieb, dann lag es nicht an mir. Daran hat der Amerikaner Schuld. Mach Dir dann keine unnötigen Gedanken, liebe Mutter, wenn es wieder mal so kommt. Einmal kommt der Tag, dann hörst Du wieder von mir. Gott hilft mir immer weiter. Und nun bleibe gesund und grüße mein Schwesterlein und alle Lieben von mir. Dir sende ich meine herzlichsten Grüße und einen lieben Kuß.

Dein Sohn Rudi.


Rudolf Woelky in Emmendingen an Georg Reisch in Berlin

29.12.1944

Lieber Vater !

Heute komme ich dazu Dir Deinen lieben Brief vom 29.11. zu bestätigen und Dir dafür von Herzen zu danken. Ich erhielt ihn am 10. als wir als unserem Einsatz im Raum Hagenau kamen und nach dem Oberelsaß verfrachtet wurden. Habe jetzt schwere Kämpfe bei Kaiserberg mitgemacht, von wo ich mit den kläglichen Resten vor Weihnachten heraus kam. Wir haben uns einzeln durch die Einkesselung geschlagen. Der Kampf wogt dort hin und her. Weihnachten verlebte ich in einem kleinen Bergdorf, wo wir als Granatwerfer umgeschult wurden. Meine Brille ist mir im Einsatz entzwei gegangen und nun komme ich nach Freiburg/Br., wo mir eine neue verpasst werden soll. Vielleicht ein Glücksumstand. Warst Du Weihnachten bei Gitta? Ich werde noch lange auf Post warten müssen. Hoffentlich ist alles gesund. Macht euch keine unnötigen Gedanken um mich, denn unser Herrgott hat mich bisher wunderbar geführt und wird es auch weiterhin tun. Mit welch großer Freude ich die Nachricht von Georg vernommen habe, kannst Du Dir ja vorstellen und von Hermann wird auch noch Nachricht eintreffen. Und nun wünsche ich Dir für das neue Jahr Gesundheit und frohen Mut. Möge 1945 uns endlich den Frieden und auch den Sieg bringen. Grüße alle Lieben in Berlin von mir und sei Du herzlichst gegrüßt von Deinem Schwiegersohn Rudi

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