Kriegstagebuch von Rudolf Woelky 1942/43

Kurze Rückschau

September 1942. Wir gehen in das 4. Kriegsjahr hinein. Den ersten tieferen Eingriff in meine junge Ehe vollzog der Krieg am 3. April 1941, als nach den heftigen Luftangriffen der Engländer auf Berlin das Amt „Mutter und Kind" die Familie nach Olbersdorf (Ostsudetenland) verschickte. Ich blieb in Berlin und wartete auf das Weitere. Anfang Juli, Gitta ( meine Frau ) war grad auf einige Tage in Berlin, kam dann das Erwartete: Der Einberufungsbefehl. ( Mutti war erst nach dem 11.Juli in Berlin , allein oder mit den Kindern, ist mir nicht bekannt. Vielleicht hat Oma Reisch das Kindermädchen gespielt)

Nach kurzem Besuchsurlaub in Olbersdorf meldete ich mich an meinem Geburtstag, den 12.8.1941, beim Flieger-Ausbildungs-Regiment 41 in Frankfurt/O. Nach vierteljährlicher harter Ausbildung wurde ich der 3. Kompanie als Hilfsausbilder zugeteilt. –Ich war stramm und versuchte ängstlich meinen Dienst korrekt auszuführen und die mir gestellte Aufgabe gut zu lösen. Trotzdem die mir unterstellte Gruppe gutes Material hatte und ich mit ihr bei der Besichtigung gut abschnitt, befriedigte mich dieses Leben nicht. Ich war froh, als mir der Kompanie Chef bei der Rückkehr vom Ski-Lehrgang in Reihwiesen (Altvatergeb.) eröffnete, dass ich der Bekleidungskammer als stellvertretender Verwalter zugeteilt bin. 3 Tage vor Ostern zog ich mit dem Schlusskommando des Batl. nach Tarnowitz und von da weiter nach Loben. (früher Lublinitz) Seit dieser Zeit war bis heute mein Hauptbestätigungsfeld die Bekleidungskammer der 3. Komp. Vor einigen Stunden kam ich von einem 14 tägigen Erholungsurlaub aus Berlin zurück. Meine Familie ist seit Anfang Juni ds. Jrs. Aus Olbersdorf zurück (1942 ). Die Urlaubstage waren schön, wenn ich mich auch anfangs nicht einleben konnte und mich ohne Bindung an Wohnort, Heim und Familie fühlte. Ein Tag und zwei Nachtalarme waren unangenehme Begleiterscheinungen. Gitta war sehr gefasst und machte mir den Abschied nicht schwer. Mit dem heutigen Tag wurde ich auch vom Flieger zum Gefreiten befördert und aus diesem Anlaß beginne ich dieses Kriegstagebuch, weil ich davon überzeugt bin, dass es nicht meine letzte Beförderung sein wird und der Krieg noch wenigstens 2 Jahre dauern wird. Die täglichen Aufzeichnungen sollen mich davor bewahren ganz und gar dem Stumpfsinn zu verfallen und durch überdenken der Ereignisse und Beobachtungen neue Anregungen und Ideen zu erhalten.

Mit Gott für Deutschland und mein Haus !


1.09.1942
Am Vormittag Batl. Appell mit Verleihung von Kriegsverdienstkreuzen. Einige Beförderungen. Ich bin Gefreiter geworden. Am Nachmittag mit der ges. Komp. In Rosenberg/S zum Schwimmen. Wollte den Grundschein für Freischwimmer erwerben; aber es scheiterte am Rettungsschwimmen. Abends konnte ich trotz großer Müdigkeit nicht einschlafen; lag in dauernder Unruhe, als ob ich auf etwas wartete. Dann gegen 23 Uhr – gab es Fliegeralarm. Dienst als Brandwache bei den Garagen, ohne das schmerzliche Gefühl sehnsüchtiger Träumereien.

2.09.1942
Der ganze Tag stand unter den Nachwirkungen des Urlaubs. Zerschlagen, traurig und träumerisch. Wir sprachen auf der Stube über den Stand des Krieges und waren der Ansicht, dass der chem.- und der Gaskrieg bevorsteht. – Brief an Gitta. – Vor dem Schlafen Gehen hatten wir das Problem Sohn, Mutter, Schwiegertochter vor. Eine ernsthafte, ergiebige Unterhaltung. Wir beschlossen des öfteren Themen zur Diskussion zu stellen, „um nicht gänzlich zu verblöden". Der Schlaf wollte lange nicht kommen, wir lagen alle hellwach.

3.09.1942
Ich war heute sehr nervös und rauchte viel Zigaretten. Zu tun war wenig und benutzen die Dienstzeit zum Skatspiel. Abends ging das Batl. geschlossen zum Schützenhaus Loben zu einer Variete – Vorstellung durch KdF-Wehrbetreuung. Mich ödeten die Darbietungen an. Die unerträglich heiße Temperatur im Saal tat das übrige, und Ogfr. Ritter und ich warteten den 2. Teil auf dem dunklen Schützenhausplatz ab. Wir gingen nicht mehr hinauf, schauten fast 1 Stunde schweigsam in den dunklen Himmel. Ich dachte an daheim und war erfüllt von großer Liebe zu Gitta und meinen 3 Kindern Wann werden wir wieder ganz vereint sein?

4.09.1942
Es war sehr heiß heute. Um 16 Uhr traten wir zum Kinobesuch an. Doch es kam ein neuer Befehl und wir traten wieder weg. Eine Stunde später bekam ich den Auftrag von heute 18 Uhr bis morgen 18 Uhr auf MG Wache zu ziehen, d.h. Wache gegen Fliegerangriffe. Unweit der Kaserne steht im Wald ein hohes ( ca. 25 m ) Holzgerüst. Oben auf der Plattform, 3 x 3 m, steht ein MG 15. Ich zog bewaffnet mit 2 Wolldecken und eine Zeltplane zusammen mit Flieger Czernick auf den Turm. Der Abend wurde herrlich und brachte mir eine wohltuende Ruhe. Nach 22 Uhr machten wir oben unsere Nachtruhe zurecht. Wir sollten aber nicht zum Ausruhen kommen. Von 23 – 3 Uhr Fliegeralarm. Im Osten ( b. Gleiwitz, Heydebreck ) stiegen die Flakfeuer zum Himmel und der Russe hing 3 Leuchtkugeln über diese Gegend. Zur gleichen Zeit waren an mehreren Stellen des Horizonts Gewitter zu sehen. Am nächsten Tag kamen die Lobener Jungen und brachten uns Obst, Brot und Getränke, um nur einmal auf den Turm hinauf zu können und durch das Fernrohr zu sehen. Den Nachmittag lagen wir in Turnhose und sonnten uns. Die Wache gefiel mir. Durch die Sonne ausgetrocknet hatten wir natürlich großen Durst und gingen nachher in die Stadt. So endete denn auch Sonnabend, der 5. September bei einem Glas Bier. Mit einer Einladung nach Guttentag zu Kaffee und Kuchen gingen wir nach Hause.

6.09.1942
Wir wurden erst um 8 Uhr geweckt. Ich schrieb gleich am Vormittag einen Brief an Gitta. Nach dem Mittagessen fuhr ich mit Ogefr. Ritter über Land auf Eierkauf. Solange wir zu zweit vorsprachen, hatten wir keinen Erfolg. Also gingen wir einzeln auf die Gehöfte und so hatten wir bald jeder 10 Stück. Auf eine Woche reichen sie. In Koschanowitz die Kirche besucht. In Koschtschütz war Kinderfest. In Lubetzkow ließen wir uns eine Butterstulle und zu trinken geben. Mit der guten Frau unterhielten wir uns eine ganze Weile und wir mussten dabei auch manchmal schwindeln. Der Abend wurde durch Kinobesuch ausgefüllt „Violanta". Neben Horst und mir saß Trudchen. Wir brachten sie zusammen nach Hause. Am Ende war ich böse auf Horst, denn Trudchen ist ein Mädel, das man nicht belügen sollte. Sie ist zu schade dazu. Ich werde sie noch näher kennen lernen. Vielleicht auch die Familie.

7.09.1942
Ab Mittag habe ich U.v.D. Der erste Tag mit Regen seit langer Zeit. Am Abend wurde es wieder schön.

8.09.1942
Bei meiner Frühmeldung als U.v.D. teilte mir der Chef mit, dass ich ab heute zur Verwaltung kommandiert bin, wo ich mich in 6 Wochen auf die Prüfung als Bekleidungsverwalter vorbereiten kann. Ich freute mich darüber mehr als zu meiner Beförderung zum Gefreiten. Wenn ich auch davon überzeugt bin, dass mir die Herren von der Verwaltung nichts Neues beibringen können, so ist es vielleicht doch der entscheidende Schritt für meine militärische Laufbahn. Als Auftakt meiner Arbeit bei der Verwaltung vertiefte ich mich in die „Richtlinien der Bekleidungswirtschaft im Kriege".

Der Abend brachte Horst und mir ein großes Erlebnis. Wir trafen uns mit Trudchen zu einem Spaziergang. Sie ist von etwas untersetzter Gestalt, aber gutem Wuchs. Schwarze Haare, dunkle Augen, die traurig und groß ohne Ziel in die Ferne schauen, und ein feinnerviges, vornehm zurückhaltendes Wesen. Ihre Sprache ist ausgesucht fein und sparsam, zwar etwas fehlerhaft, doch nicht störend, und eine klangvolle Stimme. Wir waren erstaunt, als wir ihr Lebensschicksal erfuhren und wunderten uns im Stillen immer wieder über ihre ergreifend vornehme Art. Die Lösung ist eigentlich einfach, denn bekanntlich wird der Mensch durch Leiden gehärtet und geformt. Und in ihren 19 Lebensjahren hat sie schon manches ertragen müssen. Die Mutter heiratete nach dem 1. Weltkrieg das 2. Mal. Sie brachte als Bauersfrau 36 Morgen Land mit, er das Verdienst als Bahnbeamter. Die Ehe war nicht glücklich, da der 2. Mann kein Landwirt war. Am 1.9.1939 rückten die Deutschen in Kochschütz ein. Mutter und Geschwister waren in den Wald geflohen. Der Vater blieb auf dem Hof. Als sie zurück kehren durften, fanden sie den Vater von den Polen ermordet und das Gehöft ausgebrannt vor. Gertrud war des Vaters Liebling und wurde von der Mutter und den Stiefgeschwistern nicht gelitten. Sie ging nach Loben und arbeitet nun schon 3 Jahre bei einer Bauernfamilie als Stütze der Hausfrau. 6 Kinder und ein großes Haus sind zu versorgen. Die Frau schwanger, der Hausherr als Hauptmann an der Ostfront. Pfingsten d. Jrs. Bedrohte sie ein Vetter, weil sie nicht seine Frau werden will, mit der Schusswaffe. Sie will keinen Verwandten heiraten. Horst und ich verabschiedeten uns sehr still von ihr. Am Sonntag werden wir sie nach der Messe in der Schlosskapelle von Kochschütz treffen. Das Schloß gehört dem Grafen v. Ballestrin. Der Sonntag wird uns mit der Familie Pyka bekannt machen, denn Gertrud hat uns zum Frühstück nach der Messe eingeladen. Ich habe ihr gleich zu Beginn unseres heutigen Spaziergangs erzählt, dass ich verheiratet bin und schon 3 Kinder habe. Sie schätze mein Alter auf 24 Jahre. Ich werde immer um 10 Jahre jünger geschätzt.

Auf unserer Stube saßen wir dann noch bis ½ 2 Uhr. Wir sprachen fast 2 Stunden über die kath. Kirche und die Beichte. Es war beachtenswert zu sehen, wie Horst sich das Bekenntnis abpresste, dass er sich den Menschen herbeisehnt, dem er einmal alles gestehen kann, der ihm mehr als Vater, Bruder und Freund ist. Es glaubt dieses alles in einem echten kath. Geistlichen zu finden. Horst Ritter hat in seinem Soldbuch die Eintragung: gottgläubig.

9.09.1942
Vorbereitung auf die Prüfungsthemen. Um 20 Uhr war eine bunte Veranstaltung des I. Batl. Tarnowitz im Schützenhaus. Die K.D.F. Vorstellungen waren nie so unterhaltend. Leider wurde der Abend durch Fliegeralarm gestört. Um ¾ 22 Uhr strömten wir zur Kaserne zurück. Ich ging hinauf zur Bekleidungskammer und suchte mir gleich ein Schlafplätzchen. Ende des Alarms 0:15 Uhr. 2 Min. vor der Entwarnung wachte ich auf. 0:30Uhr war schon wieder Alarm. Wieder hinauf zur Bekleidungskammer. Diesmal verschlief ich die Entwarnung und kam erst um 3 Uhr auf meine Stube zurück. 1 ¼ Stunde später.

10.09.1942
Das Kasernenrevier ist heute ausgestorben. Das Batl. hat einen Ausmarsch mit Biwak und allem Drum und Dran angesetzt. Morgen gegen Mittag kommen sie zurück. Ich musste daher U.v.D. machen. Ein Mann war heute Abend grad noch da, der mein G.v.D. wurde. Wir haben gut geschlafen.

11.09.1942
Ich blättere in Vorschriften und Bestimmungen für die Bekleidungswirtschaft und werde langsam weich.

Der Abend verlockte mich zu einer kleinen Radtour. Ich fuhr bis Glinitz und ging dann früh schlafen.

12.09.1942
Am Vormittag gefaulenzt. Es war sehr warm. Der Nachmittag brach sehr unruhig an. überall wurde geschruppt und geputzt. Fw. Duhnke will Stubendurchgang machen. Ich habe mich hinter einen Strohschober verduftet und ein Bekleidungsthema ausgearbeitet. Habe keine Lust Revier – Reinigung mitzumachen. Man sieht bei mir auch darüber hinweg. Bin schließlich augenblicklich der Komp. älteste. Gegen Abend war ich im Oblatenkloster zur Beichte. Nachher spielten der Hptfw. Hoffmann, Ogefr. Ritter und ich bis 22 Uhr Skat.

13.09.1942
Von Aberglauben halte ich nicht viel und doch gibt er dem Menschen eine unheimliche Kraft und unheimliche Fesseln. Mein Aberglaube ist, dass der 13. ein Glückstag für mich ist. Ist es nun Schicksal oder die Ernte eines grenzenlosen Optimismuses, der die Umwelt in seinen Bann zwingt, so dass sie mir nur Gutes geben können. Ich nehme das Letztere an.

Ogefr. Ritter und ich hatten für den heutigen Sonntag eine Verabredung mit Gertrud. Wir wollten uns nach der Messe um 8 Uhr vor der Kapelle des Kochtschützer Schlosses treffen. Am Sonnabend erfuhr ich im Kloster Loben, dass die hl. Messe schon um 7 Uhr im Schloß abgehalten wird. Mit etwas Verspätung kamen wir mit unseren Rädern an. Sie war nicht da. Nach der Messe blieben wir in der Kapelle um die Zeit bis 8 Uhr dort zu zubringen. Sie hatte uns doch versprochen, uns zum Frühstück einzuladen. – Horst spielte auf dem Harmonium und es war eine Morgenandacht wie selten.

Da wir Böswilligkeit für ihr Fernbleiben nicht annahmen, machten wir uns jetzt auf die Suche nach dem Gehöft ihrer Mutter. Es liegt am Ende des Dorfes an einer Anhöhe, unweit des Schlossparks. Man sah uns schon von weitem und wurden von Gertrud zum Frühstück eingeladen. Im Haus war noch die Mutter und zwei Schwestern. Die eine 25, die andere 18 Jahre alt. Wir begrüßten sie kurz ohne uns die Schwestern näher anzusehen. Horst frühstückte, ich blieb nüchtern und ging um 10 Uhr mit der Mutter in die Dorfkirche, wo ich dann kommunizierte. Die Messe war erst nach 12 Uhr aus. Horst wartete draußen, und wir gingen gemeinsam, nachdem wir nochmals zu Mittag eingeladen waren, zum Hof zurück. Eine Frau Steinhorst mit ihren 6 Kindern war auch eingeladen (Gertrud ist bei St. als Hausmädchen tätig).

Neben uns ging auf dem Nachhauseweg immer ein Mädchen mit blonden Zöpfen und Horst fragte mich, ob ich sie wiedererkenne. Ich verneinte. Er behauptete, dass es eines der beiden Mädels ist, die wir am vorigen Sonntag in Kochtschütz angesprochen hatten und bei denen wir uns aus Spaß für heute zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatten. Und so war es. Das Mädchen war die Schwester der schwarzen Gertrud, und wir hatten sie bei der Begrüßung am Morgen nicht erkannt. Sie aber uns.

Es hat, wie uns dann am Abend erzählt wurde, sogar eine ganz komische Auseinandersetzung zwischen den beiden Schwestern gegeben. Beide Schwestern haben der Mutter vorher getrennt von einander gesagt, dass wahrscheinlich 2 Flieger am Sonntag kommen werden, die sie mit ihrer Erlaubnis zum Kaffee einladen möchten. Aber die Schwestern hatten es sich nicht gegenseitig anvertraut und wollten sich damit überraschen. Als wir dann auf der Bildfläche erschienen, behauptete Gertrud es wären ihre Soldaten und Marie dasselbe und kamen dabei bald in Streit. Einen selteneren Zufall kann man sich kaum denken. –

Die Mittagstafel wie auch der Kaffeetisch waren äußerst reichhaltig und es war wie an einem großen Festtag. Erst nach dem Abendessen verabschiedeten wir uns. Ich saß hauptsächlich mit der Mutter Pyka und Frau Steinhorst zusammen und wir unterhielten uns über Kirche, Priester, Kinder, Erziehung und über den im Felde stehenden Sohn der Frau Pyka aus erster Ehe. Sie wollte einen Urlaubsantrag für ihren Sohn einreichen und wir versprachen, ihr diese Arbeit abzunehmen. „Sie dürfen jederzeit wiederkommen" Das war der 13. September 1942

14.09.1942
Günther, der 13jährige und älteste Sohn der Fam. Steinhorst, kam heute zur Kaserne und überbrachte eine Einladung seiner Mutter an uns. Wir sind zum kommenden Sonntag zum Kaffee eingeladen. Horst gibt Günther ab heute Nachhilfe – Unterricht in Latein. – Mobdienst.

15.09.1942
Langeweile quält das Batl. Die Stimmung ist gereizt und die Gemüter träge. Am Abend waren Gertrud, Horst und ich im Kino. „Verdacht auf Ursula." Dazu der herrliche Kulturfilm „ Wildwasser". Nach der Vorstellung fragt mich Gertrud, ob ich böse wär, wenn Horst sie allein nach Hause begleitet. Ich verneinte. Ich habe ja auch kein Recht dazu. Aber es würde mir nicht gefallen, wenn sich zwischen den Beiden ein Liebesverhältnis entspinnt. Dazu wäre mir Gertrud zu schade, denn sie würde so schnell nicht von Horst weg können und ihn vergessen können. Außerdem ist Horst verlobt und seine Braut verdient es nicht, dass er sich in Gefahr begibt. Ich nehme mir vor mit Horst hierüber zu sprechen.

16.09.1942
Aussprache mit Horst über sein Verhältnis zu Gertrud. Er versprach, dass er alles tun wolle, um eine Trübung unseres beiderseitigen Standes zur Fam. Pyka zu verhüten. Er sieht natürlich selbst eine Gefahr bei einem zu intimeren Verkehr mit Gertrud und hat mit ihr auch schon darüber gesprochen. Aber Gertrud ist noch jung und unerfahren. Ich werde wachsam sein, und wenn es Not tut, mit ihr sprechen und meine Ansicht in väterlicher Weise auseinander setzen. - Mobdienst.

17.09.1942
Woll- und Wintersachen zur chem. Reinigung mit dem LKW nach Beuthen gebracht. Das Wetter war schön und die Fahrt durch die frühherbstliche Landschaft eine erfrischende Unterbrechung. In Beuthen hatte ich eine Stunde für mich frei und ich ging von Geschäft zu Geschäft um für Schwager Georg Brausepulver aufzukaufen. Ich schicke sie ihm nach Afrika. Auf der Rückfahrt ging das Benzin aus und wir lagen eine Stunde auf freier Chaussee. Wir benutzten die Gelegenheit und gingen über die Felder hinüber zu einigen Bauernhäusern. Es war uns darum zu tun eine Tasse Kaffee und evtl. auch eine Schnitte Brot oder einige Eier zu bekommen. Bis auf ein Gehöft waren alle Bewohner ausgeflogen. Auf dem einen Hof arbeiten 1 Frau mit ihren 3 Töchtern. Als wir unser Anliegen vortrugen, amüsierten sie sich köstlich und meinten, die anderen Bauern hätten uns wohl fortgeschickt und jetzt kommen wir zu ihnen. Und sie gaben uns noch nicht einmal einen Topf Kaffee. Nahmen ihre Rechen, schlossen das Haus ab und ließen uns stehen.

Horst hat sich in der Urlaubsangelegenheit Johann Pyka mit dem Kreisbauernführer und dem W.B.K. in Verbindung gesetzt. Als ich um 18 Uhr aus Beuthen zurück kam, fuhr er schon mit dem Rade nach Kochtschütz. Ich fuhr eine Stunde später nach. Die Begrüßung war sehr freundlich und ich ging mit Horst wegen des Antrages gleich zum Ortsbauernführer. Dieser war anfangs sehr stur und misstrauisch. Wollte wissen, was wir damit zu tun hätten, woher wir stammen und welche von den Töchtern wir heiraten wollen.

Meine Antwort auf die letzte Frage war: die Mutter. Da war er ruhig, setze sich an seine Karbidlampe und befürwortete den Antrag. Der Bürgermeister war freundlicher. Wandte zwar ein, dass es für einen Ernteurlaub reichlich spät sei und er wolle sich nicht blamieren. Aber wenn der Ortsbauernführer zugestimmt hat, dann werde er es auch befürworten. Der Antrag kann morgen abgeholt werden und zum Kreisbauernführer gebracht werden.

In der Familie Pyka herrscht über unseren Erfolg große Freude und man zeigt sich uns gegenüber sehr dankbar. Wir erhielten ein gutes Abendbrot. Der Tisch in der Küche war weiß gedeckt. Es gab Schnitten, Rührei, Kartoffelpuffer und Kaffee. Ehrhardt, der 2. Sohn der Fam. Steinhorst war mit Gertrud auch da, und wir fuhren mit unseren Rädern gemeinsam nach Loben zurück. Ehrhardt hatte auf der Hinfahrt Panne mit seinem Rad und so nahm ich ihn zurück mit auf meinem Rade. Angekommen, schrie er laut auf, er habe sein Bein verloren. Er konnte nicht stehen, denn das Bein war ihm eingeschlafen.

18.09.1942
Der Tag wurde mal richtig totgeschlagen. Hätte eigentlich an Gitta schreiben müssen, aber ich bin ohne Lust dazu. Diese beschäftigungslosen Tage machen mich faul. Nach dem Dienst holte mich Ogefr. Negretti und Ritter zum Skat. Wir spielten fast 4 Stunden und ich gewann wie immer, seit ich beim Militär bin.

19.09.1942
Ritter hat wieder einmal großes Glück gehabt. Er fährt heute auf Urlaub. Ich gab ihm 1 ½ Brote und einen Brief für Gitta mit. Er will ja bei Gitta gleich morgen schon vorsprechen, aber ich glaube nicht dran, denn er verspricht immer viel und hält wenig. Vor der Abfahrt fuhr er noch nach Kochtschütz zu Familie Pyka. Frau Pyka gab ihm für den Urlaub 1 Ente, 1 Pfd. Butter, Brot und Kuchen mit. Ich glaube fest daran, dass sie nur aus edlen Motiven diese Werke übt. Horst lieh sich mein Fahrrad, um zur Bahn zu fahren. Das Rad stellte er im Hause Steinhorst unter, von wo ich es am Abend abholte. Frau Steinhorst und Gertrud waren beim Sägen und Holzhacken. Ich half eine Stunde dabei. Am Abend 19 30 Uhr war K.d.F. Veranstaltung in der Schulaula. 5 Mann Tanzorchester. Ausgezeichnete Kapelle. Eine Tänzerin brachte einen Puppentanz. Sie wurde mit herausfordernden Lachen vom Uffz. Chor empfangen. Das pöbelhafte Benehmen ist nicht wieder zu geben. Arme Luftwaffe! Die Tänzerin tanzte das Stück mit Mühe zu Ende und ließ sich nicht mehr sehen. Wir waren nachher alle der Meinung, dass die Veranstaltung durch diesen Vorfall bedeutend gekürzt worden ist. Um 21 Uhr war Schluß. August Braun und ich tranken im Café noch ein Bier und gingen zur Kaserne zurück.

20.09.1942
Mit einem Rosenstrauß, der 4,-- Mk. gekostet hat, trat ich heute meinen ersten offiziellen Besuch bei Fam Steinhorst an. Gertrud war bei ihrer Mutter in Kochtschütz und kam gegen 17 Uhr zurück. Es gab friedensmäßigen Kuchen und Bohnenkaffee. Bis kurz vor dem Abendessen musste ich mich mit Frau Steinhorst allein unterhalten. Wir sahen uns Familienfotos an und suchten mitunter nach neuem Unterhaltungsstoff. Gertrud war in der Küche und mit den Kindern beschäftigt. Und dann kam Oberlt. Meisel. Er aß zusammen mit uns Abendbrot. Belegte Brote und I a Kartoffelsalat. Da war alles drin. Den Abschluß bildete ein gemeinsamer Kinobesuch. „Schicksal" mit Heinrich George.

Ich brachte die Damen nach Hause und bekam ein großes Kuchenpaket mit. In der Kaserne angekommen, lief ich Hptfw. Hoffmann und Ogefr. Negretti in die Arme, die natürlich von dem mitgebrachten Kuchen kosten mussten.

21.09.1942
Nach dem Dienst war ich mit Heinz Stübler bei Frau Steinhorst. Ich hatte ihr am Sonnabend versprochen Holz hauen zu kommen. Stübler nahm ich mit, damit er mir hilft. Wir arbeiten bis es dunkel wurde. Gertrud musste einmal Rote Kreuzschwester spielen, als Heinz sich mit der Säge in den Finger riß. Sie war dabei ganz rot. Nach der Arbeit verabschiedeten wir uns kurz. Ich wollte nicht, dass uns Frau Steinhorst noch zum Abendessen einladet. Es soll nicht den Eindruck erwecken, dass wir nur auf Essen aus sind. Für alles, was ich erhalte, will ich auch stets etwas zurück geben. Anders darf es nicht sein, und es würde mir auch anders keine Freude machen. Zurück gekommen spielte ich mit Heinz 2 Partien Schach. Resultat 1 : 1 Heinz wird mir langsam im Schachspielen gefährlich.

22.09.1942
Ein ereignisreicher Tag. Erich Müller, Arno Müller und Kürschner waren über Nacht in Loben und mussten heute früh wieder nach Holland zurück. 3 Tage hin, 3 Tage zurück auf der Bahn. Organisation im 4. Kriegsjahr. 8 Uhr Appell. Vom Batl. sollen 6 Offz. 4 Uffz. und 38 Mannsch. nach dem Osten. Von unserer Kompanie geht Lt. Awe, Uffz. Völker, Flg. Stübler und noch 9 Kameraden. Ich kam nicht in die engere Wahl, weil ich als einziger über 34 Jahre alt bin. Ich war auch froh darüber, denn im Winter möchte ich freiwillig nicht in Russland leben. Lt. Awe ließ mich rufen. Ich soll versuchen, meine Prüfung auf schnellsten Wege zu machen, damit ich an Stelle von Uffz. Völker die Bekl. Kammer übernehmen kann. Stabfw. Schmook fragte ich danach, ob ich die Prüfung noch diese Woche ablegen kann. Darauf antwortete er: „Was heißt Prüfung. Du bekommst eine Bescheinigung und dann bist Du Kammerverwalter. Schließlich hast Du ja schon lange genug den Posten ausgefüllt." Na, mir soll’s recht sein, denn lernen kann ich auf dieser Verwaltung doch nichts mehr. Eher bringe ich denen noch was bei.

23.09.1942
Alles wieder umgestoßen. Es bleibt für mich beim Alten. Uffz. Völker wird nicht mitversetzt, da er zu lange aus dem Außendienst heraus ist. Wer weiß, wozu es gut ist. – Brief an Husung.

24.09.1942
Per Bahn nach Beuthen. Abholung von gereinigten Wollsachen für die zu versetzenden 44 Mann. Ich musste anschließend noch nach Tarnowitz. Ofw. Reis und Uffz. Haffstein begrüßt. Nachher Ofw. Herzberg aufgesucht. Er war sehr freundlich zu mir, zeigte mir die Batl. Kammer und seine Stube. Er kann zufrieden sein. Seine Ansicht ist, dass das Regiment nicht aufgelöst wird und dass wir noch Rekruten bekommen. Alle Anzeichen weisen aber darauf hin, dass wir in Loben die längste Zeit gewesen sind. Ich sehe keine Rekruten für Loben. Möglich, dass wir mit Tarnowitz zusammen geworfen werden. Aber dann geht noch ein großer Teil von uns an die Front. - Brief an Gitta.

25.09.1942
Heute morgen kam Lothar Sternberg vom Urlaub zurück und brachte von Gitta ein Päckchen für mich mit. Nachmittags 18 Uhr fahren die ausgesuchten Kameraden für den Osten ab. Wann werden wir folgen? Bei der Kreisbauernschaft sollen wir zum 15.10. abgemeldet sein. Hier sollen Panzertruppen herkommen. Mir ist es ziemlich gleichgültig und sehe der Entwicklung mit großem Optimismus entgegen. Vielleicht wirkt sich der gestrige Besuch bei Ofw. Herzberg günstig für mich aus. Lt. Leow sprach vor dem Gedenkstein der Komp. zu den nach dem Osten kommenden Kameraden herzliche Abschiedsworte. Es wird ernst. Er musste stark kämpfen, damit ihn die Rührung nicht übermannte. Uns wurde allen anders ums Herz. „Machen Sie’s gut, Mai", das war bei der Verabschiedung das Einzige, was der Leutnant noch heraus bringen konnte. Den anderen reichte er nur stumm die Hand. Ja, ja, man hat lange miteinander gearbeitet. Leow wurde vielfach verkannt. Im Grunde ist er allen sehr nahe und tut alles für seine Leute. Bevor er das Komp. Revier verließ, rief er mich heran und sagte: „Sehen sie sich die Vorschriften gut an und machen sie sich Auszüge." Ich weiß, er wird um mich immer bedacht sein. Mit Trauer im Herzen ging für uns alle dieser Tag zu Ende.

26.09.1942
Von 7 – 8 Strammexerzieren, aber ohne mich. Die Kommandierung zur Verwaltung hat doch was für sich. Nach dem Mittagessen gleich zu Frau Steinhorst. Habe ihr das zersägte Holz klein gehauen. Zwei große Blasen an der rechten Hand. Nach der Arbeit Kaffee bekommen. Butterbrötchen mit Bienenhonig. Dann zur Badeanstalt gefahren. 25 Personen vor mir. Baden verschoben, zurück zur Kaserne. Um 20 Uhr mit Gertrud im Kino gewesen. „Hochzeit auf Bärenhof". Nach der Vorstellung in der Bahnhofswirtschaft ein Glas Bier mit Gertrud getrunken und dann ganz artig nach Hause gegangen. Ich kann nicht ungezogen sein. Ist wohl auch gut so. Kaum in der Kaserne, gab’s Fliegeralarm. 1 ½ Stunden. Diesmal die Entwarnung nicht verschlafen.

27.09.1942
Wollte früh um 7 Uhr zur Messe gehen und mich dort mit Gertrud treffen, aber bin erst um 9 Uhr aufgestanden. Um 10 Uhr zur Messe. Die Kirche war sehr stark besucht. So ein Kirchenbesuch gibt erst die rechte Sonntagsstimmung. Zu Mittag gab’s Rinderbraten mit Rotkohl und Pudding. Nach dem Essen sofort auf’s Fahrrad gesetzt und nach Glinitz gefahren. Bei Fam. Pawolka wegen Eier angefragt. 7 Stück erhalten. Längere Zeit mit dem Ehepaar unterhalten. Sind in Gruppe 3 für Volksdeutsche eingereiht. Empfinden das als Gehässigkeit von Seiten der Gemeindeführer. Müßten nach ihrer Ansicht wenigstens in Gruppe 2 reinkommen. Sohn steht als Soldat an der Kanalküste. Auf der Rückfahrt in Kochtschütz angefahren. Ein Soldat aus dem Dorf war bei Pykas auf Besuch und Marie wurde ganz verlegen, als ich eintrat. Dabei könnte ich ihr noch nicht einmal einen Handkuß geben, wenn sie auch noch so ein liebes Mädel ist. Bevor ich losfuhr kam Gertrud mit einem jungen Mann per Rad. Sie war sehr übermütig und ihre dunklen Augen funkelten. Soll übermorgen zur Kartoffelernte kommen. Um 16 Uhr sollte ich zum Kaffee bei Fam. Steinhorst sein. Mit 10 Minuten Verspätung angekommen. Sie saßen bereits mit Oblt. Meisel am Kaffeetisch. Der Kuchen war wieder sehr gut. Obltn. Meisel war in Abschiedsstimmung. Um 19 Uhr musste er mit Lt. Nachbar, der später auch noch kam, Loben verlassen, um nach Groß Börn zu fahren. Es schien ihm sehr schwer ums Herz zu sein und sagte nur immer „Ja, ja.", wobei er tief Atem holte. Er beklagte sich auch mehrmals über den Kommandeur. Ich blieb noch zum Abendbrot und verabschiedete mich vor 22 Uhr. Soll auch an Wochentagen, wenn ich Langeweile habe, sie besuchen kommen. Bin jederzeit gern willkommen. Und das, wo wir Loben bald verlassen müssen. Noch liegt kein bestimmter Termin vor, aber lange ist unser Bleiben hier bestimmt nicht mehr.

28.091942
Wenn es nach dem Gerede und den Gerüchten geht, dann würden wir bald in Bordeaux, Odessa, Protektorat, Elsaß, Tarnowitz, Charkow usw. sein. Man könnte sich darüber amüsieren, wenn nicht doch ein bisschen Ernst dahinter stecken würde. Am Abend sprach mich Lt. Leow an und fragte: „Na, Woelky, wie steht’s?" „Weiß nicht, Herr Leutnant." „Nein, ich meine, wie es ihnen geht, wie ist die Stimmung?" „Ach, Herr Leutnant, mir geht’s gut." „So, wollen sie denn gern weg aus Loben?" „Herr Leutnant, wir sind doch Soldaten, und wenn es sein muß, nun, dann gehen wir eben." „Da haben sie recht", und er musste lachen. Er fragte noch wegen Urlaub, Familie und die Frau nicht mal herkommen kann. Und dann fragte ich wegen Sonntagurlaub zum 4. Oktober. „Schreiben sie den Urlaubsgesuch und geben sie die Fahrzeiten an." „Jawohl, Herr Leutnant!" – Er ist bestimmt ein guter Mensch. Schade, dass er so wenig Freunde findet. Er könnte sie manchmal gebrauchen. Es würde ihn froher und zufriedener machen. Ich werde mich immer für ihn einsetzen. – U.v.D.

29.09.1942
Preisschießen der Kompanie. 92 Ringe bei 6 Schuß erreicht. 150m Entfernung. Eine 3 war darunter. Brauch mir darauf wirklich nichts einzubilden. Nach dem Dienst fuhr ich mit dem Rade hinaus nach Kochtschütz. Habe beim Kartoffeln Einlagern geholfen. Gertrud und Maria waren unheimlich ruhig, als ich sagte, dass wir wohl nur noch 14 Tage hier sein werden. Sie waren sehr ernst, schenkten mir heimlich 4 Eier. Frau Pyka setze mir frisches Bauernbrot und Kuchen vor. Nach 21 Uhr fuhr ich allein zurück, denn ich werde wohl nicht lange schlafen können. Heute nacht soll Alarm sein.

30.09.1942
2 Uhr Alarm. übungsalarm. Wir zogen in Richtung Koschmiede. 6 Mann und ich stellten russ. Fallschirmspringer dar, die eine Rüstungsfabrik hinter den Deutschen Linien sprengen sollten. Die anderen hatten das Werk vor uns zu schützen. Truppweise schlichen wir uns im Mondschein zur Lissmühle vor. Es gelang mir als einzigen in das Haus einzusteigen und die Sprengladung anzubringen. Unbehelligt kam ich als erster wieder zum Ausgangspunkt zurück. In der Nähe unseres Zeltes lag ein Gehöft. Hier bekam ich Kaffee und Brot. Uffz. Hentschel und Negretti holte ich auch noch rein, die ebenfalls frühstücken konnten. Den 2. Teil der übung bestand darin, dass uns die „Deutschen" suchen mussten. Wir tarnten unser Zelt so großartig in ein Dickicht hinein, dass einige in einer Entfernung von 3 Schritt daran vorbei gingen ohne uns zu bemerken. Wir konnten das Feuer aus dem Hinterhalt eröffnen und die Schiedsrichter erklärten uns als Siegerpartei. Wir sieben waren sehr stolz darauf. Zumal wir alles „alte Knochen" waren. Um 12 Uhr war die übung beendet. 18 Uhr Gemeinschaftsempfang. Der Führer sprach anlässlich der Eröffnung des Winterhilfswerkes.

1.10.1942
Preisschießen des Batl. 88 Ringe und ein Treffer. Habe mich sehr geärgert, wäre sonst mit einer von den Besten gewesen, wenn es auch keine besondere Leistung bedeutet. Auf dem Schießstand war heute ein Gefreiter aus der 4. Kompanie, der hatte ein blaues und ein braunes Auge.

2.10.1942
Wieder mal gut hingekriegt. Ich fahr heute Nachmittag mit einem Marschbefehl versehen nach Berlin. Auf Sonntagsurlaub

3.10.1942
Nach ununterbrochener 14 stündiger Fahrt heute früh 6 Uhr in Berlin angekommen. Ich bin in froher, glücklicher Stimmung. Ganz anders, als vor 6 Wochen. Gitta kam aufmachen. Fragte vorher, wer da sei. Ich sagte: der Gasmann. Sie ahnte nicht, dass ich es bin. Um so größer war die überraschung. Tante Mika hatte bei Gitta übernachtet und half ihr bei der Arbeit. Am Vormittag die Aufträge für die Komp. Und Verwaltung erledigt. Reichssportfeld. Gegen Mittag Horst Ritter in seiner Wohnung Chausseestr. 17 aufgesucht. Vater von ihm schwer zuckerkrank. Mutter Ritter macht einen sehr nervösen, leicht verhärmten und verärgerten Eindruck. Es scheint halb so schlimm mit dem Wohlstand und der gesellschaftlichen Stellung der Familie Ritter zu sein. Horst scheint sehr zu übertreiben. Hatte schon immer den Eindruck. – Gitta fühlte sich gesundheitlich nicht besonders, machte aber alles, um es mir gemütlich zu machen und war sehr um mich besorgt. Es ist herrlich einen liebenden Menschen um sich zu haben. Otfried ist immer ein großer Schelm. Ein wenig erkältet. Micha sehr lieb, doch zu mädchenhaft und plump. Regina echt weiblich und mütterlich. Kann den Vati nicht genug umsorgen und lieb haben. Am Abend Mutter besucht. Sie freute sich auch sehr über meinen Besuch. Hans Weigt kam sich verabschieden. Sein Urlaub war zu Ende. Gegen 23 Uhr lag ich mit Gitta im Bett. Hochzeitsnacht.

4.10.1942
Gittas Geburtstag. Die Kinder gingen im Gänsemarsch voraus und dann gratulierten wir die Mutti. Gitta war glücklich. – Mit Regina zur Bandelstr. gegangen. Den alten Stanko getroffen. Hat 100 Pfund abgenommen. Habe ihn kaum wieder erkannt. Zum Kaffee kamen Mutter und Lucie, Tante Hedwig Schur mit Marga und Tante Mika. Gegen Abend Familie Heim jun. und Vater Reisch. Vater kam aus Schlesien zurück. Mir hat dieser Tag sehr viel gegeben. Und ich schied ruhig und zufrieden, ja glücklich, von meinen Angehörigen. Ich verspürte keinen Abschiedsschmerz, denn ich hinterlasse alles in bester Ordnung. – Ich bin verliebt in meine Frau, aber diese Liebe schenkt mir Ruhe. Auf dem Bahnhof Zoo traf ich mich mit Horst Ritter, und wir fuhren bis Breslau zusammen. Dann trennten sich unsere Wege. Er fuhr noch auf einen Tag nach Beuthen. Zu Rosemarie. Warum ?

5.10.1942
Viel Lauferei zu den Kompanien. Es sieht wieder so aus, als ob wir noch über den 15.10. hinaus hier bleiben sollten. Hundemüde lag ich schon vor 20 Uhr im Bett. Und gestern noch war ich bei Gitta und meinen lieben Kindern.

6.10.1942
Heute ist Dienstag. Letzten Freitag bekam ich den Auftrag von Insp. Spörl, die Kammerbücher und Belege der Komp. nachzuprüfen, obwohl sie bereits von Stabsfw. Schmook abgehakt und nachgesehen waren. Ein sonderbarer Auftrag. Ich versuchte um die Erledigung drum rum zu kommen. Heimste mir dabei aber eine anständige Zigarre ein. Nun musste ich es doch machen. Fühlte mich aber nicht froh dabei. Schließlich bin ich nur Gefreiter und kein Inspektor. Um 20 Uhr hielt ich dann bei Insp. Spörl Vortrag über meine Arbeit und musste ihn leider auch auf einige Fehler in den Büchern und Belegen hinweisen. Er machte sich die notwendigen Notizen. Bei Stfw. Schmook stehe ich ja nun im schlechten Licht. Er ist sehr verärgert. Ich wär’s vielleicht noch mehr als er. Aber ich kann doch nichts dagegen tun. Er drohte mir sogar, dass er mir die Hölle heiß machen würde, sollte ich einmal unter ihm Bekleidungsverwalter einer Komp. werden. Vor Drohungen habe ich ja nun wieder gar keine Angst, und er würde wohl dabei nur den kürzeren ziehen. – U.v.D. – Kurzer Brief an Gitta.

7.10.1942
Assistiere bei Insp. Spörl. Schmook scheint sehr verärgert. Meinetwegen. – Mobdienst. Bis um 24 Uhr Skat gespielt.

8.10.1942
Dasselbe wie gestern.

9.10.1942
Lt. Leow sprach mit Insp. Spörl tel. über meine Prüfung. Soll sie vorzeitig machen, damit ich am 20. die Rekruteneinkleidung machen kann. Spörl war nicht damit einverstanden. Ich müsste bis zum 31. in der Verwaltung bleiben. Lt. Leow wird mich wohl daraufhin zurück ziehen. Es ist zum K.

Nachmittag in Tarnowitz und Beuthen zwecks Abholung der Wollsachen.

10.10.1942
Unser „Dicke", Uffz. Witthinrich, spazierte heute auf 3 Tage in den Bau. Er hat in maßloser Trunkenheit ein wenig zu toll auf die Pauke gehauen, sodaß es bis zum Kommandeur gedrungen war. – Kinobesuch „Polizeikommissar Vargas". Blöder ital. Film. Habe mir den Film nicht bis zum Schluß angesehen. – Insp. Spörl sprach heute mit mir darüber, dass ich zum 20. von der Verwaltung beurlaubt werden soll, um die Einkleidung vornehmen zu können und dann anschließend die Prüfung machen soll. Also doch. Auf einmal geht’s doch.

11.10.1942
Um 10 Uhr zur Messe im Oblatenkloster. Nachmittag beteiligte sich das Batl. am Wehrsporttag der S.A. Ich hatte erst U.v.D. zu spielen, konnte aber schon gegen 16 Uhr abhauen. Erst bei Frau Steinhorst Kaffee getrunken. Anschließend nach Kochtschütz gefahren. Sollte die Tochter, Irmhild, zurück holen, die bei Pyka’s auf Besuch ist. Sie blieb aber dort. Nach einem kurzen Abendimbiß zurück nach Loben und noch mal gründlich bei Steinhorst’s zu Abend gegessen.

12.10.1942
Fahrt nach Beuthen. Endlich die Wintersachen restlos zurück geholt. Auf der Rückfahrt nach Tarnowitz in Neudeck Halt gemacht und im „Fürstlichen Gasthaus" gut gegessen. Als ich um 19 Uhr 20 in Loben mit dem Wagen ankam, war das ganze Batl. zur K.d.F. Veranstaltung.

13.10.1942
Man wird von Tag zu Tag unlustiger und müder. Der Dienst ist eintönig. Der Abend brachte endlich wieder mal eine Abwechslung. Ich ging mit Horst zusammen in die Klause und anschließend zu Steinhorst’s. Wollte von dort mein Rad abholen. Wir wurden aber doch zu einem Cognac eingeladen und aßen Gebäck dazu. Frau Steinhorst hatte ihren Bruder, ein Feldwebel der Infanterie, zu Besuch und gingen einer Einladung zufolge zum Nachbar. Wir durften mit Gertrud allein im Haus bleiben. Gertrud machte uns ein gutes Abendbrot und das Radio sorgte für Unterhaltung. Es kam zu einer angeregten Debatte, als Gertrud erzählte, dass ihr Cousin in letzter Zeit ihr wieder nachstelle und bedrohe. "Wenn ich von diesem Menschen nicht erlöst werde, dann nehme ich mir noch einmal das Leben." Er hat ihr gedroht, dass er eher seine Nebenbuhler erschießen werde, als dass er sie mit einem anderen Mann am Altar sehen werde. – Und dabei sind die Beiden verwandt. – Wir verabschiedeten uns erst um 23 Uhr 30. Frau Steinhorst kam grad mit ihrem Bruder von Fam Lehmann zurück.

14.10.1942
Hatte heute mit der Heeresstandortverwaltung zu tun. Das Verhältnis zu uns ist das denkbar schlechteste. Haben unsere Inspektoren daran schuld? – Die am 20. kommenden 1000 Rekruten sollen nur eingekleidet werden und wieder fortkommen. Werden dann das 1. und 2. Batl. zusammen geworfen? Siedeln wir nach Tarnowitz über? Es sieht beinahe danach aus. Aber dann kommt es wieder auf das pers. Glück an. Toi – toi.

15.10.1942
Ich muß morgen meine Zeit bei der Verwaltung unterbrechen und wieder die Kammer übernehmen. Uffz. Völker wird zum Sportlehrgang nach Lindewiese geschickt. Heute Vormittag Waggon mit Bekleidung auf der Bahn leer gemacht und nach Baracke 18 geschafft. Aufteilung der Sachen an die Kompanien.

16.10.1942
Empfang von Bekleidung und Ausrüstung für unsere Komp. Arbeiten auf der Kammer.

17.10.1942
Kammer wird mit Hochdruck in Ordnung gebracht. Nach Dienstschluß nicht ausgegangen, sondern Umzug nach Baracke 12. Der Nachmittag verging mit Einräumen und Einrichten.

18.10.1942
Nach dem Frühstück nach Kochtschütz zur Messe gefahren. Aufnahme von der Kapelle gemacht. Nachher zu Pyka’s rangefahren und zu Mittag geblieben. Mußte dann aber eilig zurück fahren, da ich Mobdienst hatte. – Gelesen, geschrieben, früh schlafen gegangen. Und draußen ist Regenwetter.21 Uhr ging das Licht aus.

19.10.1942 - 22.10.1942
Keine besonderen Ereignisse. Viel Vorarbeiten für die erwarteten Rekruten. Einräumen der Baracken. Das elektr. Licht brannte fast keinen Abend, sodass man notgedrungen früh schlafen ging. 1. Brief an Michael

23.10.1942
In der Nacht gegen 3 Uhr kamen die Rekruten an. Für unsere Komp. 152 Mann. Größtenteils Düsseldorfer. Nervöse Menschen. Sehen alt aus und sind erst 18, 19 Jahre. – Um 10 Uhr begann ich mit der Einkleidung. Erst durchweg Drilchzeug und Schuhe .Anschließend Wäsche etc. Um 16 Uhr musste ich die Einkleidung unterbrechen da Unterricht abgehalten werden musste .

24.10.1942
Die Einkleidung konnte erst wieder nach 10 Uhr fortgesetzt werden. Vorher war Nachmusterung nach Berufe. Am Abend (20 Uhr) bei Frau Steinhorst. Gertrud feierte ihren 21. Geburtstag. Es gab Gebäck und Likör. Morgen sollen wir zum Kaffee kommen. Horst hatte Blumen geschickt.

25.10.1942
Bis zum Mittag hatte ich mit Einkleiden und Versetzungen zu tun. Bathen und Wicharz kamen weg. Um 16 Uhr waren wir bei Steinhorst. Gauleiter Bracht war in Loben und die Stadt hatte sich besonders festlich geschmückt. So gingen auch Horst und ich in festlicher Stimmung zum Kaffee. Der Kuchen war wie immer ausgezeichnet. Die Unterhaltung wurde von Frau Steinhorst geleitet. Horst versuchte dann Klavier zu spielen. Gertrud sprach kaum etwas, sondern lauschte den Gesprächen wie ein aufmerksames Kind. Nach dem Abendessen gingen wir gemeinsam ins Kino „Rembrandt". Ein herrlicher Film. Ich war begeistert. Während der Vorstellung , es war grad Wechsel der Filmrollen und der Saal erleuchtet, kam ein junger Mann durch und schaute hinauf, wo Gertrud, Horst und Frau Steinhorst saßen (ich hatte einen extra Platz weiter unten). Der Mensch kam mir bekannt vor, und ich ahnte, dass es der Cousin von Gertrud ist. Frau Steinhorst hatte ihn auch bemerkt und bat mich nach der Vorstellung sie nach Hause zu begleiten. Wir gingen voraus. Wie vermutet, stand Janneck (so heißt er mit Vornamen) im Garten des Hauses und wartete. Ich ging auf ihn zu und machte ihm Vorwürfe, dass er in seiner Eifersucht noch nicht einmal vor schwangere Frauen Rücksicht nehme und in fremde Gärten eindringe. Auf ihn aber machte nichts Eindruck und nach einer halben Stunde gab ich’s auf. Horst hatte sich während dessen einen Polizisten besorgt. Ich war aber schon fort, als er ankam. Wußte auch von seinem Vorhaben nichts. Gefunden haben sie ihn aber nicht mehr im Garten. Oder hat Horst mir etwas vorgeredet. Jedenfalls war Janneck noch bis um ½ 1 Uhr nachts im Garten der Frau Steinhorst und hat gedroht und nach Gertrud gepfiffen.

26.10.1942
Nur Arbeit mit den Rekruten. Mob.

27.10.1942
Soldbücher ausgeschrieben. Am Nachmittag Teilnahme an dem Besuch beim Heeresbekleidungsamt Loben durch das Uffz. Corps. Wurde besonders durch den Komp. Chef hierzu eingeladen. Die Besichtigung war hoch interessant und gab einen überblick über die gewaltigen Mengen, die die Kriegführung allein schon an Bekleidung erfordert. Auf dem Rückweg ging ich bei Steinhorst vorbei. Ich verabredete mit Gertrud, dass wir morgen Abend zusammen nach Kochtschütz fahren werden. Frau Pyka wollte für mich ein Brot mitbacken, dass ich mir morgen abholen soll. Am Abend mit Uffz. Völker im Kino „Diener lassen bitten", lustig und blöd.

28.10.1942
Teilnahme an der Bekleidungsabnahme durch die Bekleidungskommission. Nach der 10. und 5. Komp. kam die 3. Komp. ran. Bei uns hat verhältnismäßig alles gut hingehauen.

Um 18 Uhr fuhr ich mit Gertrud und ihrem Bruder Hubert zusammen nach Kochtschütz. Leider umsonst, denn das Brot hatte man an eine andere Familie weiter gegeben. Soll kommenden Sonntag dafür eines haben. Die Unterhaltung ging hauptsächlich um das Schreckgespenst der Familie „Janneck". Man glaubt, dass er seine Drohung ernst machen wird und Gertrud bei Gelegenheit runterknallt. Auf der Rückfahrt nahm ich die Situation wahr und redete Gertrud alle Rosinen aus dem Kopf, die sie sich womöglich doch mit Horst in den Gehirnskasten gesetzt haben könnte. Aber sie stritt ja ab, irgendwelche ernste Absichten zu hegen oder zu erhoffen. Na, dann gut.

29.10.1942
Skat bis in die Nacht hinein. Der Spieß, Hermann Meier, Horst Ritter und ich. 11,35 Mk. gewonnen.

30.10.1942
Ein Wetter wie im Frühling. Morgen soll ein Teil der Rekruten abfahren.

31.10.1942
43 Rekruten mussten in den Feldanzug umgekleidet werden. Nach 2 Stunden war bereits Appell. Anschließend Soldbücher umgeschrieben. Um 21 Uhr war Feierabend. Ins Bett.

1.11.1942
Einladung zum Gänsebraten bei Pyka’s. Wir fuhren um 10 Uhr zusammen mit Gertrud raus. Angekommen – gleich Kuchen gegessen. Hatte der Emma, Gertrud’s Schwester, versprochen von ihr Aufnahmen zu machen und ging mit dem Foto bewaffnet zur Kirche, um Emma von dort abzuholen. Wir gingen sodann in den Schlosspark, wo ich einige Bilder von ihr machte. Nach dem Essen fuhr Frau Pyka nach Kochanowitz zum Friedhof. Emma ging zur Andacht. Maria fuhr nach Loben zum Kinobesuch. Horst, Gertrud und ich gingen in den Schlosspark. Wir suchten zwei schöne Herbststräuße zusammen. Ich ärgerte mich sehr, dass ich keinen Film mehr hatte. – Den letzten neu eingelegten Film verdarb mir Hubert nach dem Mittagessen, in dem er meinen Apparat vornahm und ihn genau untersuchte. Das war was Fremdes für ihn. Den verdorbenen Film hat er nachher verkauft. Er will mir ja einen anderen besorgen. – Auf dem Spaziergang sprachen wir nur wenig miteinander und am liebsten, glaube ich, wär jeder gern allein gewesen. Die Natur und der Park stimmten uns dazu. Aber auch Janneck, das Schreckgespenst, war in Kochtschütz, und jeder beschäftigte sich im Stillen mit ihm. Nach dem Kaffee fuhr Horst und Gertrud bald zurück nach Loben. Sie fuhren einen Umweg. Ich blieb bei Frau Pyka und wartete auf Maria, der ich mein Rad geliehen hatte. Nach 19 Uhr klopfte es stark und Jannek Schlesionna und sein Bruder kamen. Das Gespräch kam bald auf Gertrud. Er war ärgerlich, dass sie ihm wieder entwischt war. Der Mutter erzählte er über die Tochter die ungeheuerlichsten Geschichten. U.a., dass Gertrud durch ihn schon 2 x in anderen Umständen gewesen sei. Am Ende drohte er, dass er nun bald seinem und Gertruds Leben ein Ende machen wird. Der Bruder saß traurig dabei. Nach einer Stunde gingen sie wieder. Auf dem Heimweg fuhr ich nochmals bei Steinhorst mit ran. Es war nach 10 (22) Uhr. Horst war noch da. Sie warteten auf mich und wollten hören, ob Jannek noch da gewesen ist. Während ich kurz erzähle, gellt draußen unter dem Fenster der Wohnung ein schriller Pfiff, ein richtiger Ludenpfiff, auf, dass uns allen im Moment der Schreck in die Glieder fuhr. Es war Jannek, der wieder im Garten lauerte und seine Eifersucht nährte. Dabei muß er morgen früh in Kattowitz sein, wo er in der Nähe in einem W – Betrieb arbeitet. Wir empfahlen den Frauen das Haus abzuschließen und sich nicht zu melden. Wir verabschiedeten uns sodann gleich. Jannek war nicht zu sehen – und doch war er noch da.

2.11.1942
Fuhr in der Mittagszeit zu Steinhorst. Jannek hat gestern noch bis 23 Uhr 30 sein Unwesen im Garten getrieben. Ich gab den Rat, die Angelegenheit der Partei zu übergeben.

3.11.1942
Wir saßen in der Stube von Uffz. Kremp und spielten Skat. Es war bereits ¼ Stunde vor 24 Uhr, als Horst reinkam und meldete, dass er auf dem Heimweg in der Nähe des Amtsgerichts beschossen worden ist. Er machte Meldung beim O.v.D. Wer war der Schütze? Schlesionna oder ein anderer Peronna?

4.11.1942
„Die große Liebe" zusammen mit Horst und Gertrud angesehen. Heute verließen die letzten Rekruten Loben. Was wird nun aus uns?

5.11.1942
Die Tage waren ausgefüllt mit schriftlichen Arbeiten für die Kammer. Von 16-18 Uhr war Filmvorführung bei der 4. Kompanie, Lehrfilm über Geländekampf und Stoßtruppunternehmen. Als wir rauskamen, war es stockdunkel und ich stürzte über einen Fahrradständer, in dem ein Fahrrad stand. Den Schemel hatte ich über die Schulter zu hängen. Als ich mich aufrichten wollte, hatte ich ein steifes Genick und konnte die Arme nicht heben. Den Abend verbrachten wir beim Skatspiel. Revanche hatten sie von mir gefordert. – Und sie haben wieder bezahlen müssen. Mein Genick macht mir ernstlich zu schaffen. – Urlaub nach Berlin abgelehnt.

6.11.1942
Habe schlecht geschlafen. Mußte 4 x in der Nacht raus und wusste nicht, wie ich im Bett hoch kommen sollte. Den Tag über auf der kalten Kammer gearbeitet. Das Wetter ist nasskalt. Um 18 Uhr liege ich im Bett. Kann den Kopf kaum bewegen. Das Genick ist vollkommen steif – und Horst fuhr am Nachmittag nach Berlin.

7.11.1942
Liege im Krankenrevier. Das 1. Mal während meiner Soldatenzeit. Aber ich musste heute zum Arzt. Es ging nicht mehr. Am frühen Morgen hatten wir Vollzähligkeitsappell. Der Zweck war zwar ein anderer, aber die Durchführung war schlecht. Um 11 Uhr zog ich ins Revier ein. Ich liege als einziger hier. Es ist ja auch Sonnabend. Und draußen nieselt es. Die Sanis sind freundlich und hilfsbereit.

8.11.1942
Von Gitta einen Brief. Das war ein Trost für mich armen Kranken. Wollte doch heute in Berlin sein. Am Vormittag lieferten sie meinen Stubennachbarn Uffz. Marowsky ein. Ist in der Dunkelheit in einen Gully getreten und hat sich den Fuß verstaucht mit Bluterguss. Ein trüber, langweiliger Tag.

9.11.1942
Wieder ein Brief von Gitta. Horst hat ihr am Sonnabend das große Bauernbrot von Pykas hingebracht. über Sonntag hat sich etwas angesponnen: wir sollen endgültig von hier fort. Es wird bereits gepackt. Wohin? Keiner weiß es genau. Südöstlich von Warschau sagt man. – Die Steifheit im Genick ist fast gänzlich fort, nur Schmerzen in Schulter, Genick und rechte Kopfhälfte sind immer noch.

10.11.1942
Vorkommando ist noch nicht weg. Am Vormittag sprach man von Kowno. Nun soll es aber nach Briansk gehen. Na, viel Vergnügen. Haben wir wenigstens die Aussicht mal auf Sonntagsurlaub nach Moskau zu fahren. Und das nicht nur zur Sommerzeit. – Ist es eine kleine Gehirnerschütterung und eine Sehnenzerrung? Die komischen Schmerzen wollen nicht verschwinden. Heute erster Schnee.

11.11.1942
Es wird mit den Schmerzen im Genick nicht besser. Habe aber trotzdem keine Ruhe zum Liegen. Auf eigenen Wunsch aus dem Revier entlassen.

12.11.1942
Es geht mit Hochdruck. Auf der Kammer fand ich alles drunter und drüber vor. Wir geben zusätzliche Winterbekleidung aus. Hatte bis nach 24 Uhr zu tun. Brief an Gitta. Am Morgen 9 Uhr kam die x Zeit heraus, d.h. in 72 Stunden marschbereit sein. Und morgen ist der 13.

13.11.1942
Ich hatte doch gestern den ganzen Tag das Gefühl, dass heute irgend etwas Erfreuliches für mich eintreffen muß. Der 13. war doch für mich immer ein Glückstag. Und tatsächlich! Am Vormittag kam Lt. Leow und sagte: Die Kammer wird nicht verladen, sondern wird hier übergeben. Woelky, sie sind als Nachkommando eingesetzt und werden die übergabe erledigen! Ich rette mir dadurch mehrere Tage Osten. Für heute Abend war Komp. Abschiedsfeier angesetzt. Soldatenheim, Loben. Der Anfang ließ sich gut an. Vor Eröffnung des Abends kam der Leutnant auf mich zu und sagte mir, dass ich wahrscheinlich noch mal nach Berlin fahren könnte und zwar zum Luftbekleidungs-Verkaufsbüro. Wenn die anderen fort sind, dann sollte ich dort für die Selbsteinkleider noch Verschiedenes einkaufen. Ja, Glück muß man haben. Schade, dass Leutnant Leow seit heute 12 Uhr nicht mehr unser Komp. Chef ist. Er war mir gegenüber immer sehr aufmerksam. Ich werde ihn auch immer ein gutes Andenken bewahren. Der Komp. Abend klang mit einem großen Misston aus. Der Wein hatte zu früh seine Wirkung getan und es musste rechtzeitig abgebrochen werden. Der Leutnant war bis zu Letzt um alle bemüht und das Uffz. Corps versagte wieder mal vollständig. Wie werden sich diese Menschen vor der Front bewähren. Ich sehe da keine großen Lorbeerbäume aus dem Boden schießen. Aber die Front soll ja auch erst den Menschen zum Menschen machen.

14.11.1942
Wir verladen. Die 3. und 5. Kompanie sind zusammen gelegt. Hptw. Thormalen ist unser neuer Spieß. Am Nachmittag kam die zusätzliche Winterbekleidung an . übermäntel, Pelzweste, Knieschützer, Schneeanzug und Fausthandschuhe. Einkleidung bis in die Nacht hinein. Auf dem neuen Verteilerplan steht Uffz. Völker nicht mehr auf der Funktionsliste. Ich bin als 3. Bekleidungsverwalterangesetzt. Es kann alles noch anders kommen. Vorerst bin ich noch als Nachkommando in Loben.

15.11.1942
Die ganze Nacht hindurch haben wir verladen. Früh um 6 Uhr fuhr der letzte Wagen voll zum Bahnhof. Um 7 Uhr 30 stand das Batl. abmarschbereit. Ich ging mit zum Bahnhof. Sehr nasskaltes Wetter. Die Mannschaften sind in Güterwagen untergebracht. Nur junges Lobener Gemüse war zum Abschied da. Einige Offiziersfrauen noch. Sonst hatte die Lobener Bevölkerung den Abmarsch kühl hinter den Stubengardinen beigewohnt. Ich besorgte die Post für das Batl. Auf dem Rückweg ging ich bei Steinhorst an, wo mir Frühstück vorgesetzt wurde. Um ½ 11 ging ich mit Gertrud noch schnell zum Bahnhof. Frau Steinhorst gab Kuchen und Zigaretten für Horst mit. Wir kamen grad noch zur Zeit. 10 Uhr 45 fuhr der Transport ab. Ruhig und ohne Hallo. 11Uhr 30 Besprechung bei der Verwaltung. Wir verpflegen uns die restliche Zeit selbst. Insgesamt sind wir noch 18 Mann. Von unserer Kompanie außer mich noch Uffz. Hentschel und Gefr. Spallek. Letzterer ist a.v.H. und bleibt für immer in Loben. Nach kurzem Schlaf ging ich zum Kaffee bei Steinhorst. Am Abend kam aus Berlin Frau Schröder-Richter zu Besuch an. Warmes Abendessen. Entenbraten. Vorher musste ich noch einen Karnickel schlachten.

16.11.1942
7 Uhr Wecken, 8 Uhr Antreten, 12 – 14 Uhr Mittag, 17 Uhr Feierabend. Wir sind in der Steinkaserne in 2 Zimmer der 5. Komp. untergebracht. Der Tag verging mit Umziehen und Kontrollgängen durch die verlassenen Baracken. Am Abend in der Klause warm gegessen und dann ins Kino. Zapfenstreich ist für uns aufgehoben, solange wir uns gut führen. Dieses Leben ist zu ertragen. Habe an Gitta geschrieben, dass sie nach Loben kommen soll.

17.11.1942
Mit Schwung an die Aufräumarbeit in der Kammer. 3 Wochen habe ich vollauf zu tun, bis alles übergabefertig ist. Nach Dienst baden gewesen und im Anschluß daran Frau Steinhorst besucht. Der älteste Sohn liegt an der Leber. Im Laufe der Unterhaltung kamen wir auf unsere Offiziere zu sprechen und musste leider hören, dass sie in Loben nicht im besten Ruf stehen. Die letzten Tage vor dem Abmarsch sind in niedriger Weise verlebt worden. Die hier weilenden Offiziersfrauen haben es für gut befunden, dass ihre Männer endlich hier raus gerissen werden.

18.11.1942
Telegramm an Gitta. Fahre morgen mit Inspektor Wurl und Stabsfeldwebel Hoppe nach Berlin um Einkäufe für die Offiziere zu tätigen. Werde dann bis Montag zu Hause sein können. – U.v.D.

19.11.1942
Die Pakete und Päckchen für die abgereisten Kameraden werden auf Veranlassung des Komp. Führers von uns geöffnet und auf verderbliche Lebensmittel hin nachgesehen. Der Wert der entnommenen Waren wird taxiert und aufgeschrieben. Es kommt einiges zusammen, wodurch ich heute ein nettes Paket mit nach Berlin nehmen kann.

20.11.1942
Fahre erst heute nach Berlin. Durch eine Besichtigung vom Luftgau aus, musste ich hier bleiben. Und Gitta wird warten. Es ist z. k.

21.11.1942
Gestern Mittag mit Insp. Wurl und Stabsfw. Hoppe von Loben abgefahren. Die Fahrt nach Berlin ging über Halberstadt, wo ich Handballschuhe einkaufen musste. In Coswig Bez. Dresden hatte die Lokomotive Panne und musste ausgewechselt werden. 2 1/2 Stunden Verspätung. Fahrplanmäßig sollte ich 1 Uhr 35 in Magdeburg sein und hätte Bruno besuchen können. Nun wurde nichts daraus und ich musste die Nacht in Leipzig zubringen. 20 Uhr Ankunft in Berlin. Hatte soviel zu schleppen, dass ich kaum durch die Türe damit kam. Am Vormittag ist Hermann aus Russland auf Urlaub gekommen. Abends war er mit den Eltern und Tante Mika im Kino und alle kamen nachdem zu uns. Es war ein freudiger Abend.

22.11.1942
Am Vormittag Mutter und Schwägerin Käthe besucht. Am 16. ist Manfred angekommen und wir besuchten nun den neuen Weltbürger. Er sieht gut und gesund aus. Frau Hartmann sehr schmal geworden. – 5 Uhr Messe. – Zum Abend waren die Eltern, Hermann, Josef, Mutter, Lucie und Georg zu Besuch. Man war wieder mal ganz Zivilist und alles war vergessen.

23.11.1942
Einkauf von Winterbekleidung bei der L.V.A. in der Puttkammer Str. Der Nachmittag ging dabei drauf. Ich hatte abends nur noch eine Stunde Zeit und musste mich dann zur Rückfahrt fertig machen. Gitta kam mit zum Bahnhof. Als der Zug einlief, war heftiges Gedränge und auch gleich wieder Abfahrt. Ich konnte mich gar nicht recht von Gitta verabschieden. Doch ich werde versuchen noch einmal nach Berlin zu fahren.

24.11.1942
Wieder in Loben. Um 9 Uhr wieder in der Kaserne. Es ist Winter geworden und es liegt viel Schnee. Traurig und trostlos wie die Natur ist mein Herz. Es ist 18 Uhr – und ich bin müde.

25.11.1942
Gut ausgeschlafen. Mittag esse ich im Soldatenheim. Besuch bei Steinhorst. Man war sehr freundlich, aber kühler, als wenn ich mit Horst da war. Verabschiedete mich bald. Draußen ist hässliches Winterwetter. Ich bin durchgefroren und müde und hier gibt es keinen gemütlichen Raum.

26.11.1942
Wollte ins Kino gehen, aber ich bin müde. Das Wetter stimmt traurig und macht beinahe ängstlich, wenn man an Russland denkt.

27.11.1942
Die Kammer bietet langsam wieder einen geordneten Anblick. Ich habe bestimmt noch 10 Tage zu tun, bis alles übergabefertig ist. Am Abend warm im Soldatenheim gegessen. Später mit Raue und Wattenberg im Schützenhaus gesessen und Skat gespielt.

28.11.1942
U.v.D. Draußen schneit es. Ich kann endlich wieder mal meine Post erledigen und niemand ist da, der mich stört.

29.11.1942 – 4.12.1942
Tage voller Gleichmäßigkeit. Arbeiten auf der Kammer.

5.12.1942
Am Abend Abfahrt nach Berlin, zusammen mit Stabsfeldwebel Hoppe, Gefr. Lehmann und Gefr. Wattenberg. Einkäufe für das Batl.

6.12.1942
6 Uhr Ankunft in Berlin. Schwager Hermann ist gestern unverhofft auf Urlaub gekommen.

7.12.1942
Einkäufe für das Batl. in Berlin.

8.12.1942
Wir hätten schon wieder in Loben sein müssen. Einige Besorgungen konnten aber erst heute erledigt werden und so fahren wir auf eigene Verantwortung erst heute Abend zurück. Gitta kommt mit nach Loben. Ich freue mich sehr auf die kommenden Tage. Wer, weiß wann ich wieder einmal bei ihr sein kann.

9.12.1942
Nach sehr guter fahrt heute früh wieder in Loben eingetroffen. Gitta wohnt bei Fam. Steinhorst, in dem Zimmer, dass früher Oberleutnant Meisel hatte. Ich schlafe ebenfalls dort. Man hat mir die Couch in das Zimmer gestellt.

10. – 12.12.1942
Um 6 Uhr stehe ich auf, denn der Dienst beginnt um 12 Uhr von der Kaserne ab, und wir gehen dann gemeinsam Mittag essen . Dann begleitet sie mich wieder zurück. Während der Nachmittagsdienstzeit (14-17) macht Gitta Besorgungen etc. und dann sind wir wieder zusammen. Es ist zu schön, und ich komme mir wie ein neugebackener Ehemann vor. Wenn nur nicht immer hinter allem das Gespenst des bevorstehenden Abmarsches nach Russland stehen würde.

13.12.1942
Gitta und ich waren gemeinsam zur Beichte und Kommunion. Frau Steinhorst lud uns zum Gänsebraten ein. Nach dem Essen gingen wir hinaus nach Kochtschütz, wo ich Fam. Pyka besuchte und die schon lange versprochenen Aufnahmen machte. Man setzte uns zum Kaffee Streuselkuchen vor, aber wir waren beide noch satt vom Gänsebraten. Auf dem Heimweg lenkte Gitta das Gespräch immer wieder auf meine Bekanntschaft mit der Fam. Pyka und ihren Frauen und schien im letzten Punkt einiges Misstrauen zu haben. Das verstimmte mich etwas, denn ich habe stets die nötige Distanz gewahrt und letzten Endes bei den materiellen Aussichten durch diese Bekanntschaft nur an meine Familie gedacht. Am Abend gingen wir ins Kino und nahmen Gertrud mit. – Ich glaube, dass ich über die Sachlichkeit der Frau zu optimistisch gedacht habe. Frauen werden sich in Punkto Mann immer bekämpfen. Ganz gleich mit welchen Mitteln. Gitta konnte sich heute Abend Gertrud gegenüber nicht ganz beherrschen. Ich merkte es oft aus ihren Reden zu ihr heraus. Es verstimmte mich erneut, obwohl ich darin ja nur einen Beweis ihrer großen Liebe zu mir sehen sollte. Aber schließlich musste es mir als Gastgeber unangenehm sein, zumal ich merkte, dass Gertrud die Absichten meiner Frau verstand. – So verkürzen sich die Menschen die knappen Stunden der Freude, ohne Grund, und nur, weil sie lieben.

14.12.1942
K.d.F. Veranstaltung im Schützenhaus. Wien und die Frauen.

15.12.1942
Der Tag des Abschiedes rückt näher. übermorgen wird Gitta nach Hause fahren. Unser Nachkommando soll am 21.12. abgehen.

16.12.1942
Heute in der Nacht kam Herr Steinhorst auf Urlaub. Für Gitta und mich wird es die letzte Nacht sein. Morgen Mittag fährt sie nach Olbersdorf und dann über Neiße nach Berlin.

18.12.1942
Abfahrt des Nachkommandos ist um einige Tage verschoben. Um 11 Uhr bekam ich plötzlich den Befehl nach Breslau zu fahren und Einkäufe zu tätigen. Der Inspektor kommt Morgen nach. Im Anschluß daran weitere Besorgungen in Berlin. Konnte noch schnell Gitta Bescheid geben. Wir treffen uns morgen Nachmittag in Breslau, und wenn alles klappt, geht es gemeinsam weiter Richtung Berlin.

18.12.1942
Es hat alles geklappt. Besser konnte ich es mir nicht wünschen. Die Aufträge für Breslau konnte ich gestern noch erledigen. Abends im Ufa Palast den Film „Stimme des Herzens" mit Marianne Hoppe gesehen. Geschlafen im Roten Kreuz. Vormittags den Inspektor von der Bahn abgeholt, die restlichen Gänge und Besorgungen zusammen erledigt. Um 16 Uhr kam Gita von Neiße kommend in Breslau an und um 17 Uhr saßen wir schon im D. Zug nach Berlin. Wir kamen grad noch zurecht, um uns von Hermann zu verabschieden, der bei uns zu Hause war und sich zur Abfahrt nach dem Osten fertig machte. Josef Russek war auch da. Er begleitete Hermann zur Bahn. Der Abschied fiel ihm nicht leicht.

19.12.1942
Erledigung der Dienstaufträge.

20.12.1942
Taufe des Manfred Johannes Woelky. Gitta war Patin, und ich vertrat den unabkömmlichen Paten. Schwägerin Käthe konnte nicht mit zur Kirche, da sie wegen Angina im Bett liegen musste. – Abfahrt aus Berlin 20 Uhr 13.

21.12.1942
Bei meiner Ankunft in Loben erhielt ich die freudige Botschaft, dass Aussicht auf 5 Tage Weihnachtsurlaub vorhanden ist. Am Abend die noch zurück gelassenen Sachen von Steinhorst’s abgeholt. – Zählung und übergabe der Kammer an Inspektor Friedemann.

22.12.1942
Heute früh 8 Uhr Abfahrt auf Weihnachtsurlaub. Die Fahrt von Breslau nach Berlin war schrecklich. Dafür umso schöner die überraschung zu Hause.

23.12.1942
Einkauf von Schreibmaschinenpapier für das Batl. – Wir haben noch keinen Weihnachtsbaum.

24.12.1942
Von Herta einen Weihnachtsbaum abgeholt. Sie hatte zwei. Zur Bescherung waren die Schwiegereltern, Mutter und Lucie, Tante Mika und Dorchen gekommen. Die Kinder wurden reich mit Spielsachen bedacht. Gitta erhielt eine Vergrößerung ihres Bruders Georg, der nun schon die 2. Weihnacht in Afrika sein muß. Und es ist schon wieder lange keine Nachricht von ihm da. Gitta kamen die Tränen, als sie das Bild erhielt.

25.12.1942
Nach dem Hochamt in der St. Laurentius Kirche traf ich nach vielen Monaten Kurt Boeck. Er hat im Osten ein Auge verloren und trägt nun ein künstliches. – Wir machten heute keinen Besuch .Gegen Abend kam Mutter zu uns.

26.12.1942
Der Weihnachtsurlaub geht heute zu Ende. Es ist mir doch nicht leicht ums Herz und ich bin sehr nervös. Beim Abschied von meiner Mutter musste ich mich sehr zusammen reißen. Wenn am Abend nicht noch die Eltern zu uns herum gekommen wären, dann wäre ich wohl auch zu Hause beim Abschied weich geworden. Gitta und Vater begleiteten mich zur Straßenbahn. Gitta ist sehr tapfer und das gibt auch mir Kraft. So konnte ich frisch und ungezwungen Aufwidersehen sagen, obwohl ich weiß, dass wir uns wohl vor einem Jahr nicht wiedersehen werden.

27.12.1942
Mittags waren wir erst in Loben. Vom Bahnhof aus gleich Mittagessen gegangen. Rasiert, gewaschen und wieder raus aus der Kaserne. Abwechslung, Zerstreuung. Nur nicht Zeit zum Grübeln haben. Uffz. Renner im Lazarett besucht. Liegt schon 3 Wochen an Gelbsucht. Kaffeetrinken im Caféhaus. Abends ins Kino. Obwohl hundemüde, sehr schlecht geschlafen. Die Stube war eiskalt. Ich habe mir die Blase erkältet.

28.12.1942
Postdienst. Sonst Langeweile. Kurze Visite bei Steinhorst’s. Gestern Mittag kam dort das 7. Kind an. Ein Mädchen. Es wird Ursula Maria heißen.

29.12.1942
Postdienst, meine einzige Beschäftigung.

30.12.1942
Gratulationskur bei Steinhorst. Postdienst. Skat.

31.12.1942
13 Uhr Dienstschluß. Am Nachmittag mit Uffz. Mothes im Nudeltopp zusammen gesessen. Um 20 Uhr begann die Sylvesterfeier im Offz. Kasino. Ich hielt mich sehr reserviert und amüsierte mich trotzdem ausgezeichnet. Und ich war wohl der einzige, der die ganze Zeit über einen klaren Kopf behielt. 23 Flaschen Wein und 38 Flaschen Sekt wurden ausgetrunken. Um 4 Uhr früh war ich auf meiner Stube.

1.1.1943
Geschlafen bis 12 Uhr. Mittag gegessen, Skat gespielt, an Gitta geschrieben und abends eine Nachfeier vom Sylvester in der „Cyrenaika". Ich war mit Widerwillen dabei, wollte mich aber nicht ausschließen

2.1.1943
Nach dem Mittagessen einen Spaziergang nach Kochtschütz. Es wird der letzte Besuch bei Pykas gewesen sein. Von der Frau Chmiel ein Bauernbrot und Weizenmehl bekommen. Werde ich an Gitta schicken. Der Rückweg war sehr beschwerlich. Starker Wind und Schnee. Ging früh schlafen. Am Vormittag Brief an Gitta.

3.1.1943
Stumpfsinn, Stumpfsinn, o mein Vergnügen. Wir wussten alle nicht, was wir aus Langeweile anfangen sollten. In der Kaserne ist ein Aufenthalt ohne körperliche Beschäftigung unmöglich. Um 10 Uhr war ich noch zur hl. Messe. Der Nachmittag war endlos lang. Wir saßen im Café und lasen eine Zeitung nach der anderen aus. Um 20 Uhr im Kino „Unser Fräulein Doktor".

4.1.1943
Ende der Woche soll es losgehen. Diesmal wird es stimmen. Den Tag über herum gedrückt. Gegen Abend einige Post erledigt und dann zur KdF Veranstaltung gegangen. Es war eine ausgezeichnete Truppe, die wirklich 1. Klasse zeigte. Traf dort den Flieger Schmidt, der die Gertrud am Tage getroffen hatte und von ihr erfahren hatte, dass ihr Vetter Schlesiona am Sonntag gegen 22 Uhr von der Gestapo in der Bahnhofstr. verhaftet worden ist. Schlesiona hatte ihr wieder Drohbriefe geschrieben.

5.1.1943
Gelesen und geschrieben. Abends mit Raue und Wattenberg Skat gespielt. Habe wieder Glück im Spiel. War heute nicht aus dem Bau.

6.1.1943
Morgen und übermorgen soll verladen werden. Am Sonnabend, den 9. sollen wir in Tarnowitz sein und dann geht die Fahrt nach Russland los. Nachmittag in Beuthen zur Reichsbank, Geld abgeholt. In der „Klause" zu Abend gegessen. Flieger Schmidt und Gertrud kamen auch hin und so konnte ich mich gleich verabschieden. Gertrud will Streichhölzer und Lichte für Horst Ritter mitgeben. Werde das Paket morgen abholen.
 

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