Postkarten und Briefe 1947 1.Halbjahr

Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

1.1.1947

Liebste Gitta! Meine lieben Kinder!

Nach dem letzten Glockenschlag des alten Jahres standen 9 PG’s eng um den Weihnachtsbaum u. sangen „Hörst du mein heimliches Rufen." In den Gläsern ein ausgezeichneter Punsch. Als wir auf das neue Jahr anstießen u. uns unsere sehnlichsten Wünsche sagten, brechen die Lichter des Baumes wie Kaskaden durch die Gläser in das Dunkel unserer Zukunft. Wird 47 ein Lichtjahr? Mein Chef wünschte es mir heute früh, als wir uns ein „bonne anné" wünschten, und unseren Herrgott bat ich, daß er Euch bis zu meiner Rückkehr ein treusorgender Vater sein möge, und Dir, liebe Gitta, weiterhin Kraft und guten Willen zur äußeren u. inneren Haltung gebe. Ich glaube bestimmt, daß das Jahr 47 uns den Tag schenken wird, von wo ab ich Dir die Lasten der Familie abnehmen u. für alles danken darf. Heute ist es hier so wie bei uns zu Weihnachten. Man beschenkt sich und feiert den Tag groß im Kreise der erweiterten Familie. Man behandelt mich wie dazu gehörig. Heute bekam ich einen kleinen Eindruck davon, wie Frankreich in guten Zeiten zu leben wußte. So will ich denn den 1. Tag des Jahres mit dem beschließen womit ich ihn begonnen habe: mit einem lieben gedanklichen Verweilen bei Euch. Rudi


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

4.1.1947

Lieber Rudi!

Wir danken für Deine Grüße v. 2.12. Es ist sehr kalt, wir haben die 2. Kältewelle –20 °.Über die Weihnachtstage war es milder. Am hl. Abend waren die Eltern, Georg, Mutter u. Lucie bei uns. Hermann wird Dir schon geschrieben haben, daß er Georg gut nach Hause gebracht hat. Leider ist Georg noch krank, sein Appetit doch groß, so daß H. es vorzog, zu den Feiertagen bei seinem Bauern zu sein.

Herzl. Grüße Gitta


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

6.1.1947

Mein lieber Rudi!

Vielen Dank für Deinen lang ersehnten Brief v. 1.12. Ich bin froh, da ich wieder weiß, daß es Dir gut geht. Vorige Weihnacht hatte ich noch keine Nachricht über Dein Schicksal, so waren doch heuer die Weihnachtsgedanken ruhiger und in der Hoffnung, daß Du das nächstes Jahr doch mögest gesund bei uns sein. Das Christkind war auch den Kindern so gut. Eine große Puppenküche mit allem Inventar, von Marga übernommen, Bücher, Spiele u. Spielsachen. Tante Hedwig Schur hatte uns nach Spandau, Schönwalder Str.11 eingeladen. Es war sehr nett. Für alle wieder reiche Gaben und gedeckten Tisch, u.a. 2 Ztr. Kohlen und ein Brot für mich. Dorchen schickte eine Jungens-Jacke. Zehes waren hier, Seiferts und wir am 1.W. bei den Eltern. Neujahr haben wir uns das Krippenspielangesehen, Silvester war ich abends allein. Bei einer Tasse Tee konnte ich so recht meinen Gedanken zu Dir nachgehen. W.-Baum glänzt noch mit seinen Kugeln und von allen herzl. Grüße

Deine Gitta


Anna Woelky in Berlin NW 21 Oldenburger Str. 3 b an Rudolf Woelky in St. Menehould

7.1.1947

Lieber Rudi!

Deine Karte mit dem schönen Weihnachtsgruß erhalten, vielen Dank. Wir haben das schöne Fest bei guter Gesundheit und feierlichem Gottesdienst verlebt. Herta war an beiden Feiertagen bei uns in Paulus zum Gottesdienst. Nachher fuhr sie nach Hause, weil Helmut die Masern hatte. Sonst ist hier alles beim Alten. Georg ist auch noch nicht zu Hause. Ein gnadenreiches Neues Jahr wünscht Dir Mutter. Heute wird Vater Weigt beerdigt, ich bin nicht mit, weil zu kalt.


Bruno Woelky in Syke üb. Bremen Hauptstr. 7 an Rudolf Woelky in St. Menehould

7.1.1947

Lieber Rudi!

Heute endlich von Dir eine Karte erhalten. Wünsche auch Dir für das kommd. Jahr alles Gute. Vor allen Dingen Gesundheit und baldige Heimkehr. Wenn Du nicht die Sorge um Deine Familie hättest und es ginge Dir auch nur einigermaßen gut drüben, so würde ich sagen, brauchst Dich nicht so beeilen. Ein Deutschland findest Du nicht mehr wieder. Unsere Befreier tun ihre Arbeit gründlich. Das wird man ja auch Euch zu spüren gegeben haben. Sonst alles gesund. Im Juni Zuwachs in Erwartung. Herzliche Grüße, Bruno u. Faml.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Otfried Woelky in Berlin

8.1.1947

Mein lieber Otfried!

Wenn Deine älteren Geschw. wieder einmal an mich schreiben, dann laß es Dir nicht nehmen und setze auch einen Gruß hinzu. Ein i, a und o wirst Du doch schon können. Das genügt mir. Das heißt dann für mich: ich auch, Otfried. In der Kürze liegt die Würze, mein Junge. Du schreibst eben Kurzschrift. Kann nicht jeder. Bitte, nun aber die Antwortk. Nicht nur in Kurzschrift. Sonst geht sie nicht durch die Zensur.

Herzl. Grüße Vati


Rudolf Woelky in St. Menehould an Regina Woelky in Berlin

8.1.1947

Liebe Regina!

Habe herzl. Dank für Deine lb. Zeilen v. 3.12. Lerne nur weiter so fleißig, dann bin ich stolz auf Dich u. Du selbst kannst es auch sein, wenn Du einmal mehr kannst und weißt als andere. Mutti schrieb, Du hilfst ihr viel. Das ist recht, denn ein Mädel muß zuerst eine tüchtige Hausfrau werden wollen. Wenn ich wieder zuhaus bin, dann helfen wir beide der Mutti, gelt. Bis auf ein frohes Wiedersehen grüßt Dich herzl. Dein Vati


Rudolf Woelky in St. Menehould an Michael Woelky in Berlin

8.1.1947

Mein lieber Junge!

Ich danke Dir für Deinen Brief v. 3.12. Ja, glaub nur fest daran u. vergiß nicht den lieben Gott tägl. darum zu bitten, dann komme ich in diesem Jahr bestimmt frei u. zu euch zurück. Ich bin auch schon so neugierig, was für ein großer Junge Du geworden bist. Arbeite jetzt viel im Walde. Möchte euch das Holz schicken, das ich schon geschlagen habe, dann brauchtet ihr nicht zu frieren. Viele herzliche Grüße von Deinem Vati


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

10.1.1947

Mein lieber Rudi!

Heute erreichten mich schon Deine lb. Zeilen von Weihnachten. Sicher steht noch Post aus, da Du mir 3 Briefe nicht bestätigst. Ich freue mich, daß Du so fern von uns doch Weihnachtsstimmung und Freude verspürt hast. Wir sind jetzt unter den Tannenbaum gerückt, d.h. schlafen und wohnen im Balkonzimmer; ich habe ein Schreibplätzchen am Ofen. Trotz allem immer Gemütlichkeit, wenn es mit den Viren manchmal auch schwer hält. Unser Georg besucht uns öfter, hat Art religiösen Wahn, betet und bekreuzigt sich des öfteren. Vater auch seit dem 1. zu Haus, sägt und hackt Holz für mich. Josef ist krank durch kleinen Unfall. Herzl. Grüße von allen Deine Gitta und Kinder.

Mein lieber Vati! Ich möchte Dir viele Grüße senden. Es hat geschneit, dann fahren wir mit dem Schlitten. Unsere Ferien sind verlängert, weil es so kalt ist. Ich spiele mit meiner Puppenstube, hätte ich Spiritus, könnte ich richtig kochen. Regina


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

11.1.1947

Meine liebe Gitta!

Deine lb. Briefe v. 2.u.3. Dez. trafen nach Neujahr ein. Bin nun auch gespannt, ob Deine Brüder in Berl. sind. Warum sollte Georg in seiner Krankheit rückfällig werden? Meiner Ansicht nach ein schwer seelisches Erleben, das über seine Kräfte ging, u. nun durch Rückführung in seine früheren Lebensgewohnheiten aufgehoben wird. Hermann schrieb mir einmal von einer ungewohnt stark religiösen Tendenz seiner Briefe, was es als besonderes Merkzeichen für Georgs Krankheit angab. Dann laß Hermann nur nicht meine Briefe lesen, sonst komme ich auch noch in Verdacht. – Ernährung. Ja, liebe Gitta, das ist die Tragik meines augenblickl. Lebens, daß ich von allem im Überfluß habe, was Euch fehlt, u. kann euch doch nichts geben. Heute war z.B der 1. Tag solange ich auf dieser Stelle bin, daß zu einer Mahlzeit kein Fleisch auf den Tisch kam. Ich kann nicht froh sein, wenn ich an Eure Not denke. Ich weiß, was Hunger ist. Habe alles durchgemacht und im Juli 45 wog ich 50 Pfund weniger als heute. Gebet, Glaube, Hoffnung u. Liebe; das waren die Mächte, die mich über die schwerste Zeit hinweg getragen haben, u. ich möchte sie immer behalten. – Schicke mir bitte keine Bücher, denn ich glaube, es lohnt sich wirklich nicht mehr. – Einmal werd ich wieder bei Dir sein. Grüß die Kinder u. alle Lieben daheim. Gr. u. K. Rudi


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

11.01.1947

Liebe Mutter!

Es summt mir heute fortwährend in den Ohren, ich glaube, Du denkst soviel an mich. Komme soeben aus der Kirche. Meine Patronin hat wieder mal herzerweichend laut und gedehnt die lateinische Messe mitgesungen. Ihre Stimme ist führend in der kleinen Kirche. Madame erinnert mich immer an Frau Weigt. Sie hat genau so einen vermanschten Engelskopf und immer den Zwiebelsaft in den Augen. Eine seelengute Frau, die rührend für mich sorgt. Habe jeden Sonntag meine frische Wäsche. Meine Chancen bei den älteren Damen sind immer noch gleich hoch. Mein Patron geht Weihnachten und Ostern zur Kirche, Sonst hütet er den Hof. Er war früher Gendarm. Du kennst ihn. Wir haben ihn früher bei Wertheim als Nussknacker auf den Weihnachtsausstellungen getroffen. Du weißt ja, Nussknacker sehen nie schön aus, aber der Kern, den er freigibt, darauf kommt es an. Ja, man muß die Menschen und die Zeit eben nehmen, wie sie sind. Heute lacht nun wieder einmal die Sonne nach langen regenreichen Tagen und gibt neuen starken Lebenswillen. Möge es keine Täuschung sein, daß auch für euch daheim, die bittere Winterszeit gebrochen ist. Bleibt alle gesund und froher Zuversicht.

Grüße alle Lieben und sei Du vielmals gegrüßt in Liebe von Deinem Sohn Rudi.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

18.1.1947

Meine liebe Gitta!

Bestätige Deinen lb. Brief v. 10.12. Nun weiß ich endlich, wie meine Uschi aussieht. Ehrlich gestanden, fiel mein Blick damals zuerst auf die Blonde, aber dann musst ich mir immer wieder die Schwarze ansehen, und das hat mich so verwirrt. Vom 8.10. habe ich nur 1 Brief. Heute nacht habe ich alle 4 bei mir im Traum gehabt. Sie sind alle kaum wieder zu erkennen. Aber wir waren alle in sehr großer Freude. Dorchen schrieb mir, daß Georg 3 Tage bei ihr war. So werden die Eltern euch Weihnachten alle beisammen gehabt haben. Wie geht es Georg? Grüße ihn bitte ganz besonders von mir. Werde später auch an ihn schreiben. – Das Wetter wechselt hier jeden Tag, wie im April. Wollte heute meine Socken und Lappen waschen, doch Madame hat mir die Arbeit abgenommen. Mir war’s peinlich, denn ein Paar Socken hatten kaum noch Sohlen. Die haben neue Füßlinge bekommen. Vorhin waren wir wieder gemeinsam zur Kirche. Mein Platz ist in der Nähe der Krippe. Davor steht ein Messdiener, in der Art wie unsere Negerknaben. Bloß dieser Messdiener hat kein Kopf mehr. Er kann nicht nicken. – Dein Brief hat mich freudig gestimmt, weil er kraftvoll und mutig geschrieben war. So weiß ich doch, daß Du immer noch Herrin der Lage bist u. solange es Not tut auch bleiben wirst. Herzliche Grüße u. Küsse Dir und den Kindern Dein Rudi


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

18.01.1947

Liebe Mutter!

Weihnachtsgrüße diese Woche erhalten. Es kam wirklich ein ganzer Sack voll. Auch Lucies Brief. Antwort an Lucie später. Deine Notiz über Herta ist mir nicht klar. Auf welchen Georg habt ihr gewartet. Ist unser auch entlassen? Zu Deinem Geburtstag meine herzlichsten Glückwünsche und all Deinen persönlichen Gratulanten meine Grüße. Welchen Eindruck habt ihr von Georg Reisch? Arbeite jetzt viel im Wald.

Es grüßt Dich in Liebe Dein Sohn Rudi


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

24.1.1947

Mein lieber Rudi!

Bestätige auch dankend Deinen lb. Brief v. 15.12. Ich weiß nicht viel Neues zu berichten. Die Kinder haben noch Ferien, es ist die 3. Kälteperiode und täglich Stromsperre. Trotz allem sind wir gesund und froh. Ich habe ja unsere Kinder, das Schönste und Reichste auf der Welt, jedes habe ich gleich lieb, wie alle 4 zusammen. Sie sind recht lebhaft geworden, Du wirst staunen und die Ohren zuhalten. Wir erzählen manchmal soviel Erlebtes mit Dir, ob Du dann wohl auch gerade an uns denkst? Die Kinder helfen gern, Uschi will ebenfalls alles mitmachen. Eifrig bringen sie aus den Trümmern von Aufräumungsarbeiten Holz herbeigeschleppt, im Sommer hatte ich viel Teerpappe. Neulich horchte ich auf, als im Radio gemeldet wurde, daß Gesuche zur Entlassung Kriegsgefangener in Frankreich eingereicht werden können. Bedingung: ärztliches Attest oder franz. Gefang. Gerettet, Bescheinigung nicht Nazi, was allein zutrifft. – Ich denke an den 29, vierzehn Jahre her: Ganz leise habe ich mir unser Lied gesummt: „Ein bisschen Glück." – Herzliche Grüße und Küsse auch von unseren Kindern in Liebe Deine Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

25.1.1947

Liebe Gitta!

Für heute nur einen lb. Kartengruß. Habe an Hermann und Lucie einen Brief geschrieben. Nehme an, daß Hermann in Berlin ist. Vergaß nun ganz ihm u. Georg Glückwünsche zum Geburtstag beizufügen. Bitte tue es auch in meinem Namen. Träume jetzt jede Nacht von einem von euch. Muß viel an euch denken, denn es ist seit 8 Tagen ziemlich kalt. Wenn ihr nur nicht zu sehr frieren braucht. Ich sehne für euch den Frühling herbei. Hast Du am 30.1. an mich gedacht? 14 Jahre. Viel innige Grüße u. Küsse.

Dein Rudi


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Lucia Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

25.01.1947

Liebe Lucie!

Zuerst meinen besten Dank für Deinen Brief. Einen „Dichtergruß" kann ich Dir nicht senden, aber Du sollst wenigstens Gelegenheit haben mir wieder mal einen Brief zu schreiben. Egoistische Großzügigkeit. Ja, weißt Du, mir fehlt hier wirklich die Stille und Abgeschiedenheit der Ferme Kohlenklaus und Jolanthes. Hier habe ich den ganzen Tag den temperamentvollen Nussknacker und Schüddelkopp um mich. Da bewegen sich meine Gedanken wie ein schwacher Sender in einem Wellenknäuel. Nach der Arbeit sitze ich viel in der Küche wegen der nötigen Wärme. Darauf wartet die kleine blonde Michele den ganzen Tag, um mit mir zu „spielen". „Äffchen", ihre Mutter, hat mit ihrer Menagerie zu tun und für ihr eigenes Kind wenig Zeit. Der einzige ruhende Pol für mich erscheint Mittags. Geierkralle, der alte abgedankte Häuptling der Familie. Er sitzt bei Tisch neben mir und stößt mich stets ermunternd an. „Hau rin, Junge, das ist dein Recht. Ein anderes außer das Recht zu arbeiten hast du nicht." Dann streichelt er meine Hand wie einem kleinen Kinde. Artverwandte Seelen. Wir sitzen auch in der Kirche zusammen. Seine Tochter, die Frau mit dem vermanschten Engelskopf ist seine Erbträgerin. Wir beide essen immer noch, wenn die anderen schon längst fertig sind. Es wär zuviel Gnade, wenn man in dieser Gesellschaft auch noch dichten könnte.

Herzlichen Gruß Rudi.


Bruno Woelky in Syke b. Bremen Hauptstr. 7 Engl. Zone an Rudolf Woelky in St. Menehould

26.1.1947

Lieber Rudi!

Ich habe erfahren, daß man jetzt auch Briefe nach Frankreich schicken darf und so will ich es einmal versuchen Auf diesen Karten kann man ja doch nichts schreiben und man hätte sich doch so viel zu sagen. Wollen wir hoffen, daß Dich diese Zeilen erreichen. Zunächst sage ich Dir für Deine Geburtstagsgrüße meinen herzlichsten Dank. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Lieber wäre mir es allerdings, Du wärst persönlich bei uns erschienen. In letzter Zeit habe ich so oft von Dir geträumt und wenn meine Träume in Erfüllung gehen, dann kommst Du diesen Sommer nach Hause. Es würde ja auch so langsam Zeit werden. Deine Frau und Deine Kinder brauchen ihren Vati bestimmt sehr dringend. Hoffentlich wird Eure Lage bei den Friedensverhandlungen auch endlich entschieden. Georg hoffte ja ganz stark zu Weihnachten zu Hause zu sein, aber bis jetzt ist er noch nicht da. Obwohl ihr alle über die Zustände in Deutschland enttäuscht sein werdet, zieht es doch jeden nach seiner Familie zurück. Ich kann mich ja nicht so in Eure Lage hineinversetzen, da ich ja nur 14 Tage Gefangenschaft mitgemacht habe, aber über eins müsst Ihr Euch klar werden, die Heimat, das Herz Europas, schlägt nicht mehr. Es ist ein totes Land. Frohe, lachende und glückliche Menschen gibt es nicht mehr. Ausnahmen bilden vielleicht einige junge Frauen und Mädchen, die sich, sei es aus Not oder Vergnügungssucht den fremden Soldaten für ein Stück Brot, Schokolade oder ein paar Zigaretten an den Hals geworfen haben, und dadurch für eine Zeit oder auch nur für Minuten das Lachen wiedergefunden haben. Unsere schönen Städte und Dörfer liegen noch in Schutt und Asche und die Menschen, die darin hausen, sind über all das Elend das sie in letzter Zeit erlebt haben abgestumpft und gleichgültig geworden. Es fehlt allen an Lebensmut. Alle Leute haben nur die Sorge um das tägliche Brot und um ein bisschen Feuerung, um sich die wenigen Lebensmittel die es auf Marken ab und zu gibt, kochen zu können. Viele können auch das nicht mal. Und das in Deutschland, dem reichsten Land an Kohle. Ich selbst habe noch nicht eine Kohle bekommen. Aber was soll ich Dir das Herz mit unseren Sorgen schwer machen, all das wirst Du ja nach Deiner Entlassung selbst mitmachen können. Georg schrieb mir was aus Italien, ich solle ihm ruhig klar und offen alles schreiben, wir befänden uns doch jetzt in einem demokratischen Staat wo jeder Rede- und Pressefreiheit hätte. – Schön wäre es ja! - Ich will Dir lieber etwas von mir und meiner Familie schreiben, das interessiert Dich sicher auch. Wie schon anfangs erwähnt, war ich nur 14 Tage in amerikanischer Gefangenschaft in Steyr./österr. Mit der letzten Post bekam ich noch Nachricht von Anni, daß sie in Biederitz ausgebombt und dann nach Haus nach Graslitz gefahren ist. Die Freude war natürlich groß als ich plötzlich als einer der ersten ankam. Daß ich überhaupt noch am Leben war, damit hatte keiner mehr gerechnet, weil sie schon seit einem halben Jahr keine Nachricht mehr von mir hatten. Wir bewohnten die Wohnung von Marie, die nach Klagenfurth übersiedelt war. Unser Glück war aber nicht von langer Dauer. Den Tschechen gefiel unsere Wohnung und so mussten wir eines Tages innerhalb einer Stunde das Haus geräumt haben. Das Räumen hat auch nicht länger gedauert. Wir mussten ja alles stehen und liegen lassen und so konnten wir auch die Zeit gut einhalten und zogen mit einer Tasche und einen Köfferchen, begleitet von den aufpassenden Gendarmen, aus. Der neue Mieter zog dann bepackt mit einer Zahnbürste und einem dreckigen Handtuch ins warme Nest. Mit Mühe und Not erhielten wir die Erlaubnis mit zu den Eltern zu ziehen. Aber auch dort mussten wir täglich mit der Ausweisung rechnen. Annis Bruder Toni war schon 8 Tage vor mir in Graslitz angekommen, wurde aber nach 14 Tagen verhaftet und eingesperrt. Zum Glück nahmen aber die Amerikaner vor ihrem Abzug aus der C.S..R. die politischen Gefangenen mit nach Nürnberg. Dort ging es ihm sehr gut und ist dann im letzten Mai entlassen worden. Also wir lebten nun alle drei bei der Oma. Arbeit gab es für Deutsche keine und so suchte und fand ich dann auch bei der amerik. Küche Beschäftigung als Boy. Ich habe dort von dem Erlös nicht nur meine, sondern noch drei andere Familien miternähren können. Es war, was das Essen anbelangt, die schönste Zeit meines Lebens. Leider zog die Besatzung am 20. November 1945 ab. Am 3.12. bekam ich dann die Aufforderung am 4.12.45 Graslitz verlassen zu haben. Im Schneesturm machten wir nachts mit dem Transport über die Grenze. In Leipzig fing man uns auf und steckte uns in ein Lager. Wir glaubten etwas Schlechteres gäbe es nicht einmal mehr in Russland, aber wie sehr hatten wir uns später nach diesem Lager zurückgesehnt. Am 16. Januar 1946 zu meinem Geburtstag wurden wir in Leipzig verladen und kamen dann von einem Lager zum andern. Sechs Jahre Krieg waren gegen diese Wanderungen gar nichts. Bei Eis und Kälte verschickte man uns fast ohne Verpflegung 8-10 Tage in ungeheizten Güterzügen von Lager zu Lager. Jeden Morgen warfen wir die verhungert und erfrorenen Leichen aus den Zügen. In den Lagern waren Seuchen, Krankheiten und Massensterben an der Tagesordnung. Und das alles in Deutschland. Anni selbst hatte öfter Nervenzusammenbrüche, lag öfter mit schwerem Nervenfieber dicht am Sterben, Peter hatte unterwegs die Masern, Keuchhusten und schwere Lungenentzündung. Mit über 40° Fieber sind wir dann wieder verladen worden und sind doch immer wieder hoch gekommen. Als wir mit einem Transport im Mai ins engl. Gebiet sollten, wurden wir nicht angenommen und der Zug fuhr zurück nach Prenzlau. Wir hatten wieder viele Tote am Transport und ich weiß nicht, ob Anni diesmal davongekommen wäre und als wir durch Biederitz fuhren stiegen wir auf gut Glück aus. Frau Jänsch eine Bekannte nahm uns auf und pflegte Anni und Peter gesund. Ich machte nach einigen Tagen schwarz über die Grenze nach Hannover. Ich hatte aber kein Glück weder Arbeit noch Wohnung zu finden und so wurde ich nach Syke verwiesen. Hier bekam ich die Zuzugsgenehmigung, als Wohnraum einen ausgebauten Hühnerstall. Die Enttäuschung war zwar groß, aber ich hatte ein Dach über dem Kopf und brauchte kein Flüchtlingslager. Ich machte wieder zurück nach Biederitz (Bilderitz) und holte Anni und Peter. Mit einem Transport fuhren wir bis über die Grenze und dann allein weiter nach Syke. Aus unserem Hühnerstall ist mit der Zeit ein sehr nettes gemütliches Zimmerchen geworden. Es ist zwar alles in einem Schlaf- Wohn– und Esszimmer und Küche, aber wir sind glücklich darin. Mit Arbeit ist es hier zwar schlecht bestellt. Hier im Ort ist keine Industrie und die Ämter alle besetzt. Ich muß nun notgedrungen, um die Familie ernähren zu können, in einer Eisengießerei in Bremen arbeiten. Der Verdienst ist zwar nicht erheblich, aber es reicht die paar Lebensmittel zu kaufen. Etwas anderes gibt es ja doch nicht. Weder Möbel, Küchengeräte, Kleidung oder Schuhe. Man bringt uns mit aller Gewalt auf den Lebensstandart des russischen Volkes. An die Anschaffung einer richtigen Wohnungseinrichtung ist in den nächsten Jahren nicht zu denken. Die Einrichtung, die ich zur Zeit habe, sind teilweise alt gekauft oder geschenkt oder selbst gebaut. Nun haben wir mit unseren Wirtsleuten Glück. Es sind sehr nette Leute, haben ein großes Konfektionsgeschäft, allerdings ohne Ware, von ihnen haben wir schon viel Gutes gehabt. Aber trotzdem möchte ich hier in Syke nicht für immer bleiben. Es ist zwar sehr schön hier, aber zu einsam. Fast alle Graslitzer sind in der Gegend von Nauheim / Hessen. Marie mit ihrem Mann und Tonl wohnen schon dort. Die Eltern sind noch in Graslitz. Schwiegervater muß noch bis zum Frühjahr dableiben, weil man ihn braucht. Dann kommt er auch nach Nauheim. Wenn sie erst dort sind, dann versuchen auch wir, aber erst im nächsten Jahr, dorthin zu ziehen. Da sind wir dann wenigstens wieder alle zusammen. Hugo und Reserl sind auch noch in Graslitz. Da ist im November das 3. Kind angekommen. Nur von Hans ist immer noch keine Nachricht. Er ist seit Stalingrad verschollen. Seine Frau hat eine Ausstellung an der Haller-Universität. Das wäre nun das Familiäre von meiner Seite aus. Über die Berliner Verhältnisse wirst Du ja sicher von anderer Seite laufend unterrichtet sein.

Unsere Mutter und Luzi müssen sich so recht und schlecht durchschlagen. Eine Rente bekommt Mama, wie sie mir mal schrieb, nicht mehr. Luzi muß die Mutter nun vollkommen miternähren. Ihr Verdienst ist aber auch nicht groß. Das Herta geschieden ist, wirst Du ja wissen. Unser sauberer Schwager Kurt hat sich in Dresden etwas anderes gesucht. Nun sitzt Herta mit ihren 4 Kindern da. Solche Strolche wie Kurt, haben den Krieg nicht kennen gelernt und sind dabei auf dumme Gedanken gekommen. Die braven und anständigen Kerle sind gefallen oder sitzen noch in Gefangenschaft. Schade, daß ich unsern sauberen Schwager nicht zu sprechen bekam. Hoffentlich rächt sich alles noch mal auf Erden.

Nun lieber Rudi glaube ich für heute genug geschrieben zu haben und hoffe, daß Dich das Schreiben erreicht. Ich würde Dir gerne auch mal ein Päckchen zukommen lassen. Solltest Du etwas brauchen, so schreib mir bitte. Ich lebe zwar auch nicht in Überfluß, aber ich habe meine Freiheit und da will ich gerne auf etwas verzichten, wenn ich Dir eine Freude oder einen Gefallen tun kann. Und wenn Du entlassen wirst, versuche über Bremen zu kommen und dann kommst Du erst ein paar Tage zu mir.

In der Hoffnung, daß Du gesund bist und bleibst, will ich für heute schließen.

Es grüßt Dich Dein Bruder Bruno sowie Anni und Peter


Georg Reisch in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

28.1.1947
Eingang 21.2.1947
Antwort 2.3.1947

Lieber Rudi!

Weihnachten hast Du wie wir gelesen zeitgemäß gut verlebt. Wir waren mit Mutter u. Lucie hl. Abend traditionell bei Euch. An beiden Feiertagen hat Deine Familie bei uns gegessen. Sylvester blieben wir daheim, da keine Stimmung dafür bestand. Georg ist hier, es geht ihm leidlich. Mutti war heute mit ihm zum Doktor. Hier ist’s recht kalt und Kohlen knapp. Kinder schläft mit Kinder im Wohnzimmer, heizt sich besser. Am 1.2. werde ich wohl eine neue Arbeitsstellung antreten, muß heute nehmen, was sich bietet, bis es besser wird? Sonst sind wir gesund auch Deine Familie, natürlich schwer satt zukriegen.

Herzliche Grüße Deine Schwiegereltern


Robert Titz in St. Menehould an Rudolf Woelky in St. Menehould

29.1.1947

Lieber Rudi! Von meiner Schwester erfuhr ich, daß Du noch nicht das Glück hattest die Heimat zu sehen. Sei guten Mutes, es scheint sich was zu tun?! Hier alles in Ordnung, nette temperamentvolle Kameraden auf Montmergy.

Gruß Dein Robert


Rudolf Woelky in St. Menehould an Otfried Woelky in Berlin NW 21 Birkenstr. 42

30.1.1947

Mein lieber Otfried!

Nachstehendes Gedicht habe ich für Dich gemacht für die Zeit, wo Du die Verantwortung über Dich selbst übernimmst. Wenn diese Zeit da ist, wirst Du auch Sinn und Bedeutung meiner Worte und was ich Dir damit sagen will, verstehen. Bis dahin bewahre diese Briefe. In herzlicher Liebe, Dein Vater

M O G ( Mensch ohne Gott )

Mog saß im Dunkeln und sann über den Sinn des Lebens.
Was es ihm wohl bieten kann. Er leb nicht gern vergebens.
Es fiel ihm gar nichts weiter ein als Amor und der Wein.-
Allzubald war leer getrunken. Dionysos goldner Becher.
Kraft und Blut ins Grab gesunken. Eines Irrtums harter Rächer.
Mog umgab jetzt tiefe Nacht. Da ließ sich eine Stimme hören:
Hast du schon daran gedacht Geld und Gut zu mehren?
Börse, Karten, Rennen, Wetten! Gierig legt er Schein auf Schein.
Hinter Schloß in Stahlkassetten blitzen Gold und Edelstein. –
Reicher Mog! Du armer Tropf! Schlaf entfliehet scheu den Zahlen
Gehen nicht mehr aus dem Kopf. Morgen können Kurse fallen.
In ruheloser, langer Nacht zischt höhnisch lachend es ihn an :
Ein Mann wie du braucht Macht. Geld schafft dir Troß und Bahn.
Willig wird man dir nicht geben was ein anderer besitzt;
Doch was schert dich fremdes Leben, wenn es deinem eignen nützt.
Mog bekommt ein zweites Ich. Wandelt sichtlos sich zum Drachen.
Von der Erde ird’schen Tisch frisst sein nimmersatter Rachen.
Völker führt zu wildem Tanze seiner Krallen giftig’e Pein; erschlägt
Wütend mit dem Schwanze einer Menschheit Glücklichsein.
Da, in spät’ster Dämmerstunde, letzter, feinster Gnadenstrahl,
und aus gläubig frohem Munde schwingt zu ihm hin der Choral :
„Näher, mein Gott, zu Dir!"
Zittern hemmt den irren Lauf.–
„Gott? Ein Gott ist hier!? – Nein! Gott sind nur wir!"
Wut und Schrei zerreißt die Stille. Mog peitscht hoch den Rest an Wille,
krümmt sich - frisst sich auf.

Nachwort für Dich.

Locken tut nur das Verderben. Acht des Lebens tiefren Sinn. Such den Himmel zu erwerben, halte Gott die Hände hin. Will er sich dir einmal zeigen, sei’s im Glück, sei’s in der Not, tu dich dankbar vor ihm neigen; bleib mein Junge, werd’ kein MOG. Dein Vater


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

1.2.1947

Liebste Gitta!

Sende mit gleicher Post 2 Briefe an Otfried. Am 30. Jan. schickte man mich allein in den Wald zum Holzsägen. Dabei kam mir dann die Idee zu „Mog". Nimm Du ihn gleichfalls als Beweis meines innigen Gedenkens an unsere 1.Stunde an. Vorigen Sonntag schrieb ich noch an Lucie, ich könne keinen Reim mehr fertig bekommen. War davon auch fest überzeugt. Ja, die liebe Natur und ihre heilige Stille. Ich weiß zwar nicht, ob meine Gedanken im Mog klar zum Ausdruck kommen. Hoffe es. Grüße und Küsse. Rudi


Bruno Woelky in Syke Hauptstr. 7 an Rudolf Woelky in St. Menehould

2.2.1947

Lieber Rudi!

Deine Geburtstagsgrüße dankend erhalten. Habe Dir vor 8 Tagen einen Brief geschrieben. Hoffe, daß Du ihn erhalten hast. Sonst hier alles beim Alten. Nur Anni geht es nicht gut. Hat sehr unter ihrer Schwangerschaft zu leiden. Peter ist ein schöner großer Junge geworden. Die Schwiegereltern sind noch in Graslitz. Werden wahrscheinlich zum Frühjahr auch herauskommen. Marie, Fred und Tonl sind in Nauheim Kreis Gearau, Hugo und Reserl noch in Graslitz und Hans seit Stalingrad vermisst. Hoffentlich kannst Du bald zu Deiner Familie. Du wirst dringend gebraucht.

Herzlich Dein Bruder Bruno sowie Anni und Peter


Hermann Reisch in Gannerwinkel an Rudolf Woelky in St. Menehould

4.2.1947

Heute wieder mal ein Gruß. Habe ja lange nichts mehr von Dir gehört, hoffe aber Du hast alle meine Post erhalten und schreibst vorzugsweise an Gitta. Hoffentlich ist nun 47 auch für Dich das Jahr der Heimkehr. Ich gehe Ende März nach Hause. Vor Weihnachten habe ich Georg heimgebracht, es war nicht leicht. Ob er gesund wird, weiß Gott. Alle guten Wünsche und Euch herzliche Grüße vom Schwager Hermann


Karl Wimmer (Gertrud) in Hüffenhardt Krs. Mosbach Baden Bohnengasse 27 an Rudolf Woelky in St. Menehould

6.2.1947
Eingang 10.6.1947
Antwort 20.8.1947

Sehr geehrter Herr Woelky.

Ich will Ihnen gleich mitteilen, daß wir Ihren Brief mit großer Freude erhalten haben. Wir haben schon öfters an Sie gedacht, wir haben sicher geglaubt Sie sind schon längstenst bei Ihren Lieben zu Hause. Die Hauptsache ist wenn Sie gesund bleiben, was wir Ihnen auch von ganzen Herzen wünschen. Herr Wieland u. Sigmann, Eckert Ernst sind schon etliche Monate zu Hause. Sie lassen alle recht herzlich grüßen. Wieland will Ihnen auch mal schreiben. Die Briefe an Ihnen ihre Frau habe ich noch nicht weg geschickt. Danach war ja lange Postsperre, die Briefe habe ich alle sehr gut aufgehoben. Durch den großen Trubel haben wir immer gesagt, wer weiß ob Ihre Lieben noch dort sind. Sie dürfen sich verlassen, ich schick die Briefe sofort an Ihre Frau ab. Mir und meinen lieben Eltern geht es noch soweit gut, was ja heute in dieser Zeit die Hauptsache ist. Wir würden uns wieder sehr freuen wenn Sie mal wieder was hören lassen, wenn Sie Hause sind auch. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute und daß Sie bald nach Hause kommen.

Herzliche Grüße sendet Ihre Familie Wimmer


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

6.2.1947

Mein lb. Rudi!

Wir haben so reichlich Post von Dir erhalten, 3 Karten für die Kinder u. 2 Briefe v. 1. u. 11.1. Vielen Dank! Es wird Dir jedes Kind schreiben so gut es geht. Sie haben nun 2 x Schule in der Woche in der Zwinglistr. Sonst ist immer noch Winter und alles daßelbe. Bist Du von amerik. Truppen gefangen? da lt. Meldung diese Gef. bis Okt. 47 entlassen werden. Heute traf ich Frau Hartmann, die freudestrahlend sagte, daß Georg bald kommt. Er ist wohl schon im Quarantäne-Lager und hat es geschafft. Da wird sich Mutter auch freuen, wenn sie es morgen zum Geburtstag erfährt. Mutter geht arbeiten, hat dadurch auch bessere Lebensmittelkarte. Vater hat, bis sich was Besseres findet, in der Wiclefstr. Wächterposten angenommen. Nachtdienst ist auch anstrengend. Josef hat seine kranke Mutter besucht, am 19.12. alle aus Schlesien raus: sie sind jetzt im Lager in Sachsen. Am 10. ist unser Verlobungstag. Ich habe wenigstens meinen Ring gerettet, da ihn Uschi gut verwahrte.

Herzl. Gruß Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

7.2.1947

Meine liebe Gitta! Liebe Kinder!

Heute, nach fast einem Monat wieder Post von euch. Karte u. Brief v. 4.u.6.Jan. Nun weiß ich wenigstens, daß ihr auch einen Tannenbaum zu Weihnachten gehabt hat. Von Hermann noch keine Post erhalten. Dieser Winter ist wieder mal sehr streng. Auch hier zeitweilig sehr kalt und stark wechselnd. Wenn die Abendmahlzeit beendet, lege ich mich bald immer ins Bett. Den ganzen Tag an der Luft, wird man in der Stube schnell müde. Wenn es sehr kalt ist, schmuggelt mir Emalda immer eine Wärmflasche ins Bett. Sie weiß, daß ich zu stolz bin selbst eine Flasche mit nach oben zu nehmen. Darum macht sie es heimlich. Emalda ist eben ein Engel. Manchmal platzt ihr ja auch mal der Kragen (und sie hat eine ganz schöne Halsweite), aber nur, wenn Emil sie zuviel ärgert. Emil hat ein chronisches Nieren- u. Nervenleiden, das ihn seine Physiognomie bei mir zum Nussknacker stempelte. Ich habe ein besonderes Talent mit solchen Menschen umzugehen. Wir verstehen uns ausgezeichnet, d.h. sie wissen nicht immer, ob ich es ernst meine oder ob ich sie verkohle. Emalda schüttet mir oft ihr Herz aus in langen Litaneien. Dabei verstehe ich kaum ein Wort. Du siehst, Gitta, mir geht’s gut. Ja, mir geht’s sogar noch viel besser, ich habe große Sehnsucht. Herzliche Grüße u. Küsse.

Dein Rudi


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

07.02.1947

Liebe Mutter!

Heute, an Deinem Geburtstag kam Deine liebe Karte vom 7.1. an. So will ich Deiner an diesem Tage dadurch gedenken, daß ich Dir gleich wieder schreibe. Vor 2 Jahren nachm. 5 Uhr machte ich im Sturmboot über den Rhein. Meine nächste Fahrt über den Rhein wird hoffentlich weniger stürmisch sein. Wann wird das sein? Von hier nichts Neues zu berichten. Bin gesund, immer noch der alte und gut geht es mir sowieso. Herzliche Grüße Dir und Lucie.

Dein Sohn Rudi.


Otfried Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

7.2.1947

Mein lieber Vati!

Einen lieben Gruß und Kuss von Deinem lieben Otfried. Ich habe „SCH" schreiben gelernt. Schokolade haben wir bekommen.


Regina Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

10.2.1947

Mein lieber Vati!

Als ich Deine Karte erhielt, freuten wir uns. Heute bin ich zu Hause. Wir müssen zwei Tage in die Schule. Wir haben Käse, Schokolade und Kekssuppe bekommen. Ich habe wieder geträumt, daß Du bei uns warst.

Viele liebe Grüße und Küsse von meiner lieben Mutti und Deiner Tochter Regina


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

12.2.1947
Eingang 17.3.1947
Antwort 23.3.1947

Mein lieber Rudi!

Als ich zur 2. Diphtherie-Schutzimpfung mit Uschi musste, lächelte die Ärztin wieder über unser Dickchen. Uschi guckt ernst und forschend mit ihren großen dunklen Augen, ein kl. Zöpfchen mit hellblau Schleifchen steht etwas keck ab. „Mutti, Doktor piekt, nur Babys weinen." Verwundert guckt sie nach allen größeren und kleineren Schreihälsen, die vergeblich von den Muttis auf dem Arm beruhigt werden. Ich wünsche mir nur, daß Uschi nur weiter so fein und selbstständig durchs Leben geht. Man sagt viel, es wäre die ganze Lucie. Ich meine, sie geht etwas nach mir. Na, mal sehen, was der Vati sagen wird. Frau Nachbarin bringt ihr Einziges in den Kindergarten schon wegen der Zuteilungen, damit das Kind nur nichts entbehrt. Außerdem möchte es bald wärmer werden, sonst frieren wir langsam aber sicher ein. Jeder hat seinen eigenen Eispalast. Bei Mutter war es auch sehr kalt. Das Zimmer ist auch noch größer als unseres. Kätchen mit frischen Locken erwartet Georg. Ob er schon da ist? Lucie immer wohler, Herta, die Gnädige, brachte eine große Hortensie, man muß staunen, da es nirgends Blumen gibt. Nur künstliche oder Eisblumen!

Für heute einen heißen Kuß von Deiner Gitta.


Michael Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

13.2.1947

Mein lieber Vati!

Vielen Dank für Deine Karte v. 8.1. Ich habe Dir viel zu erzählen. Ich kann auch schon Holz hauen und der Mutti helfen, Wasser holen und einkaufen. Ich friere nicht so leicht u. meine Schuhe hat Oma ganz machen lassen.

Herzlichst grüßt Dich Dein lieber Sohn Michael


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

16.2.1947

Liebe Gitta u. liebe Kinder!

Die Zeit verrennt grad so, als ob sie’s bezahlt bekäm. Kaum aufgestanden, schon ist der Sonntag wieder um. Ja, heut bin ich spät aufgestanden. Ungewollt. Emalda erzählte mir gestern, Besuch kommt u. wird um 5 Uhr von der Bahn abgeholt. Sie kann nicht deutsch u. ich nicht franz. 5 Uhr hab ich verstanden u. 7 Uhr hat sie gesagt. Also hab ich mich auch 2 Std. mit dem Schlaf geirrt. Meine Kammer hat kein Fenster und wecken tun sie mich nicht. – Am Nachmittag haben wir PG’s Fußball gespielt. Den Ball haben wir heute erst irgendwo entdeckt. Da ist wieder mal der Kalk gebröckelt. Die Haare sind auch wieder geschnitten. Geierkralle, 76 alt, reißt sie mir mit Vorliebe einzeln aus. Wie beim Zahnarzt. Was man alles so erleben muß! – Otfried wird ja seinen „Mog" schon haben. Nun müsste Regina noch ein Gedicht von mir bekommen. Habe bitte Geduld, Regina. Was lange währt, wird sicherlich gut. Hoffentlich. Zur Zeit ist mein Gehirnskasten eingefroren. Es ist reichlich kalt. Wie muß es erst bei euch sein. Wärmt euch einander. Und droht der Winter noch so sehr – es muß doch ein Wiedersehen geben. Herzliche Grüße u. Küsse. Euer Rudi u. Vati


Lucia Woelky in Berlin NW 21 Oldenburger Str. 3 b an Rudolf Woelky in St. Menehould

22.2.1947
Eingang 25.3.1947
Antwort 26.3.1947

Lieber Rudi!

Herzlichen Dank für Deinen lb. Brief v. 25.1. Die egoistische Großzügigkeit soll belohnt werden. Gleich heute sollst Du Antwort haben. Wie Du vielleicht schon weißt, kam Georg am 11.2. aus der Gefangenschaft nach Berlin. Die Freude war riesengroß. Selbst Manfred hat seinen „lb. Vati„ sofort erkannt. Am Sonntag veranstaltete ich gleich eine Faschingsfeier, an der Georg als erstes männl. Familienwesen teilnahm. Meine Arbeit befriedigt mich sehr. Freue mich jeden Morgen erneut darauf, zumal ich einen seelensguten Chef habe. Außerdem bin ich in der Firma Chorleiterin. Habe einen Chor von 16 Mann, den ich mir zur Weihnachtsfeier selbst aufgebaut habe. Der Erfolg war so groß, daß er als stehende Sache aufgezogen wird. – Mama ist zur Zeit krank an Grippe, wohl ein Drittel der Berliner Bevölkerung. Deinen Nussknacker u. vermanschten Engelskopf möchte ich gern mal sehen. Amüsiere mich immer über Deine so treffende bildliche Sprache. An Dir ist doch ein Schriftsteller verloren gegangen. Willst nicht umsatteln? Wann kommst Du?

Herzlichst Deine Lu


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

23.2.1947

Meine liebe Gitta!

Briefe v. 10. u. 24.1. erhalten. Lang ersehnt. Ebenfalls Vaters Zeilen eingetroffen. Aus Deinem Brief v. 24.1. sprach soviel Ruhe u. Ausgeglichenheit, daß ich diese freudig mir zu eigen machte. Du meinst mir nichts Neues berichten zu können u. schreibst mir darum von den Kindern. Ja, aber das ist es ja gerade, was mich interessiert und nicht das „Neue". Ich will ja in Gedanken immer recht lebendig bei euch weilen. Dich kenne ich (glaube ich), aber die Kinder sind mir zu wenig vorstellbar, weil ich weiß, daß die Jahre sie verändert haben. Brauch mir bloß unsere Uschi anzusehen. Regina danke ich für die lieben Worte, die sie unter Deinen Brief setzte. Diesmal hat sie sich im Schreiben große Mühe gegeben. Die hiesige Jugend kennt die Freuden einer Schlittenfahrt nicht. Schnee gibt es kaum. Aber kalt (10° minus) ist es in diesem Jahr auch. Diese Woche fast nur Mist geladen. Gestern Holz gespalten. Mein rechter Arm ist tadellos. Von der Verwundung kaum was zu sehen. Heute gab es das Aschenkreuz. Die Kommunion für Georgs Gesundung aufgeopfert. Nussknacker liegt seit einigen Tagen im Bett an Rheuma. Kranke können sich selten beherrschen. N. auch nicht. Seine schlechte Stimmung steckt das ganze Haus an. Emalda tröstet mich mit ihrer guten Küche über alles hinweg. Sie macht mir auch Hoffnung, daß ich bald nach Hause komm. Von Bruno 1. Nachricht erhalten. Erwarten im Juni Familien-Zuwachs. Grüße bitte die Eltern u. Georg.

Dir u. den Kindern herzl. Grüße u. Küsse. Dein Rudi


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

23.2.1947

Mein lieber Rudi!

Herzlichst danke ich für Deinen lb. Brief v. 18.1. Gerade in meinem Brief v. 8.10. beschrieb ich Dir Uschi und daß ich den Kindern die Schaukel in der Tür vom Balkon– zum Erkerzimmer angebracht habe. Im Erkerzimmer haben wir auch geschlafen bis Januar. Nun muß es in der Küche wieder schön sein, dort scheint die Sonne und zum Feuern habe ich Koks. Es sind noch bis –10° Kälte. Es hat zur Freude der Kinder geschneit. Ich tappte heute morgen durch den tiefen Schnee und fand es herrlich. Schon wieder 1.Fastensonntag. Die Kinder vergnügten sich mit dem Schlitten. Uschi hält es nicht lange aus, da es ihr zu kalt ist. Für Michael habe ich Stiefel kaufen können, hoffentlich auch bald für Regina und Otfried. Deine Fellweste, die ich noch habe, ziehe ich bald nicht mehr aus. Dein Bruder Georg hat uns besucht, er sieht sehr gut aus und freut sich über alles daheim, besonders über seinen Jungen. Hoffentlich kann es auch für Dich nicht mehr so lange dauern. Du musst ja starke Arme mitbringen, wenn Deine 4 und Deine lb. Frau Dich umstürmen.

Herzliche Grüße und liebe Küsse von den Kindern und besonders von Deiner Gitta


Dora Duwe in Küdinghoven an Rudolf Woelky in St. Menehould

25.2.1947

Lieber Rudi!

Dank für Brief v. 18.1. Inzwischen allerlei Nachricht aus Berlin. Von Brigitte und Kindern viel liebe Briefe. Georg ist nervenkrank. Völlig teilnahmslos gegenüber jeglichem Erzählten, Geschriebenen oder Gedruckten, ohne jede Freude. Hilft aber im Haushalt, hat bei Martin in Spandau sogar erzählt.

Herzlichen Gruß Dorchen und Mariechen.


Anna Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

25.2.1947

Mein lieber Sohn Rudolf!

Deinen Brief hatte ich erhalten. Ich freue mich immer über Deine Briefe, auch das Du in Gefangenschaft den Humor noch nicht eingebüßt hast. Wir haben doch viel lachen müssen, über den vermanschten Engelskopf und den Nussknacker. Wir freuen uns auch, daß Du überall gute Menschen antriffst. Da kann man wieder sehen, Gott verlässt die Seinen nicht, wenn sie Ihn nicht zuerst vergessen. Das du öfter zur Kirche gehen kannst, bezeichne ich als großes Glück. Unser Georg hat großes Glück gehabt, denn er ist zu Hause und erfreut sich seiner Familie. Er ist gesund und sieht gut aus. Auch Arbeit hat er schon gefunden. Er fängt am 1.3. bei Löwe an, Huttenstr. Er konnte also am 23. mit seiner Frau Geburtstag feiern. Und sein Junge ist ihm um den Hals gefallen, als ob er gar nicht fort war und er ihn genau kannte. Was Georg Reisch anbetrifft, das ist sehr traurig, der ist ein alter Mann. Ich glaube kaum, daß sich das bei ihm legen wird. Und die Ärzte können ja heute auch nichts machen. Es fehlt doch an Allem. Wir müssen es Gott überlassen. Es ist nur für die Eltern ein großer Kummer. Bleibe weiter gesund und froh, einmal kommst auch Du nach Hause.

Deine Mutter


Anna Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

26.2.1947

Lieber Rudolf!

Ist es bei Euch auch so kalt? Der Winter dauert dies Jahr zu lange. Wir sind alle erkältet. Keine Feuerung. In den Wohnungen ist es kälter aus draußen. Aber es muß doch Frühling werden. Herta muß auch sehr frieren mit den Kindern. Und Gitta bestimmt auch. Ich komme so selten zu Ihr, weil ich arbeiten gehe. An meinem Geburtstag war sie mit Otfried bei mir. Morgen werde ich mal hin, weil ich noch nicht arbeiten gehe. Viele Grüße und die besten Wünsche

Deine Mutter


Georg Woelky in Berlin Salzwedeler Str. 6 an Rudolf Woelky in St. Menehould

27.2.1947

Lieber Rudi!

Endlich bin ich daheim. Groß war die Freude meinen lieben Jungen und Kathi wieder zu haben. Bis jetzt bin ich noch nicht viel zur Ruhe gekommen. Aber schön ist es doch. Auch Arbeit habe ich schon bekommen. Natürlich durch sehr gute Fürsprache meines ehemaligen Abteilungsleiters. Ich bin jetzt ab 1.3. bei Löwe (Huttenstr.) als 1.Kalkulator. Ich bin ein Glückkind. Nun beeile Dich, daß auch Du zu Deiner Familie kommst.

Herzliche Grüße von Deinem Bruder Georg, Kathi u. Manfred


Rudolf Woelky in St. Menehould an Familie Woelky in Berlin

2.3.1947
Eingang 31.3.1947
Antwort 31.3.1947

Meine Lieben!

In meinen Ohren singt es so oft, daß ich manchmal sogar ärgerlich werde, weil ich nicht hören kann, was Ihr mir sagen wollt u. was über mich gesprochen wird. In dieser Woche hatte ich auch wenig Zeit darüber nachzudenken, denn Dreschen ist schwere Arbeit, die den Körper am Abend müde ins Bett wirft. Dazu die Kälte. Kinder erfriert mir nur nicht und haltet mir die Mutti warm. Am Mittwoch wurde die kleine Michele 5 Jahre alt. Die Eltern haben es erst am nächsten Tag gewusst. Familienfeiern, Geburtstage usw. habe ich hier nirgends bemerkt. Wäret Ihr damit einverstanden, Kinder, wenn wir die Geburtstage nicht mehr feiern? Ich glaube nicht. Die Kinder hier auf dem Lande haben den ganzen Tag Unterricht. D.h. Schule. Am Vormittag sind Unterrichtsstunden u. am Nachmittag sind Arbeitsstunden. Die Eltern haben keine Zeit mit den Kindern Schularbeiten zu machen. Ihr habt in diesen Winter gewiß wenig Schule. Freut Ihr Euch darüber? Da wird die Mutti wohl viel Brennholz heran getragen bekommen. Geht auch mal, wenn ihr soviel Zeit habt, die Oma Woelky besuchen u. grüßt sie schön von mir. Grüßt auch die Tante u. Onkel Hettwer u. alle lieben Menschen, die Ihr kennt. Euch sende ich einen herzlichen Kuß

Euer Vati


Hermann Reisch in Gannerwinkel an Rudolf Woelky in St. Menehould

2.3.1947

Lieber Rudi!

Deine beiden Briefe dankend erhalten. Befinde mich z.Zt. auf dem Lande noch bis Mitte April, um dann nach Hause zu gehen. Deine Tätigkeit von Mistfahren und Holzschlagen ist dieselbe wie augenblicklich meine. Mein Hier sein erfolgte im vorigen Sommer aus der Notlage heraus, jetzt dient es nur noch dem Zweck, denen daheim so gut als möglich mit einigen Nahrungsmitteln zu helfen. Denn die Lage zu Haus ist schlecht, keine Kartoffel, nichts mehr da bei den Eltern. Hinzu kommt nun noch, daß Georg zuhause ist, wegen seiner Krankheit nicht arbeitet und die in der russ. Zone übliche geringste Lebensmittelkarte bekommt. Es gibt derer vier Arten. Georgs Zustand hat sich nicht wesentlich verändert. Sie hoffen daheim noch auf den Sommer. Ich habe wenig Hoffnung, daß es noch mal gut wird. Zu aller Not ist Deutschland noch von einer schweren Kältewelle heimgesucht, die schon seit einigen Wochen unvermindert anhält. Du kannst ja mal an Georg schreiben, aber er interessiert sich eigentlich für nichts. Georg wurde von einem Kriegsgefangenenlazarett über eine Klinik in die Heilanstalt von München eingeliefert, von wo ich ihn im Dezember holte. Von den Amerikaner hat er noch allerlei Sachen angehabt. Fortsetzung folgt. Herzlichen Gruß


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

3.3.1947

Mein lieber Rudi!

Danke für Deine Karte v.25.1. Wie ich in der Zeitung las, ist vom alliierten Verkehrs- u. Postausschuß genehmigt, daß aus Frankreich den Angehörigen Pakete geschickt werden dürfen. Hast Du davon gehört? Das wäre fein, wir freuen uns über die kleinste Kleinigkeit. Viele bekommen auch aus Amerika Lebensmittelpakete von einem guten Onkel geschickt, den wir ja leider nicht haben. Hier ist noch viel Schnee, sonst alle gesund und wohlauf. Herzliche Grüße und Küsse Gitta und Kinder


Hermann Reisch in Gannerwinkel an Rudolf Woelky in St. Menehould

3.3.1947

Lieber Rudi!

Deine Familie ist soweit noch wohlauf. Die Kinder sehen noch gut aus, helfen der Mutter schon feSt. Gitta ist aus all dem Erleben des Krieges stärker und bewusster hervorgegangen als sie zuvor war. Sie meistert alles so gut sie kann, sie und ich sind stille Verbündete und z.Zt. die einzig lebens- und aktionsfähigen Glieder unserer Familien. Mit Vater ist nicht mehr viel los, Georg fällt ganz aus und alle Last liegt bei Mutter. Im April gehe ich heim um den ganzen Laden etwas zu stützen. Du und ich werden wohl später die sein, auf die es ankommt. Pläne über die Zukunft, soweit sie Sinn hätten, kann ich noch nicht machen. Mit einer festen Anstellung rechne ich vorerst nicht. Hauptsorge bleibt noch, denen zuhause zu helfen. Das ist so vordringlich, daß alles andere vorerst noch wird zurücktreten müssen. Wenn Du mal bei Deiner alten Firma anfragen könntest, das wäre ja prima. Nach den hiesigen Nachrichten sollen ja alle vom Amerikaner Gefangenen in Frankreich bis September entlassen werden. Die Entlassungen, soweit es vom Engländer oder Amerikaner geschieht, gehen in zentralen Entlassungslagern in Deutschland vor sich. Dort bekommt man seinen wichtigen Entlassungsschein und 40 RM Entlassungsgeld. Eine Garnitur Sachen, die man trägt und sonstige Sachen behält man. Schreibe in Kürze noch mehr, bis dahin herzlichen Gruß von Hermann


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

9.3.1947

Meine liebe Gitta!

Von Bruno einen ausführlichen Brief bekommen. Manche Neuigkeit für mich darin. Hertas Scheidung u.a. Von Hermann Karte vom 4.2. Wird Ende März in Berlin sein. Werde also nicht mehr nach G. schreiben. Erwarte sowieso noch mehr Post von ihm. – Nun ein Auftrag für Dich: ein hiesiger Gendarm, Robert, bittet Dich, seinem früheren Patron, dem Inhaber des Holzlagers Karl Lutze, Berlin- Adlershof, Viktoriastr. einen Gruß zu übermitteln. Während seiner Gefangenschaft war er dort Chauffeur. Er kommt öfter zu uns. Wartet auf Antwort. Versuch anzurufen oder zu schreiben an L. Von mir ist heute wenig zu berichten. Mein Hirn ist stark eingestaubt. Die ganze Woche wieder gedroschen. Aber nun sind wir endlich fertig. Emalda hat mir eine Büchse Zucker geschenkt, damit sich der Dreck auf der Brust besser löst. Was macht die Schule, Regina? Mußt Du noch immer soviel lernen? Kann denn Otfried schon alle Buchstaben? Er soll sich mal beeilen, sonst bekomme ich doch keinen Gruß mehr von ihm in die Gefangenschaft. Heute ist hier Heldengedenktag. Wer denkt an die deutschen Helden und Kriegsopfer? Wer gibt ihnen was?

Liebevolle Grüße u. Küsse sendet Dir u.d. Kindern Dein Rudi


Bruno Woelky in Syke an Rudolf Woelky in St. Menehould

9.3.1947

Lieber Rudi,

heute Deinen Brief vom 23.2. dankend erhalten. Hast Du meinen langen Brief auch erhalten? Am 11.2. ist Georg nach Hause gekommen. Nun wartet alles nur auf Dich. Solltest Du in ein deutsches Lager kommen, gib mir Bescheid. Von unseren Sportsfreunden bin ich nur mit Pauli in Verbindung. Er ist bei seiner alten Firma. Karl Boek ist auch in Berlin, hat sich aber von uns abgesondert. Weiß nicht weshalb. Von all den anderen keine Nachricht. Willst Du nach Deiner Rückkehr als Mistkutscher oder als Kaufmann gehen? Hätte gerne ein Bild in der Aufmachung von Dir. Auf baldige Rückkehr hoffend, grüßen Dich herzlichst, Bruno, Anni u. Peterle


Marga Schur in Berlin- Spandau Schönwalderstr. 11 an Rudolf Woelky in St. Menehould

11.3.1947

Lieber Rudi, überrascht und erfreut über Deinen unverhofften Kartengruß danken wir herzlich für die freundliche Begrüßung. Wir haben uns immer über Deine Schicksale in der ungewollten Fremde erzählen lassen. Gitta hält tapfer durch, wenn ihr heutzutage die Sorgen wohl manchmal über den Kopf wachsen und sie immer hofft, bald in Dir Stütze und neue Ermutigung zu finden. Über die Kinder wirst Du Dich wirklich freuen, Regina ist frisch u. aufgeweckt und hält die anderen in Schwung. - Schicke uns bald ozeanische Lüfte, wir schneien sonst ganz ein!

Familie Schur, besonders Marga


Herta Heim in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

14.3.1947

Lieber Rudi!

Sei bitte nicht böse, daß ich erst heute Deine lb. Karte vom 15.12. beantworte, für die ich noch herzlich danke. Hoffentlich haben wir jetzt bald diesen entsetzlichen langen Winter überstanden. Keine Feuerung, man war schon kein Mensch mehr und zum Schreiben fehlte mir wirklich der Mut. Sonst geht es uns allen gesundheitlich gut. Der 2. Brief an Irma ist eingetroffen.

Dir alles Gute und herzliche Grüße von uns allen Herta


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

16.03.1947

Liebe Mutter, liebe Lucie!

Zum hl. Osterfest sende ich Euch meine innigsten Segenswünsche. Wenn ich auch zu diesem Fest noch nicht bei Euch sein kann, so freut Euch dennoch des hochheiligen Tages und denkt ein wenig an die, für die auch einmal die Auferstehung zur ersehnten Freiheit kommt. Auch unser Kelch ist einmal geleert und es scheint, sehr bald. Hoffentlich hat der Kelch keinen doppelten Boden. Das wär natürlich eine Gemeinheit.

Grüßt bitte Herta, Käthchen, ihre Kinder und alle lieben Verwandten. Rudi.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

16.3.1947

Lieber Rudi!

Heute an Otfrieds Geburtstag sitzen wir alle beisammen und denken an Dich. Hoffentlich geht unser Wunsch nun bald in Erfüllung, daß einmal Frieden wird. Ganz besonders wird heute anlässlich der Moskauer Konferenz für den Frieden gebetet. Otfried hat dann uns zwar lange warten lassen. Augenblicklich singt Lucie mit den Kindern:"Lauf, Jäger, lauf!"

Viele Grüße von Deiner Gitta und den Kindern.

Viele herzliche Grüße und alles Gute von Deiner Schwester Herta u. Karin

Meine Karte an Dich habe ich heute schon abgeschickt, aber da wir jetzt alle so gemütlich zusammen sind, nachdem wir den schönen Kuchen und heißen Kaffe verzehrt haben, denken wir, wie immer auch an Dich. Gitta hat uns Deine Briefe an Otfried lesen lassen. Das ist schön für die Kinder, wenn sie das lesen können, werden sie es besser verstehen. Alles Gute und viele Grüße von Mutter.

Lieber Rudi! Nun wirst Du ja die längste Zeit in der Fremde gewesen sein, wollen wir hoffen, daß Du recht bald bei Deinen Lieben heim kommst. Alles Gute und herzliche Grüße von Trudchen

Herzliche Grüße von Deiner Nichte Renate
Herzlichen Gruß von Deiner Schwesterherz Lu
Ebenfalls grüßt herzlichst Opa und Oma
Herzliche Grüße sendet Tante Maria Nowak
Viele liebe Grüße von meinen Geschwistern Regina


Anna Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

16.3.1947

Lieber Rudolf.

Heute ist Otfrieds Geburtstag. Wir wollen hingehen. Um 3 Uhr wollen wir uns erst in der Kirche versammeln zur Gebetsvereinigung um den Frieden. Sonst sind wir alle gesund und hoffen von Dir daßelbe. Deine Karte vom 7.2. erhalten. Ich hoffe doch, das wir uns dies Jahr wieder sehn.

Es grüßt Mutter


Hermann Reisch in Gannerwinkel an Rudolf Woelky in St. Menehould

17.3.1947

Lieber Rudi!

Besten Dank für Deine Zeilen. Den Rückantwortbrief konnte ich leider nicht verwerten, da Du versehentlich auch die Antwortseite beschrieben hast.

Die Idee von der Vertretung ist nicht schlecht und man kann sie im Auge behalten. Vorläufig wird wohl da noch nicht viel zu machen sein, da jede industrielle Erzeugung noch fast völlig daniederliegt. Der Tiefstand dürfte wohl fast erreicht sein. Pessimisten nennen z.B. auch Berlin oder die Ostzone, „Stadt bzw. Land ohne Zukunft". Die Entwicklung in der Ostzone geschieht unter starkem russischen Einfluss. Neben den Militärstellen ist die SED (Sozialistische Einheitspartei), vormals Kommunisten, die führend sind in der Zone. Nicht in Berlin! Die SED dürfte ohne Besatzung wohl auch nur eine Minderheit darstellen, wie in Berlin. In Berlin ist der Osteinfluss nicht so stark, namentlich in den anderen Sektoren. Eine fühlbare Sektorengrenze gibt es nicht, auch nicht nach der russ. Zone. Die Sektoren unterscheiden sich vor allem durch die verschiedenen Lebensmittelzuteilungen. Jede Besatzungsmacht versorgt ihren Sektor selbst. Eine einheitliche Behandlung dürfte vorteilhafter sein. Die Sympathien gehören zweifellos den westlichen Alliierten, wie es sich überhaupt eben in den Westzonen freier und ruhiger leben lässt. Man nannte Berlin eine „demokratische Insel" in der Ostzone. Die SPD z.B. in der Ostzone verboten, ist in Berlin führend. Von der CDU (Christlich soziale Union) der wahrscheinlich die meisten Katholiken angehören bzw. wählen. Die CDU führt im Westen mit der SPD. Die SED (KPD) gibt es nur beim Russen. In den Westzonen KPD nicht nennenswert.

Das Ergebnis der augenblicklich tagenden Konferenz in Moskau wird viel Einfluss auf Deutschland haben. Beachtlich war eine Rede Trumanns, in der es u.a. hieß, daß der Krieg nicht geführt worden wäre, um Europa unter russ. bolschewistische Herrschaft zu bringen - Soweit die politische Rundschau.

Eine Einrichtung gibt es nicht, die für Georg oder ähnliche Fälle sorgt. Ob er überhaupt jemals wieder für sich selber sorgen kann, ist noch eine offene Frage. München verlangte jetzt sogar Bezahlung der Heimaufenthaltskosten für ½ Jahr, pro Tag 3 RM. Wir haben natürlich abgelehnt. Die Not daheim ist groß, keine Kartoffeln und Kohlen. Georg isst stark, helfen kann er nicht. So überbleibt alles in zunehmenden Maße mir. Bin nach Ostern daheim. Bis Ende 47 sollen auf den Schlag Frankreichs 300 000 Mann entlassen werden, von den amerikanischen Gefangenen, der Rest 1948. Was macht Dein Studium der hl. Schrift? Für heute alles Gute. Wenn Du erst mal entlassen wirst, komme ich zur Tante Dorchen.

Herzliche Grüße Hermann


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

18.3.1947
Eingang 22.4.1947
Antwort 24.4.1947

Lieber!

Bestätige dankend Deine Karte v. 1.2. und 2 Briefe an Otfried v. 30.1. Ernste Gedanken hast Du da in wundervolle Reime gefasst. Ebenfalls Briefe v. 7.2. u. 16.2. erhalten. Wir haben nun endlich Tauwetter, doch in der Wohnung ist es kalt. Heute um einen Zahn leichter geworden, bin noch weiter in Behandlung. Sonst sind wir alle gesund und hoffen von Dir daßelbe.

Viele liebe Grüße von den Kindern, besonders von Deiner lb. Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

23.3.1947

Meine liebe Gitta!

Die Post ging schon mal schneller. Diese Woche Deine lb. Brief v. 6. u. 12.2. erhalten. Eure Eispaläste werden sich ja nun langsam in Wärmehallen wandeln, obwohl von Frühling hier auch noch nicht viel zu merken ist. Wir haben schon angefangen den gefrorenen Weizen neu zu säen, aber anhaltender Regen hat der Arbeit schnell ein Ende gemacht. Ich habe zum ersten Mal mit dem Ochsen gearbeitet. Es ist nicht genau festgestellt, wer anfangs blöder geschaut hat: die Ochsen oder ich. Aber dann habe ich ihnen mein PG auf dem Rücken gezeigt und wir haben uns verstanden. Die Karten von den Jungens haben mir viel Freude gemacht u. ich antworte ihnen heute ebenfalls. Zu Otfrieds Geburtstag sende ich Dir meine herzl. Glückwünsche u. einen Sonnenstrahl von Aug’ zu Herz. – Was Uschi betrifft, so kann ich mich jedenfalls noch gut daran erinnern, daß Lucie keine dunklen Augen hat, und meine Frau auch mehr ernst als heiter schaut. Und was treibt unsere Große? Fräulein Regina? Ich bin ihr immer noch etwas schuldig und muß es auch noch bleiben. Mit fehlt hier die Ruhe. Die Menschen um mich sind zu temperamentvoll-nervös.

Gruß und Kuß Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Otfried Woelky in Berlin

23.3.1947

Mein lieber Otfried!

Du scheinst ja ein besonders süßer Junge geworden zu sein. Die erste Karte, die ich von Dir bekomme, erzählt mir von Schokolade. So wünsche ich Dir denn auch zu Deinem 7.Geburtstag einen ganzen Berg davon...Iß aber nicht alles allein auf. Wenn ich nach Hause komme, gibst Du mir auch ein Stückchen. Bin nämlich auch ganz närrisch nach etwas Süßem. Kannst Du meine Briefe schon lesen? Ist es nicht herrlich, wenn Du Dich durch das geschriebene Wort über so große Weiten hinweg mit mir unterhalten kannst? Siehst Du, zu Deinem Geburtstag kann ich leiblich nicht sein, aber durch diesen Brief bin ich es geistig. Ich drücke Dir die Hand, ich sage Dir meine Wünsche für Dich, ich gebe Dir einen lieben Kuß, alles durch diesen Brief. Schöner wär’s ja, wenn ich dieses Mittel nicht anwenden brauchte. Doch das kommt auch bald, und dann feiern wir alle noch einmal unseren Geburtstag. Mit oder ohne Schokolade. Ist ja egal! Bleib gesund, mein Junge, und grüß Deine Gäste von Vati


Rudolf Woelky in St. Menehould an Michael Woelky in Berlin

23.3.1947

Lieber Michael!

Mit großer Freude las ich Deine liebe Karte v. 13.2. Ich bin ja furchtbar neugierig, was Du mir alles zu erzählen hast u. kann es gar nicht erwarten bis es soweit ist. Aber auch ich habe Dir vieles zu erzählen. Wenn doch bloß die Züge öfter fahren würden. Zum laufen ist es ein bisschen weit u. es gibt hier soviel wilde Tiere. Erst war es immer kalt u. jetzt regnet es dauernd. Aber nach Regen kommt Sonnenschein – und ich.

Herzlichst Vati


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

23.3.1947

Mein lieber Rudi!

Ich möchte auch die Stille des Waldes aufsuchen, um meine Gedanken ganz zu Dir zu konzentrieren. Der Frühling ist eingekehrt, wir haben bis 10° Wärme. Draußen wärmer als drinnen. Eine Woche abendlicher Stromsperre vorüber. Zahnschmerzen auch. Das große Zeitrad dreht und dreht sich. Otfrieds Geburtstag im Kreise der Lieben verlebt mit einem Gedenken und Dank an Dich. Dein Junge wird kein „MOG". Aber hinter den Ohren hat er’s. Wie ich immer noch den Kuchen zaubere, weiß ich manchmal selbst nicht. Der Monat ist auch recht lange dafür. Wie wird der Osterkuchen? Die Kinder haben jeden Tag mit ihrer Schulspeisung zu tun. Da wird gewartet, ob es noch etwas nach gibt, ob was übrig bleibt oder Kübel auskratzen. Da sind unsere dabei. Micha war gestern das 1.Mal so satt, daß er nicht zu Mittag aß und abends war ihm noch schlecht. Es ist meine größte Sorge, daß die Kinder nicht mögen Schaden leiden durch diese knappe Zeit. Bin froh, daß alle einen guten Grund haben. Voriges Jahr erreichten mich gerade zu Ostern Deine Verse der Glocken Schall. Meine Ostergrüße kommen noch zu spät. Es wird für uns verlegt. Einmal gibt’s ein Wiedersehen.

Herzlichst Deine Gitta


Familie Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

24.3.1947

Lieber Vati! Frohe Ostern wünscht Dir Dein Otfried

Lieber Vati! Jetzt kommt Ostern und ich freue mich schon sehr. Am 6.3. war ich das erste Mal zur Beichte. Meine liebe Mutti hat gesagt: "Wenn ich nach Hause komme, bin ich so rein wie ein Engel." Ich habe eine Freundin, die heißt Erika, und heute gehe ich wieder spielen. Gestern war Sonntag. Die Sonne hat so warm geschienen. Ursula hat den Puppenwagen gefahren und ich hab getrieselt. Ich wünsche Dir ein frohes Osterfest. Viele liebe Grüße und Küsse Deine Tochter Regina.

Küsschen von Uschi

Lieber Vati! Auch ich wünsche Dir ein frohes Osterfest und alles Gute. Ich habe eben mit Otfried gelesen. Am liebsten gehe ich runter, aber immer darf ich nicht und muß lernen.

Es grüßt Dein Sohn Michael


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

24.3.1947

Mein lieber Rudi!

Den Winter hat man noch nicht vergessen. Du bestätigst erst meine Weihnachtspost, so soll man schon an Ostern denken? Doch ist es recht erfreulich, daß der Frühling und neues Hoffen eingekehrt. Bald werden die Sommersachen probiert und wenn nötig, verlängert werden. Gina ist gewachsen, habe ich schon festgestellt; sie ist auch unsere große Tochter mit 2 langen Zöpfen. Uschi trägt nun 2 kleine Zöpfchen; sie ist lebhaft. Für die Jungen allein könnte der Vati mal ein Machtwort reden. Opa ist wieder beim Magistrat. Georg geht gar nicht aus dem Haus. Mein Trost ist immer, daß es Dir dort gut geht und ich freue mich, wenn Du schreibst, daß man für Dich sorgt. Sicher wirst Du am Ostertag zur Kirche gehen können und sonst etwas Festliches. Die Kinder sagen oft, jetzt müsste unser Vati kommen.

Herzliche Ostergrüße und einen lieben Kuß von Deiner Gitta


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

26.03.1947

Liebe Mutter und liebe kleine Chorleiterin!

Eure Post vom Februar erhalten. Herzl. Dank! Freue mich, daß nun wenigstens schon Georg zu Hause ist. Liebe Lucie, ich sehe Dich schon auf dem Funkprogramm. Ich möchte Dir gern Emelda (die Vermanschte) zeigen, aber sie ist immer stark beschäftigt. Immer im Laufschritt. Dabei macht sie sich die Erkenntnisse modernster Technik zu eigen (Stromlinie, Fußspitzen nach innen). Sie hat Vertrauen zu mir, und manchmal kommt mir darum meine Art als unartig vor. Habe darum auch Äffchen einen schöneren Namen gegeben. Heißt jetzt Goldlack. Sie ist die Schwiegertochter und hat so herrlich gelbbraune Zähne. In der Kirche wird die lateinische Messe gesungen. Aber solange Emelda nicht da ist, ist gar kein Schwung drin. Die Stimme wünsche ich Dir für Deinen Chor. Ersetzt allein 16 Mann. Mit dem Nussknacker ist nicht viel los. Abgenutzt und zerkratzt. Harte Nüsse behutsam knacken. Walter hat ihm damals vor Weihnachten zu hart unters Kinn gedrückt, daß er aufgeplatzt ist. Walter wollt ihn dann ganz kaputt schlagen. Aber warum denn; wird doch alles noch gebraucht. Na, nun ist der Winter auch zu Ende. Ich muß noch etwas hier bleiben, um mein Genick zu stärken. Einer, schön, aber wenn sich mir dann vier an den Hals werfen!

Herzlich grüßt Euch Euer Rudi.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.3.1947

Mein lieber Rudi!

Vielen Dank für Deinen lb. Brief v. 23.2. Du meinst, ich schreibe ruhig und ausgeglichen. Ja, ich gebe mir wohl Mühe, so zu sein und Dir auch so zu berichten. Geduld muß man ebenfalls üben in jeder Beziehung. Durch unsere Kinder bin ich gebunden. Manchmal denke ich trotzdem, welche Möglichkeiten bestehen, um mit Dir zusammen zu sein. Oft wurde im Radio und in der Presse gemeldet, daß Frankreich Leute braucht. Wie ist das Leben im Verhältnis zu uns hier? Wann sind bessere Aussichten für uns? Ich glaube auf Deine Rückkehr müssen wir noch lange warten. Mein Tag ist voll ausgefüllt im Haushalt, auch fühle ich mich zur Arbeit aus dem Haus nicht kräftig genug. Augenblicklich habe ich sehr mit den Zähnen zu tun. In erster Linie muß für Nahrung gesorgt werden, dann Heizung und Kleidung. Alles übrige ist Nebensache. Ich habe Bezugsscheine für 6 Schlafdecken. Von Vater habe ich 30 RM für eine Decke als Ostergeschenk. Aus Decken werden Mäntel gearbeitet. Trudchens Kinder gehen dieses Jahr zur 1.hlg. Kommunion.

Herzliche Grüße u. Küsse von allen Deine lb. Gitta


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.3.1947
Eingang 9.5.1947
Antwort 15.5.1947

Mein lieber Rudi!

Danke für Deine Zeilen v. 2.3., die mich eben erreichen. Nach einem Festessen „Kohlrüben" und bei Sonnenschein will ich Dir gleich antworten. Die Kinder haben heute ihre letzte 50 gr. Tafel bekommen und Kekssuppe. Gina war zur Religionsstunde. Schularbeiten haben sie reichlich auf, ohne Übung können sie nichts lernen und ich muß z.T. die Lehrerin ersetzen. Wir denken u. sagen wohl oft, wenn unser Vati hier wäre, dann.... Aber sei Du nicht ärgerlich und freue Dich, wenn es in Deinen Ohren klingt. Bekommst Du dort zu rauchen? Ich habe irgendwie meine kl. Zuteilung hier vertauscht oder verkauft. Mit den Eltern habe ich einen sehr schönen franz. Film in Übersetzung „ Der Nachtigallenkäfig „ gesehen, besonders behandelt er das Erziehungsproblem. Der Töpfer hat die Kochmaschine ausgebessert und heizt es besser. Vielleicht bekomme ich doch noch den anderen Stubenofen umgesetzt. Wirst Du und etwas schicken können? Das wäre fein! Herzliche Grüße u. Küsse v. Gitta

Hermann ist gut eingetroffen, zu Ostern fährt er zurück.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

1.4.1947

Meine Lieben! Heute jährt sich der Tag das erstemal, da ich überglücklich das 1. Lebenszeichen von Euch in Händen hielt. Was liegt also näher, als Euch heute einen Gruß zu senden. Zu Gedenken an diesen Tag verfüge ich sogar „ Kraft meiner Stellung als Haushaltsvorstand," daß der 1. April in unserer Familie „ für alle Zeiten als Tag der frohen Post „ begangen wird. Die Ausführungsbestimmungen ergehen an Euch später mündlich. In der letzten Woche ging Gina’s Karte v. 10.2. und Dein Brief, liebe Gitta, v. 23.2. ein. Besten Dank. Regina antworte ich Ostern besonders. Von Hermann 2 Briefe gestern erhalten. Er wird wohl schon in Berlin sein. Drum bestell ihm bitte Grüße von mir und ich laß ihm danken. Werde ihm nach Möglichkeit bald antworten. Unser Georg hat es ja nun geschafft, doch ich denke, daß er bei mir auch bald soweit sein wird.1 Million Deutscher haben sich ja für Frankreichs Landwirtschaft gemeldet, da wird man uns wohl entbehren können. Halte noch ein wenig aus, liebe Gitta, nachher schmeißen wir den Laden gemeinsam. Ich habe in allem volles Vertrauen zu Dir und Hermann bestätigte es mir jetzt erst wieder. Herzliche Grüße u. Küsse Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

6.4.1947

Meine liebe Gitta, liebe Kinder!

Es scheint keine Freude im Himmel über das Fest der Auferstehung zu herrschen, denn kalte Regenschauer jagen über das Feld und Straßen. Wie kann es auch anders sein, denn die Menschheit kreuzigt ja ihren Erlöser täglich aufs Neue. An der Kirchentür verkauften sie kleine Tüten mit Ostereier und drinnen war es heute voll. All die Bauern, die sonst keinen Sonntag Zeit zur Messe haben, gaben sich ein Stelldichein. Am Karfreitag traf Deine lb. Karte v. 1.3. ein. Pakete aus Frankreich ist wohl ein Irrtum. Ja, lb. Gitta, ich muß Dich leider enttäuschen. Ich bin als Gefangener in Frankreich und nicht in Amerika. Gewiß, auch uns wurde davon vom Lager Kenntnis gegeben. Doch dürfen nur selbstangefertigte Sachen u.ä. ( keine Lebensmittel ) u. nur in die franz. Zone versandt werden. Amerikanische Läger in Frankreich machen keine Ausnahme Ich bin leider an Frankreich weiter gegeben Auch gibt es hier keine Onkels oder Tanten. Die Menschen hier in den Städten merken das auch. So schmerzlich es für mich ist Dir das zu schreiben, so muß ich es doch tun. Beiß die Zähne zusammen, liebe Gitta. Es muß ja bald anders werden. Verliert trotzdem nicht den Mut und Frohsinn

Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Regina Woelky in Berlin

6.4.1947

Meine liebe Tochter! Für Deine liebe Karte v. 10.2. danke ich Dir vielmals. Habe mich aufrichtig über die saubere Schrift gefreut. Kleine Mädchen sollten aber noch nicht träumen, aber da Du von mir geträumt hast, so ist es schon gut. Halt mich doch mal fest, wenn ich wieder im Traum bei Euch bin. Würde mich gern festhalten lassen und immer bei Euch bleiben. Bittet den lieben Gott, daß es bald geschehe. Es grüßt u. küsst Dich Dein lieber Vati


Paul Stanko in Berlin-Pankow Damerowstr. 4 A an Rudolf Woelky in St. Menehould

9.4.1947

Lieber Rudi!

Bruno hat mir das erste Lebenszeichen gegeben und ich möchte auch Dir gleich einige Zeilen schreiben. Zunächst freue ich mich, daß es Dir dort gut geht und eines Tages wird auch der Tag Deiner Rückkehr kommen. Wie die Verhältnisse hier liegen, wirst Du bestimmt von anderer Seite erfahren haben. - Ich bin nach meiner Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft sofort wieder bei meiner alten Firma untergekommen und lebe den Verhältnissen entsprechend ganz gut. Die Zukunft liegt weniger rosig vor uns, denn Industrie und Wirtschaft vegetieren nur noch. Die Beschäftigungsmöglichkeiten in unserer Branche sind mau. Vielleicht müssen wir eines Tages noch umsatteln, dann gehe ich auch aufs Land. Von dem alten Bekanntenkreis lebt nur noch Kurt Beck in meiner Nähe, aber der lebt sein eigenes Leben, so daß wir keine Berührungspunkte haben. - Was sagst Du zu Deinem gewesenen Schwager? Es hat mich umgehauen.

Mein Bruder ist auch noch in Frankreich u. zw. bei Bayonne.

Herzliche Grüße Paul Stanko


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

11.4.1947

Meine liebe Gitta, meine lieben Kinder!

Es ist wahrhaft eine Karzeit und oft habe ich in den letzten Wochen die Worte gesprochen: „O, Herr, wenn es möglich ist..." und konnte mich nicht durchringen zum „Aber nicht mein Wille, sondern Deiner geschehe." Alle meine Gedanken drehten sich nur um das „Fort" und „wie". In der gestrigen Zeitung stand nun ein Artikel über die amerikanischen PGs, die in Frankreich arbeiten, u. zu denen ich ja auch gehöre. Wir sollen bis Oktober alle entlassen sein. Ist es wirklich ein Lichtschimmer, der in unsere Karfinsternis fällt, rückt man endlich den Felsblock weg, der uns den Weg zur Auferstehung versperrt? O Gott, sieh die weinenden Frauen, die zum Grabe Deines Sohnes wallfahren. Sende Ihnen Deinen Engel und laß ihnen sagen: Warum weinet ihr? Es ist Auferstehung! Ihr dürft euch freuen! - Ja, Herr, mach es wahr. Schenke meinen Lieben eine gesegnete Ostern. Sie haben mehr gelitten als ich. Führe mich zu ihnen, daß ich ihnen die verdiente Ruhe gebe und wieder für sie sorge und arbeite. Du hast mich gesund und kräftig erhalten. Es kann nur Dein Ratschluß gewesen sein, weil Du wusstest, daß Du mich Frau und Kindern zurückgeben musst. Erhalte uns Deine Gnade. – Gesegnete Ostern!

Euer Rudi und Vater


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

12.4.1947

Lieber Rudi!

Endlich reichlich Post von Dir erhalten. Danke für Deine Briefe v. 16. u. 23.3. Otfried’s Brief v. 23.3. u. Micha’s Karte v. 23.3. Das Wetter ist heute zu schön, um die Kinder oben zu halten. Sie haben jetzt 4 Tage Schule. Sie sagen so oft, in Mandelkow war es doch schöner. Nächste Woche werde ich ein Gesuch für Dich in franz. Sprache einreichen. Vielleicht bringt es uns Glück.

Herzlichen Gruß Gitta


Anna Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

14.4.1947

Lieber Rudi!

Deinen lieben Ostergruß erhalten. Auch ich habe Dir daßselbe gewünscht. Konnte es nur nicht aufs Papier bringen, weil ich keine Karte von die hatte. Was ich aber tun konnte für dich, habe ich getan. Ich hoffe ja auch, dass dein Kelch bald geleert sein wird. Die Kinder würden sich sicher sehr freuen. Sie sehen alle gut aus. Ursula platzt bald. Nur Gitta sieht sehr elend aus. Wenn Du hier bist, wird der hl. Joseph für Arbeit sorgen. Er ist mein Freund. Weiterhin alles Gute – Grüße Mutter


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Lucia Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

20.04.1947

Liebe Lucie!

Bei einem Arbeitsgang über die gebärfreudigen Felder, die ich nur in Begleitung von zwei Ochsen machen durfte, waren meine Gedanken restlos in der Heimat, meinen Lieben und bei dem deutschen Volk. Was sich dabei in Worte formte, sende ich Dir und Mutter heute als Gruß. Euer Rudi.

1. Auf den Häuptern jungen Lebens
glänzen Tränen, die die Nacht geweint.
Not und Kälte hat vergebens
hier zum Schnitte sich vereint.

2. Aus der Erde kalten Spalten
schiebt und stößt es nach dem Licht.
Doch zu Höhen sich entfalten,
liegt Gewürm und Kriechern nicht.

3. Zieh Dich hoch an Sonnenstrahlen
in des freien Äthers Blau,
fern der erdgebundnen Qualen.
Bleiernd sinkt des Alltags Grau.

4. Über Gräsern ausgebreitet,
wie von unsichtbarer Macht,
schweben Netze, fein geleitet.
Spinnen halten lauernd Wacht.

5. Was da kriechend ist in Fülle,
ist dem Aas der Opfergut,
denn der Sauger schmäht die Hölle.
Was er will, ist Geist und Blut.

6. Fäden sehe ich gesponnen,
gleißend, glitzernd, golden gar.
Und die Spinne hat gewonnen,
ist das Auge heut’ nicht klar.

7. Wer vom Tau des Leids genetzt,
wird der Falschheit inne,
eh’ sich Zeit und Staub gesetzt
auf das Machwerk einer Spinne.

Frankreich. 18.4.47 R.Woelky

Wünsche Euch hiermit gleichzeitig ein frohes und gesegnetes Pfingstfest. Auf ein baldiges gesundes Wiedersehen. Rudi.


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

25.04.1947

Liebe Mutter!

K. u. Br. v.16.3. mit Freude und Dank erhalten. Ich glaube, euer Gebet um meine Entlassung wird bald erhört werden. Es werden wohl noch 3-4 Monate vergehen, aber dann hoffe ich bei euch zu sein. Jetzt werdet ihr euch in Berlin auch schon erwärmt haben, denn ich komme hier mit einer Badehose tagsüber aus. Diese Woche den Weingarten umgegraben.

Es grüßt Dich und Lu herzlich Rudi.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

13.4.1947
Eingang 9.5.1947
Antwort 15.5.1947

Mein lieber Rudi!

Nach ausgedehntem Spaziergang in die Rehberge bei schönstem Frühlingswetter mit Oma und Onkel Georg möchte ich Dir noch recht viel Liebes schreiben. Mir geht es ja so oft, daß ich bei wachen Augen, Dich sehe. Auf der Straße denke ich, kommt da Rudi! Durchs Fenster schaue ich, kommt da Rudi! In letzter Zeit besonders waren meine Gedanken so stark mit Dir beschäftigt, daß man an gar keine Trennung mehr über so große Weiten glaubt. Die Kinder, selbst unsere Jüngste, können auch so lebhaft vom Vati erzählen. Kein Fremder würde glauben, daß Du schon so lange nicht wirklich bei uns warst. – Der Osterhase war gut und brachte den Kindern Bonbons und Kekse und nette Spielsachen von Marga. Ich musste das Haus hüten, da ich durch kleine Verbrühung keinen Schuh anziehen konnte. Jetzt ist mein Bein soweit gut.

Herzlichen Gruß und lb. Kuß Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Dorchen u. Mieka Duwe in Küdinghoven

15.4.1947

Liebe Mieka u. Dorchen!

Danke Euch für K. v. 31.1.u. 25.2. Mieka, schau Dir nicht die Augen nach mir aus. Durch Bonn komme ich nicht. An meiner Strecke wird immer noch gebaut, verkehren noch keine Züge. O, welch große Geduld muß man doch haben und Humor dazu. Hoffentlich taut die Sonne Eure erstarrten Glieder und den anderen ihre vereisten Herzen auf. Habe heute in Badehose Mist gestreut.

Herzliche Grüße und alles Gute Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

15.4.1947

Liebe Gitta!

Hätte schon eher geschrieben, wartete aber auf Post, die nun doch nicht gekommen ist. Seit einer Woche wolkenloser Himmel. Heute sehr heiß. Habe in Badehose Mist gestreut. Die anderen Tage war ich immer mit den Ochsen auf dem Acker. Alle Kriegsgefangenen sollten mit Ochsen arbeiten. Gute Trainer auf Geduld. O, und die brauchen wir ja so nötig. Nussknacker war einige Tage böse, auch Emelda hat einen Tag nicht mit mir gesprochen. Ihre Uhr geht nämlich neuerdings früh 1 Stunde vor, und ich bin konservativ in diesen Dingen. Jetzt ist alles wieder gut. Ja, schon der selige Jupp hat gesagt: Wie man das Volk erzieht, so ist es. Am Sonntag war wieder großes Fußballspiel bis die Blase platzte. Mittwoch und Sonntagabend jetzt musikalische Unterhaltungen. Vier Mundharmonikas und 1 Mandoline. Die Mandoline habe ich von einem guten Franzosen geliehen. Wenn wir zu nichts Lust haben, was immer häufiger wird, machen wir böse Gesichter, und dann geht man uns gern aus dem Weg. Der 79 jähr. Geierkralle sagte gestern zu mir, er sei auch Prisonnier und möchte gern entlassen werden. Hoffentlich taut die Sonne diese menschenähnlichen Gletschermassen auf, damit sie uns nicht mehr den Weg versperren und wir nach Hause können. Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Otfried Woelky in Berlin

16.4.1947

Mein lieber Otfried!

Fast sengend stand heute die Sonne am wolkenlosen Himmel über das zu bestellende Land. Seit früh 6 Uhr trabte ich bedächtig, Schritt für Schritt, neben meinen Ochsen Jone und Kade und malte mit der Egge ein feines Streifenmuster auf den Acker. Dabei gingen meine Gedanken ebenso schrittweise zurück. Jahr um Jahr. 7 Jahre. Als vor 7 Jahren Gottes Allmacht deinen Eltern die Hoffnung auf ein Kind gaben, glaubten sie in ihrer menschlich dummen Vermessenheit gleich 2 erwarten zu dürfen. Als uns Gott Dich dann schickte, u. ich das erste Mal an Deinem Bettchen stand, muß ich wohl eine sehr naive Frage gestellt haben, denn eine weise Frau antwortete mir: „Wat denn, wat denn, von dieser Sorte wollen sie zwei haben? Den seh’n sie sich erst mal richtig an. Das ist ein Prachtkerl!" Am blauen Bändchen auf Pappkarton stand es: Länge 54cm, G:G: 4600g, N:G: 4350g, Blutgr. O. Und dieser Prachtkerl ist heute schon 7 Jahre alt. Willst Du ein Prachtkerl bleiben? Dann musst Du Vater u. Mutter ehren u. auf ihre Worte hören, denn durch ihrem Mund tut Gott sich kund.

Und so grüßt Dich an Deinem Geburtstag recht herzlich Dein Vater


Lucia Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

16.4.1947

Mein liebes Bruderherzchen!

Tausend Dank für lb. Brief v. 26.3. Bin froh, daß Du Deinen Humor noch behalten hast. Deine Briefe sind immer zu herrlich, etwas zum Lachen. Was Chorleiterin betrifft ist schon richtig. Verzichte aber auf E. Mit dem Erscheinen auf Funkprogramm musst noch etwas warten. Erst muß ich mein Studium beenden. Ja, staune nur, seit Anfang April nehme ich Gesangsstunden bei einer Sängerin, Magda Luppa, die in unserem Chor stets die Solopartien singt. Es macht riesigen Spaß, ist aber auch anstrengend. Unser Pauluschor selbst blüht. Steht an 2. Stelle in Berlin. Gleich nach dem Hedwigschor. Am 18.5. steigt wieder ein Konzert von uns, das dritte. Im März sangen wir mit bei der IX. von Beethoven im Funkhaus mit Kathedralechor und Chor des Opernhauses. Ist meine einzige Zerstreuung. Allerdings auch die Arbeit im Geschäft. Sonst geht es uns gut. Frühling endlich eingekehrt. Mein Herz ab und zu etwas krank. Ist sich wegen der Richtung noch nicht ganz klar. Du erwähnst einen Walter. Wer ist das? In Personenbeschreibung bist Du einzig. Goldlack usw. Gedicht für Otfried war fabelhaft. Wo holst du das nur alles her?

Herzlichst Deine Schwesterliebe Lucia


Georg Reisch in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

17.4.1947

Lieber Rudi!

Vielen Dank für Deine Ostergrüße. Ostereier gab es diesmal für die Kleinen leider nicht zu suchen, da es dem Osterhasen wohl noch zu kalt war. Ja, es ist so schrecklich kalt in der ganzen Welt geworden. Möchte es doch wirklich wieder mal wärmer werden nicht nur in der Natur, auch unter den Menschen. 2 Jahre warten wir nun schon auf den Frieden und Du erst recht auf die Heimkehr. Hermann will auch nach Hause kommen, wird sich umsehen bei der schmalen Kost hier, aber kann ich auch verstehen, daß er zurück sein will, möglichst im alten Beruf zu arbeiten. Bin wieder beim Bezirksamt zur Aushilfe, schade, daß es keine Dauerstellung wird. Nun mach’s gut. Mit herzlichen Grüßen von Gitta u. Kinder, Mutti und mir. Dein lieber Schwiegervater Georg, ja geht’s so leidlich, kocht gerne.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

21.4.1947

Mein lieber Rudi!

Die Deutsche Shell Akt.-Ges. Zweigniederlassung Berlin, W 35, Tirpitzufer 60 u. 62 schrieb mir, daß es eine freiwillige Weihnachtszuwendung gibt. Es ist recht erfreulich, daß man an uns denkt. – Ein Schreiben in franz. habe ich an die hiesige Stelle für Dich abgesandt. Es ist eben ein Versuch. Außerdem stand wieder in der Zeitung, daß dieses Jahr ein größerer Teil entlassen wird. Hermann ist vorgestern gut eingetroffen. Nun hat Mutti für 4 Männer zu sorgen. Deine Mutter hat wieder mit einer Mahlzeit Mohrrüben an uns gedacht. Im Radio spielte Dein Cousin Conrad mit seinem Hausmusikkreis. Ich musste den Kindern darüber erklären. Micha gefiel die Zupfmusik. Du müsstest uns Obst mitbringen können, meinten die Kinder. Ich sagte ihnen, daß die Reise zu weit ist.

Herzlichen Gruß von allen Deine Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

20.4.1947

Liebe Gitta und liebe Kinder!

Wenn dieser Brief in Euren Händen ist wird Pfingsten sein. Termine, die wir erträumt haben, werden auch dann noch unerfüllt sein. Aber trotzdem wollen wir uns dieses Festes freuen und mit der jungen Natur aufs Neue die Hoffnung in unsere Herzen pflanzen. Es hat ja wirklich keinen Sinn unablässig zu hadern, denn in unserer Machtlosigkeit bleibt uns nur der Weg über das Bittgebet zu Gott. Behalten wir Vertrauen zu ihm. Das Blühen und Grünen, die Sonne und die Wärme helfe uns dazu. Und wir wollen uns auch lieb behalten; die Liebe überwindet auch diese Zeit und verspricht eine glückliche Zukunft. Ich habe diese Woche fast ausschließlich auf dem Feld mit dem Ochsen gearbeitet. Das ist eine sinnige Angelegenheit, bei der einem die Gedanken so ruhig und gleichmäßig geordnet durch den Kopf gehen. Ein kleines Gedicht ist dabei auch wieder entstanden, das ich Lucie geschickt habe. Den Titel habe ich offen gelassen. Für Regina schien es mir nicht passend und somit bleibe ich weiter in ihrer Schuld. Marga Schur schrieb mir eine Karte. Darin lobte sie Regina sehr, was mich freudig bewegte Dann danke ich immer Gott, daß er uns solche Kinder geschenkt hat, die uns für alles Schwere in diesem Leben entschädigen.

Es grüßt und küsst Euch in Liebe Euer Rudi u. Vater


Bruno Woelky in Syke an Rudolf Woelky in St. Menehould

20.4.1947

Lieber Rudi!

Deinen Brief vom 9.3. dankend erhalten. Scheinbar habe ich mit meinem Brief vom Januar eine große Dummheit gemacht. Hätte ich geahnt, daß Dich der Brief so erregt, dann wäre es besser, ich hätte bis zu Deiner Heimkehr geschwiegen. Zu dem Satz, - wirst zu Hause dringend benötigt, - hat bestimmt nichts auf sich. Da kannst Du ganz beruhigt sein. In Deiner Familie ist alles in bester Ordnung. Es war nur allgemein gesagt. Das Leben ist an und für sich sehr hart und für Deine Frau ist alles so leichter zu ertragen, wenn der Mann zu Hause ist. Georg hat ja etwas mehr Glück als Du. Er ist am 11.2. zu Haus angekommen. Er soll sehr gut aussehen. Auch mit der Arbeit soll er Glück haben. Er soll als Kalkulator bei Löwe in der Huttenstr. eine Anstellung haben. Wohnen tut er in der Salzwedeler Str. 6. Ich gönne ihm die Stellung und ich würde mich freuen, wenn auch Du nach Deiner Rückkehr etwas mehr Glück haben würdest. Du bist die Intelligenzgröße unserer Familie, hast aber immer das größte Pech. Auch bei mir geht es langsam bergauf. Ich habe diese Woche bei einer Lebensmittel-Großhandlung im Lager angefangen. Es ist hier in Syke. Tadellose Arbeit. Schon der Kalorien wegen. Anni und Peter sind wieder gesund. Noch 10-12 Wochen, dann hat es Anni auch überstanden. Die Schwiegereltern müssen noch in Graslitz bleiben. Einige Spezialisten hält der Tscheche noch fest. Es geht ihnen aber sehr gut.

Herzlichst grüßt Dich Dein Bruder Bruno, Anni u. Peterle.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

21.4.1947
Eingang 22.5.1947
Antwort 25.5.1947

Mein lb. Rudi!

Hast Du auch Reginas Karte v. 10.2. erhalten? Sie freut sich genau so über einen Gruß wie ein Gedicht von Dir. Sie schwärmt von ihrem Vati. Otfried lernt nun die kl. Buchstaben in Druck und Schrift. Augenblicklich machen ihm die Zahlen rückwärts Schwierigkeiten. Erhielt jetzt mit vielem Dank Deinen lb. Brief v. 9.3. Ich konnte Dir von Herta nichts schreiben, da ich Genaues nicht wusste und immer fragen ist unangenehm. Man kann nur sagen wie oft im Leben: Pourquoi? Die Grüße nach Adlershof werde ich ausrichten. Von Frau Thomas habe ich lange nichts mehr gehört. Im Dezember sollten wir zu ihr kommen und sie schrieb dann ab, da sie verreist. Ich melde mich nun nicht mehr. Ein Sonntag geht wieder zu Ende. Zum Abend läuten die Glocken. Sie läuten auch Dir viele Grüße aus der Heimat.

Innigst Deine Gitta und Kinder


Georg Woelky in Berlin Salzwedeler Str. 6 Berlin –NW 21 an Rudolf Woelky in St. Menehould

23.4.1947

Lieber Rudi!

Karte erhalten, vielen Dank. In Arbeit schon sehr gut eingelebt, aber auch schon an Gewicht abgenommen. Macht aber nichts. Die Hauptsache ist die Vereinigung mit der Familie. Zur Entlassung 40 RM erhalten. Kleidung sehr knapp. Mit großer Mühe Hemd und Strümpfe erhalten, vom ev. Hilfswerk jedoch Anzug, Schuhe, Unterwäsche und Strümpfe kostenlos bekommen. Deine Kinder sehr groß und lieb. Erwarten sehnsüchtig Deine Heimkehr. Uschi ist am dicksten. Ich fahre oft nach Hohenneuendorf, mein Feld bestellen.

Viele Grüße von allen Georg.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

24.4.1947

Meine liebe Gitta, meine lieben Kinder!

Vorgestern war also für mich Ostern. Ein gesegneter Tag. 4 mal Post von Euch. Dank, Dank, Dank und noch mal Dank! Da Du, liebe Gitta, Ostern verlegt hast, habe ich Otfrieds Geburtstag verlegt. Der 16.3. war mir noch nicht warm genug. Otfried’s bunter Ostergruß hat mich dafür am meisten gefreut. Uschis Küsschen schmeckte zuckersüß, Regina, mein kleiner Engel, Dein Glanz erhellte mein Kämmerlein und mein Gemüt. Das war recht, daß Dich Mutti schon zum Beichtunterricht schickte. Und Micha? Ja, siehst Du, mein Junge, so ist das im Leben. Man möchte gern dieses und muß jenes tun. Du möchtest lieber runter gehen und Mutti sagt: hier bleiben! Lernen! Aber mach nur, was Dir Mutti sagt. Mutti weiß, was gut ist für Dich. – Nun zu Dir, Peterle! Sei nicht so freigebig mit Deinen Zähnen. Sonst hast Du nachher keine mehr, wenn ich zurück komme. Aber da fällt mir zu einer bekannten Melodie ein Text ein: „Küssen ist keine Sünd, mit einem zahnlosen Kind. Frau ohne Zahn im Mund beißt dir die Lipp’ nicht wund." Wer den Schaden hat,... Also, ich habe mich riesig über die viele Post gefreut. Und Otfried hat’s hinter den Ohren? Na, laß es ihm. Gestohlen hat er es nicht. Wirst Du auch einen Kuchen zaubern, wenn ich komme? Freu mich schon darauf. Hoffentlich brauch ich nicht mehr lange zu warten.

Herzliche Grüße u. K. Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

27.4.1947

Meine liebe Gitta, liebe Kinder!

Zum Pfingstfest sende ich Euch meine herzlichen Grüße und Segenswünsche. Vorgestern las mir Schüddelkopp beim Abendessen aus einer franz. Zeitung die 10 Klassen vor, die in diesem Jahr aus Frankreich entlassen werden sollen. Ich falle in die Kl. 6 und darf mit Juni/Juli rechnen. Die Klasse umfasst Väter von 4 und mehr Kindern. Nun, wenn ich zu meinem Geburtstag zu Hause bin, will ich zufrieden sein. Eher rechne ich auf keinen Fall. Es ist das 1. Mal, daß ich an einen Termin glaube, und ich werde täglich beten, daß er wahr werde. – Diese Woche habe ich „unseren" Weingarten umgegraben. Das war eine Sauarbeit. Gestern haben wir unsere 2 Ochsen verkauft. Jetzt ist nur noch einer hier. Der will auch nicht bleiben. Trudchen bestell bitte Grüße von mir und meinen Dank für die lb. Zeilen. An die Eltern schreibe ich besonders. Nachher wollen wir Kameraden besuchen gehen, und denen ein wenig Musik machen. Habe hier mit der Zeit 1 Mandoline und 3 Mundharmonikas organisiert. – Was machen meine Töpfeauskratzer? Ist Micha nun schon öfter satt geworden? Ich kann sie mir bei dieser Beschäftigung so richtig vorstellen.

Liebe Kinder, bleibt gesund. Es grüßt und küsst Euch alle in Liebe, Rudi


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

28.4.1947

Mein lieber Rudi!

Von Shell 228 Mk. dankend erhalten. An Herrn Lutze schrieb ich, da nicht im Telefonbuch. Tante Miechen hat wieder mal die Reise gemacht, sie ist noch dünner geworden. Wir haben nun auch ein Gärtchen von Schultzes abbekommen und werden uns auf 4 Beetchen etwas Gemüse säen und pflanzen. Es ist gleich hier am Zaun, wo früher die Schule war. Nach Wandlitzsee komme ich nicht raus und fehlt es an allem. Beschäftige mich sehr mit dem Problem Verschickung der Kinder in den Ferien, aber unsere Kinder sehen noch zu gut aus. Alles nur mit Attest, sogar für Fensterscheiben. Also warten wir, wir sind es gewöhnt. Der Bunker am Platz ist gesprengt, ich flüchtete zu den Eltern. Ein Bums ließ ihn zusammenfallen, bei uns Staub und Mörtel, vernagelte Fenster kaputt. Draußen stürmt’s und regnet’s ganz bös. Ich denke an Pfingsten. Wird die Sonne scheinen und uns wärmen?

Herzliche Grüße von allen, einen lb. Kuß von Deiner Gitta.

Die letzte Post von Dir am 17.4. erhalten.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

4.5.1947

Liebe Gitta u. liebe Kinder!

Heute und morgen ist hier Kirmes. Emelda und Goldlack haben sich den Mottenkopf ondulieren lassen, Kuchen ist gebacken, Schüddelkopp hat eine neue Schale, Geierkralle ist rasiert, Hof und Stall sind parfümgeschwängert, über der Haustür steckt Tannengrün mit künstlichen Blumen, um den Kirchplatz stehen Buden und die Wagen des „Fahrenden Volkes", der Mist von den Straßen ist fort, damit er nicht beim Tanz im Freien hindert, ein Lautsprecher bringt Schallplatten, einige Hühner, Enten, Gänse laufen weniger draußen herum, sie sind in den Kochtopf gewandert. Bald wird der Besuch des Dorfes eintreffen. Viel Besuch. Zu uns wird kaum jemand kommen, denn wir haben Platznot. Außerdem ist Nussknacker gegen alles, aus die Arbeit stilllegt. Nur der Regen, versöhnt ihn mit diesem Fest aus. Seine Arbeit braucht Regen, damit sie Nutzen bringe. Mit mir verkehrt er seit einiger Zeit wortlos, denn er hat mal bei mir die falsche Lautstärke angedreht, und da hat er sich so erschrocken. Goldiges Schweigen. - In der Kirche göttliches Schweigen. Weißer und blauer Flieder und Schneeballen mit grünen Schatten an den Altären. Kein aufdringliches Parfüm; süßer Duft.

Herzliche Grüße und Küsse. Auf Wiedersehen! Rudi


Dora Duwe in Küdinghoven an Rudolf Woelky in St. Menehould

4.5.1947

Lieber Rudi!

Wie bin ich froh, daß Du endlich mal geschrieben hast. Ich dachte, Dir wäre was passiert. Mieka ist in Berlin. Muß jeden Tag zurückkommen. Habe aus Amerika ein Paket bekommen. Werde der Brigitte auch etwas schicken. Ihr dürft noch nichts schicken? Hier ist es immer noch kalt. Der Winter und Elend und Not wollen noch nicht weichen. Einmal wird es Frühling!

Gruß Dorchen.


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

5.5.1947

Mein lieber Rudi!

Herzlichen Dank für Briefe v. 1.+ 6.4. Bin mit dem „Tag der frohen Post" einverstanden. Wie schön wird es sein, wenn wir erst alles gemeinsam regeln können. Mit jedem Tag rücken wir dem Ziel näher, unserem unbestimmten Glückstag des Wiedersehens. Ich hörte öfter, daß manche Pakete erhalten, was mir immer unklar war. Durch diese Zeitungsmeldung, auch Radio, schrieb ich Dir nun davon, da es hieß, Kriegsgefangene dürfen schicken, aber es stand auch nicht was. Nun, ich konnte es mir denken, daß es so ist wie Du schreibst. Gott Dank, bist Du gesund und in gesunder Arbeit. Eine kleine Weile wird noch vergehen, dann bist Du bei uns. Zu Hertas Geburtstag war anregender Besuch, wohl Damen von denen Herta auch Gutes hat. Erika lässt Dich besonders grüßen. Herta wollte Dir mehr schreiben und ich ließ einen Antwortbrief da. Irmgard meinte, die beiden kommen wieder zusammen. Ich kann dazu nichts sagen. Frage mich nur, wie es soweit kommen konnte, wo sie 4 liebe Kinder haben.

Herzl. Grußkuß Deine Gitta


Hermann Reisch in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

4.5.1947

Lieber Rudi!

Aus Berlin einen ersten Gruß. Wirst ja auch inzwischen meinen anderen Brief v. 9.+16.3. erhalten haben. Habe Anmeldungen usw. hinter mir und vorerst mal Urlaub. Fahre noch mal kurzfristig nach Gannerwinkel von wo ich Dir ausführlich meine neuesten Eindrücke berichten werde. Denke und hoffe, daß Du dies Jahr auf jeden fall heimkommst. Hier soweit alles zeitentsprechend wohlauf.

Alles Gute und herzliche Grüße Hermann


Regina Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

7.5.1947

Mein lieber Vati! Vielen Dank für Deine lb. Karte v. 6.4. Heute hatte ich große Freude, denn meine liebe Mutti hat mir ein Paar Halbschuhe gekauft. Denk Dir, lieber Vati, ich habe schon Gr. 36. In beiden Rechenarbeiten hatte ich 0 Fehler. Zum Pfingstfest sende ich Dir viele Grüße. Küsschen von Deiner lb. Tochter Regina


Rudolf Woelky in St. Menehould an Regina Woelky in Berlin

8.5.1947

Meine liebe Regina!

Wer denkt an mich?

Wer denkt an mich, wer denkt an mich?
Mein Ohr klingt mir ganz fürchterlich.
Es lässt mir heute keine Ruh
Und summt und summt grad immerzu.

Warum kann die Membrane
In meinem Ohr nur klingen,
und mir den Gruß, den ich wohl ahne,
nicht mal in Worten bringen?

Gedanken, die die Liebe führt,
schweben lautlos durch das All;
doch das Herz es freudig spürt,
sodaß das Blut aufwallt.

Seine Wellen tragen Kunde
Hiervon auch hinauf zum Ohr.
Dieses aber brummt. Aus solchem Munde
Kommt es sich betrogen vor.

Trotzdem (es steckt in mir halt drin)
Bin ich nach lieben Worten lüstern;
Und wenn ich erst zu Hause bin,
dann laß ich sie mir flüstern!

Herzliche Grüße Dir, der lieben Mutti und Deinen Geschwistern. Vati


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

8.5.1947

Mein lieber Rudi!

Mit wärmerem Wetter traf auch viel Post von Dir ein. Vor mir liegen Deine lb. Zeilen v. 16.+ 20.4. Nun wirst Du auch meine Märzpost haben. Otfried will Dir auch schreiben. Du hast Dich in seinem Geburtstag geirrt, einen Monat später, aber das fällt ja heute nicht auf. Schön, daß Du wenigstens etwas unterhaltende Stunden mit Kameraden hast und geteiltes Leid ist halbes. Deine Mandoline liegt hier so still im Schrank. Bald ist Pfingsten. Himmelfahrt ist Erstkommunion in Paulus. Der Birnbaum im Garten steht in Blüte und gern schaut man durchs Fenster ins Grüne. Hermann ist unterwegs mit Mieka. Ich hatte allerlei Gutes durch ihn, nur ist die Familie so groß, daß es schnell alle ist. Micha bekam eingemachte Pflaumen von T. Else (Rhld.) als Belohnung für eine schöne Karte. So haben wir etwas für den Pfingstkuchen. Mit Frl. Dora, Wandlitzsee, Verbindung aufgenommen. Ich möchte doch draußen pflanzen und eventuell wohnen. Du kennst doch das Grundstück. Der Vater verstorben. Nächtens mehr darüber. Herzlichst Deine Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

11.5.1947

Meine liebe Gitta!

Am 8.5. brummte mir fortwährend das Ohr. Post war seit fast 3 Wochen nicht eingegangen, aber dann kam sie en masse. Am Abend Deinen Brief v. 24.3. u. am nächsten Tag v. 30. u. 31.3., 12.u.13.4. Weil mir das Ohr beim Kartoffelsetzen keine Ruhe ließ, habe ich mich mal wieder in Versen abreagiert. Habe sie an Regina geschickt, obwohl sie mehr für Dich bestimmt sind. Aber für Regina ist mir noch nichts anderes eingefallen und sie soll doch auch ein kleines Gedicht haben. – Nun zu Deinen Briefen. Den Jungen werde ich ein Machtwort sagen, wenn ich zu Hause bin. Lange kann’s nicht mehr dauern. Danke Dir für Deine Bemühungen, daß Du es mit einem Gesuch versuchen willst. Halte es aber für zwecklos. Zur Kirche gehe ich jeden Sonn- u. Feiertag und auch meistens zur Kommunion. Mutter schreibt, Uschi platzt bald, nur Du siehst sehr elend aus. Bitte, denk auch etwas an Dich. Ich kann leider von hier aus nicht für Dich sorgen. Ein Franzose würde wohl auch freiwillig nichts für Euch geben, auch wenn sie sonst noch so freundlich scheinen. Dem Städter geht es hier auch sehr schlecht. Er bekommt im Mai 250gr und ab Juni 200gr Brot. Der Bauer hat alles. Es gärt hier mächtig und man rechnet mit großen Unruhen. Man könnte hier schon ganz gut leben, das Land gibt alles, aber für unsere Begriffe ein verkommenes Land. Weiteres im nächsten Brief.

Herzliche Grüße und Küsse Dir u. d. Kindern. Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

15.5.1947

Meine liebe Gitta!

Du schreibst von einem franz. Film, der das Erziehungsproblem behandelt. Nach meinen Feststellungen kann ich mir kaum vorstellen, daß der Franzose viel davon versteht. Vielleicht in der Theorie. Die Praxis jedenfalls sieht verheerend aus. Ich dachte erst, daß Jolanthe eine Ausnahme machte, aber hier ist es genau so. – Ist Hermann nicht in Berlin geblieben, wie er es vorhatte? Der Junge kann mir leid tun, denn von seiner Jugend hat er gar nichts. - Für Deine lieben Zeilen nach dem Rehbergsspaziergang danke ich besonders. Aber träume nicht zuviel mit offenen Augen. Dein Rudi kommt diesmal nicht unangemeldet (schon wegen der Lockenfrisur nicht). Was sich unsere Uschi unter ihrem Papa vorstellt möchte ich gerne wissen, wenn sie von mir erzählt. Hoffentlich ist sie nicht enttäuscht, wenn er vor ihr steht. Drei Jahre verändern den Menschen auch für den, der ihn vorher genau kannte. Wenn ich auch an mir kaum eine Veränderung feststelle, so werden es andere gewiß tun. Ich kann mir vorstellen, daß auch die drei Großen ihren Vati zuerst verlegen ansehen werden, ehe sie das Bild der Erinnerung mit ihrem Vati der Gegenwart vermengt haben. Und ich werde mir ihre Herzen erst wieder neu gewinnen müssen. Doch davor ist mir nicht bange, denn ich habe sie alle sehr lieb. Vor allen Dingen erst mal zu Hause sein. Aber das wird nun bald sein. Ich glaube fest daran. Bis dahin viele liebe Grüße und Küsse Dir und den. Kindern. Rudi


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Anna Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

15.05.1947

Liebe Mutter!

Danke für Deine lb.K.v.12.4. Wenn Du mal an mich schreiben willst und keine Karte hast, dann versuch’s ruhig auf einer gewöhnlichen Postkarte. Pauli Stanko schickte mir solche und kam an. Hoffe jedoch, daß Du es bald nicht mehr nötig haben wirst nach hier zu schreiben, denn ich rechne bestimmt auf meine Entlassung in 2-3 Monaten. Wird doch Zeit, sonst kommt mir Gitta ganz und gar herunter. Schicken kann ich ihr nichts, also muß ich kommen. Herzl. Grüße Dir und Lucie. Dein Sohn Rudi


Hermann Reisch in Berlin NW 21 Turmstr. 44 an Rudolf Woelky in St. Menehould

18.5.1947

Lieber Rudi!

Von meinem Ausflug nach Gannerwinkel zurückgekehrt, kam ich leider noch nicht zu dem versprochenen Bericht, der nun aber in Kürze folgen soll. Hier ist alles noch unverändert, man hungert sich eben so durch. Wäre ja gut, wenn Du wenigstens noch im Laufe des Jahres kämst. Ja, ich helfe wo und soviel ich nur kann, aber es sind Tropfen auf dem kalten Stern. Hermann


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

15.5.1947

Meine liebe Gitta!

Zum Leidwesen unserer Bauern ist wieder mal Feiertag. Aber es regnet und das gleicht die Gemüter wieder aus. Regen tut not. In der Kirche wurde dafür auch kräftig und gut gesungen. Immer ein Zeichen, daß der Bauer mit dem Herrgott zufrieden ist. Gestern Mittag habe ich das 1. Freibad im nahen Kanal genommen. Am Abend Gewitter. Nussknacker ist krank, alle anderen nervös. Da muß man Humor haben. Du fragst an, wie das Leben hier sonst ist. Soviel ich beurteilen kann, genau so wie in Deutschland, nur das hier keine Trümmer sind. Es fehlt überall an der starken führenden Hand, die Ordnung in den Laden bringt, wenn nötig mit Druck (Diktatur) bis die Karre wieder läuft und alle genügend zu essen haben. So gönnt keiner den anderen etwas. Wie gesagt, der Bauer hat alles, der Städter muß schwarz kaufen oder hungern. Es will aber auch niemand beim Bauern arbeiten, weil er ein Menschenschinder ist und nichts bezahlen will. Eine Besserung für Deutschland kann nur durch Amerika oder Russland kommen. Der hiesige Bauer (sicherlich auch der deutsche) ist gegen Diktatur, da er dann weniger verdient. Die Diktatur, die ich meine, ist nicht dieselbe, wie wir sie durch Hitler gehabt haben. – Zu rauchen bekommen wir 80gr pro Monat, können aber auch jetzt im freien Handel genügend kaufen. Tabak seit diesem Monat frei. Sind aber treurer als auf Marken. 20 Zigaretten 41 Frs. Ich bekomme im Monat 125 Frs.

Es grüßt Dich u. d. Kinder herzlichst Rudi


Hermann Reisch in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

22.5.1947

Lieber Rudi!

Wie ich heute hörte, ist für Gitta wieder Post gekommen, in der Du von der Hoffnung schreibst, im Sommer des Jahres entlassen zu werden. Fein wäre es ja, denn Du wirst doch zuhause in allem benötigt.

Deine Gedanken werden ja unablässig sich um das zuhause drehen, um die Frau, die Kinder, die Wohnung usw. Wie das ist, weiß ich ja noch aus jüngster eigener Erfahrung, zwar bin ich noch nicht verheiratet, aber in der Gefangenschaft ist der Gedankenkreis, die Empfindungen, Wünsche und Sorgen eines jeden meist gleich. Ich weiß von der Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden, nach der heimischen Gemütlichkeit usw. Und ich weiß, wie gern man an die Frau denkt, ihre über Ferne und Trennung immer mehr idealisiert, verschönert, verklärt: eben zum Idol der Gedankenwelt erhebt (deswegen man nicht unbedingt verheiratet sein muß). So ergibt sich alles meist zwischen der Gedankenwelt des Mannes hinter Stacheldraht und dem heutigen tatsächlichen Leben ob geliebten Menschen und ihrer Umwelt daheim eine gewisse Kluft, die man bei allen Träumen und Sehnen nicht übersehen soll und die dann tatsächlich nach der Heimkehr überwunden sein will. Daraufhin zuweisen, lieber Rudi, ist der wesentliche Sinn meines heutigen Schreibens und da kann ich nicht besser, als von dem alltäglichen Leben hier, das ich ja nun schon seit einiger Zeit an Ort und Stelle beobachten kann zu berichten.

Das Leben der Frau, die Kinder hat und wo der Mann noch fehlt, vielfach wissen die Frauen noch gar nichts von ihren Männern, (sofern sie im Osten waren) ist sehr schwer, zumal in einer hungernden Großstadt. Als Gitta mit den Kindern und Mutter im Sommer 45 nach Berlin zurückkam, hatten sie ja praktisch nur das nackte Leben gerettet. Die Tragik des Schicksals hatte es nun mal gewollt, daß die Wohnung stehen blieb, dafür aber die aufs Land geschafften Sachen und Möbel verloren gingen. Na ja, mit Mühe wurde die Wohnung etwas wieder eingerichtet, durch einige Möbelstücke und Sachen der Eltern und Tanten u.a. Heute nun vier Kinder und sich selbst durchzubringen ist ein Kunststück. Zumal für eine Frau, die nicht schieben und keine Schwarzhandelsgeschäfte treiben kann und auch schwerlich mal „hamstern" fahren kann. So reißen die Sorgen nie ab, um das tägliche Essen, um Bekleidung und Gesundheit. So ist die Frau den ganzen Tag auf den Beinen, muß hier und dahinlaufen, anstehen bei Geschäften und Ämtern, um überhaupt etwas zu bekommen. Den Kindern fehlt der Vater. An Regina hat Gitta ja schon eine kleine Stütze, doch den beiden Jungs fehlt die feste Hand. Auch fehlt ihnen ja noch das rechte Verständnis. Für Gitta tritt also noch die schwierige Aufgabe der Erziehung hinzu, die sich eben bei 4 Kindern ohne den Vater nicht immer so meistern lässt Das sie bei all dem und der schlechten Ernährung mit den Nerven nicht die Stärkste ist, liegt auf der Hand. Was sie an den Eltern oder mir an Unterstützung haben kann, das hat sie, aber das ist ja auch nicht soviel. Die Verwandtschaft Deiner Seite hat sich ja leider schon seit langem kaum mal um Gitta gekümmert oder bei ihr sehen lassen. So ist sie doch meistens immer wieder auf sich selbst angewiesen. Was sie seit Kriegsende tun konnte, das hat sie getan, ohne viel zu klagen und zu jammern. Sie lebt ja nur für ihre Familie, selten findet man heute eine solche Frau. Sie geht nie aus, wie andere, es wäre ihr wohl auch gar nicht zumute danach und ferner hätte sie auch gar keine Zeit dafür. Höchstens das sie mal ins Kino kommt, wenn ich für sie und die Eltern Karten bringe. Dieser Tage sahen wir einen guten englischen Film, der sich um die Heimkehr eines tot geglaubten Mannes drehte. Der zeitnahe Stoff hatte Wohl besonders Gitta sehr ergriffen - eben auch das bewog mich dazu, Dir diesen Brief zu schreiben.

Wenn Du nun heimkommst beginnen für Dich erst die handfesten Probleme. Deiner Frau mußt Du einen großen Teil der Lasten von den Schultern nehmen, dann brauchst du Kleidung und vieles mehr. Und die Frau, sie ist nicht wie in den früheren Jahren, sondern durch die heutige Zeit körperlich und mit den Nerven sehr angegriffen. So bedarf es seitens des Mannes viel feinfühligen Verständnisses und Einfühlungsvermögens. Man muß sich nach Jahren der Trennung immer wieder aneinander gewöhnen unter Berücksichtigung der vielen Schwierigkeiten, die besonders wir als Verlierer haben.

Das lieber Rudi, war in kurzen Zügen aus dem grauen Alltag. Es soll Dir nicht Freude und Wunsch nach Heimkehr nehmen, sondern nur vor Illusionen warnen. Keiner wird Deine Heimkehr mehr begrüßen als Deine Frau, doch im geheimen wird sie sich auch über das Wiedersehen Sorgen machen, ob sie dir noch gefallen wird, ob sie alles richtig gemacht hat und so fort. Komme nur bald und dann werden sich schon, wenn auch nicht von heut auf morgen, aber mit der Zeit alle Schwierigkeiten des heutigen Lebens überwinden lassen.

Alle Post die ich Dir schreibe, ist natürlich nur von meinen eigenen Überlegungen und Erkenntnissen diktiert und inhaltlich meist ohne Wissen anderer.

Ich bin nun annähernd 4 Wochen hier. War inzwischen wieder mal in Gannerswinkel und fahre gleich nach Pfingsten nochmals hin, von wo aus ich diesen Brief absenden werde. Durch meinen 8 monatigen Landaufenthalt – den Kontakt will ich mir unbedingt bewahren – war es mir möglich, den Angehörigen einige Unterstützung angedeihen zu lassen. Es ist schwer zu sagen, wie sie hätten sonst leben sollen, noch dazu mit Georg. Die Sorge um Erhaltung der Eltern usw. werde ich wohl noch lange haben bei der derzeitigen Lage. Dabei hat man persönliche Sorgen genug. Z.B. habe ich ja auch nicht viel mehr zum Anziehen. Nun habe ich mir einen Anzugsstoff gekauft - natürlich schwarz, sonst bekommt man ja nichts – der kostet mit Macherlohn rund 2000 RM und das ist noch billig! Das nur ein Beispiel für das ganze Leben usw. So ist’s praktisch mit allem. Die Menschen schieben, handeln, tauschen und das, außer den gewerbsmäßigen Schwarzhändlern, nur um zu leben. Von mir selbst ist noch nichts bestimmtes zu sagen, warte noch ab...Beruf usw.

Wenn Du entlassen wirst, ist zu empfehlen Du lässt Dich nach Bonn zu den Tanten entlassen, wie dazumal ich. Würde Dich dann abholen. Sonst nach Berlin blüht Dir in der russischen Zone noch ein Quarantänelager für 2-4 Wochen. Außerdem laufen böse Gerüchte um (sie dürften nicht aus der Luft gegriffen sein) wonach von den Alliierten entlassene in der Ostzone von den Russen festgehalten und nach Russland weiter transportiert wurden. Also Vorsicht ist am Platze. Der Russe ist nun mal unberechenbar und die Demokratie steht im Osten nur auf dem Papier.

Damit beende ich mein Schreiben, ich will für Gitta und Dich nur das Beste und dafür habe ich die halbe Nacht gern geopfert. Wir werden uns schon verstehen.

Alles Gute und herzliche Grüße sendet Dir Herman


Bruno Woelky in Syke an Rudolf Woelky in St. Menehould

25.5.1947

Lieber Rudi!

Es ist Pfingsten und da will ich auch Deiner in der Ferne gedenken. Wie schön war es doch zu Pfingsten früher in Berlin, wenn wir morgens zum Pfingstkonzert in den Zoo oder zu Kroll gingen. Einen Zoo hast Du ja jetzt ständig um Dir, nur die Musik ist eine andere. Hast Du wenigstens Gelegenheit ab und zu Radio zu hören? Jeden Donnerstag um 21 Uhr 15 ist ja doch über den Hamburger Rundfunk eine Sendung für unsere Kriegsgefangenen. Oder erlaubt Euch Euer Gastgeber diese kleine Abwechslung nicht zu genießen? Bei mir zuhause ist noch alles wohlauf. Anni wird wohl in den nächsten Tagen zur Niederkunft kommen. Es geht ihr jetzt zum Ende Gott sei Dank besser als die vorgehenden Monate. Wir haben die Hoffnung, daß alles gut geht. Eine neue Wohnung habe ich nun auch endlich. Bin vom Stall ins Vorderhaus gezogen. Jetzt haben wir 2 schöne Zimmer. Sind wieder sehr glücklich. Mit Hilfe meiner Wirtsleute haben wir uns sehr gemütlich eingerichtet. Ich habe ja das Glück gehabt sehr sehr nette Hauswirtsleute zu haben. Wir werden fast wie die eigenen Kinder behandelt. Durch ihre Fürsprache bin ich auch in eine neue sehr gute Anstellung gekommen. Schreibe Dir demnächst ausführlicher in einem längeren Brief. Für heute wünsche ich Dir lieber Rudi alles Gute und wünsche nichts sehnlicher als ein gesundes Wiedersehen mit Dir in der Heimat. Sei vielmals gegrüßt von Deinem Bruder Bruno, sowie von Anni und Peter


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

25.5.1947

Meine liebe Gitta!

Am Pfingstsonntag allen einen lieben Gruß vorweg. Hier war heute Erstkommunion. 6 Erstkommunikanten und 200 Gäste. Die Kirche war heute zu klein und das Opferbrot hat nicht gereicht. Es ist hier nämlich Sitte, daß Brot zur Opferung geweiht wird und den Gläubigen in kleinen Bissen durch Ministranten in Körben gereicht. Letzten Sonntag gab es zum 1. Mal Schwarzbrot und man verzog das Gesicht beim Essen oder steckte das geweihte Brot in die Tasche. Dafür gab es heute Kuchenbrot mit viel Eier drin. In Frankreich wird nämlich seit 14 Tagen kein Weizen mehr verbacken. Beim Dorfschlächter sind heute 70 Personen geladen. Gegessen wird im Freien. Wir PG’s haben nicht viel vom Fest, aber wir haben im Kanal gebadet und in der Sonne gelegen. Mir ist auf dem Spaziergang noch etwas eingefallen, was ich Regina als Gruß heute sende. Ich denke viel an unsere Große, und ich weiß wohl, daß Du und Gina am schwersten an der Last dieser Zeit zu tragen haben. Ich bestätige Dir auch dankend Deine lb. Briefe v. 20.u.21.4., worin Du mir so lieb von Regina schreibst. Reginas Karte v. 10.2. habe ich damals später erhalten als die von den Jungens. Inzwischen wird sie ja meine Grüße auch erhalten haben. Dir muß ich danken für das Gesuch um meine Entlassung, obwohl Du Dir, genau wie ich, keinen Erfolg versprichst. Ich kenne außerdem die Herren noch besser als Du. - Nussknacker ist schon 14 Tage krank und nicht zu genießen. Wenn Emelda nicht wäre, hätte ich schon längst Stellungswechsel gemacht. So hält mich immer noch der Gedanke an eine mögliche baldige Entlassung. Bis dahin weiterhin Kopf steif halten.

Es grüßt und küsst Dich u. d. Kinder in Liebe Dein Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Regina Woelky in Berlin Pfingstsonntag 47

Pfingstsonntag 1947

Meine liebe Regina!

Als ich heute durch grünende Felder schritt
Und mein Blick über blühende Wiesen glitt,
schien mir, ein Blümlein habe mir zugenickt.
Ich habe mich nieder zu ihm gebückt
Und am reinen Duft mich erquickt.
Von der zarten Farbe hell entzückt
Und der bescheidenen Schönheit beglückt,
hätt’ ich’s gern an mein Herz gedrückt;
denn Du warst’s, die ich da erblickt.
Das Blümlein habe ich nicht gepflückt;
Nur Gott einen Dank nach oben geschickt, -
Ich war für Minuten der Ferne entrückt.

Frankreich, am Pfingstsonntag 1947
Dein Vater

Liebe Regina! Wenn ich Dir mit dem kleinen Gedicht eine Freude gemacht habe, dann gib der Mutti zum Dank dafür einen Kuß von mir und sage ihr und Deinen Geschwistern, ich lasse sie alle herzlich grüßen. Und schreibe mir bald wieder. Vati


Rudolf Woelky, Gefangenennummer 774204, Lagernummer 62, St.Menehould, an Lucie Woelky, Berlin N.W.21, Oldenburger Str. 3b

26.05.1947

Liebe Lucie!

Da stand ja allerlei Neues in Deinem Brief v.16.4. Wegen Deinem Herzen solltest Du mal den Arzt befragen. Zu mir hat er seinerzeit gesagt, ich soll nicht soviel küssen. – Walter war vor mir bei Nussknackers tätig. Auch ein P.G. Sonst gibt es hier nicht Neues. Heute sehr schwül. Komme mir heute vor, als ob ich Pudding im Kopf habe. Muß nachher noch einen Kopfsprung ins Wasser machen. Den Dir gesandten Versen würde ich den Titel „Deutscher Frühling 1947" geben. Herzl. Gr. Dir und Mutter. R.


Familie Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.5.1947

Mein lieber Rudi!

Vielen herzl. Dank für Deine lieben Briefe v. 24.+27.4., die ich Dir noch nicht bestätigte. Nun sollen Dir die Kinder recht viel Liebes schreiben. Herzl. Gruß Gitta

Lieber Vati! Ich danke Dir für Deinen Brief. Alle Buchstaben habe ich noch nicht schreiben gelernt. Mutti hilft mir. Mein Gewicht ist nicht ganz 50 Pfd. Es grüßt Dich herzlich Otfried.

Mein lieber Vati! Wir haben öfter mit unserem Lehrer Spaziergänge gemacht und uns Berlin angesehen. Wir haben schon etwas Spinat geerntet. Einen süßen Kuß von Deiner Tochter Regina

Lieber Vater, Ich habe einen Ausflug gemacht nach Grunewald. Da haben wir einen Hasen gesehen und ein Eichhörnchen. Am Teufelssee hat uns unser Lehrer geknipst.

Einen lieben Gruß und Kuß von Deinem Sohn Michael


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.5.1947

Mein lieber Rudi!

In Fortsetzung Wandlitzsee. Wir könnten über das Haus verfügen, uns nett machen usw. Außerdem zieht sie mit 2 Damen in Berlin um. Es ist noch alles recht unklar mit Wandlitzsee und vielleicht schon von Wert, die Verbindung aufrecht zu erhalten. Auf jeden Fall fahre ich raus, über 5 Mk. Fahrgeld, will auch Nowacks sprechen. In heutiger schwerer Zeit kann man nicht genug Bekannte haben, obwohl ich am liebsten ganz für mich bin. Durch die Kinder gebunden und allein erledigt sich nicht viel. Wenn ich die Eltern nicht hätte, die immer für uns sorgen und das Wenige teilen. Schon lange wollte ich mal zu Schlesingers. Vater hat jetzt bei der Post angefangen. Gestern war der Bischof in Paulus. Ich war Firmpatin bei Trudchens Kindern. Es war sehr feierlich. Die Jungens sind wieder selbstständig. Plötzensee ist ihr Himmelreich. Maikäfer gab es kaum, nun sind es kleine Fischchen, die sie interessieren. Die großen fangen sie später. Hermann sagt manchmal, ein netter Fisch, ein Mädchen!

Herzlichst grüßt u. küsst Dich Deine Gitta


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.5.1947

Mein lieber Rudi!

Pfingsten ist vorbei, sogar bald der Mai. Am 1. waren wir mit Trudchen Jesse und den Kindern in den Rehbergen. Die Kinder schaukelten bei Ida Hoppe. Am 2. gingen wir mit Hermann nach Plötzensee. Karussell Fahrt wurde spendiert. Abends mit Hermann ins Kino. So eilen die Tage und führen uns immer näher. Die ersten Radieschen haben wir von unserem Gärtlein geerntet. Mit der Ernährung ist es schlechter geworden und der Appetit wird immer größer. Ich wiege nur noch 108 Pfd. Mit Sachen. Der Arzt verschrieb nur für Rückenschmerzen Heizluftbäder und Massage. Die Massage tut mir besonders gut, stärkt und das Blut arbeitet. Ich halte die Schmerzen für Nerven und Schwäche. Dora Westins hat draußen eine Frau mit Kind zu wohnen. Sie ist immer sehr nett, reizend, aber Jungfernart. Tante Mieka schrieb ja, sie will mit Dorchen die Ferien in Wandlitzsee verbringen. Zum Piepen!

Herzl. Grußkuß Gitta


Herta Heim in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

Mai 47
Eingang 3.6.1947
Antwort 8.6.1947

Lieber Rudi!

Für Deine Glückwünsche meinen allerherzlichsten Dank. Wir denken alle an Dich und wünschten nur, Du wärest mit hier. Die herzlichsten Grüße sendet Dir Deine Schwester Herta

Recht herzliche Grüße, Irmgard
Es grüßt Dich Gitta und Micha
Herzliche Grüße Deine Renate
Viele Grüße Friedel Günther
Herzliche Grüße Mutter
Herzliche Grüße Deine Cousine Erika
Dto Dein Schwesterherz Lucia
Freundliche Grüße Maria Wandel
Desgleichen Maria Schwab
Herzliche Grüße Georg und Kathi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Dora Duwe in Küdinghoven

1.6.1947

Liebe Dorchen!

Nach Zeitungsmeldungen dürfte ich hoffen, daß mir bald was passiert. Juni/Juli sollen Väter von 4 Kinder aufw. zur Entlassung kommen. Darum habe ich die Hl Schrift nicht mehr vorgeholt. Aber an die Unabänderlichkeit der Termine glaube ich trotzdem nicht. Pakete dürfen wir jetzt wohl auch schicken, aber Lebensmittel und Bekleidung ausgenommen. Du schriebst Deine Karte v. 4.5. in der Sehnsucht nach dem Frühling. Ich schreibe heute in der Hoffnung auf Abkühlung. Es ist zu heiß. Dir und Mieka recht herzl. Grüße. Alles Gute. Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

1.6.1947

Meine liebe Gitta!

Seit 1 Woche unbarmherzige Hitze. Jeden Abend gehe ich schwimmen. Meine Schlafkammer liegt unterm Dach. Schlafen unmöglich. Bei Jolanthe wär’s besser im Sommer. Auf dem Berg wehte immer ein frischer Wind. Hier wälzt sich die Hitze wie Lava durch die Straßen. Die Heuernte beginnt. Wenn mir der Schweiß in Strömen rennt, amüsiert sich der Nussknacker. Er schwitzt nicht. Schimpft nur, daß es nicht regnet. Alle Gewitter entladen sich Kilometer entfernt von uns. Hier wohnen zuviel schlechte Menschen. – Deinen Brief vom 28.4. erhalten. Danke Dir vielmals. Ich schreibe Dir regelmäßig jeden Sonntag. Wenn Du die Kinder verschicken lassen kannst, dann tue es unbesorgt. Es gehört wohl etwas Glück dazu, denn ich glaube es Dir gerne, daß sie für diese Zeit zu gut aussehen. Wir bekamen jetzt auch Bescheid, daß wir Pakete an Euch schicken dürfen. Nicht nur in die französische Zone. Aber Lebensmittel und Bekleidung ausgeschlossen. Nur selbstgefertigte Spielsachen etc. und was es sonst im freien Handel zu kaufen gibt. Nun frage ich mich, was ich für meine 125,-Fr. im Monat kaufen soll, wenn eine Flasche Bier 10,-Fr. kostet. Tante Dorchen schrieb mir von einem Paket, das sie aus Amerika erhalten hat. Ja, Amerika und Frankreich ist nicht dasselbe. Was Frankreich in 5 Jahren Krieg nicht nötig hatte, das muß es heute tun! Man fürchtet unliebsame Kontrollen und versteckt die Lebensmittel.

Dir und den Kindern liebe Grüße und Küsse. Dein Rudi


Herta Heim in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

1.6.1947

Lieber Rudi,

Deinen lb. Brief v. 25.4. mit großer Freude und herzl. Dank erhalten. Aus allen Deinen Schreiben ersehe ich, daß Dich weder der Krieg noch die Gefangenschaft klein bekommen haben und es ist sehr gut so. Auch ich lass mich vom Schicksal nicht unterkriegen, wenn es in der letzten Zeit auch harte Proben an mich gestellt hat. Allem zum Trotz lautet mein Wahlspruch: "Immer nur lächeln, immer vergnügt!" Wenn Du nun bald heimkommen solltest, was ich Dir und uns allen auch von ganzem Herzen wünsche, stelle Dir nur nicht vor, Deine Schwester so als würdige Frau Mama vorzufinden, der man ihre 4 Rangen ansieht. Im Gegenteil, man sagt mir so oft, daß ich immer jünger werde und so soll es ja auch sein. - Wie schön wäre es, wenn wir Deinen Geburtstag hier zusammen feiern könnten. Wir wollen fleißig die Daumen drücken. Einen leeren Brief hat mir Gitta neulich verehrt und den sollen Dir meine Kinder schreiben. Deine Freundin Karin wirst Du kaum wiedererkennen, sie ist ganz das Gegenteil, von dem was sie einst war. Jedenfalls ist sie der Liebling aller. Bleibe nun gesund und munter und sei herzlichst gegrüßt von Deiner Schwester Herta


Marga Schur in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

6.6.1947

Lieber Rudi,

die Karte v. 25.4. sowie Sonne und Schwalben pünktlich hier eingetroffen. Heute am Fest leider Regen, dafür hoffentlich zu den Prozessionen staubfreie, duftende Erde. – Große Familienhoffnungen richten sich auf den August d. J., wenn es doch endlich wahr würde, daß auch Du mal bei den Heimkehrern bist! Aber mache Dich jetzt schon gefasst auf den kleinlichen Alltag und den Kampf ums tägliche Brot, der Dich hier erwartet. – Uns geht es sonst noch gut. Wir sind eben auch älter geworden. Ich werde ein Tantendasein führen, bin deswegen aber nicht traurig. Martin wird im......... schon Pfarrexamen machen.

Mit vielen herzlichen Grüßen von Allen Deine Marga


Michael Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

6.6.1947

Lieber Vater!

Ich war mit Otfried nach Plötzensee gegangen und da haben wir Krebse gefangen. Als wir nach Hause kamen, haben wir 40 Stück gezählt. Wir haben sie gekocht, bis sie rot wurden. Dann haben wir sie aufgegessen und die haben schön geschmeckt. Auf unserem Ausflug haben wir Maikäfer geschüttelt und ich habe einen König gefangen und in die Schachtel getan. Wir haben gespielt und dann habe ich in die Schachtel geguckt und der Maikäfer war nicht mehr darin. Da gingen wir nach Hause und wie ich mich waschen wollte, da saß mir der Käfer auf dem Hemd.

Es grüßt Dich Dein Michael

Lieber Rudi!

Micha wollte Dir recht viel schreiben. Wir freuen uns ja so, wenn es mit Deiner Entlassung wahr wird. Alle guten Wünsche für Dich und liebe Grüße und Küsse von Deiner Gitta


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

8.6.1947

Meine liebe Gitta!

Ich danke Dir für Deinen lb. Brief v. 5.5. Die heißen Tage sind am Donnerstag mit einem sehr schweren Gewitter abgebrochen worden. Es war auch kaum noch zum Aushalten. Bis 50°. Ich bin in Schweißtropfen rein geschwommen. Ein Temperatursturz von fast 30°. Hat sich bei mir auf den Magen gelegt. Aber heute wieder besser. In der Kirche bis zum Gutshof am Rand des Dorfes ging die Prozession. Ich ging als einziger Prisonier mit. Emelda hat für heute mein Hemd besonders gut gewaschen. Nussknacker hat heute Besuch aus Paris. Der Herr spricht ein perfektes Deutsch. In dieser Woche erhielten wir PG’s Fragebogen, wer als Zivilarbeiter in Frankreich bleiben will. Dem Schreiben waren auch Entlassungstermine beigefügt. Danach sollen Väter von 4 u. mehr Kinder im August zur Entlassung kommen. Nun, dieses Jahr wird’s schon noch werden. Über Frankreich geht eine Streikwelle. Die Arbeiter in den Städten hungern. Ernteaussichten sind nicht besonders. Was spricht man von Deutschland von der Ernte? Schreibe mir bitte weiter bis Du Nachricht von mir bekommst, daß ich im Entlassungslager bin. Jedenfalls dürfen wir beide hoffen, daß der Tag des Wiedersehens nahe ist. Bleibe weiterhin tapfer und gesund und behalt mich lieb. Grüße die Kinder recht herzlich von mir. Gruß u. Kuß Rudi


Familie Herta Heim in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

8.6.1947

Lieber Onkel Rudi!

Dieser ist der erste Brief, den ich Dir schreibe. Hoffentlich auch der letzte. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen mit Dir! Mir geht es gesundheitlich nicht sehr gut. Ich habe immer Bauchschmerzen. Es grüßt Dich herzlich Deine Nichte Renate

Ich weiß noch, wie Du aussiehst. Ein Grübchen im Kinn, und zwei Grübchen in den Wangen. Komme bald!! Renate

Lieber Onkel Rudi! Wir haben heute schönes Wetter. Wir hatten heute zum Mittagessen Salzkartoffel mit Soße und Fleisch und Salat dazu. Hinterher gab es Mohnpudding und Rhabarber mit Mohn gekocht.
Es grüßt Dich herzlich Dein Wolfgang

Viele herzliche Grüße und einen lieben Kuß von Deiner Karin
DEIN HELMUT
Alles Gute und viele herzliche Grüße Herta


Hermann Reisch in Gannerwinkel an Rudolf Woelky in St. Menehould

8.6.1947

Lieber Rudi!

Für Deine Karte v. 10.5. herzlichen Dank. Kam gerade wieder mal nach Gannerwinkel und fand sie hier vor. Hoffe, Du hast inzwischen meinen Brief v. 23.5. erhalten. Meine Aufenthalte in Gannerwinkel sind jetzt immer nur kurzweilig. Erst zur Dorchen, ist besser, dann so weiter, werde dann hinkommen. Herzl. Gruß Hermann


Lucia Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

9.6.1947

Liebes Bruderherz!

Danke Dir herzlichst für die wertvollen Dichtersprüche. Hast Du also auch mal etwas für mich zurecht bekommen. Der Sinn ist fabelhaft. Wenn ich nicht so eine Mattscheibe hätte, würde ich mal mit gleichem antworten, aber mein Geist ist von der Sonne ausgetrocknet. Bin so stark erkältet, daß ich nicht singen kann.

Gruß Lucia


Rudol Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

13.6.1947

Liebe Gitta!

Es ist schon spät.

Müde fällt der Lampe Schimmer
Auf einen Brief, den Du mir schriebst.
Mir war, Dein Atem hab geweht.
Wie bist Du nah!

So nahe bist Du meinem Herzen,
daß es bei jedem Brief erzittert,
wie’s ihm beim ersten Mal geschah.
Ich halt Dich fest.

Und mit Dir unsre Kinder.
Ihr Bild sich zwar mir leicht entwindet,
doch kommt der Tag, der mir sie lässt.
Ihr seid mein Licht.

Und sind noch ferner dunkle Tage,
die in der Zukunft unsrer harren mögen,
so glaube mir : ich zage nicht.
Denn was uns blieb
Lässt auch das Schwerste überwinden.
Es brennt in uns mit steter milder Flamme
Ein kleines Wort: ich hab Dich lieb.

Frankreich, den 13. Juni 47
Dein Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Michael Woelky in Berlin

15.6.1947

Lieber Micha!

Du malst doch auch gerne. Im Brief an Otfried habe ich Näheres darüber geschrieben. Also paß auf, Du malst folgendes Bild: Eine Dorfstraße, links ein Bauernhaus, rechts ein Teich. Der Teich geht bis an die Straße und ist an der andern Seite vom Wald begrenzt. Im Teich stehen 4 schwarz/weiße Kühe. Am Rand steht ein Mann und droht mit einem Stock. Die Kühe sollen nämlich rauskommen, sie sollen auf die Weide, aber sie lachen den Mann aus und bleiben drin. Der Mann zieht sich die Schuhe aus, geht in den Teich, doch die Kühe rücken aus in den Wald. Der Wald hat viele Dornen, und da kann der Mann ohne Schuhe nicht gehen. Er muß an die Straße zurück. Dort setzt er sich hin und wartet, denn er hat viel Zeit. Sein Zug nach Deutschland fährt noch nicht. - So, lieber Micha; nun sieh mal zu, wie Du das malst. Unter das Bild schreibst Du: Vati und die Kühe. Du brauchst ja nur an Mandelkow zu denken, so ungefähr ist es hier auch. – Mutti bekommt heute keinen Brief. Sage ihr bitte, daß ich ihren Brief v. 8.5. erhalten habe, und ich würde mich sehr freuen, wenn es mit Wandlitzsee klappen wird. Vielleicht kann ich ihr in diesem Jahr noch draußen helfen. Auch für euch wär es gut. Dann wäret ihr wieder mal raus aus dem Ruinenfeld. Nun bleib gesund und grüß alle recht lieb von mir.

Herzlich grüßt Dich Dein Vati


Rudolf Woelky in St. Menehould an Regina Woelky in Berlin

15.6.1947

Liebe Regina!

Habe mich über Deine Karte v. 7.5. sehr gefreut. Die Schrift hat mir gefallen. Aber daß Du schon Schuhgröße 36 hast, das glaube ich nicht. Da kann ich ja Deine Schuhe anziehen, wenn ich nach Hause komme. Du bist wohl bald so groß wie Mutti? Na, ich werde ja Augen machen und euch wohl gar nicht mehr wieder erkennen. Hast Du Dich über meine beiden Briefe gefreut? Sende Dir viele liebe Grüße und einen Kuß. Dein Vati


Brigitta Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

17.6.1947

Mein Geliebter!

Werden Dich diese Zeilen noch erreichen? Oder wird sich Dein Schicksal inzwischen geändert haben. Danke Dir für Deinen Brief v. 11.5. Die Gedanken kreisen nur immer um Dich und Deine Rückkehr. Ich möchte selbst nicht, daß Du mich sehr elend findest und will nur alles für mich tun. Unsere liebe Uschi platzt aber noch nicht und teilt alle ihre kleinen Rationen mit uns, haben wir nichts, dann sie auch nicht. Du kannst Dir darüber erst ein Bild machen, wenn Du zu Hause bist. Von Lucie z.B. würde man auch nicht schreiben, daß sie platzt. Freundin Trudchen bekommt schon graue Haare, worüber ich noch nicht klagen kann. Frau Thomas schrieb sehr nett aus Hohnstorf an der Elbe, wo sie Volksschullehrerin ist. Zunächst hat sie nur Ulrike bei sich. Viel Freude machen uns unsere Beetchen. Regina ist eine tüchtige kleine Gärtnerin. Die Eltern haben jetzt auch ein Stückchen Land. Einen herzlichen Kuß von Deiner Gitta


Dora Duwe in Küdinghoven an Rudolf Woelky in St. Menehould

21.6.1947

Lieber Rudi!

Heute 20.6., Deine Karte mit Dank und Freude erhalten. Wie schön, wenn Deine Hoffnung bald in Erfüllung ginge. Dann aber der Weg nur über uns! Ist mein Buch „Ein Bauer greift an die Sterne" angekommen? Hatte nur Zettel mit Adresse reingelegt. Es ist sehr schön. Hitze war auch hier genug. Aus Berlin wenig Nachricht. Hier mit Dir viel zu besprechen und zu beraten. Dorchen – Mieka


Rudolf Woelky in St. Menehould an Otfried Woelky in Berlin

19.6.1947

Lieber Otfried!

Du kannst doch schon malen, ja? Na, dann mal los: Ein großes Feld. Alles grün, ein paar gelbe und weiße Blumen. Da hindurch führt ein Fahrweg. Der Weg ist sehr schlecht, ausgefahren und viel Steine. Auf diesem kommt ein Leiterwagen auf 2 Räder. Ein Pferd zieht den Wagen. Es heißt Rita und ist blind. Darum muß es geführt werden. Ein Mann hält es am Zügel. Trotzdem stolpert das Pferd andauernd und der Mann stolpert mit und schimpft dabei. Auf dem Wagen steht ein Käfig. Darin ist ein Schwein. Das schaut in Fahrtrichtung. Immer, wenn das Pferd stolpert, schaukelt der Wagen und darüber freut sich das Schwein. Es wird nämlich sonst nicht geschaukelt, außerdem fährt es ihren Mann besuchen. Wenn Du nun das Bild fertig hast, schreibst Du runter: das ist Vati! Aber mach das mit einem Richtungspfeil, damit kein Irrtum vorkommen kann. – Michael bekommt auch ein Bild zu malen. Das schreibe ich im anderen Brief. Wer dann am schönsten gemalt hat, bekommt von mir ein Taschenmesser, wenn ich zurückkomme. Und wenn beide Bilder gleich gut sind, nun, dann bekommt ihr beide ein Messer. Also, an die Arbeit.

Grüßt mir die Mutti und Deine Geschwister recht herzlich. Es grüßt Dich von Herzen Dein Vati.


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

20.6.1947

Liebes Peterle!

Mein Brot habe ich mir heute durch Unkrauthacken verdient. Als ich mich am Abend ins Gras fallen ließ und mit meinen Gedanken im Reiche der Metaphysik herumstöberte, stieg über mir eine Lerche auf und schenkte mir ihr heiteres Lied. Auf einmal lag ich nicht mehr allein am Rande eines Kartoffelackers, in Orconte, sondern mit Dir am Strand von Lobbe, und wir sahen beide hinauf in den blauen Äther und erfreuten uns am Gezwitscher des kleinen Vogels. Da wusste ich, daß das gemeinsame glückliche Erleben in der freien reinen Natur zu den stärksten übernatürlichen Kräften gehört, die uns in schweren Tagen Halt geben, und ich stand auf und die Welt schien mir noch einmal so schön. 10 Minuten später führte mich mein Weg durch einen kleinen Buschwald in dem es von Mücken wimmelt. Nun muß ich wohl am Tage zuviel Kirschen gegessen haben, denn ob ich wollte oder nicht, ausgerechnet hier musste ich meinen Tribut zahlen. Und dann konnte ich nicht anders: ich habe mächtig über die freie Natur geschimpft und habe nicht gewusst, wo ich mich zuerst kratzen sollte. Emelda hat mir verwundert über den Hof nachgeschaut. Doch siehe, da fiel mir der Labusstrand und Schwiegermutters Papierstrümpfe ein und das Jucken hörte sofort auf.

Herzliche Grüße und Küsse Rudi


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

22.6.1947

Liebe Gitta!

Gestern Deine Briefe v. 30.5. und den von den Kindern erhalten. Vielen Dank. Ja, versuch bitte die Wandlitzer Verbindungen aufrecht und warm zu halten. Wir werden sie notwendig brauchen. Würde mich freuen, wenn Du auf einige Zeit nach dort ziehen kannst. Dürfte auch für die Kinder und für Deine Gesundheit zum Vorteil sein. Den Kindern danke ich für ihre Grüße. Schrieb ihnen vorigen Sonntag. Hier sonst nichts Neues. Herzliche Grüße Dir und den Kindern. Dein Rudi


Georg Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

27.6.1947
Eingang 22.7.1947
Antwort 20.8.1947

Lieber Rudi!

Karte vom 26.5. gestern bekommen. Habe vielen Dank. Haben z.Zt. herrliches Sommerwetter. Zonenpaß nur erforderlich, wenn von Berlin oder russische Zone nach den Westzonen oder umgekehrt. Nicht Radio Löwe sondern Löwe Werkzeugmaschinen. Arbeit ist reichlich vorhanden. Wann kommst Du? Welchen Beruf willst Du ausführen? Versuche recht viel Feuersteine für Feuerzeuge mitzubringen. Es lohnt sich. Hier einer 3,-RM.

Herzliche Grüße Bruder Georg mit Fam. u. Schwiegereltern


Anna Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

27.6.1947

Lieber Rudi! Schönen Dank für die Karte vom 15.5. Ich dachte du bist schon unterwegs. Hatte schon lange keine Post von dir. Nun weiß ich wieder das du gesund bist, und ich hoffe auch auf ein baldiges Wiedersehn. Bei uns ist auch alles gesund. Ich gehe alle Tage arbeiten, das erhält mich jung.

Viele herzliche Grüße Mutter


Regina Woelky in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

28.6.1947
Eingang 22.7.1947
Antwort 31.7.1947

Lieber Vati!

Ich danke Dir für das schöne Gedicht vom 8.5.1947. Am Sonntag gingen Michael, Otfried, Ursula und ich nach dem Kloster. Da war für die Kinder Kasperle-Theater. Als Ursula das weiße Gespenst sah, hat sie in die Hände geklatscht. Ursula und ich schwitzen vor Hitze. Zu Hause tranken wir Kaffe und Kuchen, das schmeckt gut. Hast Du zum Sonntag Kuchen gegessen? Dann freue ich mich. Am Sonntag hat es gegossen, da konnten wir nicht spazieren gehen. Wir bekommen bald Ferien. Wir haben uns zu den Ferienspielplätzen gemeldet. Gestern war unsere Klasse zum Zahnarzt gegangen, ich habe gute Zähne. Jetzt essen wir in der Schule mit, denn es gibt markenfrei. Heute gab es dicke Nudeln. Wir waren gestern in Plötzensee baden. Ursula hat aber vor Wasser angst, nur Michael, Otfried und ich gehen ins Wasser. Wir üben schwimmen, das ist schön. Das Wetter ist sehr warm. Einen Kuß und einen Gruß von uns allen auch von Oma.

Deine Tochter Regina


Rudolf Woelky in St. Menehould an Brigitta Woelky in Berlin

29.6.1947

Meine liebe Gitta!

Beinahe hätte ich mich in Dampf auflösen können und wär dann als Wolke zu Dir gesegelt. Aber das scheint nur im ersten Moment verführerisch, denn ich habe an den Wind nicht gedacht. Gott sei Dank fiel heute das Thermometer und ich kann wieder kühler denken. Es war wirklich nicht mehr feierlich. In der Sonne 60–65° und dabei in der Heuernte. Bin ja allerhand gewöhnt, aber das ging über meine Kräfte. In der Nacht keinen Schlaf. Nur mit Badehose im Gemüsegarten gelegen, und keinen Appetit. Jetzt wird aber alles nachgeholt. Hoffentlich wird es nicht wieder so warm, sonst streike ich. Von Dorchen bekam ich ein Buch geschickt. Habe mich riesig darüber gefreut, wenn ich auch bei der Wärme nicht lesen konnte. Immerhin riskant von Dorchen. Wie leicht hätte ich schon unterwegs nach Deutschland sein können. Meine Kategorie kommt jetzt dran. Drück den Daumen, Peter, aber warte noch mit dem Friseur. – Ja, und für Dich werde ich bitten, daß Du mir gesund und tapfer bleibst. Bin ja bald bei Dir. Grüße die Kinder und sei herzlich gegrüßt von Deinem Rudi


Herta Heim in Berlin an Rudolf Woelky in St. Menehould

30.6.1947

Lieber Rudi,

vor 3 Min. Deinen lb. Brief v. 8.6. erhalten. Will Dir schnell Antwort geben. Herzl. Dank freue mich immer über einige Zeilen von Dir. Vor kurzem traf auch Deine lb. Karte mit herzl. Dank vom 4.5. ein, leider kam diese ohne Antwortkarte an. Wir alle freuen uns riesig auf Deine Heimkehr. Denke es ist besser, wenn wir uns dann mündlich unterhalten können. Auf Eure kl. Briefe geht ja nicht viel herauf. So lange ich gesund bleibe habe ich vor der Zukunft keine Angst. Renate und Wolfgang fahren am 22.7. an die Ostsee zur Erholung. Käthe Heim hat dafür gesorgt, daß sie vom Caritas Verb. verschickt werden. Unsere Schwäg. Anni hatte grosses Pech. Am 7.6. hat sie einen toten Knaben geboren. Vorige Woche besuchte mich Edith Walter. Sie lässt Dich herzlich grüßen. Irmgard ist bei ihrem Umzug ihre ganze Schreibmappe abhanden gekommen und Dein Brief war auch dabei. Sie hat aber auch viel Arbeit mit dem Geschäft. Bei uns eine enorme Hitze, 35-40° im Schatten. Sonst sind wir aber alle gesund und wünschen das auch Dir von Herzen. Alles Gute und viele liebe Grüße auch von den Kindern. Deine Herta

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