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Postkarten und Briefe 1948

Familie De Vleeshauer aus Meerendee an Rudolf Woelky in Berlin

Vom 28.1.1948

Lieber Freund und Familie Woelky

Wir haben Ihr Schreiben dankend erhalten, und freuen uns so sehr etwas neues von Ihnen und Ihre Familie zu hören.

Ich habe Ihnen ein neues mitzuteilen, nämlich das Papa am zweiten Weihnachtstag gestorben ist, plötzlich am 10 Uhr abends, hier sende ich ein kleines Andenken. Wir hätten alle zusammen so glückliche Weihnachtstage durchgemacht, so ein schöne Fest kommt ja nicht mehr für uns, die Kinder waren so glücklich mit die Geschenken von Christbaum, die kleine Marie, Eherete ( Name schwer zu entziffern ), und Celine hätten Klavier gespielt, wir haben gesungen, die schöne Weihnachtsliedern, und so ein traurig Ende, daß können wir noch nicht glauben.

Lieber Freund Woelky, jetzt will ich mit die Gedanken bei Ihnen sein im Familie, ich fühle mit Ihnen das Leiden, und fragen wenn ich etwas tun kann für Ihre Frau und Kindern, daß gern tun soll, nehme Sie mir das nicht übel, wenn ich das schreiben, ich will zusehen, das ich Ihnen etwas aufsenden kann, auch habe ich gute Bekannten, einen Pfarrer, sehr guter Mensch, sogleich will ich mich in Verbindung stellen, vielleicht bekommt Sie auch ein Schreiben von Ihm und können wir Pakete schicken, ich will daß mögliche tun ihnen zu helfen, sende Sie mir bitte die Größe von ihren Kindern, auch wie alt sie sind, dann kann ich auch für Kleidung sorgen.

Ihre Dame ist vielleicht so groß wie ich ? Lieber Freund habe gute Hoffnung in die Zukunft, das Herr Gott ist noch da und würde Ihnen nicht verlassen.

In der guten Hoffnung, daß wir Ihnen helfen können, und alles gut geht, senden wir an die Familie Woelky die herzlichsten Grüße von der

Familie De Vleeschauer Meerendee

Grüße Sie bitte herzlichst Frau Woelky und Kindern von mir.


Friedersdorf

8.2.1948

Lieber Kamerad !

Entschuldige bitte das ich erst heute deinen Brief beantworte. Du wirst erstaunt sein das ich schon zu Hause bin und vor allem wirst mir böse sein das ich nicht gekommen bin. Bin am 19. Januar in Berlin Tegel angekommen meine Frau holte mich ab und wir fuhren gleich denselben Abend nach Friedersdorf es hat alles geklappt aber es weiß nicht mal meine Mutter und Geschwister das ich hier bin. Bin alle Tage im Haus und zum zweitenmal Gefangener. Der Hass ist ja überall groß dazu der Neid es ist keine Stadt. Wäre ich in Berlin geblieben dann wäre ich bestimmt mal gekommen. Aber von hier geht es nicht ich fahre nun am 19 Februar zurück. Deine Bilder waren bei meiner Abreise noch nicht fertig ich sende sie dir von Frankreich. Wie gefällt es dir daheim ? In der Engl. Zone geht es ja aber hier in dieser Zone nichts los. 4 Wochen haben gereicht um alles zu erfahren. Du selbst wirst ja genug darüber bescheid wissen. In Vienne la Ville ist so lange ich da war Ewald b/ Dietrich und Josef b/ Gera entlassen worden wer nun nach der Rückkehr noch da ist muss ich mal sehen. Ob ich meine Frau nach hole entscheidet sich nach der Rückkehr. Ich habe viel verloren beim Einmarsch aber das Grundstück und ein guter Teil an Sachen ist geblieben. Ich war erstaunt wie mein Frauchen alles in Schuss hat. Wenn die Freiheit hier genau so wäre dann ginge ich nicht mehr fort. Wie ich schon erwähnte bloß wie in den anderen 3 Zonen. Also nochmals besten Dank für deinen lb. Brief ich melde mich von Frankreich wieder.

In dieser Hoffnung sende ich Dir sowie deiner Familie herz. Grüße und weiterhin alles gute für die Zukunft. Von meiner Frau ebenfalls die besten Grüße.

Dein Kamerad Waldemar


Robert Titz in St. Menehould an Rudolf Woelky in Berlin

15.2.1948

Lieber Rudi !

Wie hab ich mich gefreut über Deine zwei Briefe, die das erste Lebenszeichen waren nach einer langen Zeit. Es ist für mich ebenfalls eine Genugtuung zu wissen, daß Du nun endlich Deine Heimat und Deine Familie wieder hast. Trotz schlechten Zeiten bin ich überzeugt, daß Du das Leben Deiner Familie meisterst. –

Seit September 47 habe ich mein Nest ? verlassen. Bin jetzt in der Nähe von Chalon auf einem guten Platz. Um die Umstände zu beschreiben werde ich Dir einen längeren Brief schreiben. Mir geht es gut, wie es halt Gefangenen zu Mute ist. Die Hoffnung auf die Rückkehr ist groß und so Gott will geht dieser eine Wunsch in diesem Jahr in Erfüllung. Zwei meiner Schwestern sind verheiratet. Die Kirschen sind bei diesen gepflückt. Zu Hause noch alles in Ordnung. Nochmal meinen Dank für Deine Aufmerksamkeit

Dein Robert


Hans Geilich aus Aschaffenburg an Rudolf Woelky in Berlin

22.3.1948

Lieber Rudolf !

Anbei einen Ostergruß. Deinen Brief habe ich erhalten, herzlichen Dank für ausführlichen Bericht über Deine Erlebnisse, die ich mit großem Interesse zur Kenntnis nahm.

Auch die änderung Deines Berufes ist ja dadurch möglich gewesen. Habe z.Zt. mal Arbeit im Beruf, sowie zuhause im Garten ( Frühjahrsbestellung ). Entschuldige daher meine Kürze. Für heute herzliche Grüße an Dich und die Deinen.

Dein Freund Hans Geilich


Büro von Bischof Muench
Bischof von Farge Northdakota
Apostol. Visitator in Deutschland
Berlin –Dahlem Im Dol 51

1.4.1948

An
Familie Woelky
Berlin NW 21
Birkenstr. 42

Mrs. Arthur A. Whitesell
171 Dwight Road
Springfield Maas
ermöglichte es für Sie, ein CARE Paket zu erhalten.

Bitte suchen Sie die Ausgabestelle von der CARE MISSION in Berlin-Steglitz, Körnerstrasse 51 auf, legen Sie diesen Brief Herrn Felix vor, der Ihnen unter der Anweisungsnummer : J 282046 das CARE Paket aushändigen wird.

Es wäre sehr zu begrüßen, wenn Sie für dieses Geschenk dem obengenannten Spender ein Dankschreiben schicken würden.

Mit herzlichen Ostergrüssen

Stanley Bertke
Sekretär von Bischof Muench
Vertreter vom Hl. Stuhl in Deutschland


Robert Titz in Mairz sur Marne an Rudolf Woelky in Berlin

15.4.1948

Lieber Rudi !

Vor einigen Tagen erhielt ich Deinen lieben Brief. Ich habe mich sehr gefreut. Zum Dank werde ich Dir etwas mehr schreiben, wie ich es Dir versprochen hatte. -

Im ersten Augenblick habe ich ja gestaunt über Deinen Berufswechsel. Ich glaube Du hast doch noch das richtige aufgeschnappt, so wie ich Dich kenne wirst Du ein tüchtiger, gutmütiger Lehrer sein. Recht viel Glück. Ja Rudi, das hast Du wohl vorher nicht gedacht, daß Du noch mal gut von der Gefangenschaft sprechen würdest. Wollen wir auf bessere Zeiten hoffen, damit endlich Ruhe und Frieden in allen Herzen einkehren. Du weißt ja selbst wie die Lage steht, und wo der Hammer hängt. Sei bitte so lieb und beantworte diesen Brief. Meine Neugierde der Berliner Angelegenheit ist groß. Nicht umsonst hört man von Zwischenfälle zwischen der Besatzungsmächten. –

So jetzt etwas anderes, und zwar von Mont – Mergy. Ich weiß mich noch zu entsinnen, daß ihr, die fünf, am 1. September zurück ins Lager gegangen seit. Kohlenklau holte sich wieder drei neue Einer aus Breslau, einer aus Berlin und einer von Sachsen. Er hatte im allgemeinen einen guten Fang gemacht, denn es waren kräftige Burschen. Es dauerte ja nicht lange bis die Spürnasen den bekannten, goldigen Keller entdeckt hatten. Schon in den ersten Wochen knallte es. Die drei waren zu unvorsichtig. So holten sie nicht zwei sondern 40 Glas auf einmal rauf. Kohlenklau hat ja schon immer davon gewusst. Eines Tages war ein Eingang mit Steinen zugebaut. Da sind die Kumpel durch den Kamin gestiegen. Ich kann Dir sagen, da gings her. Kurz vor Weihnachten explodierte eine Bombe. Wir hatten doch vor ein zünftiges Fest aufzuziehen. Ein Kamerad wurde beim Weizen mahlen ertappt. Die Sache wäre ganz gut abgelaufen, wenn dieser eine Kamerad nicht so aufdringlich gewesen wäre. Kohlenklau holte sein Jagdgewehr und Jolanthe die Mistgabel. Der Breslauer sprang noch schnell dazwischen um ein Unglück zu verhüten. Sofort fuhr Kohlenklau zur Polizei und von dort ins Prison. Nach Wochen stieg die Gerichtsverhandlung. Der Kamerad war leider ausgebrochen und wird heute schon vielleicht in Deutschland sein. Jedenfalls wurde er zu 15 Monaten verknallt. Seitdem ging es sehr ruhig zu. Jetzt lag die ganze Arbeit auf zwei Kameraden. Mathau kaufte sich eine Heupreß-Maschine und bei der Missernte war es auf Mont Mergy auszuhalten. Natürlich gabs immer noch Bohnen und zur Abwechslung Karotten. Es war eine schöne Zeit die wir in.........verlebten. Aber trotz allem ich musste meine Stelle wechseln. Dies ging so zu sich. -----

Im September 47 hatte sich alles sehr zu gespitzt mit mir. Du weißt ja, daß ich mit Raymond immer meine Rendezvous hatte. Meine Stube wurde der Treffort aller Kameraden. Kameraden, schwer bepackt mit Champagner aus Pressy und Seiseng fanden sich des Sonntags ein. Ich habe versucht ihnen ein Mädel zu verschaffen. Es hat alles gut geklappt. Aber den Franzosen passte dies natürlich nicht. Meine Chef überraschte meine Kameraden, als ich meine Pferde füttere. Die Tür zum Nebenzimmer stand weit offen. In meiner Stube drei Männer und drüben vier Mädels. Das war natürlich zu viel. Nun war ich zu jener Zeit sehr unzufrieden. Ein Gesuch zwecks meiner Entlassung war unterwegs, mit erstklassigen Motiven. Mein Chef sah, daß er mich nicht mehr halten konnte. Eines Sonntags, nach einer Diskussion mit Juget, wurde ich von besoffenen Franzosen bedrängt. Dies war für mich ein Grund mit meinem Hugo bin ich nachts nach Dormans geflitzt und habe mich dort gestellt. Am anderen Tag musste Juget mich zurück bringen. Dieses Leben voller Gelüste gefiel mir nicht mehr, und ich bin froh, daß ich es so gemacht habe. Heute fühle ich mich viel stärker in jeder Beziehung. Mairz sur Marne so heißt jetzt der Ort wo ich mich aufhalte. Ich habe wieder einen guten Platz und eine Freiheit, soweit ich von Freiheit sprechen kann. überall sind Kameraden, es muß mir halt gefallen. Die Hoffnung auf eine baldige Heimkehr geht so langsam in Erfüllung. Wie ist doch die Zeit vergangen. Wie ein Traum jetzt grünt schon alles wieder. Genauso wie wir damals auf der Wiese von Mont Mergy unser Lied zu komponieren versuchten. Möge Gott mir beistehen, daß ich endlich meine geliebte Heimat wiedersehe. –

Zu Hause hat sich viel ereignet. Meine älteste Schwester hat im September vergangenen Jahres geheiratet, und zwar einen Arzt. Magdalene hat einen ganz hervorragenden Schnapp gemacht. August ein berühmter, bekannter Violin Virtuose. Mein Bruder ist noch in Jugoslawien. Mia ist etwas krank geworden, aber schon wieder gesund. Meine Eltern warten auf mich, und haben für mich gesorgt. Was ich mache wenn ich nach Hause komme weiß ich noch nicht. Ich muß mir die Lage selbst ansehen.----

So mein lieber Rudi, ich hoffe, daß Dich dieser Brief erfreut hat und mit den liebsten Grüßen möchte ich schließen.

Von Herzen Dein Robert Titz

Grüße an Deine Frau und Kinder. Entschuldige bitte meine Schrift, es ging etwas schnell.


Robert Titz in St. Menehould an Rudolf Woelky in Berlin

29.5.1948

Lieber Rudi !

Mit großer Freude erhielt ich vor einigen Tagen Deinen lieben Kartengruß. Auch deshalb habe ich mich gefreut, weil Du noch immer an mich und an alle anderen Kriegsgefangenen denkst. Im allgemeinen ist die Heimat vergesslich. Ein jeder der bis jetzt in die Heimat zurückgekehrt ist, hat wahrscheinlich andere Gedanken gehabt. Ich kann das verstehen. Mir geht es noch gut. Jetzt zähle ich die Monate bis ich die beglückende Reise antrete. Glaub mir Rudi, ich freue mich wie ein Kind. Kennst Du Albert von Mont – Mergy noch ? Er lässt Dich herzlich grüßen. Er ist Zivilarbeiter ganz in meiner Nähe. Hast Du das Lied von Kohlenklau noch ? Sei bitte so gut und schicke es mir. Albert fragte nämlich danach. Für heute lieber Rudi grüße ich Dich von Herzen. Wach bleiben in mir die schönen Erinnerungen. Robert


Robert Titz in St. Menehould an Rudolf Woelky in Berlin

16.6.1948

Lieber Rudi !

Es freut mich, daß Du in Deinem neuen Beruf zurecht kommst. Für Deine guten Ratschläge den Menschen gegenüber bei meiner Heimkehr meinen herzlichen Dank. Ich nehme es mir zu Herzen. Auch mit den Frauen werde ich vorsichtig sein. Du weißt ja wie ausgehungert wir jungen Kerle in dieser Beziehung sind. Deshalb doppelte Aufmerksamkeit. Von meinen Eltern erfahre ich immer nur Gutes. Sie warten mit einer treuen Geduld. Kannst Du Dir vorstellen wie groß die Freude sein muß wenn in diesem Jahre zwei Söhne zurückkehren ?! - Augenblicklich beginnt die Ernte. Du hast ja noch eine Vorstellung. An heißen Tagen bade ich nach der Arbeitszeit in der Marne. „Wunderbar". Die Monaten vergehen. Im Lager sieht man nur noch junge Kerle. Lieber Rudi für Heute grüße ich Dich herzlich Dein Robert


Robert Titz in St. Menehould an Rudolf Woelky in Berlin

Vom 16.6.1948

Lieber Rudi !

Heute erhielt ich Deine beiden Briefe vom 21.5. Ich habe mich sehr gefreut. Meinen liebsten Dank, auch für Deinen nachträglichen Geburtstagsgruß. Selbstverständlich habe ich an meinen Geburtstag 1946 gedacht. Es war ja gegen heute eine arme Zeit. Es ist schade, daß man so vergesslich ist, denn an die schönen Stunden in der einsamen Zeit wären es Wert behalten zu werden. Wie wir uns gegeneinander................., gemeinsam heitere Stunden hervorzauberten. Das Leben geht weiter ! Die langen Jahre haben mich geformt und ich warte auf meine Rückkehr, daß ich mein............nachholen kann. Du wirst staunen, ich möchte Veterinär werden. Weißt Du zufällig ob dieser Beruf überfüllt ist ? Soviel ich gehört habe ist kein großer Andrang.

Robert


Hans Geilich an Rudolf Woelky

Lieber Rudi

Diese Studie entstand auf dem Weg zum P.G. Friedhof St. Julien, den täglichen Arbeitsweg zum Friedhof rüber. Wie oft kam uns der Gedanke, wann werden wir diesen Weg gehen zum Heimtransport.

Auch er kam einmal und strahlender Sonnenschein begleitete uns dabei zum Bahnhof.

Gertrud, auch du wirst diese Stunde in Erinnerung haben.

H. Geilich


Hans Geilich an Rudolf Woelky

Lieber Rudi

Auf dem Kirchturm von St. Julien entstand diese Studie die einen einzigartigen Blick auf die Stadt und Kathedrale am .............................zeigt, von der ein großer Baukünstler einmal sagte : „Sie könnte von Engel erbaut sein, so erhaben sind ihre Formen und ihre Schönheit.“

Geilich


Verwandte aus Berlin an Lehrerin Dora Duwe, Bonn a.Rhein, Arndtstr. 17

16.06.1949

Liebe Dorchen!
Von Annekins schöner Geburtstagsfeier grüßt herzlich Mieka.
Was sagst Du nun? Lieschen ist hier und morgen sause ich wieder ab! Gruss
Herzliche Grüße Gitta und Kinder
Herzliche Grüße auch von Fam. Zehe und Seifert
Herzliche Grüße Agnes Hartlieb geb. Zehe.
Viele Grüße Hans Zehe.
Herzliche Grüße Neffe Georg
Recht herzliche Grüße Oma Woelky
Werde Dir demnächst einen längeren Bericht schicken. Herzl. Gruß Rudi
Georg und Hermann
Ursula und Regina, Michael und Otfried


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