Hubert Woelky
Genealogie
Woelky-Woyk

[8] Valentin Woelky

Valentin ist der jüngste Sohn von [16] Philipp Woelki und [17] Charlotte Kuhn.
Valentins Vater war Tischlermeister und Eigenkätner, die Mutter Charlotte Hebamme.
Ein Eigenkätner war ein Kleinbauer und Besitzer einer eigenen Kate. Der Eigenkätner konnte über seinen Besitz selbst verfügen. Die Eltern und Großeltern von Philipp Woelki waren auch Bauern und hatte wahrscheinlich größeren Landbesitz - und auch viele Kinder. Ob sie aber das "Kulmer Recht" besaßen und somit Freibauern waren ist leider nicht bekannt.
Wenn der älteste Sohn heiratete und der Vater ihm die Leitung des Hofes übertrug, blieben die jüngeren oft bis zur eigenen Eheschließung auf dem Hof. Die Väter ließen die jüngeren Söhne ein Handwerk erlernen. Gründeten die Jungen dann einen eigenen Hausstand, so sorgte der Vater für Haus und Werkstatt und gab noch etwas Land für den Eigenbedarf dazu.
Vater Philipp gab Valentin einem Schuhmachermeister in die Lehre. Als Valentin heiratete war der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 noch nicht ausgebrochen. Valentin brauchte nicht damit rechnen, zum Soldatendienst einberufen zu werden. Er hatte nicht die erforderliche Körpergröße. Andere machten sich aber große Sorgen und viele junge Menschen wanderten nach Amerika aus. Nach dem Kriege kam es in den deutschen Städten zu der großen Aufbau- und Gründerzeit. Die Unternehmer riefen nach den Menschen der neuen Klasse, dem Arbeiter. Berlin wurde der große Magnet, der besonders die jungen Menschen vom Lande anzog.
Der Start in die Ehe stand für Valentin und Veronika unter keinem guten Stern. Als Wohnsitz und für den Aufbau einer Existenz wurde Frauendorf gewählt, Haus und Werkstatt wurden eingerichtet, Gemüse- und Obstgarten wurden angelegt. Valentin war in allem großzügig, das Resultat: Pfändungsbefehl. Sie zogen zu seinen Eltern nach Roggenhausen. Recht und schlecht versuchte Valentin seine junge Familie zu ernähren. Hätte er nicht die Eltern und seine tüchtige Frau zur Seite gehabt, dann hätte er manchmal auf dem letzten Loch gepfiffen und nicht, wie sonst, ein heiteres Lied angestimmt.
Als Valentin zum siebenten Mal Vater wurde, als er seine 84jährige Mutter einige Wochen danach in Roggenhausen zur ewigen Ruhe gebettet hatte und seinen 85jährigen Vater zu seiner Schwester Rosa nach Kolm brachte, da kamen dem sangeslustigen Valentin die Liedchen nur noch selten über die Lippen. Ein knappes Dreivierteljahr später beerdigte er auch seinen Vater.
Valentins Nichte Maria schrieb aus Berlin Aufmunterndes und Vielversprechendes: Berlin habe für alle Männer Arbeit. Valentin fuhr Ende 1885 - vorerst allein - nach Berlin auf Arbeitssuche. Man kann davon ausgehen, dass die Nichte Maria Woyk den Onkel vorübergehend in der Waldstr. in Moabit aufnahm. Moabit war 1801 noch ein kleiner Vorort mit ca. 200 Einwohnern. 1871 war Moabit schon 10 Jahre in Berlin eingemeindet und hatte 15000 Einwohner. Und eine Menschengeneration danach hatte sich die Einwohnerzahl verzehnfacht. Valentin fand schnell Arbeit und war beim Bau des Reichstagsgebäudes, des Packhofs mit dem Zollamt, der Kroll-Oper, bei der Urania mit der Sternwarte in der Invalidenstraße und beim Bau anderer öffentlicher Gebäude in Berlin-Tiergarten dabei. Er lebte genügsam und zufrieden und schickte das ersparte Geld nach Roggenhausen.

Vor dem Eintreffen seiner Familie 1889 in Berlin gab es für Valentin viel zu tun. Eine Wohnung für neun Personen war nicht so leicht zu finden. Das Ergebnis: eine Kellerwohnung in der Lübecker Straße. Veronika war damit gar nicht glücklich und in der nächsten Zeit wurde viel umgezogen. Seine Frau Veronika versuchte über die Näherei die Familie zu ernähren, Maschine um Maschine wurden angeschafft, die Kinder, Schwiegersöhne und -töchter miteingespannt. Valentin wurde Hausmann. Als die Kinder aus dem Haus waren zogen Valentin und Veronika in die Bremer Str. 47.
Valentin fing an zu kränkeln. Vor der Goldenen Hochzeit nahm die Tochter Johanna (verh. Bokowski) ihre Eltern in die große Wohnung in der Emdener Str. 17.